Torf in Findorff – Auf den Spuren eines Sediments in der Stadt

Stadtführung Eickedorfer Straße 2-3, 28215 Bremen, DE

Der Audiowalk bietet einen Überblick über die Geschichte des Torfs im Hinblick auf die Entwicklung Findorffs.

Autor: Paul Matuszewski

7 Stationen

Torfhafen

Eickedorfer Straße 2-3, 28215 Bremen, DE

Man steht oder sitzt an den Stufen des Torfhafens, von denen man das gesamte Becken gut überblicken kann. An diesem Ort befindet sich außerdem eine Statue eines Torfkahns. Man kann den Ort auf sich wirken lassen.


Theoretischer Vorspann
In den Sozialwissenschaften gibt es heute den Trend, dass man versucht jene Vorstellung aufzubrechen, dass Natur und Kultur bzw. Stadt zwei voneinander getrennte Sphären seien. Neuerdings spricht man deshalb im deutsch- und angloamerikanischen Diskurs von sogenannten NaturenKulturen (in einem Wort) (Gesing et al. 2019: 1). Im städtischen Diskurs gibt es seit den 1970er Jahren in diesem Kontext erste Beschäftigungen mit der Mehr-als-menschlichen-Stadt. (Franklin 2017: 206). Bis dahin wurde das soziale der materiellen Sphäre übergeordnet behandelt.
Ebenso wenig ist es haltbar von einer ontologischen Natur auszugehen, die universalen gegebenen Gesetzen unterliegt. Vielmehr ist sie produziert (Gesing et al. 2019: 1) und ist Ergebnis verschiedener Praktiken menschlicher und nicht-menschlicher Akteure (ebd.: 21).
In der Forschung haben sich in dem Zuge verschiedene Perspektiven entwickelt, die den Raum und Gesellschaft als sich beidseitig bedingende, produzierende und voneinander abhängende Netzwerke verstehen. Von diesen Netzwerken sind auch sämtliche nicht-menschliche Wesen oder Dinge teil (Gesing et al. 2019: 1).
Mithilfe dieser neuen Perspektive sollen die komplexen und verworrenen Zusammenhänge zwischen der sozialen, symbolischen und materiellen Dimension zum einen sichtbar gemacht und zum anderen verständlicher werden (Gesing et al. 2019: 9). Franklin (2017) schlägt dazu vor diese Zusammenhänge anhand ihrer entanglements (dt.: Verstrickungen) zu fokussieren.
Städte verändern sich immerfort und bilden benötigen hierfür verschiedenes Material. Die Art des verwendeten Materials verändert sich über die Zeit, manches verschwindet sogar ganz. Es hinterlässt dennoch Spuren, die man noch heute zurückverfolgen kann. Edensor (2012: 448) nennt sie sogar Spuren der Abwesenheit. Er denkt dabei ebenso in Netzwerken / Assemblagen und versteht die Stadt als im ständigen Prozess begriffen, sozusagen als zeit-räumliche Collage (ebd.: 449-450).
Material bzw. die materielle Sphäre kann im Sozialen Resonanzen hervorrufen, wodurch ihre Verwobenheit (nach Franklin 2017: entanglememt) deutlich wird. Auch wenn die Dinge / Materie mit der Zeit aus der Stadt verschwindet, bleiben zahlreiche Überbleibsel zurück, seien sie baulich oder auch immateriell. Durch sie kann die Abwesenheit des Einen erst deutlich werden. Durch diesen Blick durch Abwesenheiten auf Orte wird nach Joe Moran, ein nicht artikulierbares Gefühl von Pathos produziert, das gemeinhin erlebt wird (Edensor 2012: 450).
Über diese Perspektive haben wir versucht in Findorff die Spuren der Abwesenheits des Torfes aufzuspüren. Diese werden im folgenden Audiowalk präsentiert werden.

Literatur
Edensor, Tim (2013). Vital urban materiality and its multiple absences: the building stone of Central Manchester. cultural geographies, 20(4), 447-465.
Franklin, Adrian (2017). The more-than-human city. The Sociological Review, 65(2), 202-217.
Gesing et al. (2019): NaturenKulturen-Forschung. Eine Einleitung. In: Gesing et al. (Hg.) (2019): NaturenKulturen. Denkräume und Werkzeuge für neue politische Ökologien. Bielefeld: transcript Verlag: 7-50.

Dimensionen des Torfhafens

28215 Bremen, DE

Von der Mitte des Geländers aus schaut man ebenso frontal auf das Becken des Torfhafens. Links und rechts befinden sich die Eickedorfer Straße und die Neukirchstraße. Von hier aus kann man sich die ehemalige Größe des Hafens gut erahnen.

Kanäle und die Kolonisation des Moores

Neukirchstraße 1, 28215 Bremen, DE

Man steht auf der Brücke, die über den ehemaligen Torfkanal führt. Links von einem befindet sich ein Wohngebiet, rechts ist der Bürgerpark. Der Ausblick ist relativ idyllisch und führt sozusagen in die Ferne. Einen weiteren Ausblick sollte deshalb der nächste Beitrag leisten, um über den Zusammenhang des Torfes in der Stadt mit dem übrigen Umland zu informieren.

An den Torfkähnen

Neukirchstraße 1A, 28215 Bremen, DE

Im Hafen liegen Torfkähne, die heute touristisch genutzt werden. Nun kann man den Hafen aus der Nähe erkunden und wenn man mag, verweilen.

Abwesenheit in der Neukirchstraße

Neukirchstraße 9, 28215 Bremen, DE

Nun steht man an der Neukirchstraße, die nicht wesentlich belebt aussieht, dennoch mit ihren alten Häusern einen gewissen verschlafenen Charme versprüht. Das was gesehen wird, wird im nächsten Beitrag kontrastiert.

Findorff-Markt

Neukirchstraße 45, 28215 Bremen, DE

Standort: Dieser Ort wird sich je nach Wochentag und Tageszeit unterschiedlich präsentieren. Während des Wochenmarktes gibt es hier viel Trubel und der Platz ist mit Marktständen und Menschen gefüllt. An anderen Tagen wird man einen leeren Platz vorfinden, an dem sich aber kleine Hinweise auf den stattfindenden Markt finden lassen.

Jan Reiners Denkmallok

Fürther Straße 43, 28215 Bremen, DE

Die Denkmallok steht auf einem für Findorff zentralen Ort zu Beginn eines länglichen Parks. Trotzdem wirkt der Standort eher unscheinbar und ein bisschen verlassen.