Begegnungen mit jüdischem Leben in Kiel - Ein historischer Stadtrundgang zur Erforschung jüdischer Lebenswelten zwischen Emanzipation, Verfolgung und

Stadtführung Waitzstraße 43, 24105 Kiel, DE

Jüdisches Leben begegnet uns jeden Tag, nur häufig bemerken wir es nicht. Um dies zu ändern und zu erinnern, hat die BG-11i des RBZ-Wirtschaft sich eine Woche intensiv mit der Thematik beschäftigt und einen digitalen Walk erstellt. In den folgenden sechs Stationen bekommen Sie einen Einblick in die Geschichte jüdischen Lebens in Kiel.

Autor: RBZ Wirtschaft BG-11i

6 Stationen

Die Synagoge an der Waitzstraße

Waitzstraße 43, 24105 Kiel, DE

Das im Jahre 1891 errichtete Gebäude mit hohen Bögen- und Rundfenstern in der Waitzstraße 43, welches ehemals als Freikirche fungierte, ist seit 2019 eine von der Jüdischen Gemeinde Kiel e. V genutzte Synagoge. Die Synagoge ist das Gotteshaus der Juden, welches von der Gemeinde als ein Haus des Gebetes, der Aufklärung und des harmonischen Miteinanders zwischen Menschen verschiedenster Herkunft und Religion definiert wird. So fungiert die Synagoge gleichzeitig als Gemeindezentrum, wo man sich zu Festen, Lesungen oder auch Konzerten trifft. Herzstück der Gemeinde ist der Betsaal, wo man sich regelmäßig zum Gebet einfindet.
Die Jüdische Gemeinde in der Waitzstraße wurde am 18. April 2004 in Kiel gegründet und besteht heute aus ungefähr 250 Mitgliedern. Sie ist eine von insgesamt zwei Gemeinden, eine zweite Gemeinde befindet sich in der Wikingerstraße in Gaarden.

Literaturverzeichnis:

Zwei Synagogen an der Förde, Heike Linde-Lembke: https://www.juedische-allgemeine.de/gemeinden/zwei-synagogen-an-der-foerde/, 28.11.2021
Synagoge Waitzstraße: https://de.wikipedia.org/wiki/Synagoge_Waitzstraße , 29.11.2021
Toraschrein: https://de.wikipedia.org/wiki/Toraschrein , 29.11.2021
Bima: https://de.wikipedia.org/wiki/Bima , 29.11.2021
Jüdische Gemeinde Kiel e. V . : http://lvjgsh.de/data/documents/JGK-Flyer_07-2016_web.pdf , 26.11.2021
Eine Synagoge für Kiel: http://lvjgsh.de/data/documents/Synagoge-fuer-Kiel_11-16_web.pdf , 26.11.2021
Zoom-Meeting mit Rabbiner Isak Aasvestad am 29.11.2021

Alte Synagoge und Reichspogromnacht: Zerstörung von jüdischem Leben damals und

Goethestraße 13, 24116 Kiel, DE

Alte Synagoge und Reichspogromnacht
Das Mahnmal soll an die Synagoge, welche in der Reichpogromnacht 1938 zerstört wurde und sich an diesem Ort befand, erinnern. Die Reichspogromnacht fällt auf die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938. In ganz Deutschland riefen die Nationalsozialisten zum Pogrom (gewaltsame Ausschreitungen gegen Minderheiten) gegen die Juden auf. Vorwand für die Gewaltausbrüche war das tödlich endende Attentat eines Juden auf einen deutschen Diplomaten, Ernst vom Rath, zwei Tage zuvor. In dieser Pogromnacht wurden zahlreiche jüdische Gebäude wie Synagogen und Geschäfte ausgeraubt oder zerstört sowie auch die jüdische Bevölkerung direkt angegriffen, ihrer Freiheit beraubt oder gar ermordet. Es wurden im gesamten Deutschen Reich ca. 1400 Synagogen ausgeraubt, verbrannt oder ganz zerstört. Dadurch nahm man dem jüdischen Gemeindeleben die Basis und versuchte dieses so zu vernichten.
Aus historischer Sicht wird die Pogromnacht von 1938 häufig als Beginn des Holocausts bezeichnet, auch wenn dies unter Historiker*innen umstritten ist.
Unter den Bildern findest du einen Zeitungsartikel aus dem Jahr 1938, nämlich den Aufruf des Reichspropagandaministers Dr. Goebbles nach der Reichspogromnacht an die Bevölkerung. Vielleicht schaffst du es ja, die alte Schrift zu entziffern und zu lesen.

Davidstern und Judenstern
Auf der Rückseite des Mahnmals befindet sich ein Davidstern, welcher heute ein Symbol des Judentums und des Volkes Israel ist. Dieser Stern wurde von den Nazis als Vorlage für den Judenstern genommen, welcher von den Juden während der NS-Zeit getragen werden musste.
Welche Konflikte heute im Bezug mit dem Davidstern und Judenstern auftreten, erfährst du in der Audiodatei.

Quellen
Goldberg, B. (2011). ABSEITS DER METROPOLEN. Wachholtz Verlag.
Paul, G. / Gillis-Carlebach, M. (1998). Menora und Hakenkreuz. Wachholtz Verlag.

URL: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1156195.antisemitismus-davidstern-als-stein-des-anstosses.htmlhttps://de.wikipedia.org/wiki/Davidstern
URL: https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.unterschied-davidstern-und-judenstern.a91a807e-4b09-47b1-9e28-f333c1ce75d2.html
URL: https://www.religionen-entdecken.de/lexikon/d/davidstern
URL: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1156195.antisemitismus-davidstern-als-stein-des-anstosses.html
URL: https://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/260281/antisemitismus-heute-klassische-und-neue-erscheinungsformen-einer-ideologie
URL: https://www.kiel.de/de/bildung_wissenschaft/stadtarchiv/erinnerungstage.php?id=95
URL: https://www.lpb-bw.de/reichspogromnacht
URL: https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/NS-Wahlkampf-und-Machtuebernahme-im-Norden,machtuebernahme102.html
URL: https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/Der-Judenstern-Stigma-und-Zeichen-brutaler-Verfolgung,judenstern100.html
URL: https://taz.de/Coronaproteste-in-Wien/!5816787/
URL: https://www.sueddeutsche.de/politik/corona-impfgegner-rechtsextreme-antisemitismus-1.5362745
URL: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2021-08/antisemitismus-corona-massnahmen-demonstrationen-uebergriffe-holocaust?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F
URL: https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2021/09/berlin-verurteilung-volksverhetzung-gelber-davidstern-impfgegner-antisemitismus.html

Kindertransporte mit Fokus auf Henry Glanz

Sophienblatt 25-27, 24114 Kiel, DE

In dieser Station erfahrt ihr mehr zu den sogenannten Kindertransporten (mit besonderem Fokus auf der Geschichte von Henry Glanz), die zwischen 1938 und 1939 von der Jüdischen Gemeinde organisiert wurden, um jüdische Kinder und Jugendliche vor den Nationalsozialisten in Sicherheit zu bringen.

Knapp eine Woche nach der Reichspogromnacht am 9. November 1938, bei der die Nationalsozialisten viele jüdische Geschäfte und auch Synagogen niedergebrannt haben, entschied sich der damalige britische Premierminister Arthur Neville Chamberlain, nach Absprache mit einflussreichen Mitlgiedern der britisch-jüdischen Gemeinde, für die Aufnahme von Kindern und Jugendlichen in Großbritannien.
Dies konnte die Jüdische Gemeinde erreichen, indem sie sich verpflichtete, sowohl die Reise- und Umsiedlungskosten der Kinder aus Deutschland, Polen, Tschechoslowakei, Österreich und der Freistadt Danzig nach Großbritannien in Höhe von 50 englischen Pfund bereitzustellen, als auch die Verteilung der am Ende über 10.000 Kinder zu neuen Pflegefamilien zu organisieren.

Wenige Tage später lockerte die britische Regierung die Einreisebestimmungen und appellierte an britische Familien, dass sie Pflegekinder aufnehmen sollten. Jüdische Kinder unter 17 Jahren durften nun einwandern, sofern eine Paten- oder Pflegefamilie für sie gefunden werden konnte, bei der sie Aufenthalt bekamen.


Quellen:
https://www.shz.de/regionales/kiel/ein-kieler-jude-erinnert-sich-id5542986.html
de.wikipedia.org/wiki/Kindertransport
Goldberg, Bettina: Mit einem Kindertransport nach Großbritannien. Drei ehemalige Kieler erinnern sich. In: Geschichte und Biografie. Jüdisches Leben, Nationalsozialismus und Nachkriegszeit in Schleswig-Hostein. Festschrift für Erich Koch. (ISHZ, Heft 33/34: September 1998, S. 121-140.)

Stolpersteine: Kunstprojekt, Künstler, konkretes Beispiel an Familie Fischer

Muhliusstraße 77A, 24103 Kiel, DE

Bestimmt ist jeder von euch schon einmal darüber gestolpert… Die Rede ist von Stolpersteinen, die überall in Kiel, Deutschland und ganz Europa verstreut sind. Sie dienen als Erinnerung und Würdigung der Opfer der NS - Zeit. Anfang 2020 wurden bereits 75.000 Gedenksteine in Europa verlegt.
Die Idee stammt von dem deutschen Künstler Gunter Demnig. In Handarbeit erstellt er jeden Stolperstein selbst und verlegt diese auch.
Sie sind 10x10 cm groß. Auf den Stolpersteinen steht auf einer oben angebrachten goldenen Messingplatte der Name des jeweiligen Verfolgten, das Geburtsdatum, das Jahr der Deportation sowie das Todesjahr mit dem Todesort. Der erste Gedenkstein wurde am 16.Dezember 1992 vor dem Kölner Dom eingelassen. Mittlerweile ist es zum größten dezentralen Mahnmal der Welt geworden.

Doch wie entstand dieses große Mahnmal? Welche Intention steckt dahinter? Mehr erfahrt ihr in unserer Audiodatei!


Quellen:
https://youtu.be/gEscPMvANak - Arte
https://de.wikipedia.org/wiki/Gunter_Demnig
https://www.kiel.de/de/kiel_zukunft/stadtgeschichte/stolpersteine/stolpersteine/_biografien/fischer_familie_stolpersteine.pdf



Gängeviertel

Kleiner Kuhberg 26, 24103 Kiel, DE

Im Bereich des Kleinen Kuhberg 25 und Feuergang 2 existierte um 1938 das sogenannte Gängeviertel. Dieser Teil der Stadt Kiel war ein Gewirr aus winzigen Straßen mit Häusern, Scheunen und Nebengebäuden, in denen vor allem jüdische Familien lebten.
So auch die Familie Weber, dessen Stolpersteine noch heute am Europaplatz zu sehen sind. Die Familie zog zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Polen nach Kiel, eröffnet einen Gebrauchtwarenhandel und kaufte das Grundstück am Kuhberg. Infolge der "Polenaktion" wurde die Familie jedoch inhaftiert und die Stadt Kiel eignete sich dessen zwei Häuser an und funktionierte sie als "Judenhäuser" um. Dort lebten in den folgenden Jahren viele jüdische Familien in prekären Verhältnissen auf engstem Raum zusammen. Am 4. Dezember mussten sich alle dort lebenden Familien, auf Anweisung der Stadt Kiel, im Rathaus versammeln und dort auf ihre Deportation in die Konzentrationslager warten. 1945 wurde das Gängeviertel durch Bomben zerstört.

Literaturverzeichnis:
Bettina Goldberg (2002): Kleiner Kuhberg 25 - Feuergang 2, in: Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte, Heft 40 (Juli 2002).
Informationen zur Familie Weber: https://www.kiel.de/de/kiel_zukunft/stadtgeschichte/stolpersteine/stolpersteine/_biografien/weber_stolpersteine.pdf

Alter Jüdischer Friedhof

Michelsenstraße 22, 24114 Kiel, DE

Der Alte Jüdische Friedhof in Kiel liegt an der Michelsenstraße und wurde ca. Mitte des 19. Jahrhunderts erworben. Der Friedhof wurde während der Pogromnacht im Jahre 1938 beschädigt und letztendlich im 2. Weltkrieg durch Bombenangriffe der Alliierten zerstört. Ab 1947 arbeitete man an dem Wiederaufbau des Friedhofs, welcher heute eine Fläche von rund 2000m² besitzt.
Steht man heute vor dem Friedhof, so stellt man fest, dass das Areal von Mauern geschützt ist. Dies liegt darin begründet, dass es wiederholt zu Vandalismus kam und kommt. Bestattung finden diese Tage nicht mehr auf dem Friedhof statt, sondern auf dem neuen Friedhof in der Eichhofstraße.
Mehr über den Friedhof sowie über den Glauben und die Bestattung erfahrt ihr in der Audiodatei.