Zeitgeschichtlicher Weg Darmsheim

Stadtführung Stichstraße 2, 71069 Darmsheim, DE

Autor: Schwarzwaldverein Sindelfingen e. V.

Darmsheim

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22 Stationen

Alter Friedhof

Dagersheimer Straße 12, 71069 Sindelfingen, DE

Der „Alte Friedhof“ wurde 1839 angelegt, nachdem der Kirchhof für Bestattungen zu klein geworden war. Alfred Beck schreibt in seiner Chronik von 1930: 1839 fand die erste Beerdigung auf ihm statt. Über dem Eingang befindet sich die Inschrift: „Die richtig vor sich gewandelt haben, kommen zum Frieden und ruhen in ihrer Kammer.“ 1850 wurde der alte Kirchhof wie auch ein Teil des neuen Begräbnisplatzes als Baumschule benützt. Heute dient ersterer zum teil als Spielplatz der Kinderschule, der Rest ist, soweit er nicht zur Schulstelle gehört, als Gartenplatz dem Organisten, dem Mesner und der Kinderschwester überlassen. Im Sommer 1921 wurde auf dem neuen Friedhof von der Gemeinde ein Erinnerungsmal für ihre im Weltkrieg gefallenen Söhne aufgestellt.

Im 18. Jahrhundert wurde der Preis für einen Sarg von der Gemeinde festgesetzt. Es durfte kosten:
1718 eine bessere Totenbahre für ein Erwachsenes 45 Kreuzer
eine geringere Totenbahre für ein Erwachsenes 40 Kreuzer
eine Totenbahre für ein Kind 20 Kreuzer
1761 wurden die Beträge erhöht auf 1 Gulden 12 Kreuzer, bzw. 45 Kreuzer und 30 Kreuzer.

Das Kriegerdenkmal wurde nach dem 2. Weltkrieg mit den Gefallenen aus diesem Krieg erweitert.
Südlich des Kriegerdenkmals sind die Ehrengräber mit prominenten Darmsheimer Persönlichkeiten.
An der südlichen Friedhofsmauer wurde 2015 an Stelle des ehemaligen Leichenhäusle ein Urnenfeld angelegt.
Heute gibt es keine Erdbestattungen mehr auf dem Alten Friedhof, er wird jetzt als Park genutzt.

Karlstraße 27

Karlstraße 27, 71069 Sindelfingen, DE

Die Alte Turn- und Festhalle wurde ab 1920, gesponsert von dem reichen Amerikaner Georg Mundle, von den Vereinsmitgliedern des Turnvereins erbaut. 1987 wurde sie von Grund auf erneuert und hat einen besonderen Charme.

Dorfplatz mit alter Schule

Schulgasse 10, 71069 Sindelfingen, DE

Dem Brandstifter fielen 1973 auch Häuser auf dem heutigen Dorfplatz zum Opfer. Dies und die räumliche Enge war Anlass den Platz neu zu gestalten. Vor dem Dorfbrunnen steht die alte Schule - Ursprung 1776 bis zum Neubau 1953 an der Olgastr. an die einst auch das „Kinderschüle“ - die Kita - angebaut war.

Kirchgasse Pelagiuskirche

Schulgasse 3, 71069 Sindelfingen, DE

Die evangelische Pelagiuskirche erbaut 1480 gehörte zum Stift Sindelfingen. Die gotische Architektur wurde immer wieder verändert und einfacher gestaltet. Sie wurde sowohl durch den Brand 1907 als auch durch Brandstiftung 1972 so beschädigt, dass sie aufwändig renoviert werden musste. Dabei wurden schöne gotische Fresken über das Glaubensbekenntnis erneuert.

Widdumstraße 12

Widdumstraße 12, 71069 Sindelfingen, DE

1843 wurde an der heutigen Stelle ein älteres Rathaus aus dem 16. Jahrhundert durch einen stattlichen Bau ersetzt, dessen Form im Wesentlichen bis heute besteht. 1962 wurde es umgebaut. Das Feuerwehrmagazin befand sich dort, bis nach der Eingemeindung 1975, ein Neues an der Stichstrasse bezogen wurde.

Backhaus in der Kirchgasse

Molkereigässle 2, 71069 Sindelfingen, DE

Das Kommunalbackhaus wurde nach einem königlichen Erlass von 1846 im Jahr 1854 erbaut. Das Backen war wegen der Brandgefahr in den Privathaushalten untersagt. Neben der Molkerei war es ein Treffpunkt für jung und alt, auch für manches Techtelmechtel.

Kirchgasse 3

Molkereigässle 2, 71069 Sindelfingen, DE

Schulgasse 22

Schulgasse 22, 71069 Sindelfingen, DE

Umgebaute Doppelscheuer. Der hintere Teil der Unterfirstständerscheune mit dem Sichtfachwerk entstand 1464 und ist damit das zweitälteste Gebäude im Ort.

Kirchgasse 14

Kirchgasse 14, 71069 Sindelfingen, DE

Probststraße 4

Probststraße 4, 71069 Sindelfingen, DE

Die Zehntscheune in der Kirchgasse ist eines der ältesten Gebäude Darmsheims. Es soll etwa um 1520 erbaut worden sein; so jedenfalls lautet das Ergebnis einer Gebälk-Holzkernunter­suchung. Diese Untersuchung war eine Umbauvorbereitungsmaß­nahme, um zu ermitteln, wie alt das Gebälk des Fachwerks ist und ob es noch gesund und brauchbar ist. Es hat sich gezeigt, daß es noch in einwandfreiem Zustand ist und noch Jahrhunder­te halten kann.

Unsere Zehntscheune ist zweifellos ein bautechnisch interessan­tes wie auch besonders schönes Fachwerkgebäude. Deshalb allein schon ist es erhaltungswürdig außer dem daß es wegen seiner Größe und Lage das Bild des umgebenden, alten Ortsteils domi­nierend prägt.

Doch es ist nicht nur sein Äußeres, das es für unseren Ort so wertvoll macht. Tradition, ortsgeschichtliche Ereignisse und Vorgänge, auch etwas von dem, was mit dem Wort Heimat beschrie­ben wird, manifestiert sich darin.

Unsere Vorfahren allerdings mögen mit gemischten Gefühlen an die ''Zehnt"-Scheune gedacht haben. Der Gang dorthin fiel ihnen sicher nicht leicht und manchmal, beispielsweise wenn ein schlechtes Erntejahr oder gar ein Hungerjahr die Menschen heimgesucht hatte, mag es sie wohl hart angekommen sein. Die unerbittliche Forderung der Grundherrn der weltlichen und auch der kirchlichen Obrigkeit brachte das Volk oft in arge Bedräng­nisse, von denen wir heute kaum eine Vorstellung haben dürften. Aber vielleicht läßt der Hinweis auf die Aufstände der Bauern und hier ganz speziell auf die Schlacht bei Böblingen im Jahr 1525 (südlich vom Goldberg auf Sindelfinger Markung) zwischen dem Bauernheer und der adligen Streitmacht unter Jörg Truchseß v. Waldburg etwas von den inneren und äußeren Nöten jener Zeiten ahnen.

Die Zehntscheune früher war gewissermaßen das, was heute für uns das Finanzamt ist. Gerne hat man damals genau so wenig wie heute von dem, was man mit seinen Händen mühsam erarbeitet hatte, etwas oder gar viel, abgegeben. Man muß zudem bedenken, daß seinerzeit die Bitte ums tägliche Brot noch von ganz per­sönlich existenzieller Bedeutung war. Wie wird man da auf­geatmet haben, als - allerdings erst 1849 - der "Zehnte" end­lich endgültig fiel. Aber selbst dieser Schlußpunkt mußte mit einer Ablösesumme erkauft werden.

Was mag sich alles bis dahin in und um unsere Zehntscheune herum abgespielt haben?!

Nach der Zehntenzeit ist dann das Gebäude nur noch als Gemein­descheune benutzt worden. Das heißt, sie wurde an solche Bauern vermietet, die mehr ernteten, als sie in der eigenen Scheune unterbringen konnten. Ein Teil des Scheunenraums diente daneben der Unterbringung von Heu und Öhmd aus den gemeindlichen'Wiesen. (Gwand "See", "Haarlanden").

Das war so bis vor wenigen Jahren, Jahrzentelang, nämlich bis 1968, war darin auch der gemeindliche Farrenstall unterge­bracht, der für die Viezucht wichtig war. Er wurde überflüssig, nachdem seitdem in den Viehbeständen der örtlichen Landwirte künstlich besamt wird.

Allmählich ging die Zahl der Landwirtschaften zurück und damit auch der Bedarf an Scheunenpachtraum. Unsere Zehntscheune stand praktisch leer, wenn man die Viehwaage außer Betracht läßt.

Ohne sinnvolle Nutzung wäre aber ihr Bestehen früher oder spä­ter fraglich geworden.

Deshalb fand die Anregung von Herrn Helmut Groß vom 18.4.1977 Bereitschaft und offene Ohren. Er wollte damals ein Bauern­theater und ein Heimatmuseum darin untergebracht sehen.

Er kam auf diesen Vorschlag durch einen entsprechenden Hinweis in einer der Arbeiten des Ideenwettbewerbs ''Ortskernsanierung".

Unser Hochbauamt erhielt den Auftrag zu untersuchen, ob ein Umbau derZehtnscheune möglich wäre. Das Ergebnis war posi­tiv, worauf auch das Kulturamt zustimmte. Man meinte, daß der Umbau ca. 530 000 DM kosten könnte. Eine Zeitlang war auch die Nutzung für ein ständiges schwäbisches Theater der Stadt Sindelfingen, das damals im·Gespräch war, ins Auge gefaßt. Weil die Zehntscheune dafür zu klein war, und es an genügend Parkplätzen fehlte, wurde diese Absicht fallengelassen.

Eine neue Lage trat dann durch den Antrag der Interessenge­meinschaft Darmsheirner Vereine (SWV, Musikverein, Gesangverein) vom 18. Februar 1978 ein. Danach haben diese Vereine ein großes Defizit an Vereinsräumen, die sie in der Zehntscheune geschaffen haben wollten. Eine Raumbedarfsaufstellung wurde mit vorgelegt.

Der Ortschaftsrat nahm auch diese Anregung gerne auf und schal­tete das Hochbauamt zur Fachberatung ein. Man kam im Baureferat zu dem Schluß, daß den Wünschen entsprochen und damit gleich­zeitig eine musterhafte Projektsanierung beispielgebend ver­wirklicht werden könnte. Es wurde auch gleich die Vergabe der Planung an die Architektengemeinschaft Berger-Hauser-Oed, Tübingen, und später zusätzlich Architekt Maute aus Darmsheim empfohlen. Diese Architekten erhielten dann im August 1978 den Planungsauftrag. Zu diesem Zeitpunkt schätzte man die Kosten bereits auf 900 000 DM.

Im Frühjahr 1979 stellte die AG erstmals öffentlich ihre Pläne vor. Sie fanden nach einigen Änderungen, Ergänzungen und Be­rücksichtigung zusätzlicher Wünsche die Zustimmung des Ort­schaftsrats, der Vereine und des Gemeinderats (Oktober1979). Auch die zu verwendenden Baumaterialien wurden ins Einzelne gehend festgelegt. Das Mehr an Programm, Materialwahl und in­zwischen gestiegener Baukostenindex erbrachten eine nunmehrige Kostenschätzung von 1,8 Millionen DM.

Während des ganzen Willensbildungs- und Entscheidungsprozes­ses waren die antragstellenden Vereine und die Theatergruppe zugezogen. Sie haben wesentlich mitgeholfen, um eine praxisnahe Lösung zu finden. Dieses Verfahren war nicht nur demokratisch, es war auch sehr vorteilhaft und sinnvoll. Man hat sich sogar vorweg über die Nutzung der Räume nach Fertigstellung geeinigt. Jeder weiß also heute schon, welche Räume ihm allein zur Ver­fügung stehen und welche einer gemeinsamen Nutzung vorbehalten sind. Für diese Hilfestellung sei herzlicher Dank gesagt.

Die letzte Absegnung der Pläne vollzog dann der Ortschaftsrat am 25. Oktober 1979. Mittel wurden beantragt und mit einer ersten Rate im Haushalt 1980 eingestellt, so daß die Rohbauarbeiten im Mai 1980 zur Vergabe kommen konnten. Und seit Mitte dieses Jahres sind, - wie sich jeder überzeugen kann - die Umbauarbei­ten in vollem Gange. Allerdings hat der detaillierte Kostenan­schlag eine weitere Kostenerhöhung signalisiert. Er lautet nun­mehr auf Baukosten von 2,3 Millionen DM. Es zeigt sich auch an diesem Projekt ganz deutlich: Renovieren und Sanieren ist teurer als Neubau!

Was hier aber für unsere Vereine und für die Ortsverschönerung getan wird, rechtfertigt den großen Mitteleinsatz unserer Stadt Sindelfingen.

Bei aller Freude über den Bau, bleibt eines festzuhalten. Allzuviel Räumlichkeiten können in der Zahntscheune leider nicht geschaffen werden. Jedenfalls nicht so viel, wie für eine optimale Vereinstätigkeit eigentlich gebraucht würden. Man wird daher nach wie vor auch andernorts Räume bereit­stellen müssen. So wird z.B. der Feierraum in der alten Schule auch weiterhin gebraucht.

Die baulichen Möglichkeiten der Zehntscheune sind ganz einfach durch die Grundriß-Situation gegeben. Sie hat außen gemessen eine Länge von 20,45 m und eine Breite von 10,50 m; Brutto­rauminhalt: 2320 cbm.

Um mehr zu erreichen, trug man sich auch mal mit dem Gedanken nach Norden anzubauen. Das scheiterte aber an den Eigentums­verhältnissen und daran, daß ein Erwerb nicht zustandekam. Das ist bedauerlich; aber nicht zu ändern.

Was bringt nun der Ausbau an Räumen für unsere Vereine:
Im Untergeschoß:
1 Besprechungszimmer
3 Abstellräumchen zus. 23 qm 23 qm
Im Erdgeschoß:
2 Gruppenräume a 1 Gruppenraum
1 Tennenplatz 24 qm 55 qm 20 qm
Im Obergeschoß:
1 Gruppenraum 24 qm
(Zwischenstock) 1 Fotolabor 16 qm
Im Dachgeschoß: 1 Saal 140 qm

Probststraße 11

Probststraße 11, 71069 Sindelfingen, DE

"Am Schäferhaus fand der Brand sein Ende". So steht es am schön renovierten Fachwerkhaus über die Katastrophe von 1907.

Probststr. 18 - 34

Probststraße 24, 71069 Sindelfingen, DE

Ensemble von Scheunen mit sehr schönem Maßwerk und einem Wohnhaus aus der Zeit von 1535, 1610 – Hofanlage- und 1613. Das Maßwerk der Scheune Probstr. 34 wurde bewußt auch optisch kunstvoll gestaltet.

Probststraße 38

Probststraße 38, 71069 Sindelfingen, DE

Ältestes Darmsheimer Haus, erbaut 1458. Zeigt innen noch geschwärzte Balken, die davon zeugen, dass es ursprünglich keine Kamine gab und der Rauch bewusst durchs Haus geleitet wurde zur Räucherung von Lebensmitteln und zur Desinfizierung.

Widdumstraße 9

Widdumstraße 9, 71069 Sindelfingen, DE

Jetzt Massagepraxis. Im Bild auf der rechten Seite, davor das Wirtshausschild Lamm, früher bereits 1920 mit großen Schaufenstern, modern wirkendes Kaufhaus Briegel. Es war der klassische Kolonialwarenladen, in welchem vom Garbenstrickle bis zur Nähmaschine alles zu haben war. Auch wurde dort das Milchgeld für die Molkereigenossenschaft ausbezahlt.

Untere Gasse 9

Untere Gasse 7/1, 71069 Sindelfingen, DE

Brandstraße 6

Brandstraße 6, 71069 Sindelfingen, DE

Hier brach der verheerende Brand 1907 aus. Die Tafel erinnert in bewegten Worten.

Widdumstraße 1

Widdumstraße 1, 71069 Sindelfingen, DE

Erstes, neu gebautes Haus nach dem großen Brand 1907 (Eindach-Bauernhaus) Ein Beispiel für nachempfundene Fachwerkhausstile, der damaligen Planer im Bereich des abgebrannten Areals.

Raunsstraße 17 - 19

Raunsstraße 17, 71069 Sindelfingen, DE

Im Hintergrund ist das Wohnhaus 17 zu sehen, Das Haus 19 im Vordergrund, aus dem Jahr 1476, gehört zu den ältesten im Ort. Zusammen mit der dazwischen liegenden Scheune –s.o.- befindet sich hier die wohl letzte mittelalterliche Hofanlage in Darmsheim.

Hirschplatz mit Gaststätte Hirsch (heute Kreissparkasse) und Dorfbrunnen

Raunsstraße 9, 71069 Sindelfingen, DE

Hier befand sich einst der Dorfbrunnen als zentrale örtliche Wasserversorgung. Berühmt wurde Darmsheim durch den Gasthof Hirsch, der unter Wurstbahnhof bekannt wurde. Dies verdankte er nicht nur der ausgezeichneten Wurst, sondern den Fliegern, die vom nahegelegenen Fliegerhorst, dem heutigen Flugfeld, oft nach prachtvollen Flugtagen, hier feierten. Angemeldet hatte man sich damals noch durch Winken mit Tüchern, aus über Darmsheim kreisenden Fliegern.

Raunsstraße 15/1 - 17/1

Raunsstraße 17, 71069 Sindelfingen, DE

Die Doppelscheune mit altem Saustall von 1474 ist eines der ältesten Gebäude von Darmsheim. Innen führt eine schwindelerregende Leiter auf den obersten Heuboden. Die Einrichtung im Innern, mit Hunderten von Garbenstricken, vermittelt ein unverfälschtes Bild der alten Zeit.

Der große Brand am 20. August 1907

Widdumstraße 9, 71069 Sindelfingen, DE

Wenn wir die Darmsheimer Ortsgeschichte der letzten hundert Jahre durchgehen, so finden wir, dass neben einem in der Geschichte unseres Orts einzig dastehenden Ereignis alle die andern Begebenheiten dieser Zeit verschwinden. Es ist der große Brand am 20. August 1907, wobei 65-70 Gebäude eingeäschert und 58 Familien obdachlos geworden sind.

Der 20. August 1907 war ein wunderschöner Sommertag. Die Einwohner waren mit den letzten Erntearbeiten auf den Feldern beschäftigt. Nur wenige waren zu Hause ge­blieben. Da ertönte plötzlich nachmittags 3/4 2 Uhr die Feuerglocke. Von den umliegen­den Feldern aus sah man aus der Mitte des Orts die feurige Lohe aufsteigen. Alles eilte der bedrohten Heimstätte zu. Im eng bebauten Krabbennest war das Feuer ausgebrochen und hatte in den mit reichen Heu- und Fruchtvorräten angefüllten Scheunen dieses Ortsteils gute Nahrung gefunden. In kurzer Zeit stand das ganze Häuserviertel mit dem Postamt, dem Pfarrhaus und dem Wohnhaus des Schultheißen Luz in hellen Flammen. ,,Alles ren­net, rettet, flüchtet." Doch konnte bei dem außerordentlich raschen Umsichgreifen des Feuers von der durch den Schrecken gelähmten, teilweise ganz kopflosen Bevölkerung nur wenig gerettet werden. Schon eilten die Feuerwehren der Nachbargemeinden Dagersheim, Böblingen, Sindelfingen, Ehningen, Aidlingen, Maichingen und Döffingen zur Hilfe herbei. Sie waren fast machtlos gegenüber dem wütenden Element. Was nützte alle Anstrengung, wenn das Notwendigste fehlte: Wasser! Nach Wasser erklang der Ruf von allen Seiten. Aber die Brunnen waren leer und der Bach nur ein dürftiges Rinnsal. Die Gülle aus den Düngergruben musste aushelfen. Zum Unglück drehte sich noch plötzlich der Wind und das Feuer griff nun auch auf bisher verschonte Häuser über. Was Hände hatte zu helfen, half die bedrohte Habe bergen. Auf den Wiesen an der Schwippe lag allerlei Hausrat bunt durcheinander. Schweine wälzten sich in den gerette­ten Bettstücken. Ochsen, Kühe, Kälber, an die Bäume angebunden, schrien nach Futter und dem Stall. Wenn nur Wasser da wäre! Da kommt jemand ein rettender Gedanke. Wenn man das Wasser von den Böblinger Seen hätte! Dort werden die Schleusen ge­öffnet. Doch wie lange steht es an bis es kommt! Schon hat das Feuer weiter gefressen. Die Kirchturmspitze fängt an zu brennen. Machtlos, händeringend stehen die obdachlos Gewordenen da. Gegen 6 Uhr trifft die zu Hilfe gerufene Stuttgarter Berufsfeuerwehr mit einer Dampfspritze unter Leitung von Branddirektor Jakoby und Brandmeister Müller ein.
Dampfspritze_Magirus
Bild: SWV Darmsheim Fotogruppe

Mit ihr kommt endlich, endlich das Wasser aus den Böblinger Seen! Beim Gottlieb Sautterschen Haus wird der Bach gestaut. Die geübten Stuttgarter Wehrleute gehen nun zusammen mit den übrigen Feuerwehren energisch an die Bekämpfung des Feuers. Von drei Seiten umgibt dieses das Sauttersche Gasthaus. Dessen Besitzer wehrt sich wie ein Verzweifelter, unterstützt von beherzten Männern, um sein Heim und seine Habe. Stundenlang mühen sie sich mit einer Feuerspritze, die mit Gülle gespeist wird, ab. Der Schweiß rinnt in Strömen. Die Gesichter sind von Rauch und Qualm geschwärzt. Most und Bier wird herbeigeführt und geschleppt, um den brennenden Durst zu löschen. Und es gelingt! Das Haus wird gerettet. Auch sonst vermochten endlich die vereinten Kräfte des furchtbaren Brandes Herr zu werden. Erst nach Tagen der Entspannung ließ sich das ganze schreckliche Unglück einigermaßen übersehen. Was war aus unserem schönen Ort in wenigen Stunden geworden! Eine rauchende Trümmerstätte! Noch tagelang glostete verkohltes Gebälk, loderten da und dort aus den Ruinen und Schuttmassen die Flammen wieder auf.
Brand Verwüstung
Bild: Rudolf Gross / Stadtarchiv Sindelfingen

Nun galt es, dem großen, über die vom Brand betroffene Bevölkerung herein gebro­chenen Elend zu steuern, vor allem einmal die vielen Obdachlosen unterzubringen. Zu diesem Zweck trat ein Komitee unter Leitung von Pfarrer Richter, der im Schulhaus untergekommen war, Schultheiß Luz, Bezirksgeometer Buck und Baurat Roller aus Stuttgart zusammen. Die meisten der Geschädigten fanden bei Bekannten und Verwandten in dem noch erhaltenen Ortsteil, in Dagersheim und Döffingen Unterkunft. Insgesamt sind - nach der am Rathaus angebrachten Erinnerungstafel - abgebrannt: 49 Wohnhäuser, 32 Scheuern und 62 Nebengebäude. Der Gebäudeschaden betrug 280.000 Mk., der Mobiliarschaden 172.000 Mark. Ein Hilfskomitee zur Linderung der Not und zur Unterstützung der Hilfsbedürftigen beim Wiederaufbau wurde gegründet sonst so weltvergessenes Dörfchen wurde mit einem Mal weit über die Grenzen unserer Heimat hinaus bekannt. Von allen Seiten flossen Gaben an Naturalien, Kleidern, Wäsche, Haushaltungsgegenständen und Geld dem Hilfsverein zu. Selbst in der Reichshauptstadt Berlin fand eine Sammlung statt. Insgesamt gingen 123.000 Mark ein. Am zweiten Tag nach dem Brandunglück trat S. Exzellenz der Herr Staatsminister von Pischek ein, um der Gemeinde und jedem einzelnen seine Teilnahme auszudrücken und zu versichern, dass seitens der Kgl. Regierung alles geschehen werde, um die Not zu lindern und den Wiederaufbau zu erleichtern. Dies Versprechen wurde auch eingelöst. Durch Gesetz vom 11. Juli 1908 erhielt Darmsheim aus der Staatshauptkasse ein Darlehen von 100.000 Mark zwei Jahre zinslos, drei Jahre mit 2 Prozent zu verzinsen, zum Wiederaufbau. Dieser wurde in den Jahren 1907 /08 unter Leitung von Baurat Roller, Stuttgart, durchgeführt. S. M. der König sandte an den stv. Oberamtsvorstand, Amtmann Held in Böblingen, folgendes Beileidstelegramm: ,,Tief erschüttert durch das schwere Brandunglück bitte ich Sie, den hart geprüften Einwohnern von Darmsheim meine tiefinnige, landesväterliche Teilnahme auszusprechen und mir zu berichten, wie und wo ich helfend beistehen kann. Wilhelm."

Ein ähnliches Beileidsschreiben des Königs erhielt Pfarrer Richter. Heute steht unser stiller Ort wieder schmucker als je da. An dem neuerbauten Haus, in welchem der Brand ausbrach, steht zur Erinnerung: ,,Hier brach das Feuer aus, wuchs mächtig durch den Wirbelwind. Beschütze Gott dies Haus, den Ort mit Mannen, Weib und Kind!" Und am letzten Haus, das der Brand ergriff, lesen wir: ,,An meinem Schäferhause, da fand der Brand ein Ende, den Schutz der neuen Klause leg ich in Gottes Hände" (Besitzer: Gottlieb Schäfer).

Aibachgrund

Allgäuer Straße 27, 71069 Sindelfingen, DE

Die Parkanlage Aibachgrund. –ca. 6,5 ha, entstand aus dem ehemaligen Steinbruch Kopp, der ab 1977 aufgefüllt wurde. Gartenbauleiter Josef Wohlschlager und Architekt Dietmar Mack mit Erdauffüllmaterial modelliert und mit edlen Gewächsen bepflanzt. Im Frühjahr bezaubern die Zierkirschenbäume, die einst von Brautpaaren gespendet und gepflanzt wurden. Der Pavillon am See mit den vielen Seerosen, ist beliebt für Trauungen. Der Park ist ein Juwel unter den Gartenanlagen.

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