2sb: Industrie- und Arbeiter*innengeschichte in Schaffhausen

Stadtführung Bahnhofstrasse 17, 8200 Schaffhausen, CH

Stadtführung zur Industrie- und Arbeiter*innen in Schaffhausen

Autor: Kantonsschule Schaffhausen

15 Stationen

Elena Knecht: Mentona Moser & Villa Charlottenfels

Charlottenweg 2, 8212 Neuhausen am Rheinfall, CH

Mentona Moser wurde am 19.10. 1874 geboren. Zu Beginn ihres Lebens lebte sie in der Villa Charlottenfels in Neuhausen am Rheinfall. Ihr Vater war der Industrielle Heinrich Moser. Obwohl sie aus einer bürgerlich-liberalen Familie der Oberschicht stammte, vertrat sie eine sozialistische politische Meinung. Sie setzte sich für Frauenrechte sowie Arbeiter*innenrechte ein und war eines der Gründungsmitglieder der Kommunistischen Partei Schweiz (KPS). 1918 half sie mit, den sog. Generalstreik zu organisieren, an welchem über 250'000 Arbeiter*innen der ganzen Schweiz teilnahmen. Ausser der Villa Charlottenfels sind noch heute Spuren ihres Lebens sichtbar; beispielsweise die Mentona-Moser-Anlage in Zürich.

Friedrich Peyer Im Hof

8200 Schaffhausen, CH

Elias Egg: Brauerei Falken AG

Brauereistrasse 1, 8200 Schaffhausen, CH

1799 von Ratsherr und Küfer Bernhard Fischer gegründet, 1886 den ersten Gesamtarbeitsvertrag der Schweiz eingeführt und heute eine der fünf grössten unabhängigen Brauereien der Schweiz. Die Rede ist von der Brauerei Falken, einem Traditionsbetrieb der aktuell rund 55 Mitarbeiter beschäftigt und mit einer täglichen Bierproduktion von 46‘ooo Litern ihre Konsumenten mit „Einem Schluck Heimat“ versorgt.

Niklas Wirz: Moserdamm

Mühlenstrasse 19, 8200 Schaffhausen, CH

1863 bis 1866 von Heinrich Moser erbaut, war der Moserdamm das einst grösste Wasserkraftwerk der Schweiz. Es erzeugte 600PS an mechanischer Energie und versorgte 23 Betriebe. Durch ihn wurde die Industrialisierung in Schaffhausen eingeläutet, denn nach seiner Erbauung siedelten sich zahlreiche Fabriken, die durch seine Energie versorgt wurden, am Rheinufer an. Er wurde jedoch 1959 gesprengt und durch das «Kraftwerk Schaffhausen» ersetzt, dass die Schaffhauser auch heute noch mit Strom versorgt.

Nico Böhm: Heinrich Moser

Moserstrasse, 8200 Schaffhausen, CH

Diese Station ist dem Heinrich Moser gewidmet. Moser war ein Grossunternehmer. Er entdeckte seine Leidenschaft für Uhren schon in jungen Jahren, war aber auch im Bereich der Maschinen, wie mit dem Bau des Moserdamms, oder der Teilnahme an der Schweizerischen Waggonfabrik tätig. Durch die Umsetzung seiner Vorstellungen gelang Schaffhausen eine stabile, wirtschaftliche Lage aufzubauen.

Noel Weber: Die Entstehung des SATUS

Mühlentalstrasse 325, 8200 Schaffhausen, CH

Als landesweiter Sportverband der Arbeiterschaft hatte der im Jahre 1922 entstandene SATUS einen grossen Einfluss auf das Leben vieler Arbeiter*innen. Er war nicht nur ein Ort der physikalischen Betätigung in zahlreichen Sportarten, sondern diente auch als Ort des aktiven Austausches politischer Vorstellungen, insbesondere der sozialistischen. Der SATUS ist heute mit der Arbeiter*innenbewegung, aus der er ursprünglich entstanden ist, offiziell nicht mehr verbunden. Trotzdem hat das Miteinander und die Gleichstellung immer noch einen hohen Stellenwert im SATUS.

Simon Signer Spaghettiallee

Webergasse 43, 8200 Schaffhausen, CH

Die Webergasse wurde früher Spaghettiallee genannt, weil dort ausschliesslich Italiener lebten. Die Italiener waren billige Arbeitskräfte, die die freien Stellen in der arbeitsintensiven Industrien besetzt haben, darum waren sie eine entscheidende Arbeitskraft für die Schweizer Industrialisierung. Die ersten Italiener*innen kamen gegen Ende des 19. Jahrhundert bis ca. 1960. Nach den Weltkriegen kamen jeweils am meisten Italiener*innen in die Schweiz. Die Schweiz war beliebt, weil man dort eine Zukunft sah. Viele Italiener*innen sind auch bis heute in Schaffhausen geblieben. Sie integrierten sich und ihre Kultur sehr gut und sind heute Bestandteil der Schweizer Gesellschaft.

Michelle Gnädinger: Stahlgiesserei

Mühlentalstrasse 78, 8200 Schaffhausen, CH

Der Pionier Johann Conrad Fischer legte 1802 mit dem Erwerb einer Kräutermühle, gelegen im Schaffhauser Mühlental, das Fundament für den heutigen Georg Fischer Konzern. 1864 werden im Schaffhauser Industrieunternehmen die ersten Rohrverbindungen hergestellt, die berühmten Fittings aus Temperguss. Aus dem Unternehmen wurde allmählich eine Aktiengesellschaft, welche über 5'000 Mitarbeiter*innen beschäftigte. Die Giesserei wurde 1963 zu einer Grossstahlgiesserei, in welcher die Fabrikation von bis zu 100 Tonnen schweren Gussstücken möglich war. Am 1. November 1991 wurde die Stahlgiesserei stillgelegt und für kulturelle Zwecke, wie ein Skatepark oder Konzerte, genutzt. Bis schlussendlich 2017 der Aufbau des heute ersichtlichen Stahlgiesserei-Areals begann.

Silikose

8200 Schaffhausen, CH

Die Silikose (Quarzstaublunge) ist eine tödliche Krankheit, die entsteht, wenn man Feinstaub mit Quarz einatmet. Auch in vielen Unternehmen werden noch heute Quarzkristalle verwendet. So auch in der IWC (gegründet im Jahre 1868), die Quarzuhren noch heute selbst herstellt und verkauft. Das war (und ist immer noch) für die Uhrmacher enorm gefährlich, denn mit einer Staublunge ist nicht zu spaßen.

Frauenarbeit in der Kammgarn

Baumgartenstrasse 6, 8200 Schaffhausen, CH

Im Jahr 1889 arbeiteten in der Kammgarnspinnerei 183 Männer und 226 Frauen.
Woran liegt es, dass so viel mehr Frauen hier arbeiteten als Männer?
Während der Industrialisierung wurde die heimische Arbeit, welche viele Frauen zu der Zeit leisteten, von grossen Textilfabriken aus dem Geschäft gestossen. Viele Frauensuchten deswegen in genau diesen Fabriken nach Arbeit. Da Frauen mit der Textilproduktion schon vertraut waren, da viele von ihnen zuvor eben in genau diesem Sektor Heimarbeit geleistet hatten, suchten sie in den Textilfabriken und Spinnereien nach Arbeit.

Jan Sigg: Schaffhauser Wolle

Ebnatstrasse 65, 8200 Schaffhausen, CH

An der Ebnatstrasse 65 war von 1912 bis 1991 die Produktion der weltberühmten Schaffhauser Wolle angesiedelt. Die Schoeller Albers AG stellte hier Handstrickgarne, Teppichgarne und Garne für die Damenoberbekleidung her. Die Marke Schaffhauser Wolle war eine der führenden, internationalen Handstrickgarnmarken. Sie ist auch bekannt für ihre einzigartigen Plakate und weltweitbekannten Strickmodejournale. Leider musste sie die Produktion infolge der Globalisierung und der globalen Marktveränderung einstellen.

Amy Harben: Generalstreik 1918

Landstrasse 42, 8450 Andelfingen, CH

Der Generalstreik fand am 12-14 November 1918 statt. Schweizweit streikten rund 250'000 Arbeiter*innen für einen höheren Lohn , bessere Arbeitsbedienungen und Arbeitsrechte. In Schaffhausen legten am 9 November ca. 10'000 Arbeiter/innen die Arbeit nieder.
Der Streik wurde unteranderem durch die desolate soziale Lage während des Ersten Weltkriegs ausgelöst. Schweizweit litten ungefähr 700'000 Menschen unter Hunger. Denn die Rationierung der Lebensmittel wurde erst spät in der Schweiz eingeführt, kombiniert mit den Verteuerung in fast allen bereichen des Lebens, dazu noch geringe Löhne und lange Arbeitszeiten.

Eleftheria Tasio: Der schweizerische Gewerkschaftsbund

Karstgässchen 4, 8200 Schaffhausen, CH

Der SGB, ausgeschrieben schweizerische Gewerkschaftsbund, wurde im Jahr 1880 gegründet. Er ist die grösste Arbeitnehmerorganisation und fungiert als Dachverband von 17 Einzelgewerkschaften. Die politischen Ziele dieser Organisation bestehen hauptsächlich aus Faktoren wie beispielsweise faire Löhne, Chancengleichheit, gute Renten und selbstverständlich die Gleichstellung von Mann und Frau. Dank dieser Organisation hat sich das Leben vieler Arbeiter*innen deutlich verbessert. Bis heutzutage noch engagiert sie sich für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

Alissa Bibic: Die Coop-Gruppe

Fronwagplatz 1, 8201 Schaffhausen, CH

Der Coop entstand aus verschiedenen Konsumvereinen, die sich zusammenschlossen und den Verband der schweizerischen Konsumvereine gründeten. Diese Vereine halfen den Arbeiter*innen und machten es ihnen möglich, auch in schweren Zeiten der Hungersnot, sich Brot leisten zu können. Co-op ist die Abkürzung für das französische Wort “coopération” und steht für die genossenschaftliche, gemeinsame Arbeit.

Kommunistische Partei

Platz 5, 8200 Schaffhausen, CH

Die Kommunistische Partei der Schweiz (KPS) wurde 1921 in Zürich gegründet und 1940 landesweit verboten. Die Partei war Teil der (dritten) Kommunistischen Internationale kurz Komintern, die von der noch jungen Sowjetunion dominiert wurde. Zu Spitzenzeiten hatte sie national 2% der Stimmen, doch im Kanton Schaffhausen erlangte sie 1928 ganze 26% der Stimmen und verdrängte so die SP fast vollständig. Die heutige politische Lage in Schaffhausen lässt es unwahrscheinlich wirken, doch der nördlichste Zipfel der Schweiz war einst eine wahre kommunistische Hochburg.
Die KPS hatte oft mit inneren Meinungsverschiedenheiten zu kämpfen, die sich häufig um die Sowjetunion, ihren grossen Einfluss in der Partei und ab seiner Machtübernahme in der UdSSR 1927 um Josef Stalin und seine Aktionen. Genau gegen ihn äusserte sich der in einer anderen Station thematisierte Walther Bringolf, der daraufhin von der Komintern nach Moskau zitiert wurde, wohl um ihn zurechtzuweisen. Nach seiner Rückkehr spaltete sich die Schaffhauser Sektion von der KPS ab und gründete 1930 die Kommunistische Partei Opposition Schweiz (KPO) Sie war unabhängig von der Sowjetunion, und lehnte auch andere Ansichten der KPS ab. 1935 fusionierte die KPO nach fehlgeschlagenen Wiedervereinigungsverhandlungen mit der KPS schliesslich mit der SP.