Natur in der Stadt

Stadtführung Triebstraße 65, 60388 Frankfurt am Main, DE

Entdecke die ökologischen Hotspots von Frankfurt - Streuobstwiesen, Binnendünen, Feuchtgebiete - bei einem Äppler und Handkäs' mit Musik. Wer's milder mag, wird auch etwas anderes finden.

Autor: Freelance Journalist

15 Stationen

Botanischer Garten

Siesmayerstraße 72, 60323 Frankfurt am Main, DE

Dr. Johann Christian Senckenberg, der berühmte Frankfurter Arzt, Naturforscher und Botaniker, gründete 1763 die Dr. Senckenbergische Stiftung, aus der unter anderem Anlagen mit Heilpflanzen hervorgingen. Die Aufsicht hatten Mediziner, es war ein Ort der Lehre und Ausbildung und diente als Reservoir für medizinische Pflanzen. Dieser ein Hektar große Botanische Garten wurde 1774 fertiggestellt – damals am Eschenheimer Turm gelegen. 1907 konnte er am östlichen Rand des Palmengartens wiedereröffnet und gleichzeitig vergrößert werden. Die Gewächse wurden nach ökologischen Gesichtspunkten gruppiert, auch die 1914 gegründete Goethe-Universität nutzte sie zu Forschungszwecken.

Im Jahr 2012 schließlich übernahm die Stadt Frankfurt die Trägerschaft des Anwesens und gliederte ihn an den Palmengarten an. Heute ist er ein Ort der Erholung und Naturbildung - und im Frühjahr von lautem Froschgequake. Man findet hier beschriftete Pflanzengesellschaften aus allen Kontinenten und einen eigenen Bereich mit Heil- und medizinischen Pflanzen. Zum Artenschutz trägt die Anlage durch die Pflege seiner vielfältigen Pflanzensammlungen mit über 5.000 Spezies und mit einer Samenbank bei. Interessierte freuen sich über regelmäßige botanische und zoologische Führungen und Vorträge.

Öffnungszeiten: 1. März bis 31. Oktober
MO-SA: 9.00 bis 18.00 Uhr
SO und Feiertage: 9.00 bis 13.00 Uhr
Eintritt frei

https://www.botanischergarten-frankfurt.de/


Nebbiensches Haus mit größtem Parkbaum Frankfurts

Bockenheimer Anlage 22, 60322 Frankfurt am Main, DE

Wo sich heute ein „grüner Ring“ um die Innenstadt zieht, standen im Mittelalter bis zu acht Meter hohe Mauern. Die Wallanlagen genannten Grünflächen wurden 1805 angelegt, als Frankfurt begann, die historische Stadtbefestigung abzutragen und an ihrer statt Gärten und Promenaden anzulegen. Gut 20 Jahre nach Beginn der Arbeiten erließen die Stadtoberhäupter eine „Wallservitut“, eine mehrfach erneuerte Regelung, die die Grünanlagen vor Bebauung schützt. So blieben sie über die Jahrhunderte erhalten – mit nur wenigen Verlusten, etwa durch die Errichtung von Alter Oper und Schauspielhaus.

Von den ehemals 250 Gartenhäusern der Wallanlagen überstand jedoch nur ein einziges die Zeitläufte: das Nebbiensche Haus in der Bockenheimer Anlage nördlich der Alten Oper. Es wurde 1810 für den Verleger Johann Nebbien anlässlich seiner dritten Hochzeit erbaut. Es fiel jedoch recht bescheiden aus, denn die Wallservitut erlaubte nur kleine Gebäude, wie diesen klassizistischen Pavillon. Er wurde 1952 renoviert, das Grün neu angelegt und um den sogenannten Florentiner-Brunnen bereichert, erbaut im 16. Jahrhundert aus italienischem Marmor. Der Brunnen, der heute im Ziergarten steht, ist allerdings eine Nachbildung. Das Original wurde 1975 gestohlen.

Wer von dem Wasserspiel aus auf das Nebbiensche Häuschen schaut, sieht rechts eine imposante Platane. Sie wurde 1820 gepflanzt, ist 28 Meter hoch und mit einem Stammumfang von 2,15 Metern der dickste Parkbaum der Stadt. Im Pavillon finden regelmäßig Ausstellungen, Lesungen und Konzerte des Frankfurter Künstlerclubs e.V. statt.

Neuer Frankfurter Garten

Danziger Platz 12, 60314 Frankfurt am Main, DE

Der Neue Frankfurter Garten ist das größte Urban-Gardening-Projekt in der Stadt. Es wurde 2013 aus der Taufe gehoben. Binnen weniger Monate verwandelte sich ein vermüllter „Unort“ in ein gärtnerisches Kleinod und einen Treffpunkt für Hobbygärtner*innen und Interessierte. Zwischen Schienen und Straßenmarkierungen ziehen sie ihr eigenes Obst und Gemüse oder tauschen sich im Bauwagen-Café aus. In Hochbeeten wachsen „La Ratte“ oder der „Kerkauer Kipfler“: alte, fast vergessene Kartoffelsorten. Insgesamt gedeihen im Neuen Frankfurter Garten rund 100 alte Kulturpflanzen. „(G)Artenvielfalt“ ist am Danziger Platz Programm. Das Konzept gründet auf Gemeinsamkeit. Zwar gibt es rund 100 Beete, davon sind jedoch die meisten gemeinschaftlich bewirtschaftet, betonen Corina und Cher Haurova. Sie haben den für den Garten verantwortlichen Verein Bienen-Baum-Gut gegründet.

Das Urban-Gardening-Projekt ist öffentlich, jeder ist herzlich eingeladen, an den zahlreichen kulturellen Veranstaltungen wie „Mukke im Gadde“ oder an Flohmärkten etc. teilzunehmen. Was dankend angenommen wird. Bundesweit bekannt wurde der Danziger Platz 2017. Seitdem krönt den Gemeinschaftsgarten der erste Bienenbaum-Wipfelpfad Deutschlands, wo man die Immen in ihren natürlichen Nisthöhlen beobachten und naturnahe Formen der Bienenhaltung kennenlernen kann. Er ist von Juni bis September geöffnet – allerdings nur bei schönem Wetter. Für den „Erlebnis- und Bildungsort“ erhielt der Verein Bienen-Baum-Gut den Preis der Vereinten Nationen für biologische Vielfalt.

https://www.neuerfrankfurtergarten.de/

Park St. Georgen

Offenbacher Landstraße 224, 60599 Frankfurt am Main, DE

Der Park der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen in Sachsenhausen ist ein hinter Mauern verstecktes Kleinod. Der Bankier Johann Georg Konrad von Saint-George kaufte 1840 den damals bäuerlichen Ziergarten. Sebastian Rinz, ein Stadtgärtner, der den Anlagenring und andere Grünanlagen in Frankfurt kreierte, gestaltete das einstige Landgut zu einem englischen Park um, der später von der Tochter von Saint-Georges erweitert wurde. 1925 erwarben die Jesuiten das Gelände.

Von der stark frequentierten Offenbacher Landstraße aus betritt man das Gelände durch den Haupteingang der Hochschule, ein kunstvolles, schmiedeeisernes Tor aus dem Jahr 1896. Hinter den Gebäuden taucht dann der Park mit imposantem Baum- und Strauchbestand und botanischen Besonderheiten aus aller Herren Länder auf. Hier finden Besucher*innen nicht nur abgeschiedene Ruhe, sondern insgesamt 1150 Pflanzenarten. Jedes Gewächs trägt ein Schild mit Namen und Herkunftsland. Da steht die südamerikanische Schmucktanne Araukarie genauso wie die im Winter blühende Chinesische Zaubernuss und eine ebenfalls aus China stammende Gleditschie mit ihren langen Dornen. Es lohnt sich, im Herbst am Kuchenbaum zu schnuppern, wenn seine Blätter nach Lebkuchen duften. Ein Exemplar des japanischen Lackbaums, dessen giftiges Harz über Jahrtausende zur Lackierung von Holzschachteln verwendet wurde, hat hier ein Plätzchen erhalten, und viele exotische Gehölze mehr.

Aber auch heimische Arten wurden gepflanzt. Und solche, die sich hier mittlerweile etabliert haben, wie der von Goethe in einem Gedicht des West-östlichen Divan besungene Ginkgo biloba. Letzterer wurde zwar im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, erholte sich aber wieder. An der Flora erfreuen sich neben den wenigen Spaziergänger*innen viele Vogelarten: neben Amsel, Drossel, Fink und Star der Grünspecht etwa, der Trauerschnäpper und eine ganze Reihe anderer. Eine Liste gibt es auf der Homepage der Hochschule St. Georgen.

Der Sammler, der für den größten Teil des imposanten Bestands verantwortlich zeichnete, ist der 2009 verstorbene Pater und Naturphilosoph Rainer Koltermann. Zwischenzeitlich lehrte er auch Zoologie an der Universität Mainz. Von seinen Reisen rund um den Globus brachte der passionierte Gärtner Setzlinge und Samen mit, die er in Sachsenhausen großzog, nicht immer gelang es ihm auf Anhieb. Die erste Araukarie jedenfalls fiel Wühlmäusen zum Opfer, der zweite Versuch scheint zu gelingen.

Heute wandeln hier vor allem Studierende und Lehrende der Hochschule, doch der Park ist öffentlich zugänglich, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

https://www.sankt-georgen.de/hochschule/campus/park/plan-und-gehoelze/

Jacobiweiher und Pinkelbaum

Oberschweinstiegschneise 65, 60598 Frankfurt am Main, DE

Wer sich von der Haltestelle Oberschweinstiege aus nach links wendet, gelangt zum Jacobiweiher. Er wurde 1932 durch Anstauen des Königs-/Luderbachs als Regenrückhaltebecken geschaffen. Frankfurter betiteln ihn gerne als „Vierwaldstätter See“, nicht nur, weil er diesem in der Form durchaus ähnlich und das größte stehende Gewässer der Stadt ist. Er ist zudem von vier „Städtchen“ umgeben: Niederrad, Sachsenhausen, Oberrad und Isenburg. Der Weiher ist bequem zu umrunden, der Weg mit Sitzbänken bestückt. Wer etwas Glück hat, kann sich sonnende amerikanische Rotwangenschildkröten beobachten, die im See ausgesetzt wurden, oder heimische Spechte. Zu bewundern gibt es hier auch die Eule im Norwegerpullover auf der Südseite des Ufers und den Pinkelbaum am nördlichen Ufer, direkt beim Gasthof Oberschweinstiege – beides Exemplare komischer Kunst im Grüngürtel. Insbesondere letzterer zieht viel Aufmerksamkeit auf sich. Kommt man ihm zu nahe, beginnt er zu pinkeln – ein Machwerk von F.K. Waechter, einem Künstler der Neuen Frankfurter Schule. Was den Zeichner und Satiriker Waechter zu diesem Kunstwerk trieb? Als Erläuterung schrieb er: „300 Jahre hat man mich angepinkelt – jetzt pinkle ich zurück." Einschränkend muss gesagt werden, dass der Baum im Winter unvorsichtige Spaziergänger nicht anspritzt, dann wird die Anlage nämlich abgeschaltet.

Königsbrünnchen

Stoltzeschneise, 60598 Frankfurt am Main, DE

Ist der Jacobiweiher umrundet, können Durstige dem Weg Richtung Stoltzeschneise parallel zum Luderbach folgen und stehen alsbald vor dem Königsbrünnchen. Im Jahr 1881 eingefasst, ist es die einzige natürliche Quelle im Stadtwald, auffällig durch ihre rötlich schimmernden Steine. Ursache für die Verfärbung ist das Eisenhydroxid im Wasser, das außerdem noch Schwefel enthält. Das wiederum erklärt den leicht fauligen Geruch an diesem Ort. Das alles heißt jedoch nicht, dass das Quellwasser ungenießbar wäre. Im Gegenteil, ihm wird heilende Wirkung nachgesagt, und der faulige Geruch verschwindet, sobald das gesunde Nass erhitzt wird.

Am Königsbrünnchen – so eine Sage – legte sich einst der Frankenkönig Ludwig III. nieder, um sich auszuruhen. Er verbrachte viel Zeit mit der Jagd auf Auerochsen und Elche, zumal er seine Frau ins Kloster verbannt hatte im Glauben, dass sie ihm untreu gewesen sei. Das Plätschern des Wassers jedenfalls ließ den König schläfrig werden, und so schlummerte er ein. Im Schlaf erschien ihm seine Gemahlin und blickte ihm traurig in die Augen. Als er nach ihr greifen wollte, verschwand sie. Ludwig erwachte, doch es war bereits dunkel. Es war noch dazu die Johannisnacht, in der besonders viele Dämonen und Hexen unterwegs sind, und so plagten ihn Erscheinungen und Irrlichter. Am nächsten Morgen zögerte der Regent nicht mehr, machte sich auf den Weg zum Kloster und holte seine Frau zurück in die Frankfurter Königspfalz.

Schäfersteinpfad

Stoltzeschneise, 60598 Frankfurt am Main, DE

Kommt man von der Straßenbahnhaltestelle Oberschweinstiege und hält sich rechts, führt linker Hand an einem hölzernen Hinweisschild ein schmaler Weg ab vom Hauptweg: Es ist ein Teil des uralten Schäfersteinpfads, gesäumt von über 500 Jahre alten Schäfersteinen aus Basalt. Sie setzten einst einem hundertjährigen Streit um Weiderechte ein Ende. Der Deutsche Orden hatte im 13. Jahrhundert in Sachsenhausen Land und Rechte zur Schafzucht erhalten und ließ manches Mal mehr als 1.000 Tiere dort weiden. Doch auch die Stadt Frankfurt, die 1372 den Stadtwald von Kaiser Karl IV. als Lehen erwarb, hatte Schafhöfe und erhob Anspruch auf Weideland, denn das Geschäft mit der Wolle für die Tuchbereitung war einträglich. Es entbrannte ein Rechtsstreit, der erst 1484 beigelegt werden sollte: 60 sogenannte Schäfersteine wurden errichtet, die durch einen Graben miteinander verbunden waren und die Weidegebiete der konkurrierenden Unternehmen voneinander trennte. Auf der einen Seite der Steine ist das Kreuz des Deutschherrenordens eingraviert, auf der anderen ein F. Dieses F ist spiegelverkehrt und wurde lange als das „Frankfurter gotische F“ bezeichnet. Allerdings glauben Forscher*innen laut Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) heute eher, dass es sich um ein Versehen der Steinmetze handelte, denn im Mittelalter konnten viele Menschen weder lesen noch schreiben. Erhalten geblieben sind 49 Steine, die einen westlichen und einen östlichen Schäfersteinpfad anzeigen.

Bei der SDW-Frankfurt gibt es Flyer, auf dem die Pfade in der Stadtwaldkarte eingezeichnet sind
http://www.sdw-frankfurt-main.de/

Stadtwaldhaus

Unnamed Road, 60528 Frankfurt am Main, DE

Wer, von der Haltestelle Oberschweinstiege (Straßenbahn Nr. 17) kommend, sich rechts hält und dem Weg geradeaus folgt, steht nach rund zehn Minuten vor dem forstlich-ökologischen Informationszentrum Stadtwaldhaus/Fasanerie. Das Haus ist schon aus architektonischer Sicht sehenswert: Besucher*innen treten durch eine Baumtür und finden drinnen einen künstlichen Bachlauf und eine Eiche, deren Krone durch zwei gegeneinander versetzte, begrünte Dächer hindurch ragt. Ungewöhnliche Einblicke in das Ökosystem Wald bietet unter anderem ein Bullauge, durch das man unter die Teichoberfläche schauen kann. Mikroskope legen den Blick frei auf winzigste Gewebestrukturen von Tieren und Pflanzen. Draußen können Interessierte auf Lehr- und Erlebnispfaden den Wald bewusst erleben, Wildgehege, Volieren und eine Tierpflegestation besuchen oder im Waldladen Wildprodukte kaufen. Natürlich gibt es auch zahlreiche Veranstaltungen und Führungen.

https://stadtwaldhaus-frankfurt.de/

Schwanheimer Düne

Höchster Weg 70, 60529 Frankfurt am Main, DE

In Schwanheim befindet sich eines der in Europa seltenen Exemplare von Binnendünen. Sie entstand während der letzten Kaltzeit vor rund 10.000 Jahren. Wind trug Sand aus dem Main in Richtung Süden und bildete nach und nach diese Düne fernab des Meeres. Auch wegen der kleinen, bizarr gewachsenen Kiefern mit überhängenden Ästen, die so gar nicht ihren Artgenossen im nahen Stadtwald ähneln, fühlt man sich hier wie auf Strandurlaub in Südeuropa – sogar ein südländischer Duft steigt einem in die Nase. Neben Waldflächen liegen kleinere Seen, die allerdings nicht öffentlich zugänglich sind. Auf dem Sandboden hat sich – nicht unüblich für Binnendünen – eine Silbergrasflur mit ihren typischen Lücken entwickelt. Das silbergrün schimmernde Gras ist ein Erstbesiedler auf nährstoffarmen Flächen und in Hessen als gefährdete Art ausgewiesen.

Am Rand der Düne finden sich Magerrasen, auf denen auch Arten gedeihen, die es aus dem Süden Europas hierher geschafft haben. Doch die Schwanheimer Düne ist nicht nur Heimat vieler seltener Pflanzen, sie ist auch wegen ihrer außergewöhnlichen Tierwelt besonders schützenswert. Auffällig aufgrund seines gelben Gefieders ist etwa der Pirol, ein in Deutschland seltener Vogel. Manche Kundige sagen, man könne seinen äußerst melodischen Gesang mit „dü-delüü-lio“ übersetzen – sicher nicht zu verwechseln mit Loriots Jodelversuchen. Eine große Vielfalt an Insekten, Eidechsen und Amphibien leben hier, wie zum Beispiel die streng geschützte Kreuzkröte. Schafe, genauer gesagt Heidschnucken, knabbern genüsslich an den kargen Pflanzen und betätigen sich damit – unter Aufsicht des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) – als natürliche Landschaftspfleger.

Die Schwanheimer Düne wurde 1984 zum Naturschutzgebiet erklärt und ist heute eine der bedeutendsten Rückzugsgebiete für bedrohte Tier- und Pflanzenarten im Rhein-Main-Gebiet. Seit 2003 fällt sie zudem unter die Naturschutzrichtlinien der Europäischen Union (FFH-Gebiet). Man durchläuft die Sandformation auf einem Bohlenweg, um Pflanzen und Tiere zu schonen. Entlang des Weges wurden die für den Grüngürtel typischen Info-Stelen errichtet, die die Besonderheiten der Landschaft erklären.

Höchst

Burggraben 1, 65929 Frankfurt am Main, DE

Auf dem Schlossplatz gibt es nicht nur eine alte, ausladende Eiche zu bewundern, sondern auch das Schloss, idyllische Gässchen und Gastwirtschaften mit traditioneller hessischer Küche. Vom Mainufer aus bringt eine Fähre Gäste ans gegenüberliegende Ufer und damit zur Schwanheimer Düne.

Brentanopark und Petrihaus

Am Rödelheimer Wehr 15, 60489 Frankfurt am Main, DE

Das in Rödelheim direkt an der Nidda gelegene Petrihaus wurde um 1720 erbaut. Der Bäckermeister Johannes Petri verkaufte es rund 100 Jahre später an Georg Brentano, der das Fachwerkhäuschen im romantischen Schweizer Stil umbaute. Dem Frankfurter Großkaufmann ist im Petrihaus ein kleines Museum gewidmet.

Brentano war der Bruder der Dichtergeschwister Clemens Brentano und Bettina von Arnim. Ihre Mutter war mit Goethe befreundet. So verwundert es nicht, dass sich in dem idyllischen Häuschen ein literarischer Kreis etablierte, an dem neben Clemens Brentano die Gebrüder Grimm, Adele Schopenhauer und Marianne von Willmer teilnahmen. Auch Goethe war hier zu Besuch. Rödelheimer erzählen sich gerne, dass ihn der schätzungsweise um 1750 gepflanzte Ginkgo-Baum links neben dem Petrihaus (vom Park aus gesehen) zu seinem Gedicht „Ginkgo biloba“ aus dem West-östlichen Divan inspiriert habe. Die Zeilen über das zweigeteilte Blatt der Ginkgos widmete der 66-Jährige seiner späten Liebe Marianne von Willemer. Heute zählt der Baum zu den ältesten Vertretern seiner Art in Deutschland – manche behaupten gar, er sei das älteste.

Brentano jedenfalls gestaltete zu Lebzeiten um sein Wohnhaus herum einen 14 Hektar großen Landschaftsgarten, bei dessen Gestaltung ihn Goethe beraten haben soll. Nach dem Tod Georg Brentanos konnten die Nachfahren Land und Petrihaus nicht halten und verkauften es 1926 an die Stadt Frankfurt. Der Park misst heute noch 4 Hektar und zeichnet sich durch seinen alten und teilweise exotischen Baumbestand aus. Nicht weit vom einstigen Brentano-Haus befindet sich zum Beispiel ein 1850 gepflanzter, ursprünglich aus Amerika stammender Tulpenbaum. Seine Blüten, die man von April bis Mai bewundern kann, ähneln Tulpen (Baum Nr. 252).

Nachdem die Kommune den Park 1926 erstanden hatte, eröffnete sie darin 1930 das Brentanobad, das für die meisten Einheimischen schlicht „Brenner“ heißt. Ursprünglich war es ein an die Nidda angebundenes Flussschwimmbad. Da die Wasserqualität aber immer mehr zu wünschen übrigließ, wurde das Freibad umgestaltet. Heute ist es mit 125 Metern Länge das größte Beckenbad Deutschlands.

Das Gelände des Petrihauses diente bis 1968 als Betriebshof der Stadtentwässerung, das historische Gebäude verfiel. In den 1980er Jahren verhinderte eine Initiative aus Privatleuten und Unternehmen den Abriss und sanierte das Enemble. Heute finden hier auf Anfrage Führungen sowie kulturelle Veranstaltungen statt.

http://www.petrihaus-frankfurt.de/


Ginkgo biloba

Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Giebt geheimen Sinn zu kosten,
Wie ‘s den Wissenden erbaut.

Ist es Ein lebendig Wesen
Das sich in sich selbst getrennt,
Sind es zwey die sich erlesen,
Dass man sie als eines kennt.

Solche Frage zu erwiedern
Fand ich wohl den rechten Sinn;
Fühlst du nicht an meinen Liedern
Dass ich Eins und doppelt bin?

(15. September 1815, handschriftlich notiert in der Gerbermühle)

Alter Flugplatz Bonames/Kalbach

Am Burghof 55, 60437 Frankfurt am Main, DE

Vor rund 15 Jahren wurde die direkt an der Nidda liegende ehemalige Hubschrauberbasis der US-Amerikaner „Maurice Rose Airfield“ der Öffentlichkeit als Natur- und Freizeitpark zugänglich gemacht. Im Jahr 2003 waren hier ein kleiner Teil der Landebahn, das Vorfeld und Abstellplätze für die Hubschrauber kurzerhand geschreddert und Drainagen gekappt worden. Zwischen den Asphalt- und Betonbrocken sammelten sich Wasser und Erde an, so dass sich schnell Pflanzen und Tiere ansiedelten. Die Natur eroberte sich den Lebensraum eigenständig zurück, es wurden und werden keine Geschöpfe ausgesetzt und nichts gepflanzt. Das Renaturierungsprojekt sollte nach EU-Vorgaben Gewässerökologie und biologische Vielfalt in Frankfurt deutlich verbessern – was als gelungen betrachtet werden kann.

Über die Jahre entstand ein mittlerweile unter Landschaftsschutz stehendes Feuchtgebiet mit weit über 100 Vogelarten, darunter zahlreiche stark gefährdete und sehr seltene Federtiere. Hunderte von Fröschen und anderer Amphibienarten fühlen sich hier zu Hause, auch unter ihnen geschützte Arten. Gleichermaßen reichhaltig und schützenswert ist die Pflanzenwelt in der einstigen Hubschrauberbasis. Trotz allem ist der Alte Flugplatz Bonames ein beliebtes Freizeitgelände, der Mensch ist hier kein Störfaktor. Besucher*innen können auf der verbliebenen Landebahn wunderbar Inlineskaten, Fahrrad fahren oder Drachen steigen lassen. Der ehemalige Tower wurde zu einem Café, direkt daneben liegt das Frankfurter Feuerwehrmuseum.

Das Gelände ist eine von mehreren Lernstationen des Grüngürtels: Hier organisiert die Naturschule Hessen Schulprojekte und Landschaftslotsen bieten von März bis Oktober Führungen auch für Erwachsene an. Westlich vom Gastronomiebereich findet sich das Feuchtbiotop, das sich zwischen den Beton-Bruchstücken entwickelt hat. Ein Weidenlabyrinth zeigt symbolisch die verschlungenen Wege, die der Mensch im Laufe seines Lebens geht. Direkt angrenzend an das Gelände wurden 2015 Unterkünfte für 320 aus ihrer Heimat geflohene Menschen errichtet. Khaled Morad ist einer von ihnen. Die Geschichte seiner Flucht aus Syrien mitsamt seiner Familie wird in dem Labyrinth erzählt. Für das Konzept des renaturierten Alten Flugplatzes erhielten die GTL Landschaftsarchitekten im Jahr 2005 den Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis.

ÖPNV: U2 (Kalbach), dann 10 Minuten dem ausgeschilderten Fußweg zum Alten Flugplatz folgen. Oder mit dem Fahrrad von der Stadt an der Nidda entlang.

MainÄppelHaus (MÄH)

Klingenweg 90, 60389 Frankfurt am Main, DE

Das MainÄppelHaus ist ein beliebtes Ausflugsziel. Es ist Landschaftsschutzprojekt und Lernwerkstatt für Menschen jeden Alters, die sich für ebenso reizvolle wie ökologisch wertvolle Natur interessieren. Der Erhalt der unter Naturschutz stehenden Streuobstwiesen rundherum ist das Hauptanliegen der ehrenamtlichen MÄH-Betreiber. Entsprechend viele Veranstaltungen gibt es rund ums Thema. Aber auch, wer sich einfach nur für Äpfel, Apfelwein, Grüne Soße, Handkäs' mit Musik und ein Picknick an lauschigen Plätzen unter alten Obstbäumen interessiert, ist hier genau richtig.

Wer von hier aus mit dem Fahrrad und per U-Bahn zurück ins Zentrum möchte, kann eine lange Fahrt bergab genießen – praktisch nur geradeaus zunächst den Klingenweg hinunterfahren, die Wilhelmshöher Straße kreuzen auf den Wallfahrtsweg, nach einer Rechtskurve auf die Kruppstraße stoßen und weiter der Straße folgen bis zur Borsigallee, wo die U7 im besten Fall gerade vorbeifährt.

Berger Hang

Unnamed Road, 60388 Frankfurt am Main, DE

Vom Ufer des Enkheimer Riedteichs aus führt der Grüngürtel-Radweg durch die Streuobstwiesen des Berger Hangs. Am Hohen Weg geht’s steil bergauf, so dass es schon ein Mountain- oder ein E-Bike erfordert, wollte man das Ganze radelnd bewältigen. Dafür gibt es – zumindest während der Erntezeit – reichlich Wegzehrung dank heruntergefallener Äpfel unterschiedlichster Sorten, Birnen, Walnüsse oder etwas seltener – der Apfelfrüchte des Speierlings. Es versteht sich von selbst, dass das am Baum hängende Obst tabu ist, denn die Wiesen sind gepachtetes Gelände.

Einmal oben angekommen, entlohnt der Ausblick für die Mühen. Über Wiesen und Weinreben hat man bei gutem Wetter vom Berger Hang aus einen imposanten Blick auf die Frankfurter Skyline und sämtliche um die Stadt herumliegende Mittelgebirge: Odenwald, Spessart, Vogelsberg und Taunus. Direkt am romantischen Weg liegt eine Orchideenwiese, auf der sich geschützte Arten wie das Helmknabenkraut und die Mücken-Händelwurz halten. Deswegen: Wiese betreten verboten!

Enkheimer Ried / Streuobstwiesen

Leuchte 150, 60388 Frankfurt am Main, DE

Das größte zusammenhängende Streuobstwiesen-Gelände Hessens lässt sich vom Enkheimer Ried aus bestens erkunden. Von der U-Bahn-Haltestelle Enkheim (Endstation U7) aus ist es nicht weit - mit dem Fahrrad ein Katzensprung. Einfach in Fahrtrichtung der U-Bahn weiter geradeaus fahren, und nach fünf Minuten steht man vor der Kleingartenanlage Leuchte. Hier führt ein Weg nach rechts und dann links um die Gartenanlage herum zum Riedteich. Das Gewässer entstand im 19. Jahrhundert durch den Abbau von Torf, denn das heutige Brachland war ursprünglich Sumpfgebiet. Entsprechend finden sich hier für Feuchtbiotope typische Tier- und Pflanzenarten wie Schilf- und Brunnenkressen-Röhrichte, Weiden und Sumpfseggen. Auf den Wiesen haben als gefährdet eingestufte Orchideen ein Rückzugsgebiet gefunden. Im Teich selbst sind drei seltene Entenarten heimisch: die Spießente, die Krick- und die Löffelente. Das Enkheimer Ried gilt als eines der, wenn nicht gar das regional bedeutendste Vogelbrutgebiet. Es ist seit 1991 Naturschutzgebiet und bildet den östlichsten Teil des Frankfurter Grüngürtels.

Hinter dem Riedteich rechts entlang führt der Grüngürtel-Radweg durch die Streuobstwiesen zum Berger Hang. Sportliche und solche, die Zeit haben und laufen wollen, sollten dem Radweg Richtung Berger Rücken folgen. Es bieten sich schönste Ausblicke Richtung Bad Vilbeler Wald und Taunus – Urlaubsambiente in sanft-hügeliger saftig-grüner Natur.

Doch auch wer die kürzere Variante wählt und statt rechts gen Berger Rücken abzubiegen, geradeaus dem verwunschenen kleineren Pfad folgt, kommt voll auf seine Kosten. Der Weg führt gen Westen zur Marktstraße ins Zentrum von Bergen. Dort, wo die Landgrabenstraße rechts abgeht, trifft der kleine Umweg wieder auf den Grüngürtel-Radweg. Über den Klingenweg schließlich gelangen Radler*innen zum Lohrberg, dem Hausberg Frankfurts - und dem MainÄppelHaus (MÄH).

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