Stadtführung Flecken Lemförde

Stadtführung K54 87, 49448 Lemförde, DE

Der 1248 erstmals urkundlich erwähnte Flecken Lemförde hat rd. 3000 Einwohner und ist Zentralort sowie gleichzeitig der Verwaltungssitz der Samtgemeinde "Altes Amt Lemförde". Empfehlenswert ist ein Bummel durch den historischen Ortskern mit seinen im Rahmen der Ortskernsanierung liebevoll sanierten Fachwerkhäusern.

Autor: Ludger von Husen

6 Stationen

Burg Levenvorde ("Amtshof")

Hauptstraße 80, 49448 Lemförde, DE

Der im Jahre 1248 gegründete Flecken Lemförde wurde um 1316 von den Diepholzer Edelherren als strategisch günstiger Vorposten ihrer Herrschaft durch den Bau einer Burg weiter befestigt. Sie lag an einer damals wichtigen Stelle und markierte die Grenze des Herrschaftsgebietes der Herren von Diepholz. Erstmals erwähnt wird die "Burg Lewenvorde" in einer Urkunde im Jahre 1316. 1388 empfingen die Diepholzer Edelherren den Bischof von Osnabrück mit Gefolge und regelten mit ihm die Verzollung und Vermarktung der Dümmerfische.

1427 plünderte der Mindener Bischof den Ort Lemförde und 1457 wurden Burg und Flecken eingeäschert, bald darauf aber wieder instandgesetzt und stärker befestigt. Die Burg war jetzt aus massivem Steinwerk errichtet und von einem zehn Meter breiten und fünf Meter tiefen Burggraben und einer Ringmauer umgeben. Der obere Teil der Burg enthielt als besonderes Kennzeichen einen hohen, halb innerhalb der Burgmauer stehenden Wachturm oder Bergfried.

1585 endete mit dem Tode Friedrich II von Diepholz die Herrschaft der Diepholzer Grafen und die Burg ging in das Eigentum des Hauses Braunschweig-Lüneburg über. Von 1634 bis 1642 wurde Lemförde abwechselnd von schwedischen und kaiserlichen Truppen eingenommen, geplündert und verwüstet. 1642 wurde die Burg von schwedischen Truppen fast völlig zerstört. Erhalten bleiben bis auf den heutigen Tag die mächtigen Außenmauern des Hauptgebäudes und das Kellergewölbe.

Ab 1671 begann man, das Hauptgebäude zu reparieren und umzubauen. Aus dieser Zeit stammen vermutlich die großen Fenster in der Südfassade. Die Nordseite war fensterlos, da sich híer wahrscheinlich ein Steinflügel anschloss.

1779-1783 erweiterte man das Gebäude durch einen fast 19 m langen Holzfachwerkbau, der sich an die Ostseite des alten Gebäudes anschließt. Das schlichte Fachwerk mit regelmäßiger, dichter Ständerfolge war jeweils stockwerkshoch. Die beiden unteren Geschosse dienten Wohn- und Amtszwecken, der große Dachboden vermutlich als Lagerraum. Erschlossen wurde das Gebäude durch einen Eingang an der Westseite vor dem Erker und vom alten Gebäude aus. Im zwei Geschoss hohen Erker an der Westfassade war wahrscheinlich eine Toilettenanlage. In den Räumen (sieben im Erdgeschoss, acht im Obergeschoss) führte ein mittig angelegter Flur.
Bis 1859 war die Anlage Amtssitz von Drosten und Amtsmännern, denen das Amt Lemförde unterstand. Durch die Vereinigung des Amtes Lemförde mit dem Amt Diepholz im Jahre 1859 verlor Lemförde seine Funktion als Verwaltungssitz. 1866 wurde der König von Preußen Eigentümer der Anlage.

1878 ging der Besitz an den Freiherren von Busche Ippenburg über, der ihn 1896 an Stallmeister Wilhelm Köhler verkaufte. Über die Familie Vornbäumen (1921) ging das Anwesen an Heinrich Höcker über. 1945 stürzte der Westgiebel durch Kriegseinwirkung ein. Nach dem Krieg waren vorübergehend die Schwestern aus Altvandsburg hier untergebracht. Ansonsten betrieb die Familie Höcker dort Landwirtschaft und eine Mosterei.

In den folgenden Jahrzehnten war die Burganlage dem stetigen Verfall anheim gegeben.

1979 wurde in Lemförde der Verein für Denkmalpflege gegründet, um für den Erhalt des Amtshofes zu kämpfen, der mit Inkrafttreten des Nds. Denkmalschutzgesetzes zum historisch bedeutsamen Baudenkmal erklärt wurde und somit wenigstens nicht mehr abgerissen werden konnte. Erst durch die Aufnahme in das Städtebauförderungsprogramm konnten allerdings die erforderlichen Mittel bereitgestellt werden, um den Amtshof auf Dauer zu retten und zu sanieren.

Im Frühjahr 1992 kaufte das Ehepaar Ortmann den Amtshof und begann mit der Sanierung. Schon im Frühjahr 1993 hing der Richtkranz über dem Gebäude. 1994 wurde im Gewölbekeller das Restaurant eingeweiht, die Verwaltung Lemfördes zog in das Erd- und Obergeschoss ein. 2017 wurde das Verwaltungsgebäude durch einen nördlichen Flügel erweitert.

Poststation

Hauptstraße 50, 49448 Lemförde, DE

Torhaus mit Gefängnis

Hauptstraße 86, 49448 Lemförde, DE

Synagoge

Hauptstraße 53, 49448 Lemförde, DE

1817 erwarb der Schutzjude Jacob Moses Kugelmann ein Haus an der Hauptstraße und errichtete eine Synagoge. „Der Juden Schule“, so nannte Martin Luther sie nach mittelalterlichem Brauch in seinen Schriften. Dies traf auf die Lemförder Synagoge in besonderem Maße zu, denn sie beherbergte sowohl einen Raum für den Gottesdienst als auch das Schulzimmer für die israelitische Jugend der Synagogengemeinde. 1850 wurde der Giebel durch eine Ziegelfassade ergänzt, um dem schlichten Fachwerkbau mit Satteldach einen repräsentativeren Charakter zu verleihen.
An der nach Osten gegen Jerusalem gerichteten Wand des mit einem Tonnengewölbe und Rundbogenfenster versehenen Synagogen-Saals befand sich, von einem Vorhang verdeckt, der Tora-Schrein. Vor ihm standen das „Ewige Licht“ und das Lesepult, auf dem die Tora-Rollen zur Lesung ausgerollt wurden. Die Männer nahmen an den Seitenwänden Platz, die Frauen begaben sich über eine Treppe auf die Empore an der westlichen Wand.
Bis ins 19. Jahrhundert wurden in der Lemförder Synagoge jeden Tag die traditionellen Morgen- und Abendgebete begangen. Der Lehrer hatte für die Vorbereitung und Durchführung der Gottesdienste an Werktagen und am Schabbat zu sorgen.
Am 9. November 1938 wurde das ehemalige Bethaus, das über seinem Eingang eine Steinplatte mit der Inschrift „Mein Haus ist ein Bethaus für alle Völker“ trug, durch die SA geplündert und das Mobiliar auf dem Marktplatz verbrannt.
Das Gebäude steht heute unter Denkmalschutz.

Haus Groneweg

Hauptstraße 74, 49448 Lemförde, DE

Eine alte Familiensage berichtet, ein an diesem Weg wohnender Bürgersohn und Anerbe aus dem Hause Schumacher habe sich als Söldner am Krieg der Republik Venedig gegen die Türken beteiligt. Als er Mitte des 17. Jh. mit seinem Weggefährten, dem Kornett Groneweg, zurückkehrte, soll er seine künftige Ehefrau, wohl eine Griechin, auf einem Maulesel reitend, mitgebracht haben. Nur wenige Jahre darauf starb Schumacher. Seine schöne Witwe soll viele Bewerber abgewiesen haben, bis sie den ehemaligen Weggefährten ihres Mannes heiratete. Das Ehepaar erbaute 1652 in der Eselstraße, deren Name auf dieses Ereignis zurückgeführt wird, ein neues Haus, heute das älteste Ackerbürgerhaus des Fleckens. Nach dem Abriss wurde es 1997 auf dem Gelände des Amtshofs wieder aufgebaut. Heute beherbergt es die Samtgemeindebücherei.

Lemförder Ortsdurchfahrt

K54 93, 49448 Lemförde, DE

Die Lemförder Hauptstraße führt, von Haldem kommend, durch den Flecken Richtung Marl. Als dieses Foto 1944 entstand, wies sie noch ein Blaubasaltpflaster auf. Ursprünglich wurde sie als Knüppeldamm angelegt, der bei ihrer Asphaltierung 1982 freigelegt wurde. Links und rechts der Straße stehen alte Ackerbürgerhäuser. Das Engelsche Haus (v. l.), mit seinen Kraggiebeln einst eines der eindrucksvollsten Gebäude im Flecken, ist abgebrannt.