Osnabrück 1914-1918 - Digitaler Stadtrundgang

Stadtführung Neuer Graben 29, 49074 Osnabrück, DE

Dieser Stadtrundgang erzählt die Geschichte Osnabrücks im Ersten Weltkrieg. Die Inhalte wurden im Rahmen mehrerer Forschungsprojekte zur Sozialgeschichte des Ersten Weltkrieges an der Professur für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung der Universität Osnabrück erarbeitet und in Kooperation mit der Stadt Osnabrück umbesetzt.

Autor: Universität Osnabrück

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40 Stationen

1. Ratsgymnasium

Hans-Böckler-Straße 12, 49074 Osnabrück, DE

Von der Schulbank an die FrontAbitur 5. August 1914
Drei Tage nach der Kriegserklärung Deutschlands an Russland sitzen die Abiturienten des Ratsgymnasiums über ihren Deutschaufsätzen. Das Thema lautet: „Einigkeit macht stark“.
Die Aufsätze stecken voller patriotischem Überschwang, spiegeln Siegeszuversicht und die Bereitschaft in den Krieg zu ziehen. Sie zeigen nicht nur die Stimmung des Augenblicks, sondern sind Ergebnis der nationalistischen Erziehung im Kaiserreich.
Alle Oberprimaner des Ratsgymnasiums meldeten sich freiwillig zum Kriegsdienst, wie auch zahlreiche Schüler anderer Schulen. Die Osnabrücker Zeitung feiert diesen „Beweis herrlicher Tatenlust“ und „Opferfreude“. Viele Freiwillige der ersten Kriegswochen sterben noch 1914 auf den Schlachtfeldern.

1.1 Hans Oppenheimer

Johannisstraße 41-44, 49074 Osnabrück, DE

###Hans Oppenheimer
1895-1914
Beruf: Abiturient
Adresse: Johannisstraße 43
Konfession: jüdisch
Familienstand: ledig

Hans Oppenheimer wurde in Osnabrück als Sohn eines Kaufmanns geboren und absolvierte sein Abitur am dortigen Ratsgymnasium. Zu Beginn des Krieges meldete er sich als „Kriegsfreiwilliger“. Er diente in der 1. Kompanie des Reserve-Infanterie-Regiments 216. Bereits am 1. November 1914 starb er bei Bixschoote in Flandern – dem Ort, an dem nur 9 Tage später die Gefechte stattfanden, auf die der „Langemarck“-Mythos zurück geht.
Am 28. Oktober 1914 schreibt er seinen Eltern von dem Wiedersehen mit der Kompagnie, nachdem er im Anschluss an ein Gefecht mehrere Tage als Versprengter umher geirrt war: „Dann ließ er die ganze Kompanie antreten. Von 240 Mann waren noch 63 Mann, 7 Unteroffiziere und der Hauptmann über. Über dieses Resultat waren wir alle tief traurig. Aus dem Regiment wurden zwei Bataillone a´ 600 Mann gebildet. Kaum war das geschehen, als neben mir mein Hauptmann von einer verirrten Kugel ins Herz getroffen tot niederfiel, er, der eben noch mit dem eisernen Kreuz freudestrahlend vor mir stand. Die Freude über unser gegenseitiges Wiedersehen wurde in jähe Trauer verwandelt.“

1.2 Ernst Wessel

Heger-Tor-Wall 26, 49078 Osnabrück, DE

###Ernst Wessel
1897-1914
Beruf: Abiturient
Adresse: Kanzlerwall 26
Konfession: lutherisch
Familienstand: ledig

Ernst Wessel wurde in Osnabrück als Sohn eines Fabrikanten geboren und besuchte vor dem Ersten Weltkrieg als Abiturient das Ratsgymnasium. Vermutlich meldete er sich als „Kriegsfreiwilliger“ und wurde rasch zum Gefreiten befördert. Er starb bereits am 10. November 1914 bei Poesele in Belgien. Der Mythos um „Langemarck“ bezieht sich auf die Kampfhandlungen in dieser Region in der zweiten Novemberwoche.
Zur Erinnerung an ihn gaben seine Angehörigen ein Foto ins Osnabrücker „Kriegsarchiv“, das ihn in voller Uniform vermutlich vor einem Haus in Belgien zeigt.

2. Schloss Osnabrück

Neuer Graben 29, 49074 Osnabrück, DE

Vom Zivilisten zum Soldaten
Anfang September 1914
Auf dem Schlosshof werden die ersten Kriegsfreiwilligen vereidigt, junge Männer aus allen Schichten der Gesellschaft. Angetreten in Reih und Glied, hören sie die Ansprachen des Garnisonskommandeurs, eines evangelischen und eines katholischen Geistlichen. Dann schwören sie den Eid auf Wilhelm II., den Deutschen Kaiser und König von Preußen.
Noch vor der Kriegserklärung an Frankreich beginnt die Mobilmachungsmaschinerie des Kaiserreichs zu laufen. Die Reservisten und der Landsturm werden durch öffentliche Bekanntmachungen einberufen, die Freiwilligen gemustert. Nach einer kurzen Ausbildung geht es an die Fronten.
Das Schloss ist das Hauptquartier des preußischen Militärs in Osnabrück. Hier ist das Garnisonskommando, finden die Musterungen und die öffentlichen Vereidigungen statt. Anschließend marschieren die Soldaten über den Ledenhof durch die Stadt zurück zu ihren Kasernen. Dort warten sie auf die Züge, die sie an die Front bringen.

2.1 August Hellmann

Koksche Straße 53, 49080 Osnabrück, DE

###August Hellmann
1890-1914
Beruf: Handlungsgehilfe
Adresse: Kokschestraße 53
Konfession: protestantisch
Familienstand: ledig

August Hellmann wurde 1890 als Sohn eines Fuhrmanns in Osnabrück geboren und war selbst als Handlungsgehilfe in einem der Osnabrücker Geschäfte tätig. Als Kanonier starb er am 29. August 1914 bei Saint Quentin im Alter von 24 Jahren.
August Hellmann beschreibt in seinem Feldpostbrief vom 14. August 1914 den Vormarsch der deutschen Truppen, die nur kurz zuvor mobil gemacht worden waren: „Seit dem Ausladetage sind wir andauernd im Vormarsch und liegen jetzt in Sprumont in der Nähe von Lüttich; Lüttich ist bis auf zwei Forts gefallen, diese beiden Forts werden jetzt von der schweren Artillerie beschossen, der Kanonendonner rollt in einer Tour.“

2.2 Hermann Schulze

Johannisstraße 95, 49074 Osnabrück, DE

###Hermann Schulze
1883-1915
Beruf: Steinmetz
Adresse: Johannisstraße 95
Konfession: protestantisch
Familienstand: verheiratet

Hermann Schulze wurde 1883 im Kreis Delitzsch geboren. Vor Kriegsbeginn war er in Osnabrück als Steinmetz tätig und wurde 1914 als Unteroffizier der Reserve dem Reserve-Infanterie-Regiment 92 zugewiesen. Am 4. Januar 1915 verlor er bei Reims, Frankreich, sein Leben.
In verschiedenen Feldpostbriefen vom 2.- 9. August 1914 schildert Hermann Schulze die ersten Tage der Mobilmachung in Osnabrück, bevor es für ihn an die Front ging: „In der Stadt herrschte ein großes militärisches Leben. Besonders die Wirtschaften waren überfüllt. Montag den 9. August wurden verschiedene Appelle abgehalten, die Kriegsartikel wurden vorgelesen. Abends 11 Uhr war Antreten. 11. August morgens gegen 3 Uhr Abfahrt vom Güterbahnhof Osnabrück in der Richtung Münster-Köln nach dem Aufmarschgebiete.“

2.3 Johannes Bücker

Auguststraße 20, 49078 Osnabrück, DE

###Johannes Bücker
1893-1914
Beruf: Schlosser
Adresse: Auguststraße 20
Konfession: katholisch
Familienstand: ledig

Johannes Bücker wurde in Osnabrück als Sohn eines Schlossermeisters geboren. Auch er hatte 914 seine Ausbildung zum Schlosser bereits abgeschlossen. Mit Kriegsbeginn wurde er als Reservist zum Infanterie-Regiment 78 eingezogen. Er starb bereits am 16. September 1914 bei Reims in Frankreich.
Johannes Bücker beschreibt in seinem Brief vom 9. August 1914 seine Erlebnisse während der Mobilmachung in Osnabrück und auf dem Weg zur Front: „Der Kaiser hat die Mobilmachung der Armee und der Marine befohlen, das konnte man vor sieben Tagen im ganzen Reiche überall lesen. Seitdem bin ich schon als Reservist eingezogen und eingekleidet. Der 4. Mobilmachungstag war für mich der Tag der Gestellung, an der ich dem Infanterie Regiment 78 zugeteilt wurde, bis heute waren wir dann noch in der Garnison, aber am 9. August 7 Uhr Morgens war Abfahrt vom Güterbahnhof über Rheine, Oberhausen, Duisburg, Düsseldorf, Neuß, Cöln, Elberfeld in Richtung Aachen, in Montgoi wurden wir ausgeladen, um zu Fuß gegen die Grenze vorzurücken.“

3. Neumarkt I: Augusterlebnis

Neumarkt 14, 49074 Osnabrück, DE

Mit Hurra in den Krieg
August 1914
Am Neumarkt feiert Osnabrück. Zu Kriegsbeginn befindet sich die Stadt in nervöser Spannung. Seit Juli überschlagen sich die Ereignisse, eine Sondermeldung folgt der anderen. Kriegserklärungen und Mobilmachung werden mit Sorge, Aufregung aber auch Hochstimmung aufgenommen. Erste Siegesmeldungen und das rasche Vorrücken der deutschen Truppen peitschen die Stimmung auf: Nationalistischer Überschwang und Euphorie nehmen überhand. Begeisterung treibt die Menschen nach draußen auf die Straßen und Plätze; die Osnabrücker feiern, jubeln den ausrückenden Truppen zu und ziehen mit ihnen zum Bahnhof.
Das „Augusterlebnis“ scheint das Volk über alle Klassen hinweg zu vereinen, aber diese Euphorie hat nicht lange Bestand. Bereits im September bleibt die Offensive in Frankreich stecken und Ernüchterung macht sich breit. Der schwere Alltag, die Trauer um den Tod der Angehörigen und bald das blanke Überleben stehen für die meisten Menschen im Mittelpunkt.

3.1 Alfons Wessels

Lengericher Landstraße 2, 49078 Osnabrück, DE

###Alfons Wessels
1898-1915
Beruf: Seminarist
Adresse: Markt 16
Konfession: katholisch
Familienstand: ledig

Alfons Wessels gehörte als Sohn eines Lehrers zu einer bürgerlichen Familie und besuchte vor dem Ersten Weltkrieg das katholische Lehrerseminar, um ebenfalls in den Schuldienst einzutreten. Nach Kriegsbeginn wurde als Reservist ins Heer einberufen und diente in der 6. Kompanie des Reserve Infanterie Regiments 229. Am 24. September 1915 starb er an den Folgen seiner Verwundungen in Mazule. Dort befindet sich auch sein Grab. Alfons Wessels wurde 21 Jahre alt.
Im Osnabrücker Kriegsarchiv sind ein Foto und einer seiner Feldpostbriefe erhalten. Darin berichtet er am 24. Juli 1915 seiner Mutter vom Alltag an der „Front“: „Augenblicklich haben wir hier schönes Siegeskonzert, wie ihr es in Osnabrück auf dem Neumarkt nicht besser verlangen könnt. Die Bataillonskapelle spielt aus Anlaß des Sieges uns ihre Märsche und Weisen vor. Ihr seht also, daß wir hier im Felde auch manches Schöne haben.“

3.2 Hans Eisenträger

Arndtstraße 35, 49078 Osnabrück, DE

###Hans Eisenträger
1897-1917
Beruf: Student
Adresse: Arndtstraße 35
Konfession: protestantisch
Familienstand: ledig

Hans Eisenträger war in Münden als Sohn eines Oberpostsekretärs geboren worden und im Laufe seiner Jugend nach Osnabrück gezogen. Bis zu seinem Tod am 12 Juni 1917 diente als Leutnant der Reserve in Belgien und Frankreich. Hans Eisenträger starb im Alter von 20 Jahren in den Ardennen.
In seinem Brief vom 22. Oktober 1914 beschreibt er die Abfahrt aus Osnabrück und den Jubel, mit dem die Soldaten die belgische Grenze passierten: „Abfahrt. Bahndamm bis bald Hörne dicht besetzt. An der alten Wache Natrup-Hagen vorbei über Münster, Hamm, Haltern (Abendessen) zum Rhein und den altehrwürdigen Domen Kölns. Weiter über Aachen zur Grenzstation Herbesthal, wo 12 Truppentransporte schon lagen. Mit Hurra abends über die Grenze durch das herrlich gelegene belgische Städchen Welchenrad und weiter über Verwierd nach Lüttich (Abendessen).“

4. Neumarkt - Revolution

Neumarkt 14, 49074 Osnabrück, DE

Revolution in Osnabrück
19. und 20. Februar 1919
Ein Hungeraufstand erschüttert die Stadt. Tausende Arbeiter und Soldaten demonstrieren für eine bessere Lebensmittelversorgung. Im Rathaus erzwingen sie eine Erhöhung der Rationen, dann ziehen sie auf den Neumarkt. Sie stürmen das Gerichtsgebäude und befreien mehrere Gefangene.
Am nächsten Tag versammeln sich wieder Menschen auf dem Neumarkt. Diesmal ist das Militär vorbereitet: Soldaten schützen das Gericht mit Maschinengewehren. Eine wilde Schießerei beginnt, es gibt Verletzte. Als Mitglieder des Stadtrates eine Untersuchung zusagen, zerstreut sich die Menge.
Die erste Phase der Revolution im November 1918 hingegen verlief in Osnabrück gewaltlos und unspektakulär. Der neue Arbeiter- und Soldatenrat sorgte sich vor allem um Ruhe und Ordnung, die wirkliche Macht bleibt aber in den Händen des Osnabrücker Bürgertums. Die Lebensumstände der Osnabrücker verbessern sich nicht. Hunger und Not bleiben für die nächsten Jahre allgegenwärtig.

4.1 Engelbert Thorwesten

Grüner Brink 11, 49074 Osnabrück, DE

Name: Engelbert Thorwesten
1883-1917
Beruf: Friseur
Adresse: Grünerbrink 8
Konfession: katholisch
Familienstand: ledig

Engelbert Thorwesten wurde in Münster als Sohn eines Weichenstellers geboren und arbeitete in Osnabrück als Friseur. Im Krieg diente er als Gefreiter in der 4. Kompanie des Reserve-Infanterie-Regiments 229. Er starb am 31 Juli 1917 bei Langemarck in Belgien, als ihn eine Gewehrkugel in den Kopf traf.
Zur Erinnerung an ihn gab seine Familie ein Foto in das Osnabrücker „Kriegsarchiv“.

4.2 Johannes Heilmann

Neuer Graben 17, 49074 Osnabrück, DE

Name: Johannes Heilmann
1883-1918
Beruf: Ingenieur
Adresse: Neuer Graben 16
Konfession: evangelisch
Familienstand: ledig

Johannes Heilmann wurde als Sohn eines Brauereibesitzers in Osnabrück geboren und Arbeitete dort als Ingenieur. Im Krieg diente er als Vizefeldwebel, bis er am 31. Mai 1918 bei Aubilly in Frankreich starb.
Nach seinem Tod reichten seine Angehörigen zur Erinnerung ein Foto von ihm in das Osnabrücker „Kriegsarchiv“.

5. Hauptbahnhof

Theodor-Heuss-Platz 6-9, 49074 Osnabrück, DE

Der Bahnhof – Drehscheibe des Krieges
Die Eisenbahn ist das Transportmittel des Ersten Weltkriegs. Im August 1914 begleiten Angehörige und Freunde die ausrückenden Soldaten bis zum Bahnhof. Dort versammeln sich große Menschenmengen, eine Kapelle spielt, die Osnabrücker jubeln und singen patriotische Lieder. Die Angehörigen winken, Abschiedsfotos werden gemacht, die Soldaten suchen sich ihre Plätze in den Abteilen der Wagons, die sie an die Front bringen. Die Wagons sind mit aggressiven, nationalistischen Sprüchen beschriftet, die Siegeszuversicht vermitteln.
Vier Jahre fahren lange Züge durch den Bahnhof. Sie transportieren Nahrung, Material, Menschen und Munition zu den Fronten in West und Ost. Auf dem Rückweg bringen Truppentransporte die Verwundeten mit. Patienten für die Osnabrücker Lazarette werden am Bremer Bahnhof entladen, verborgen vor den Blicken der Bürger.

5.1 Heinrich Elfers

Möserstraße 47, 49074 Osnabrück, DE

Name: Heinrich Elfers
1882-1914
Beruf: Schaffner
Adresse: Möserstraße 47
Konfession: lutherisch
Familienstand: verheiratet

Heinrich Elfers wurde im Landkreis Verden als Sohn eines Landwirts geboren und arbeitete bei der Reichbahn als Schaffner. Im Krieg diente er als Vizewachmeister im der 12. Kompanie des Infanterie-Regiments 74. Er starb bereits am 16. September 1914 an den Folgen eines Brustschusses im einem Lazarett bei Reims.
Zur Erinnerung an ihn gaben seine Angehörigen ein Foto in das Osnabrücker „Kriegsarchiv“.

5.2 Heinrich Könker

Kommenderiestraße 47, 49074 Osnabrück, DE

Name: Heinrich Könker
1879-1915
Beruf: Schlachtermeister
Adresse: Kommenderiestraße 54
Konfession: protestantisch
Familienstand: verheiratet

Heinrich Könker wurde in Osnabrück geboren und war arbeitete dort als Schlachtermeister. Während des Kriegs diente er als Wehrmann bei der Landwehr. Am 16. Februar 1915 verlor er beim französischen Perthes sein Leben.
In einem Feldpostbrief vom 13. September 1914 beschreibt er die Verabschiedung der Soldaten und die Abfahrt aus Osnabrück: “Zunächst gestaltete sich unser Auszug zu einem wahren Triumphzug, denn wir werden von einer enormen Menschenmenge begleitet. Noch viele bekannte haben mir ein Lebewohl zugerufen. Am Bahnhof wurden wir auf den unteren Bahnsteig geführt jedoch sollten wir über das Ziel unserer Reise bald klar werden: der Zug schlug zunächst die Richtung nach Löhne ein, fuhr sodann in das Überführungsgleis, das sich durch Schinkel hinzieht und kam dann wieder durch den oberen Bahnhof, um dann die Richtung nach Münster einzuschlagen.“

6. Stahlwerk

Bessemerstraße 4, 49084 Osnabrück, DE

Vom Herd in die Fabrik
Juli 1917
Das Osnabrücker Stahlwerk verzeichnet in diesem Monat die höchste Beschäftigtenzahl im Krieg. Über 3000 Menschen arbeiten dort, davon 510 Frauen und 646 Kriegsgefangene.
Beide schließen bei wichtigen Rüstungsbetrieben die Lücken, die die Einberufungen hinterlassen haben. Auch das Osnabrücker Kupfer- und Drahtwerk oder der Bombenproduzent Brück, Kretschel & Co. können nur so ihren vollen Auftragsbüchern gerecht werden. Ebenfalls finden sich bei der Straßenbahn oder an Bankschaltern immer mehr Frauen.
Die Gesellschaft akzeptiert Frauenarbeit allerdings nur als Übergangslösung. Und auch für die Frauen steht weniger die Gleichberechtigung als der Zwang im Vordergrund, die Familie zu ernähren. Denn dazu reicht die öffentliche Unterstützung für „Kriegerfrauen“ durch Geld oder Lebensmittelkarten alleine nicht aus.

6.1 Heinrich Wiemann

Buersche Straße 60, 49084 Osnabrück, DE


Name: Heinrich Wiemann
1894-1915
Beruf: Schlachter
Adresse: Buerschestraße 60
Konfession: katholisch
Familienstand: ledig

Heinrich Wiemann wurde in Osnabrück als Sohn eines Schlachtermeisters geboren. Er lernte ebenfalls den Beruf des Schlachters und wohnte in unmittelbarer der Nähe des Stahlwerks Osnabrück. Im Krieg diente er als Kanonier bis er am 14. Juli 1915 bei Szczebrzeszyn in Polen starb.
Zur Erinnerung an ihn gaben seine Angehörigen ein Foto in das Osnabrücker „Kriegsarchiv“.

6.2 Hermann Erbeck

K52 2a, 49074 Osnabrück, DE

Name: Hermann Erbeck
1896-1915
Beruf: Schlosser
Adresse: Rothenburgerstraße 8
Konfession: lutherisch
Familienstand: ledig

Hermann Erbeck wurde in Osnabrück als Sohn eines Werkmeisters geboren und arbeitete als gelernter Schlosser vermutlich im Stahlwerk, in dessen Nähe er wohnte. Im Krieg diente er als Gefreiter, bis er am 6. August 1915 bei Flirey in Frankreich starb.
Zur Erinnerung an ihn gaben seine Angehörigen ein Foto in das Osnabrücker „Kriegsarchiv“.

7. Musküche Süsterstraße 3

Süsterstraße 3, 49074 Osnabrück, DE

Hunger und Krankheit
Juni 1915
In der Süsterstraße 3 eröffnet der Osnabrücker Hausfrauenbund die Musküche. Man sammelt Obst und macht daraus Marmelade, Säfte oder Früchte im Glas. Die Musküche gibt ihre Erzeugnisse auch an Schulkinder ab. Ohne diese und andere kostenlose Speisungen hätten viele Kinder aus armen Familien den Krieg kaum überlebt.
Nahrungsmittel sind inzwischen knapp, teuer und von minderwertiger Qualität. Von den Lebensmitteln, die über Bezugskarten verteilt werden, kann man kaum leben; die Preise auf den Märkten und auf dem Schwarzmarkt sind enorm. Soldatenfamilien sind besonders betroffen. Die Frauen können ihre Kinder mit der kleinen, öffentlichen Unterstützung oder Witwenrente kaum durchbringen. In den Zeitungen erscheinen Anzeigen, in denen kleine Kinder verkauft oder verschenkt werden.
Krankheiten fordern ihren Tribut. Geschwächt vom Nahrungsmangel haben Kinder und alte Menschen selbst harmlosen Infektionen wenig entgegenzusetzen. Auch Seuchen brechen aus: Pocken oder die Spanische Grippe töten viele Menschen.

7.1 Werner Mill

Schlagvorder Straße 6, 49074 Osnabrück, DE

Name: Werner Mill
1889-1915
Beruf: Kaufmann
Adresse: Schlagvorderstraße 6
Konfession: protestantisch
Familienstand: ledig

Werner Mill wurde 1889 als Sohn eines Maurermeisters in Osnabrück geboren und arbeitet selbst als Kaufmann. Während seines Kriegseinsatzes war er Unteroffizier und wurde an der Ostfront eingesetzt und starb dort am 16. Juli 1915.
Nicht nur in der Stadt hatten die Osnabrücker mit der mangelnden Hygiene zu kämpfen. Werner Mill schreibt am 23. Juni 1915 von der Front: „Seit gestern Nacht sitze ich schon voller Läuse und Flöhe. Es ist entsetzlich, aber man sagt ja, daß man sich daran gewöhnt. Ich hatte heute Gelegenheit ein Bad in einem größeren Teich zu nehmen. Ich sage dir, das war aber eine Wohltat.“

7.2 Werner Thalheim

Rehmstraße 7, 49080 Osnabrück, DE

Name: Werner Thalheim
1891-1918
Beruf: Student
Adresse: Rehmstraße 7
Konfession: protestantisch
Familienstand: ledig

Werner Thalheim war als Sohn eines Pastors 1891 in Oppeln im Kreis Neuhaus geboren worden und studierte selbst Medizin. Er diente während seines Kriegseinsatzes als Feldunterarzt an der Ostfront und starb 2. April 1918 im litauischen Olita.
Werner Thalheim stellt in Feldpostbriefen dar, wie er an der litauischen Grenze damit betraut war, Entlausungsanstalten einzurichten, um damit Seuchen in der örtlichen Bevölkerung entgegen zu wirken. Am 8. Januar 1918 schreibt er: „[…]dann sucht man sich seine Opfer und geht mit Seife, Haarschneidemaschinen, Krosol und Sublimatlösung an die Schmutzfinken. Du glaubst garnicht, wie jung und frisch die Bewohner nach solch einem Bade aussehen; […]Aber was kann man machen, die Läuse müssen vertilgt werden und wer von selber nicht sauber ist, der wird von den Germanskis gesäubert, wie Isaak Schmue sagt.“

8. Verbands- und Erfrischungsstelle

Frauen an der „Heimatfront“
10. Oktober 1915
Ein Zug fährt in den Bahnhof ein, er bringt Soldaten an die Front. Die Männer sind gut gelaunt, vor allem als ihnen Helferinnen Kaffee bringen. Bestürzung macht sich breit, als ein Lazarettzug ankommt. Durch die Zugfenster sehen die Rekruten die schwer Verwundeten. Auch sie werden von Rote-Kreuz-Schwestern verpflegt, manche verbunden.
Zahlreiche freiwillige Frauen halten die „Heimatfront“. Der Vaterländische Frauenverein und das Rote Kreuz betreuen durchreisende Truppen und Flüchtlinge. Am alten Bremer Güterbahnhof, in der Nähe des Hauptbahnhofs, entsteht die Verbands- und Erfrischungsstelle. Sie versorgt im ersten Jahr ihres Bestehens über 17.000 Verwundete, 59.000 durchreisende Soldaten und 6.000 ostpreußische Flüchtlinge.
Der versprochene „Dank des Vaterlandes“ bleibt für viele Frauen aus. Sara Frank, im Vorstand des Osnabrücker Vaterländischen Frauenvereins, wird 1942 als Jüdin in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und ermordet.

8.1 Alexander Igelbrink

Eisenbahnstraße 2, 49074 Osnabrück, DE

Name: Alexander Igelbrink
1898-1918
Beruf: Banklehrling
Adresse: Eisenbahnstraße 2
Konfession: katholisch
Familienstand: ledig

Alexander Igelbrink wurde in Osnabrück als Sohn eines Lagermeisters geboren und hatte selbst eine Laufbahn bei einer der Osnabrücker Banken eingeschlagen. Er starb als Unteroffizier bei Kämpfen im Rahmen der „Operation Michael“ am 2. Juni 1918 bei Reims.
Zur Erinnerung an ihn gab seine Familie ein Foto in das Osnabrücker „Kriegsarchiv“.

8.2 Heinrich Buller

Bruchstraße 17, 49074 Osnabrück, DE

Name: Heinrich Buller
1887-1915
Beruf: Lehrer
Adresse: Bruchstraße 35
Konfession: katholisch
Familienstand: verheiratet

Heinrich Buller wurde in Osnabrück als Sohn eines Landwirts geboren und hatte selbst eine Laufbahn als Lehrer begonnen. Im Krieg diente er als Unteroffizier, bis er am 19. August 1915 bei Augustowo in Russland starb.
Zur Erinnerung an ihn gaben seine Angehörigen ein Foto in das Osnabrücker „Kriegsarchiv“.

9. Marienhospital

Pottgraben 4, 49074 Osnabrück, DE

Verwundete und Verstümmelte – Der Krieg erreicht die Stadt
25. Januar 1916
Im Reservelazarett Stadthalle herrscht eine Rattenplage. Die dort liegenden Verwundeten bedecken sich nachts das Gesicht mit den Händen, weil Ratten über sie hinweglaufen.
Hunderte verwundete, verstümmelte und traumatisierte Soldaten sind in Osnabrück untergebracht. Marienhospital, Stadtkrankenhaus und Garnisonslazarett können die vielen Kriegsopfer nicht fassen. Stets überbelegte Reservelazarette entstehen überall in der Stadt.
Vor der Osnabrücker Bevölkerung versucht man diese schreckliche Seite des Krieges zu verbergen. Die Soldaten dürfen die Lazarette nicht verlassen, das Ausladen der Lazarettzüge und der Transport durch die Stadt sollen unbemerkt von der Öffentlichkeit vor sich gehen.
„Kriegskrüppel“ sind nach dem Krieg ein vertrauter Anblick. Die Heil- und Pflegeanstalt nimmt Traumatisierte auf. Lange haben Ärzte sie als Simulanten abgetan, nun werden viele von ihnen erfolglos mit Elektroschocks behandelt.

9.1 Franz Schäfer

Stubenstraße 4, 49074 Osnabrück, DE

Name: Franz Schäfer
1885-1914
Beruf: Bankbeamter
Adresse: Stubenstraße 6
Konfession: katholisch
Familienstand: ledig

Franz Schäfer wurde in Osnabrück als Sohn eines Kaufmanns geboren und hatte selbst eine Laufbahn in einer der Osnabrücker Banken eingeschlagen. Im Krieg diente er als Reservist, bis er am 17. November 1914 bei Ypern während der ersten „Flanderschlacht“ sein Leben verlor.
Zur Erinnerung an ihn gaben seine Angehörigen ein Foto in das Osnabrücker „Kriegsarchiv“.

9.2 Heinrich Thörner

Johannisstraße 36, 49074 Osnabrück, DE

Name: Heinrich Thörner
1882-1916
Beruf: Kaufmann
Adresse: Johannisstraße 36
Konfession: katholisch
Familienstand: geschieden

Heinrich Thörner wurde in Osnabrück als Sohn eines Gastwirts geboren und hatte selbst den Beruf des Kaufmanns ergriffen. Im Krieg diente er als Wehrmann, bis er am 6. Juli 1916 bei Saint Quentin sein Leben verlor.
Zur Erinnerung an ihn gaben seine Angehörigen ein Foto in das Osnabrücker „Kriegsarchiv“.

10. Domhof

49074 Osnabrück, DE

Die Lücken des Krieges
Domhof 4a, 4b, 7a, 7b, 7c – fünf Adressen in denen sieben Männer wohnen, die im Krieg sterben. Ähnlich sieht es in vielen Straßen Osnabrücks aus. Die Toten hinterlassen Lücken – in der Familie, am Arbeitsplatz und bei ihren Freunden. Hinter den Fassaden verbergen sich die Schicksale von Witwen, Halbwaisen und Eltern, die ihre Kinder verlieren.
15.000 Männer ziehen in den Krieg, beinahe 20 Prozent der Osnabrücker Bevölkerung. Fast alle Menschen in der Stadt müssen um das Leben eines Angehörigen fürchten.
2.200 Soldaten aus Osnabrück verlieren im Ersten Weltkrieg ihr Leben, mehr als 2.000 Familien sind betroffen, nahezu die Hälfte der Osnabrücker betrauert einen toten Angehörigen, Freund oder Kollegen. Einige Familien verlieren drei oder vier Mitglieder.
Fast 4.000 Osnabrücker kehren als „Krüppel“ aus dem Krieg zurück. Sie können nicht mehr arbeiten, sondern leben von winzigen Renten, manche müssen betteln.

10.1 Heinrich Wietheuper

Lotter Straße 68, 49078 Osnabrück, DE

Heinrich Wietheuper
1893-1914
Beruf: Handlungsgehilfe
Adresse: Lotterstraße 68
Konfession: protestantisch
Familienstand: ledig

Heinrich Wietheuper wurde in Osnabrück als Sohn eines Eisenbahnschaffners geboren und arbeitete selbst als Handlungsgehilfe. Er starb am 13. November 1914 als Unteroffizier bei Kamienna.
Am 12. September 1914 schildert er in mehreren Briefen an seine Familie, was er an der Ostfront erlebt: „Unsere Kompanie hat 180 Mann abgeben müssen an die aktiven Regimenter 18 und 59. Die haben bei Tannenberg jeder über 1000 Mann verloren. […] Die Hauptsache ist, daß wir so weiter siegen!“

10.2 Herman Bösmann

Natruper Straße 61, 49076 Osnabrück, DE

Herman Bösmann
1890-1915
Beruf: Eisenwarenfabrikbesitzer
Adresse: Natruperstraße 61
Konfession: protestantisch
Familienstand: ledig

Herman Bösmann wurde in Osnabrück als Sohn eines Schlossers geboren. Nach seiner Meldung als „Kriegsfreiwilliger“, wurde er dem Infanterie-Regiment 78 zugeteilt. Er kämpfte zunächst in Belgien und dann in Galizien. Dort starb Hermann Bösmann am 26. Juni 1915 bei Monastyr auf dem Gebiet der heutigen Ukraine.
In einem Brief vom 20. Mai 1915 schildert Hermann Bösmann ein Gefecht und stellt ernüchtert fest: „Meine Kompagnie ist von 190 Mann auf ca. 96 zusammengeschmolzen! So mancher meiner Kameraden, die mit mir aus Osnabrück fortgezogen sind, ist nicht mehr da!“

10.3 Hermann Lange

Domhof 7, 49074 Osnabrück, DE

Hermann Lange
1888-1916
Beruf: Kaufmann
Adresse: Domhof 7
Konfession: protestantisch
Familienstand: ledig

Hermann Lange arbeitete bis zum Beginn des Krieges als Kaufmann im familieneigenen Saat- und Düngemittelgeschäft in Osnabrück. Bereits 1910 hatte er seinen Wehrdienst geleistet und war dann zur Reserve versetzt worden. Am 5. August 1914 wurde er dem Infanterie Regiment 64 zugeteilt, um am 10. März 1915 zum Füsilier-Regiment 73 versetzt zu werden. Dort wurde er bald Offiziersstellverstreter und am 18. August 1915 zum Leutnant befördert. Am 10. November 1915 wurde ihm das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen. Im Laufe des Krieges erlebte Hermann Lange viele Gefechten. So kämpfen er etwa bei Namur, St. Quentin, Reims, an der Marne sowie bei Lamorville. Hermann Lange starb am 29. Juni 1916 bei Monchy durch einen Handgranatenvolltreffer. Er war der zweitälteste von drei Brüdern, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben verloren.
Am 3. Mai 1915 schreibt er seiner Mutter von den hohen Verlusten seines Regiments: „Von unserer Kompagnie sind sämtliche Offiziere und Zugführer gefallen. Die Franzosen haben kolossale Verluste gehabt, überall türmen sich Leichen auf, es war ein furchtbares Bild.“

10.4 Konrad Lange

Domhof 7, 49074 Osnabrück, DE

Konrad Lange
1895-1916
Beruf: Gartenbauarchitekt
Adresse: Domhof 7
Konfession: protestantisch
Familienstand: ledig

Konrad Lange wurde in Osnabrück als Sohn eines Kaufmanns geboren und arbeitete dort als Gartenbauarchitekt. Während des Krieges diente er als Vizefeldwebel in der 10. Kompanie des Infanterie Regiments 78. Konrad Lange starb am 28. Juli 1916 durch einen Kopfschuss bei Apolonia. Seine Grablege befindet sich auf dem Friedhof in Ostrow. Er war der jüngste von drei Brüdern, die in diesem Krieg ihr Leben verloren.
Seiner verwitweten Mutter, die am Domhof wohnt, schildert er in einem Feldpostbrief vom 2. August 1915 seine gespaltene Gefühlslage nach einer verlustreichen aber gewonnenen Schlacht. „Unsere Kompagnie war allein durchgebrochen und hat so der ganzen Division den Weg gebahnt. Herrlich war`s, wenn auch die Verluste beträchtlich waren.“

11. Marienkirche

Markt 28, 49074 Osnabrück, DE


Mit Gott für König und Vaterland
24. November 1918
Das Pfarramt St. Marien listet zwei Wochen nach dem Waffenstillstand sorgfältig seinen Kriegsbeitrag auf: Die Gemeinde hat Geld und Sachgüter für den Krieg gespendet, die Pfarrer waren als Feldgeistliche eingesetzt, haben vaterländische Heimatabende veranstaltet, Vorträge gehalten und von der Kanzel herab für Kriegsanleihen geworben. Pfarrer überbrachten den Hinterbliebenen die Nachricht vom Tod eines Soldaten.
Die evangelische und die katholische Kirche unterstützen gleichermaßen den Krieg. Die Predigten sollen dem „Tod fürs Vaterland“ Sonntag für Sonntag Sinn geben. Trösten die Geistlichen ihre Gemeindemitglieder? Sind sie dieser Propaganda nicht überdrüssig? Tatsache ist, dass die Gottesdienste längst nicht mehr so voll sind, wie bei Kriegsbeginn.
In ihrer privaten Trauer fühlen sich viele Menschen allein gelassen. Sie verlieren den Glauben an den Sinn des Todes für Kaiser, Gott und Vaterland. Es gibt oft keinen Ort der Trauer, keine Beerdigung und kein Grab, denn die meisten Toten werden im Frontgebiet bestattet.

11.1 Gustav Schoppenhorst

Brinkstraße 11, 49082 Osnabrück, DE

Name: Gustav Schoppenhorst
1891-1914
Beruf: Packer
Adresse: Brinkstraße 11
Konfession: protestantisch
Familienstand: ledig

Gustav Schoppenhorst wurde in Osnabrücker als Sohn eines Zugführers geboren und arbeitete selbst Packer. Er starb als Unteroffizier am 28. Oktober 1914 in Neuf Chavelle.
Sein Feldpostbrief, der nicht mehr datierbar ist, vermittelt sein Verständnis vom Sinn seines Soldatendaseins: „Sag nur um mich brauchten sie keine Sorgen zu haben. Denn so Gott will, sehen wir uns nach dem Kriege recht gesund wieder. Falls es nicht sein sollte, so ist für euch die Gewissheit, er ist auf dem Felde der Ehre geblieben, denn das sind wir unserem teuren Vaterlande schuldig. Eine Freude muß es für euch sein, sagen zu können, auch ich besitze einen Sohn, der für Recht und Ehre kämpfte, der sein Leben läßt, wenn es heißt Thron und Vaterland zu schützen. Denn unser Motto wollen wir nicht vergessen: „Mit Gott für König und Vaterland.“ .

11.2 Heinrich Holtkamp

Weißenburger Straße 26, 49076 Osnabrück, DE

Name: Heinrich Holtkamp
1876-1916
Beruf: Lehrer
Adresse: Weißenburgerstraße 26
Konfession: protestantisch
Familienstand: verheiratet

Heinrich Holtkamp wurde in Engter im Landkreis Osnabrück als Sohn eines Hofbesitzers geboren und arbeitet selbst in der Stad als Lehrer. Nach seinem Einzug in die Armee diente er als Unteroffizier und wurde an der Westfront eingesetzt. Er starb am 15. November 1916 bei Kämpfen im Wald von Saint Pierre.
Heinrich Holtkamp setzte sich in seinem Feldpostbrief vom 1. November 1916 u.a. mit der Möglichkeit des eigenen Todes auseinander und gab seinem Einsatz im Krieg einen höheren Sinn: „Hoffentlich ist Gott mir gnädig, daß wir uns in bester Gesundheit später begrüßen dürfen und uns wieder haben. Sollte es jedoch anders kommen und das Schlimmste eintreten, dann ist an dem schweren Schicksalsschlage auch nichts zu ändern. Es müssen so viele für das liebe Vaterland bluten, und da dürft Ihr auch nicht klagen; denn es ist Gottes Wille, der geschieht. Hoffentlich erlebst du dann an den drei Kindern recht viel Freude. Ihnen verhehle deinen großen Schmerz und erzähle ihnen oft von mir. Sag ihnen dann, daß ich Euch unendlich geliebt habe.“

11.3 Oswald von Seitzberg

Petersburger Wall 24, 49074 Osnabrück, DE

Name: Oswald von Seitzberg
1894-1914
Beruf: Student
Adresse: Petersburgerwall 23
Konfession: protestantisch
Familienstand: ledig

Oswald von Seitzberg wurde 1894 in Osnabrück als Sohn eines Kaufmanns geboren. Bei Kriegsbeginn meldete er sich „Kriegsfreiwillig“. Bereits am 17. Dezember 1914 starb er im belgischen Bixschoote in einem Nachfolgegefecht der ersten Flanderschlacht.
In den Briefen Oswald von Seitzbergs lässt sich ablesen, wie er den Krieg nach und nach hinterfragt. Zu Beginn zog er jedoch als „Kriegsfreiwilliger“ begeistert an die Front und schrieb von dort am 2. Oktober 1914: „Hatten ein Regimentsgefecht. Der Generalleutnant und alle diese hohen Leute mit ihren Siegellackstreifen waren dort. Der Divisionär begrüßte uns, aber ich habe nicht viel verstanden, nur das eine " Wir brauchen nicht zu leben, wohl aber müssen wir siegen." Nur wenige Worte, aber desto kerniger und inhaltsreicher.“

12. Rathaus

Markt 30, 49074 Osnabrück, DE

Öffentliches Gedenken und private Erinnerung
76 Namen stehen auf der Tafel im Rathaus, mit der die Stadtverwaltung ihren Mitarbeitern gedenkt, die „für das Vaterland“ starben. Viele solcher Tafeln entstehen in den 20er Jahren und erinnern öffentlich an die militärischen Kriegsopfer.
Das „Heldengedenken“ wird schon während des Krieges vorbereitet. Religionsgemeinschaften sammeln die Namen der Toten für Kriegschroniken, Totenbücher und Gedenktafeln, das Stadtarchiv trägt Fotos und Feldpostbriefe zusammen. Gedenkplakate werden bei besonderen Anlässen gezeigt.
Nach dem Krieg wird das Gedenken weiter politisiert. Am Volkstrauertag versammeln sich die Feinde der noch jungen Weimarer Republik. Sie beschwören das „Augusterlebnis“, die Einigkeit der Nation und das Opfer für Deutschland.
Die Veteranen, die Verstümmelten, die Hinterbliebenen bleiben mit ihren Erinnerungen, Traumata, ihrer Not und Trauer allein. Eine Generation später bringt ein neuer Krieg Leid und Tod. Der Zweite verdrängt den Ersten Weltkrieg aus dem kollektiven Gedächtnis.

12.1 Oskar Kästner

Süsterstraße 8, 49074 Osnabrück, DE

Name: Oskar Kästner
1877-1915
Beruf: Obersekretär
Adresse: Süsterstraße 8
Konfession: evangelisch
Familienstand: verheiratet
Oskar Kästner wurde in Leipzig als Sohn eines Lokomotivführers geboren und arbeitete selbst als Obersekretär bei der Osnabrücker Stadtverwaltung im Rathaus. Im Krieg diente er als Oberleutnant im Heer, bis er am 25. September 1915 bei Saint Souplet in Frankreich sein Leben verlor.
Sein Name findet sich bis heute auf der Gedenktafel für die im Krieg gestorbenen Mitarbeiter der Stadtverwaltung im historischen Rathaus der Stadt Osnabrück. Zur Erinnerung an ihn gaben seine Angehörigen außerdem ein Foto in das Osnabrücker „Kriegsarchiv“.

12.2 Walter Dröhnewolf

Schlosswall 48, 49080 Osnabrück, DE

Name: Walter Drönewolf
1875-1914
Beruf: Architekt
Adresse: Schloßwall 48
Konfession: evangelisch
Familienstand: Verheiratet
Walter Drönewolf wurde in Leipzig als Sohn eines Musikdirektors geboren und Arbeitete selbst als Architekt bei der Osnabrücker Stadtverwaltung im Rathaus. Im Krieg diente er als Vizefeldwebel, bis er am 4. November 1914 in der „Ersten Flandernschlacht“ am Yserkanal sein Leben verlor.
Sein Name findet sich bis heut auf der Gedenktafel für die im Krieg gestorbenen Mitarbeiter der Stadtverwaltung im historischen Rathaus der Stadt Osnabrück. Zur Erinnerung an ihn gaben seine Angehörigen außerdem ein Foto in das Osnabrücker „Kriegsarchiv“.

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