Kulturweg Hertenstein

Tour Weggis, CH

Kulturweg von der Schiffstation Hertenstein bis Zinnen

Autor: Historisches Archiv Weggis

7 Stationen

Schiffstation Hertenstein

6353 Weggis, CH

An wunderbarer Lage bei der Schiffstation Hertenstein liegt das Campus Hotel Hertenstein. Hier stand früher eine eher kleine, 1864 eröffnete Pension, welche bereits in den ersten Jahren namhafte Gäste begrüssten durfte. So waren beispielsweise 1868 die englische Königin Victoria sowie der schönheitsdurstige Bayernkönig Ludwig II zu Gast. Geblieben ist die kleinere Pension an der Schiffstation, die in den kommenden Jahren und Jahrzehnten als Hotel Hertenstein schrittweise aus- und umgebaut wurde. Heute bietet sie als Campus Hotel Hertenstein neben Hotelzimmer auch Studios und Apartments an. Ein Teil des Campus Hotel Hertenstein gehört zur Cereneo Klinik, ein Zentrum für Neurologie und Rehabilitation.
Grosse Bedeutung hat das Hotel dann durch einen besonderen Anlass erhalten: Europa wurde in Hertenstein gegründet. Daran erinnert ein Gedenkstein bei der Schiffstation. 1946 sind 79 Vertreter aus 14 europäischen Ländern und der USA im Hotel Hertenstein abgestiegen, um Europa als föderalistische Organisation in Angriff zu nehmen. Ein Europa, das nach dem zweiten Weltkrieg endlich den Frieden sichern sollte. Aus der Zusammenkunft resultierten 12 Thesen, die als Hertensteiner Programm in die Geschichte eingingen. Am 21. September 1946 wurden sie verabschiedet und am 22. September fuhren die Teilnehmer auf das Rütli und stellten die Thesen der Öffentlichkeit vor. Die Inschrift des Gedenksteins lautet: „Europa-Union. Seit September 1946, als sich zum ersten Mal europäische Föderalisten hier in Hertenstein trafen, gilt dieser stille Ort am See als Stelle der Besinnung und der Hoffnung auf ein friedliches föderalistisches, weltoffenes, soziales und vereintes Europa. Die Idee einer Union europäischer Föderalisten (UEF) und auch das Konzept einer schweizerischen Europapolitik (Hertensteiner Programm 1975) sind hier entstanden. Möge sich jeder Besucher Hertensteins für die Idee eines vereinten Europas einsetzen.“

Bucht und Weiher Hertentein

Tanzenbergstrasse 1, 6353 Weggis, CH

Durch den Besuch der englischen Königin Victoria und den Bayernkönig Ludwig II erlangte die Hertensteiner Bucht eine gewisse Berühmtheit. Dies hat einen Bankier aus Luzern bewogen, das Schlosshotel Hertenstein auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht zu bauen. 1921 blickte die ganze Welt nach Hertenstein, als der österreichische Kaiser und ungarische König Karl I mit seiner Familie und seinem 100 Personen zählenden Hofstaat hier im Exil weilte. Danach wurde es ruhiger um das Schlosshotel und im zweiten Weltkrieg erlosch jeglicher Tourismus. Als das Schlosshotel 1943 mit über 200 Kilogramm Sprengstoff innert Sekunden dem Erdboden gleichgemacht worden ist, war dies ein Medienereignis.

Freilichttheater Hertenstein

Zinnenstrasse 3, 6353 Weggis, CH

Dem Besitzer des Schlosshotels und dem Besitzer des Kurhauses Hertenstein schwebte anfangs des 20. Jahrhunderts vor, Hertenstein zu einer Kulturstätte von internationalem Rang zu machen. Das erste klassische Freilichttheater der Schweiz sollte entstehen. Auf dem Tanzenberg entstand eine Bühne für Stücke wie Grillparzers „Medea“, Goethes „Iphigenie von Tauris“, Lessings „Minna von Barnhelm“, oder Shakespeares „Was ihr wollt“. Nicht zuletzt auch wegen der architektonischen Gestaltung wurde Hertenstein zu einer der bedeutendsten Freilichtbühnen Europas. Die Zuschauertribühne wurde einem Amphitheater nachempfunden. Zur Theaterkulisse von Stücken aus der Antike gehörte ein zweistöckiger Turm und ein Tempelnachbau.
Engagiert wurden berühmte Schauspieler von deutschen und österreichischen Bühnen. 17’000 Gäste besuchten 89 Theatervorstellungen. Allerdings belasteten verregnete Aufführungen das Portemonnaie der Verantwortlichen stark. Und mehr noch als jedes Wetter setzte ihnen der erste Weltkrieg und ein Brand des Freilichttheaters zu. 1915 musste die Spielzeit für sieben Jahre eingestellt werden. Aber auch die Wiederaufnahme der Aufführungen 1922 gelang nicht mehr.

Postunen

Zinnenstrasse 4, 6353 Weggis, CH

Der Anlegeplatz für Schiffe von Meggen bestand an diesem Ort schon um 1500. Das Gut Postune ist in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts urkundlich belegt. Man weiss jedoch nicht genau, woher der Name stammt. Einheimische erklären ihn wie folgt: Da es früher noch keine Strassen gab, wurde die Post vom gegenüberliegenden Ufer per Schiff gebracht. Deshalb entwickelte sich im Volksmund der Begriff „bi de Post une“, woraus sich die heutige Bezeichnung „Postunen“ ergab.
Weggis war bis weit in das letzte Jahrhundert hinein ein wichtiger Gemüselieferant für Luzern. Postunen ist eine der wenigen grossen Gärtnereien, die noch heute erfolgreich produzieren.

Stella Matutina

Zinnenstrasse 7, 6353 Weggis, CH

Das ehemalige „Töchterinstitut“ Stella Matutina wurde 1916 von den Franziskaner Schwestern eröffnet. Hier wurden Hauswirtschaftslehrerinnen und Familienhelferinnen ausgebildet, eine Realschule geführt, Deutschkurse erteilt und ein Handelskurs angeboten. Heute steht das Haus offen für Kurse, Fortbildungen, Klausurtagungen und andere Angebote. Zudem finden bedeutende kulturelle Veranstaltungen statt wie beispielsweise das Galway Flute Festival mit Meisterkursen von Sir James und Lady Jeanne Galway.

Villa Senar

Zinnenstrasse 6, 6353 Weggis, CH

Mit seiner Familie verbrachte Rachmaninoff glückliche Sommermonate von 1931 bis 1939 in der Villa Senar (SErgej NAthalie RAchmaninoff). Hinter den hohen Mauern ist eine Gesamtanlage von hohem kulturellem und architektonischem Wert. Vom Komponisten Serge Rachmaninoff selbst 1931 in Bauauftrag gegeben, bewundert man heute vereinte Künste: Die Villa, das Gärtnerhaus und den Geräteschuppen, welche von den Architekten Alfred Möri und Karl-Friedrich Krebs errichtet wurden. Ein wichtiges Zeitzeugnis des Stiles des Neuen Bauen. In dem 2 Hektaren grossen Park fand Sergej Rachmaninoff zu seiner alten Kreativität zurück und komponierte hier die Paganini Rhapsodie und die 3. Sinfonie.
Nach dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges konnte die Familie Rachmaninoff nicht mehr von einer Konzertreise in der USA zurückzukehren. Nach Rachmaninoffs Tod 1943 wurde die Villa durch seinen Nachkommen, Alexander bewohnt. Alexander gründete die Stiftung Rachmaninoff. Heute teilen sich die künftige Nutzung der Villa Senar der Kanton Luzern und die Rachmaninoff-Stiftung. Die Stiftung wird für die umfassende Kuratierung der Kultur- und Bildungsaktivitäten zuständig sein. Auf jeden Fall soll das Anwesen für eine breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. «Vom Kindergärtner bis zur Meisterpianistin», so die Stiftung Rachmaninoff.  

Zinnen

Zinnenstrasse 16, 6353 Weggis, CH

So ruhig und beschaulich dieser Ort heute auf einen wirkt, war er aber nicht immer. 1590 wurde bei den Zinnen ein Seezoll eingerichtet, damit der Luzerner Stadtzoll nicht umgangen werden konnte.
Die auch für Nauen gut erreichbare Landzunge sowie der vorhandene Lehm hat dazu geführt, dass bereits im 16. Jahrhundert bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts an der Zinne Ziegel gebrannt und auf dem Seeweg verfrachtet wurden. Als Zeugen wurden noch bis Ende des 20. Jahrhunderts beim Abbruch von Häusern Ziegel mit eingeritztem „ZZ“ für „Ziegelei Zinnen“ entdeckt. Ende 19. Jahrhundert modernisierte der Besitzer die Ziegelei. Aber ein nächtlicher Brand trieb ihn schließlich in den Konkurs. Bis 1976 befand sich hier eine Berufsfischerei.
An diesem wunderbaren Ort wurden an der Zinnenegg bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts eine Gastwirtschaft mit eigener Schiffstation betrieben. Seit 1912 wird das reich verzierte Haus von den Besitzern nur noch als Ferienhaus benutzt.