Die Anatomische Sammlung Heidelbergs

Ausstellung Im Neuenheimer Feld 307, 69120 Heidelberg, DE

Die Kenntnis vom Bau des menschlichen Körpers findet seit langem in der Bevölkerung Beachtung. Historische Lehrmittel und Forschungsobjekte wie Präparate, Modelle, und Abbildungen legen von diesem Interesse und darüber hinaus der langen Geschichte des Instituts Zeugnis ab. Medizinische Geschichte kann hier hautnah erlebt werden.

Autor: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Inst. f. Anatomie & Zellbiologe

Anatomie: Anatomische Sammlung

Anatomie: Anatomische Sammlung

Anatomisches Institut der Universität Heidelberg

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4 Stationen

Einleitung

Im Neuenheimer Feld 307, 69120 Heidelberg, DE

Die Universität Heidelberg wurde im Jahr 1386 gegründet, zwei Jahre später erfolgte die Angliederung einer medizinischen Fakultät. Erst im Jahr 1569 erhielt diese ein erstes dokumentiertes Lehrobjekt: ein Skelett ! Seit dem Jahr 1661 fanden Zergliederungsübungen für angehende Mediziner im sogenannten Anatomischen Theater statt.
Erst im Jahr 1803 wurde ein Anatomisches Institut gegründet. Im Rahmen dessen wurde Fidelis Ackermann (1765-1815) zum Lehrstuhlinhaber berufen. Er brachte die beiden Skelette des mutmaßlichen Räubers Schinderhannes und Schwarzer Jonas mit nach Heidelberg. Anatomische Präparate sicherten damals nicht nur die Durchführung des Unterrichts, sondern sie repräsentierten gleichsam die wichtige Forschungstätigkeit eines Anatomen. Sie dokumentierten somit den hohen Status in der Zeit der "Deskriptiven Anatomie", die Zeit, in der anatomische Strukturen noch erforscht und beschrieben wurden. Diese Epoche wurde später, in Heidelberg markiert durch die Anstellung von Carl Gegenbaur (1826-1903) im Jahr 1873, von der "Vergleichenden Anatomie" abgelöst. Hier verlagerte sich der Forschungsschwerpunkt auf den direkten Vergleich von Mensch und Tier. Nach dem Tod von Gegenbaur kam Hermann Braus (1868-1924) als Lehrstuhlinhaber nach Heidelberg. Er forschte, so wie sein Nachfolger Erich Kallius (1867-1935) der 1921 nach Heidelberg kam, auf der Basis von histologischen Schnitten an der Entwicklung des Menschen.
Dieser erste Lehrstuhl für Anatomie wurde erst im Jahr 1968 durch einen zweiten, besetzt von Max Kantner (1920-1973), ergänzt. Kurze Zeit später, im Jahr 1971, gründete Wolf-Georg Forssmann (1939) den dritte Lehrstuhl.
Heute, nachdem der erste und historische Lehrstuhl für Anatomie mit dem Weggang von Wilhelm Kriz im Jahr 2005 nicht mehr existiert, befinden sich A) der Lehrstuhl für Anatomie und Zellbiologie (ehemals Anatomie II), besetzt durch Joachim Kirsch, B) der Lehrstuhl Neuroanatomie (ehemals Anatomie III) mit Thomas Skutella als Lehrstuhlinhaber und C) der neu gegründete Lehrstuhl Funktionelle Neuroanatomie, geführt durch Thomas Kuner im Haus.

Präparate : Techniken der Erstellung

Im Neuenheimer Feld 307, 69120 Heidelberg, DE

In der Anatomischen Sammlung befinden sich hauptsächlich human-medizinische Präparate, die mithilfe einer Vielzahl von unterschiedlichen Techniken erstellt wurden.
Die klassischen Feuchtpräparate, meist in Formalin aufbewahrte Strukturen, stehen hier ebenso zur Ansicht wie solche, die in Wintergrünöl aufbewahrt werden. Diese sogenannten Spalteholz Präparate ermöglichen es, die Entwicklung der Knochen in Relation zum noch knorpeligen Gewebe im Organismus zu beurteilen. Werner Spalteholz (1861-1940), ein Leipziger Anatom, arbeite eng mit dem Deutschen Hygienemuseum Dresden zusammen, dort bezog die Heidelberger Anatomie die hier gezeigten kindlichen Präparate.
Trockenpräparate wie Knochen zählen wohl zu den ältesten Darstellungsmöglichkeiten in medizinischen Sammlungen. In Heidelberg wurden diese seit langem für den Osteologie Unterricht verwendet. Hierzu verwendete man einzelne Knochen aber auch Knochenmontagen wie Skelette. Wirklich spektakulär sind sicherlich die unter einem Glasdom montierten Sprengschädel. Diese Montage einzelner Knochen erstellte man mit Hilfe von trockenen Erbsen, die in die noch zusammenhängende Schädelhöhle gegeben im Wasser die einzelnen Schädelnähte auseinander sprengten. Danach wurden die Einzelteile mit Drähten verbunden und auf einem kunstvoll gedrechselten Stativ präsentiert. Die französische Firma Tramond ist bis heute eine der renommiertesten Firmen auf diesem Bereich.
Die Einspritzung unterschiedlicher Materialien wie Wachs und Kunstharz ermöglicht es, Hohlräume von Organen entweder im Verbund mit den umliegenden Strukturen oder einzeln als Abdruck von zum Beispiel Gefäßen zu zeigen. In diesem Fall wird ein Zwei-Komponenten-Kunstharz in den zu zeigenden Hohlraum gespritzt, nach der Härtung erfolgt die Entfernung (hier genannt Korrosion) des umliegenden Gewebes mittels Chemikalien. Als Ergebnis erhält man ein Korrosionsmodell, welches in der Lehre Verwendung findet.
Die Plastinationstechnik kann in zwei hauptsächliche Methoden unterteilt werden. Zum einen finden sich in der Sammlung Gestaltplastinate aus Silikon, zum anderen sind viele Scheibenplastinate aus Kunstharz zu finden. Grundsätzlich werden diese Technik in folgende Schritte aufgeteilt: Zuerst muss das zu zeigende Gewebe entwässert werden. Dies geschieht mittels kaltem Aceton. Danach erfolgt die Entwässerung mittels Aceton in Zimmertemperatur und danach wird der jeweilige Kunststoff durch die forcierte Imprägnation in das Gewebe gegeben. Als letzten Schritt muss das Gewebe gehärtet werden.

Modelle : Spiegel der Wirklichkeit

Im Neuenheimer Feld 307, 69120 Heidelberg, DE

Modelle können Einzelheiten haargenau kopieren oder Strukturen vergrößern, um sie dem Lernenden besser zugänglich zu machen, Erkrankungen plastisch abbilden oder immer wieder gleich angeordnete anatomische Strukturen standardisiert abbilden. In der Heidelberger Sammlung befinden sich aber auch Modelle, die im Rahmen von Forschungsfragen in Heidelberg erstellt wurden.
An unterschiedliche Erstellungsmaterialien können hier Gips, Wachs, Pappmache oder Kunststoffe gefunden werden.
Moulagen sind äußerst naturgetreue Abbilder von in der Regel erkrankten Hautpartien, sie wurden im beginnenden 20. Jahrhundert häufig zur Lehre verwendet. Diese sehr künstlerischen Wachsmodelle wurden dann später von der immer populärer werdenden Fotografie abgelöst.
Wachs fand aber auch Verwendung in der Erstellung von möglichst realistisch anmutenden Modellen, die im beginnenden 20. Jahrhundert von der Berliner Firma Seifert vertrieben wurden. In Heidelberg befinden sich mehrere Schädel von Seifert, an denen wächserne Strukturen an echte Schädel modelliert wurden, um die Anatomie in diesem Bereich möglich eng an der Wirklichkeit angelehnt darzustellen.
Gips Modelle wurden zum Teil nicht nur Freihand modelliert, sondern es wurden Strukturen am menschlichen Leichnam mit Gipsbandagen abgenommen, Formen daraus erstellt und Modelle damit gegossen. Ein bekanntes Beispiel stellt die Modellserie von Variationen menschlicher Mägen dar. Sie wurde in Zusammenarbeit von dem Künstler Franz Josef Steger (1845-1938) und Wilhelm His (1831-1904), beide zu der Zeit in Leipzig ansässig, erstellt. Davon sind noch einige in Heidelberg vorhanden.
Großformatige Hörsaal Modelle aus Gips von Emil Eduard Hammer (1865-1938) können leider wegen ihrer enormen Größe momentan nicht ausgestellt werden.
Frei modellierte Wachsmodelle wie die Modelle von Carl Friedrich Heinemann (1802-1846) finden sich ebenfalls noch in der Heidelberger Sammlung.
Eher selten findet man die sogenannten Röntgenrelief Modelle. Sie wurden eingesetzt, um den Studierenden beschriftete Röntgenbilder an die Hand zu geben.

Filme, Dias und Abbildungen

Im Neuenheimer Feld 100, 69120 Heidelberg, DE

Viele historische Objekte der Sammlung sind aufgrund von Platzmangel oder fehlender Präsentations-Plattform jedoch nicht zugänglich. Historische Lehrfilme gehören zu den Lehrmitteln, die momentan nicht ausgestellt werden können. Sie müssen speziell gelagert werden und es fehlen Abspielmöglichkeiten.
Ähnlich problematisch ist die mehrere tausend Objekte umfassende Sammlung an historischen Lehrdias aus Glas.
An manchen Objekten befinden sich Reproduktionen von kleinformatigen Zeichnungen oder Fotografien aus den 1930er Jahren. Diese dienten damals wie heute zur Erklärung der ausgestellten Objekte. Die Sammlung besitzt aber auch noch fast 100 großformatige Wandtafeln, die früher, bevor es PowerPointPräsentationen zur Ausgestaltung der Lehre gab, zur Unterrichtsgestaltung Verwendung fanden. Sie wurden, wie in fast allen Anatomischen Instituten üblich, vor Ort gezeichnet. Elisa Schorn (1905-1997) und August Vierling (1872-1938) sind zwei der Heidelberger Künstler, die wirklich bemerkenswerte Arbeiten hinterlassen haben.