Abtei Sayn

Tour Abteistraße 132, 56170 Bendorf, DE

Hier bekommen Sie eine informative Übersicht mit detaillierten Erklärungen über die Baugeschichte (grüne Zahlen) und die Ausstattung (rote Zahlen) der Abtei Sayn sowie diversen Besonderheiten und Kapellen, die in Beziehung zur Abtei Sayn stehen.

Autor: Förderkreis Abtei Sayn e.V.

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Die Abteikirche Sayn

Kurz vor dem Jahr 1200 beschloss Graf Heinrich II. von Sayn, ein Kloster zu stiften, das ein geistiges Zentrum für Sayn und Umgebung sein und der Grafenfamilie als Grablege dienen sollte. Gleichzeitig sollte Sayn, das vorher zur Pfarrei Engers gehörte, eine neue Kirchengemeinde bilden. Der Graf bat deshalb die Abtei Steinfeld/Eifel, die dem 1120 von Norbert von Xanten gegründeten Prämonstratenserorden angehörte, um Hilfe. Dieser war ein Reformorden, der sich der Erneuerung der Kirche durch verbesserte Seelsorge widmen wollte.
1202 war der Bau der Klosteranlage in Sayn soweit fortgeschritten, dass die Kirche geweiht werden konnte. Wenige Jahre danach schenkte der Kölner Erzbischof Bruno von Sayn, ein Bruder des Stifters, der neuen Kirche eine Reliquie, die als der Arm des Apostels Simon des Eiferers verehrt wurde und Sayn bald zu einem bedeutenden Wallfahrtsort machte. Bis um 1500 stand die Abtei in hoher Blüte, doch dann verursachte schlechte Führung, die große Schulden zur Folge hatte, den Niedergang. Dieser wurde dadurch beschleunigt und verstärkt, dass Graf Heinrich IV. die Reformation einführte.

Als der Graf 1606 starb, übernahm Kurtrier aufgrund eines alten Lehensvertrages Ort und Burg Sayn und sicherte der Abtei den Fortbestand, weil Sayn wieder katholisch wurde.1607 begann eine Zeit neuer Blüte. Es folgten der Umbau des Konventsgebäudes (ab 1668) und der Bau der Prälatur (des Abtsgebäudes, 1718) sowie 1731-33 des jetzigen Kirchturms im Stil des Barock. Sayn wurde von Bischöfen als Vorbild für andere Abteien bezeichnet. So traf der neue Niedergang die Abtei Sayn unverschuldet. Die Koalitionskriege in den 1790er-Jahren fügten ihr durch Einquartierungen mit Plünderungen schweren Schaden zu. 1803, also 600 Jahre nach der Gründung, wurde die Abtei – wie fast alle Klöster – säkularisiert, d. h. aufgehoben. Der mit Napoleon verbündete Fürst von Nassau-Usingen (ab 1806 Herzog von Nassau) erhielt die Abtei und ihre Besitzungen als Entschädigung für Besitz, den er auf der von Frankreich annektierten linken Rheinseite verloren hatte.
Die mit der Stiftung von 1202 verbundene Auflage, aus dem Stiftungsgut die Abteikirche auch als Pfarrkirchevon Sayn bereitzustellen und baulich zu erhalten, blieb bestehen. So ging das „Staatspatronat“ von Nassau 1815 an Preußen und 1946 an Rheinland-Pfalz über.
Seit 2005 ist wieder ein Mitglied des Prämonstratenserordens – wie zuletzt vor 200 Jahren – als Seelsorger in Sayn tätig.

Der Taufstein

Der romanische Taufstein (Abb. 1) aus dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts ist der deutlichste Beweis dafür, dass die Abteikirche zugleich Pfarrkirche der bei Weihe 1202 gegründeten Pfarrgemeinde Sayn war. Der Abt war nominell Pfarrer von Sayn, wurde aber durch ein anderes Mitglied des Konvents vertreten. Der 1,20 m hohe Taufstein ist der einzige erhalten gebliebene Einrichtungsgegenstand aus den Anfängen der Kirche. Seine spätromanischen Stilformen weisen auf das erste Drittel des 13. Jahrhunderts hin. Dies erkennt man besonders an dem aus dem Basaltstein gehauenen Blattdekor, das den Beckenrand umgibt. Dieser wird unterbrochen durch die Kapitellchen von sechs Ecksäulen aus Marmor, die seit etwa 50 Jahren ihre aus Schiefer bestehenden Vorgänger ersetzen. Das eigentliche Taufbecken (Kuppa) bildet einen sechsseitigen Pokal, der wie die ihn umgebenden kleinen Säulen auf einem einfachen Sockel steht.
Während der Errichtung der Abteikirche wurde sie mit der etwa 100 Jahre älteren Nikolauskapelle verbunden, die Standort des Taufsteins wurde und den Charakter einer Pfarrkirche („templum parochiale“) erhielt. Nach der Niederlegung der Kapelle im 16. Jahrhundert gab es wechselnde Orte im Kirchenraum für den Taufstein, z.B. im Chorraum und im Seitenschiff (Abb. 2), und nach der Tieferlegung des Fußbodens (1990) fand er Aufstellung Im Eingangsbereich der Kirche (Abb. 3). Dadurch soll symbolisch ausgedrückt werden, dass man durch die Taufe in die Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen wird.

Die Orgel der Gebrüder Stumm

Die Orgel wurde 1778 von den Gebrüdern Stumm aus Sulzbach (Hunsrück) als seitenspielige Brüstungsorgel gebaut (Abbildung). Im Vertrag vom 28. März 1778 steht, das Gehäuse solle von gutem Eichen holz, mit den gehörigen Zierrathen verfertiget, und mit folgenden spezificirten registren, mit drey Bälgen, die beide clavier mit schwartz Eben holz biß ins hohe D, das Pedal von 15 Thön versehen werden“. 1887 erweiterte man die Empore um 3,50 m nach vorne, so dass die Orgel nun mitten auf der Empore stand. Entsprechend dem Zeitgeschmack kam es im gleichen Jahr zu einer Veränderung der Disposition.
Anfang des 20. Jahrhunderts verfiel die Orgel infolge mangelnder Pflege, aber auch aufgrund der großen Feuchtigkeit in der Kirche immer mehr. 1954 baute man bei einer ersten Restaurierung das Unterpositiv der Orgel als Rückpositiv in die Empore ein und errichtete einen neuen Spieltisch vor dem Hauptwerksgehäuse in der Mitte. Diese Eingriffe wurden bei einer grundlegenden Restaurierung durch die Orgelbauwerkstatt Klais (Bonn) im Jahre 1997 rückgängig gemacht. Die Orgel befindet sich jetzt wieder mit geringen Ausnahmen im Zustand von 1778. Das Werk besitzt 29 Register, die sich auf 2 Manuale (C – d³) und Pedal (C-c1) verteilen.
In Fachkreisen erfährt die Orgel eine sehr hohe Wertschätzung. Organisten aus vielen Ländern haben sie im Rahmen großer Konzerte gespielt.
Wenn Sie mehr Details über die Stumm Orgel erfahren möchten: http://www.stumm-orgel-sayn.de

Grabfigur Graf Heinrichs von Sayn III.

Das wohl bedeutendste Kunstwerk der Abtei, das überlebensgroße Grabmal des Grafen Heinrich III. (1247), befindet sich seit 1920 im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Die in Sayn aufgestellte Kopie (Abb. 1) ist insofern von Bedeutung, als hier der ursprüngliche Zustand des mittelalterlichen Hochgrabes nachgebildet wurde.
Die Darstellung des Grafen Heinrich auf seinem Grabmal verkörpert eine Rittergestalt der späten Stauferzeit. Das Gesicht des Grafen trägt sehr individuelle Züge; wir dürfen sogar annehmen, dass eine Orientierung an den natürlichen Zügen des Verstorbenen möglich war.
Das von einem Blütenkranz und wallenden Locken umgebene Antlitz verrät eine stolze Schönheit. Das Haupt ruht auf einem Polster und wird von einer darüber angebrachten, aufgetürmten Reliefdarstellung des himmlischen Jerusalems gleichsam gekrönt, die wohl darauf hinweisen soll, dass der Graf Kreuzzugsteilnehmer (1218/19) war. Er ist mit einem bis zu den Füßen reichenden Gewand bekleidet, das, oberhalb des Gürtels glatt, nach unten hin reichen Faltenwurf aufweist. Das Ende des Gürtels hängt weit herab und ist mit schönem Ornament verziert.
Der Mantel, dessen Gespänge gelöst ist, bedeckt knapp die Schultern und den linken Oberarm. Die dem Original fehlende Linke hielt gewiss, den Zeigefinger einhakend, die Tassel, das Verschlussband des Mantels, so wie es die höfische Sitte vorschrieb und wie die Kopie es zeigt, die sich jetzt in der Abteikirche befindet. Diese wurde wahrscheinlich schon angefertigt, ehe die Beschädigungen aufgetreten waren. Die sprechende Geste von Hand und Zeigefinger muss sich von der faltenlosen Gewandung der Brustpartie klar abgehoben haben. An die rechte Seite des Grafen schmiegt sich sein Töchterchen, auf dessen Lockenkopf er eine Blumenkrone drückt. Zu seinen Füßen kauern ein Löwe und ein Drache.
Kunstgeschichtlich ist das Grabrelief von großer Bedeutung. „Die subtile schnitzerische Gestaltung der Oberfläche und die liebevolle Wiedergabe von Details erklären das Holzbildwerk zu einer der bedeutendsten deutschen Grabfiguren des 13. Jahrhunderts.“
Es ist auch das erste Grabmal, auf dem ein Kind zusammen mit seinem Vater dargestellt ist. Nichts dokumentiert die Fähigkeiten des Künstlers mehr „als die Art und Weise, wie er die gewiss nie zuvor einem Grabbildhauer gestellte Aufgabe löst, das kleine Mädchen mit der riesigen, überlebensgroßen Figur des Vaters zu einem Bildwerk zu verbinden, in den Gewändern nicht nur Körper und Beine, sondern ein zweites Wesen sichtbar zu machen, verbunden mit dem Vater durch dessen Geste und den Blütenzweig, eingehüllt in die Falten seines Mantels, aber doch selbständig darin agierend und herausblickend.
Doch war dies nicht nur eine einzigartige kompositionelle Herausforderung für den Bildhauer, sondern auch ein menschliches Thema, das in monumentaler Form zu erzählen, niemals zuvor und ... auch noch lange Zeit später niemand unternommen hat“.
Über dem Grabmal des Grafen hängt jetzt das Bild „Auferstehung Christi“, das ursprünglich im Kopf des alten, barocken Hochaltars hing (Abb. 2+3).

Kreuzigungsgruppe

Noch 1886 berichtete Lehfeldt von weiteren Wandmalereien im Langhaus der Kirche. Er erwähnt eine Darstellung aus der Legende der Kreuzauffindung im zweiten Nordjoch, deren Reste aufgefrischt seien. Ferner erwähnt er ein Wandfresko im dritten Joch, den Gekreuzigten zwischen Johannes und Maria und einen betenden Bischof darstellend (Abbildung). Der Bischof oder Abt, der in der rechten Ecke kniet, ist der Stifter. Bei den damals durchgeführten umfangreichen Wiederherstellungsarbeiten gingen diese Malereien unter und gerieten völlig in Vergessenheit. Jedoch wurde das letztgenannte "Fresko" – es handelt sich in Wirklichkeit um Secco-Malerei – bei einer Ausmalung der Kirche 1926 wiederentdeckt. Die Zeit seiner Entstehung liegt nach Schnitzler um 1470. Die Farben dieser Kreuzigungsgruppe wurden in den 1980er Jahren gereinigt und gefestigt; man entschied sich aber gegen eine Ergänzung oder Neuaufmalung.

Grabmal Friedrichs vom Stein / Fye Voß von Diebach

An der Südwand des zweiten Langhausjoches befindet sich das Grabdenkmal Friedrichs vom Stein und seiner Frau Fye (Sophie) Voß von Diebach aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts (Abbildung). Seine Restaurierung war die erste Aufgabe, die sich der Förderkreis Abtei Sayn 1981 stellte.
Im Untersuchungsbericht der Restauratorin hieß es dazu: „Das aus einem feinkörnigen, hellgelben Sandstein geschlagene Grabmal des Ehepaares von Stein ist mit einem dichten Ölanstrich versehen, der unbedingt entfernt werden muss, da der Stein unter dem luftdichten Anstrich bereits eine angegriffene Oberfläche zeigt.“ Nach Entfernen von sieben Farbschichten konnte der Originale Farbbefund gehärtet und somit gesichert werden. Die Konservatorin befand, dass außer geringfügigen Ergänzungen der Gesichtszüge und der Kleidung keine Eingriffe notwendig und sinnvoll seien. So wurde ausdrücklich von einer Neufassung des Grabmals abgesehen.
Das Ehepaar wird in betender Haltung dargestellt, Friedrich von Stein als Ritter, zwar ohne Kopfbedeckung, aber mit einem Kettenhemd, das nach der Entfernung der Übermalung wieder in seinen Details sichtbar ist. Die Frau trägt reichen Kopfputz, ihr in Falten gelegter Mantel schließt oben mit einer Halskrause ab. Die Gesichtszüge der beiden Personen sind individuell, lebendig herausgearbeitet, so als seien Porträthaftigkeit und Lebensnähe beabsichtigt. Die Steins waren Burgmannen der Sayner Grafen, zu denen sie so im Lehensverhältnis standen wie in Nassau zu den dortigen Grafen. Fyes Vater war Burgmann in Sayn gewesen, und die Tochter hatte nach seinem Tode 1389 alle Lehensgüter von ihm geerbt.
Davon war vor allem das Burghaus von Bedeutung, das später „das Kaff“ genannt wurde und den Aufgang zur Burg Sayn schützte. Noch heute finden wir dort wie an dem Grabmal das Stein’sche Wappen mit der Rose. Das Burghaus überstand die Zerstörung der Hauptburg während des Dreißigjährigen Krieges und war noch im 19. Jahrhundert bewohnt. Bis 1802 blieb es im Besitz des berühmtesten Mitgliedes der Familie, des preußischen Staatsmannes Heinrich Friedrich Karl Freiherr vom und zum Stein. An die Familie erinnert auch das Grabmal des Ritters Dederich von Stein (+1534), das 2016 im Innenhof der Abtei wiederaufgestellt wurde.

Das Grabmal der Hildegard von Sierck (1435-1489)

Der Name kommt von dem Städtchen Sierck les Bains in Nordlothringen. Es liegt an der Straße, die von Trier nach Metz führt, wenige Kilometer hinter der französischen Grenze. Mitten in der Stadt liegt auf einem Felsen die Burg der Grafen von Sierck. Elisabeth, die Tochter des Grafen Arnold VI. von Sierck, heiratete 1453 Graf Gerhard II. von Sayn. Das Ehepaar wurde in der Abteikirche Marienstatt beigesetzt und erhielt ein Grabmal, das zu den bedeutenden mittelalterlichen Kunstwerken des Rheinlandes gehört (Abb. 1).

Weniger auffällig, ja geradezu bescheiden ist die Grabplatte von Elisabeths Schwester Hildegard von Sierck (Abb. 2). Sie war mit Graf Gerlach von Isenburg-Grenzau verheiratet. Wir wissen nicht, warum Hildegard in Sayn beigesetzt ist, aber es mag eine Rolle gespielt haben, dass die Familien seit dem 13. Jahrhundert miteinander verbunden waren. So schenkte 1274 Jutta von Isenburg der von den Sayner Grafen gestifteten Abtei das Gut Ophusen in Stromberg. Hildegards Grabmal trägt die Wappen der beiden Familien: links das von Isenburg, rechts das Wappen von Sierck-Montclair.

Wie nachhaltig die Ehe, durch die der Graf zu Sayn einen Teil der Herrschaft Sierck gewann, die Geschichte von Sierck beeinflusste, zeigt die Tatsache, dass die Stadt heute noch die saynschen Farben in ihrem Wappen führt. Bei einem Besuch dort vor einigen Jahren erschienen die riesigen rot/goldenen Fahnen, die von der Burg herunterhingen, wie zur Begrüßung dort angebracht. Wenige Kilometer von Sierck entfernt liegt Burg Meinsberg, die Elisabeth ebenfalls von ihrem Vater Graf Arnold von Sierck erbte und mit in die Ehe brachte. Die Burg, heute Château de Malbrouck auf dem Meinsberg (Abb. 3-5) genannt, wurde vom Departement Moselle erworben, umfangreich renoviert und restauriert, um sodann zu einem kulturellen und touristischen Begegnugsstätte gemacht zu werden. Eine Tafel erinnert an die feierliche Eröffnung am 4. September 1998 (Abb. 6) und nennt unter den Ehrengästen Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn als nächsten Nachkommen Graf Arnolds VI. von Sierck.

Die Anbetung der Hirten vor der Krippe in Bethlehem

Der Hauptaltar der Abteikirche hatte mehrere Vorgänger. Wir wissen nichts über die mittelalterlichen Altäre, wir sind aber recht gut über den 1708 unter Engelbert Colendal (Abt von 1698 bis 1719) errichteten barocken Altar unterrichtet. Er nahm die ganze Breite des Chorraums ein, so dass die Fenster und die Wände dahinter verdeckt waren. Die spätmittelalterlichen Wandmalereien waren einige Jahre vorher mit Kalk überstrichen worden. Der Blick der Kirchenbesucher wurde also ganz auf den Altar, die Figuren und die Bilder, besonders auf das große Gemälde, gerichtet. An dieser Stelle konnte man während des Kirchenjahres unter mehreren Bildern auswechseln, so nahm man natürlich das noch vorhandene Bild „Anbetung der Hirten“ zur Weihnachtszeit (Abb. 1). Bekannt aus einem alten Inventarverzeichnis, aber nicht mehr vorhanden ist eine Kreuzigungsgruppe. Das zweite Bild des Barockaltars stellte die Auferstehung Jesu dar (Abb. 2); es hing das ganze Jahr an seinem Platz, wohl weil die Auferstehung von zentraler Wichtigkeit für den christlichen Glauben ist (Abb. 3).

Die „Anbetung der Hirten“, Ölbild auf Leinwand, hängt heute im zweiten Langhausjoch, die „Auferstehung“ auf der anderen Seite, über dem Grabmal Graf Heinrichs III. (Abb. 4). Beide Bilder stammen von dem Kölner Maler Meermann, einem Vetter des Abts. Das Motiv und die Komposition der „Anbetung“ gehen auf ein Gemälde von Peter Paul Rubens (1577-1640) für die Aachener Kapuzinerkirche zurück. Ein Kupferstich von Lucas Vorsterman machte 1620 das Rubensbild weithin bekannt und regte einige rheinische Maler an, ein Bild gleichen Inhalts ähnlich zu gestalten. Meermann ist zwar nicht – wie es manchmal geschieht – als ein Rubensschüler zu bezeichnen, wohl aber steht er in seiner Tradition.

In Steinfeld, der Mutterabtei von Sayn, an der sich Sayn über die Jahrhunderte immer wieder orientierte, steht bis heute ein ähnlicher Altar, und dort wird weiterhin von der Möglichkeit, unter Bildern auszuwechseln, Gebrauch gemacht. Die Steinfelder „Anbetung der Hirten“ ist eine seitenverkehrte (Abb. 5) und in einigen Personen veränderte Version des Sayner Bildes von Meermann.

Als der Barockaltar 1831 entfernt wurde, bewahrte man die Gemälde und die Statuen auf. Einige davon sind heute noch im Chor und im Langhaus zu finden. Der kunstvoll gestaltete, wertvolle Rahmen stammt von Johannes Brüll, der 1708 den barocken Hauptaltar gestaltete.

Grabmonument von Reiffenberg / von Hoheneck

In der Abteikirche Sayn befindet sich das GrabmaI mit den 2 Meter bzw. 1,88 Meter großen halbplastischen Figuren des Freiherren Johann Philipp von Reiffenberg (1646-1722) und seiner Gemahlin Maria Margaretha von Hoheneck (Abbildung). Es steht von Anfang an an seinem jetzigen Ort, im vierten Joch an der Nordwand des Langhauses der Abteikirche, unmittelbar neben der ehemaligen Familiengruft der Reiffenbergs. Seine Gesamthöhe von 3,45 Metern machte es erforderlich, dass beim Einbauen ein Teil des Fensters zugemauert wurde.
Freiherr von Reiffenberg trägt eine Ritterrüstung, aber keinen Ritterhelm; in der linken Hand hält er eine Bibel, die rechte ist mit gespreiztem Finger auf die Brust gelegt. Seine Frau Maria Margaretha ist in ein prächtiges bis auf den Boden reichendes Gewand gekleidet. In ihren gefalteten Händen hält sie einen Rosenkranz. Die Marmorplatte, vor der die im Halbrelief aus Sandstein gearbeiteten Perso­nen stehen, trägt einen trauernden Putto und wird oben von den Wappen der Familien Reiffenberg und Hoheneck begrenzt.
Eine der Inschriften, die über und zwischen den Eheleuten stehen, weist darauf hin, dass der Baron die Geschichte seiner Heimat aufgeschrieben hat (tecto nomine scripsit IPVR. Dies sind die Anfangsbuchstaben seines Namens). Sei­ne 1684 begonnenen, später ergänzten „Antiquitates Saynenses", deren lateinische Texte eine profunde Kenntnis der Schriftsteller der Antike verraten, sind eine wichtige Quelle zur Geschichte von Sayn und Umgebung. Der Baron war Geheimer Rat dreier trierischer Kurfürsten sowie deren Amtmann in Montabaur, Herschbach, Grenzau, Vallendar, Sayn und Heim­bach, zeitweise auch Amt­mann in Ehrenbreitstein und als solcher Kommandant der Festung.

Mitglieder der Familie Reiffenberg wa­ren im 16. Jahrhundert von Oberreifenberg (Taunus) nach Sayn gekommen. Sie erwarben am Fuße des Burgberges, in unmittelbarer Nähe der Ortsbefesti­gung, mehrere Gebäude und ließen sie umbauen und vergrößern. Friedrich von Reiffenberg (1515-95), ein militärischer Haudegen, der unter wechselnden Her­ren auf vielen Schlachtfeldern Europas kämpfte, ging auch mit der Gemeinde Sayn so um, wie er es vom Kampf ge­wohnt war. Er ließ, um besser sein neu­es Haus ausbauen zu können, ein Loch in die Ringmauer brechen, und dachte lange nicht daran, es wieder zu schlie­ßen. Sein Grabstein ist erhalten geblieben und steht an der östlichen Wand des Kreuzgangbereichs.
Die Reiffenbergs gehörten wie die Her­ren von Stein zu den Sayner Burgmän­nern, die u. a. das Recht hatten, bei der Berufung der Bürgermeister, der Förster, Eicher und anderen Gemeindebedien­steten mitzuwirken. Ihr Burghaus kam durch Heirat in den Besitz der Familie Boos-Waldeck, die es 1757 zu einem barocken Landhaus umbauen ließ. Dessen Mauerwerk wurde zu großen Teilen in das 1848-51 erbaute Schloss der Fürsten zu Sayn-Wittgen­stein integriert.

Tieferlegung der Kirche 1989/90

Mehrmals lesen wir – besonders in Notizen von Pfarrer Holsinger - im 19. Jahrhundert, dass der Brexbach Hochwasser führte und das Wasser bis in die Kirche eindrang. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass der normale Wasserstand des Brexbaches früher höher war als heute, weil in der Nähe der Abtei drei Mühlen lagen, für die der Bach gestaut war. 1831 muss das Wasser sich durch Treibeis so hoch gestaut haben, dass man den Kirchenfußboden um 85 cm höher legte, um sich für die Zukunft vor eindringendem Wasser zu schützen. Ehe man, um die Kirche höher zu legen, Schutt aufbrachte, wurden die Grabplatten, die z. T. jahrhundertelang den Boden bedeckt hatten, aufgenommen. Die Abteikirche war nämlich ein großes Grabhaus, die Begräbnisstätte der Sayner Burgmannengeschlechter. Wenn die Kirche auch keine eigentliche Krypta hatte, so befanden sich doch in den verschiedenen Langhausjochen niedere Grabkammern bzw. Grüfte, die über mit Steinplatten verdeckte Treppen zu erreichen waren. Was damals nur vermutet wurde, ist seit den Ausgrabungen des Jahres 1989 gewiss (Abb. 1+2): Es handelte sich um die Gruft der Familie Reiffenberg, die sich in der Mitte des Langhauses auf der Höhe des großen Grabreliefs des Johann Philipp von Reiffenberg und seiner Frau Margarete von Hoheneck befand. Grabplatten, die noch genügend gut erhalten waren, wurden damals im Kreuzgang aufgestellt. Sie wurden aber bei der Tieferlegung des Kreuzgangs 1989 wieder entfernt. Sie sind seit 2015/16 im Kreuzgang und im Innenhof des Klosters aufgestellt.

1857 ließ Pfarrer Holsinger wegen der großen Feuchtigkeit der Kirche um den ganzen Bau einen Entwässerungsgraben ziehen, der bis auf die Höhe des ursprünglichen Sockels ging und an der Nordseite über einen Meter tief war. Die Sohle dieses Grabens entsprach dem früheren und heutigen Boden der Kirche. Daran ist zu erkennen, dass der Boden mit der Zeit gewachsen war, d. h. dass er sich durch natürliche Bodenanlagerungen erhöht hatte. Da aber eine von Westen nach Osten zunehmende Anlagerung festzustellen war, konnte sie nur vom Berg her erfolgt sein. Wie notwendig diese Trockenlegung war, geht aus einer Notiz von Pastor Müller hervor, der berichtet, dass die Sakristei lange Zeit unbenutzbar gewesen sei und erst nach der Trockenlegung im Jahre 1857 wieder habe in Ordnung gebracht werden können. Bis dahin habe man das zum Gottesdienst Notwendige in einem Bretterverschlag hinter dem Hochaltar aufbewahrt.

Madonna mit dem Sternenkranz

An der Nordwand der Vierung, neben dem Eingang zum Turm, steht auf dem Kapitell einer Säule eine Madonna mit einem von 12 Sternen gebildeten Kranz (Abbildung). Zu ihren Füßen sieht man den Mond und einen Drachen (Offenbarung des Johannes 12, 1-5). Die Säule ist umgeben von drei Putten, die brennende Leuchter in ihren Händen tragen. Das Ganze ist Teil der barocken Ausschmückung der Kirche und wurde unter Abt Engelbert Colendal 1699 zunächst mitten im Chor aufgestellt.

Peter und Paul

Die 158 cm großen Statuen der Apostel Petrus (Abb. 1) und Paulus (Abb. 2), die jetzt an den östlichen Pfeilern der Vierung hängen, stammen von dem 1709 errichteten, 1831 entfernten barocken Hochaltar. Petrus ist zu erkennen an den Schlüsseln, die er in der Hand hält. Paulus wird mit einem Schwert, dem Zeichen für seinen Märtyrertod, dargestellt.
Ein Vergleich der Entwurfszeichnung für den Sayner Hochaltar (Abb. 3) mit dem noch existierenden Altar der Abteikirche Steinfeld legt nahe, dass die Statuen auch in Sayn auf der Höhe des Altartisches ihren Platz hatten. Die Statuen erhielten 1930 ihre jetzige polychrome (vielfarbige) Fassung.

Wechselbild für den Hochaltar oder Pilgerbild für den Simonsaltar?

Im Seitenschiff der Kirche, über dem Durchgang zu der Sakramentskapelle, hängt ein Bild, ein Ölgemälde auf Leinwand, das von seiner Größe (2,10 m x 3 m) und seiner halbrunden Oberseite her auf den ersten Blick für eines der Wechselbilder für den barocken Hochaltar von 1708 gehalten wird. Zu den verschiedenen Festen des Kirchenjahres konnten mehrere dieser Art und Größe je nach ihrem Bildthema ausgewechselt werden, wie es noch heute bei dem Altar in Steinfeld geschieht. Wolfgang Schmid gibt in seinem 2019 erschienenen Buch über den Simonsschrein plausible Gründe, warum dieses Gemälde nicht zum Hauptaltar gehörte, wie es noch in den „Kunstdenkmälern des Landkreises Koblenz“, 1944, hieß. Schmid nennt es ein Pilgerbild, weil es wohl im Rahmen der Wiederbelebung der Wallfahrt 1742 hergestellt wurde und für den ehemaligen Simonsaltar bestimmt war.
Dargestellt ist der Apostel Simon auf einer Wolke sitzend (Abb. 1), umgeben von Engeln unterschiedlicher Größe, von denen der größte, im Bildvordergrund kniend, die Säge hält, das Symbol für Simons Märtyrertod. Simon scheint in den geöffneten Himmel zu blicken. Der Apostel erlebt seine Verherrlichung.
Das Bild reicht künstlerisch nicht an das Altarbild „Anbetung der Hirten“ (Abb. 2) von Meermann heran. Von Interesse ist aber die Darstellung des Simonsschreins (Abb. 3), da sie die umfassende Restaurierung von 1742 dokumentiert. Nicht ganz klar ist, ob die 18 Fensterchen das Schreins noch mit dem ursprünglichen geschliffenen, facettierten Bergkristall oder schon mit einfachem Glas verschlossen werden. Dennoch ist es durch die genaue, detaillierte Ansicht möglich, zu erkennen, dass der heutige Zustand des Kunstwerkes im Wesentlichen der gleiche wie auf dem Bild ist.

Ehemalige Kommunionbank und großes Kruzifix

Die Abteikirche erhielt 1837 ein gusseisernes Gitter, eine Kommunionbank (Abb. 1), die zugleich einen Abschluss des Chorraumes zur Vierung hin bildete. Der Entwurf stammte von dem Künstler Heinrich Zumpft (*1799, +1878), von 1822-1835 Modelleur der Sayner Hütte, seit 1830 Akademischer Künstler (1799-1878). Als Folge der Liturgiereform nach dem II. Vatikanischen Konzil wurde die Kommunionbank um 1970 abgebaut und dann mehr als 30 Jahre im Glockenturm eingelagert. 2007 erfolgten mit Mitteln des Förderkreises Abtei Sayn die Restaurierung durch Thomas Hardy und die Wiederaufstellung als Schmuck des Kirchenraumes an der Südwand des Querschiffes. Sie ist als Unikat ein Beispiel für die sakralen Kunstgegenstände aus Eisenguss der Sayner Hütte.

Das große Kruzifix aus dem 19. Jahrhundert (Abb. 2) hing lange über dem Hochaltar, danach im Vorraum der Kirche, zwischen Hauptportal und Eingang zum Kreuzgang. Nach einer vom Förderkreis getragenen Restaurierung durch Thomas Hardy, Koblenz, fand er an der Südwand über der ehemaligen Kommunionbank seinen jetzigen Platz.

Grabmonument von Spangenberg / von Walhof

An der Südwand des Altarraums befindet sich die 2,20 m breite und 2,80 m hohe Grabplatte des Ehepaars von Spangenberg (Abbildung).
Jakob Georg von Spangenberg (1695-1779) war der Sohn eines evangelischen Pfarrers aus dem Südharz. In Jena studierte er orientalische Sprachen, die Theologie der griechischen Kirchenväter, Jura und Mathematik. In der Philosophie und in der Theologie erlebte er den Übergang zur Aufklärung, aber auch zum Pietismus. Nach dem Studium trat er zunächst in den Dienst der Herzöge von Sachsen-Meiningen, ging aber 1733 in kurtierischen Dienst über. Im gleichen Jahr trat er zur katholischen Kirche über, wobei er betonte, der Grund dafür sei allein die Erkenntnis, dass das Wesen der frühen Kirche, deren Theologie er studiert hatte, mehr in der katholischen als in der evangelischen Kirche weiterlebe. Aber er hielt sein ganzes Leben lang guten Kontakt zu seinem jüngsten Bruder, der ein bedeutender Schriftsteller und Bischof der Herrenhuter Brüdergemeine war.
Spangenberg lebte in Ehrenbreitstein in der Nähe des Kapuzinerplatzes. Im Nachbarstadtteil Pfaffendorf erinnert noch heute die „Spangenbergstraße“ an ihn. Er diente drei Kurfürsten und stieg in die höchsten Ämter von Kurtrier auf. Als Vertreter des Kurstaates ging er u. a. nach Regensburg, Frankfurt und Wien. Dort erwarb er sich die Anerkennung sogar der Kaiserin Maria Theresia, die ihn „unseren guten Freund“ nannte.
Er regte den trierischen Weihbischof von Hontheim an, seine Erkenntnisse aus der Geschichtsforschung in einem Buch zusammenzufassen und zu veröffentlichen. Dieses führte unter dem Titel „Febronius“ zu einer intensiven Auseinandersetzung um die Abgrenzung der Zuständigkeit von Papst und Bischöfen.

1755 starb Spangenbergs Frau und wurde im Chor der Abteikirche in Sayn beigesetzt. Dies war möglich, weil Spangenberg mit Abt lsfrid Ohm, einem Freund der Wissenschaft wie er selbst, befreundet war. Spangenberg war ein Wohltäter der Prämonstratenserabtei Sayn und der Benediktinerinnenabteien Marienberg (Boppard) und Niederprüm. In Sayn wollte er seinen Ruhestand verbringen und sich — wie der Abt — mit orientalischen Sprachen beschäftigen. Doch nach fünf Jahren wurde er 1775, nun schon achtzigjährig, vom Reichsvizekanzler noch einmal in die Politik zurückgerufen. Er starb 1779 in Ehrenbreitstein und wurde seinem Testament gemäß von sechs Kapuzinern an den Rhein geleitet. Von dort wurde sein Leichnam mit einem Schiff nach Bendorf und von dort vom Ufer aus mit einem schwarz verhangenen Prälatenwagen zur Abteikirche in Sayn gebracht, wo er bei Nacht in aller Stille beigesetzt wurde.

Weisungsfenster

Hinter einem unscheinbaren Fenster (Abbildung), das sich im Chorraum links neben dem Denkmal Spangenberg befindet und den Blick in die ehemalige Schatzkammer führt, wurde lange Zeit der Schrein des Apostels Simon aufbewahrt. Man spricht von einem „Weisungsfenster“ (von weisen). Es ist noch nicht geklärt, ob es schon im Hochmittelalter bestand oder ob die Maueröffnung erst 1742 im Rahmen der Neubelebung der Wallfahrt zum heiligen Simon gebrochen wurde. Dort konnte der Schrein mit der Armreliquie aus einigen Metern Entfernung zwar gesehen, aber nicht aus unmittelbarer Umgebung erlebt werden. Die Maueröffnung entspricht genau der Größe des Schreins. Vor einigen Jahren erst wurde entdeckt, dass das Fenster von innen durch eine kleine hochklappbare Tür verschlossen werden kann. Die schmiedeeisernen Beschläge, die im 18. Jahrhundert entstanden sein könnten, waren nicht sichtbar, weil die Klappe umgelegt war und wie ein Bodenbelag erschien.
An der Sayner Kirmes, am 4. Sonntag nach Ostern, wird der Schrein bis heute auf den Altar gestellt und geöffnet und kann von den Gottesdienstbesuchern betrachtet werden. Eine alte Bauernregel sagt: „Es wird nicht eher warm, bis gezeigt wird Simons Arm.“

Apostel und Evangelist Johannes sowie Apostel Simon vom ehemaligen Barockaltar

Von dem alten Barockhochaltar (Abb. 3) sind nur noch einige Überreste erhalten. Die beiden 148 cm hohen Apostelfiguren des hl. Johannes (Abb. 1) und des hl. Simon (Abb. 2) wurden bei der Firma Port in Münstermaifeld, wo sie fast 30 Jahre gestanden hatten, restauriert und befinden sich wieder in der Kirche, der erstere im Chorraum, Simon in der Seitenkapelle neben dem dortigen Altar. Der als Attribut zum hl. Johannes Ev. gehörende Adler dient heute als Lesepult. Es ist wegen seiner Größe jedoch unwahrscheinlich, dass er zu der erhalten gebliebenen Johannesfigur gehörte

Hochaltar

Unter der Vierungskuppel, dort, wo früher vermutlich der Altar des hl. Petrus und des hl. Paulus stand, wurde bald nach dem Amtsantritt von Pfarrer Madauß ein neuer Altar aufgestellt und an Ostern 1971 eingesegnet. Er wurde unter Verwendung eines Kredenztisches aus dem Chor, die aus der Werkstatt Bruells stammen dürfte, durch Restaurator Thienelt aus Koblenz angefertigt. Dieser prächtige vergoldete Altar ist als gut gelungen zu bezeichnen. Wenige Jahre später fand er seinen heutigen Platz im Chorraum (Abb. 1). Das jetzt über dem Altar hängende Kreuz stammt wie das Sakramentshäuschen in der Seitenkapelle und wie das Kreuz über dem Altar in der Seitenkapelle („Werktagskapelle“) von Egino Weinert, Köln. Beim Tieferlegen des Fußbodens kamen im Kirchenschiff so viele gut erhaltene Bodenfliesen des 13. Jahrhunderts zum Vorschein, dass eine Wiederverwendung beschlossen wurde; in der südliche Seitenkapelle bilden sie seit 1993 eine teppichartige Umgebung für die Stele mit dem Tabernakel.

Pfarrer Madauß beabsichtigte seit langem, den Hochaltar als Reliquienaltar zu gestalten. Dafür wurde der um 1300 entstandene Altar des ehemaligen Prämonstratenserinnenklosters Altenberg bei Wetzlar als Vorbild ausgewählt. Die Teile seines Retabels (Altaraufsatz) befinden sich heute an verschiedenen Standorten. 1985 wurden zunächst die Flügelbilder im Städel-Museum in Frankfurt kopiert und auf dem Hochaltar aufgestellt. Die aufgeklappten Vorderseiten zeigen Szenen aus dem Marienleben und eine Darstellung der heiligen Elisabeth von Thüringen (Abb. 2), die Rückseiten Passion und Auferstehung Jesu. Im Jahre 1997 wurde die Nachbildung des sogenannten Altarsschreins mit seinem Schnitzwerk in Form gotischer Architektur und mit seinen Glasscheiben (Original in Schloss Braunfels) hinzugefügt, sodass die Flügel wie beim Original daran befestigt werden konnten. Darin befinden sich seitdem der Simonsschrein (Abb. 3), eine Monstranz mit einer kleinen Reliquie der heiligen Elisabeth und weitere Reliquien. Der Altar hat fünf Achsen. Zwei Gefache zur Aufbewahrung von Reliquien umrahmen eine Mittelnische, welche die Schnitzplastik einer thronenden Madonna (Original im Bayerischen Nationalmuseum München) beherbergt. Der neue Altar, den man eine Rekonstruktion nennen kann, weil ein vollständiges Original nicht mehr besteht, wurde an Allerheiligen 1997 geweiht.

Unter Engelbert Colendal, von 1698–1719 Abt von Sayn, wurde die Kirche im barocken Stil der Zeit neugestaltet, stark beeinflusst von der Abteikirche Steinfeld, der Mutterabtei von Sayn.

Der 1709 fertiggestellte Hochaltar nahm die gesamte Breite des Chorraumes ein und verdeckte die gotischen Fenster. Die Wandmalereien daneben waren allerdings schon 1657 übertüncht worden. Der Entwurf des linken Teils des Altars ist hier durch Spiegelung und durch Einsetzen der Apostelstatuen Petrus und Paulus, des 3 m hohen Bildes „Anbetung der Hirten in Bethlehem“ (Nr. 9 im Faltplan) sowie des ca. 1,60 m hohen Gemäldes „Auferstehung Christi“ (Nr. 5 im Plan), ergänzt (Abb. 4). Beide Gemälde wurden von dem Kölner Maler Heinrich Meermann erstellt. Die „Anbetung der Hirten“ im Steinfelder Altar ist eine seitenverkehrte Version des Sayner Bildes. Das große zentrale Bild konnte zu besonderen Festen gegen andere Bilder ausgewechselt werden. Der Sayner Barockaltar wurde 1831 abgebrochen; sein Steinfelder Vorbild existiert weiterhin.
Das Wappen des Stifters Johann Philipp von Reiffenberg vom ehemaligen Sayner Hochaltar hängt heute im Pfarrhaus über dem Ausgang zum Kreuzgang.

Simonsschrein

Das Hochmittelalter war eine Zeit inbrünstiger Reliquienverehrung. Es war deshalb von großer Bedeutung, dass der Sayner Abtei 1204, kurz nach ihrer Gründung, eine Reliquie geschenkt wurde. die als der Arm des Apostels Simon verehrt wurde. Der Spender war Bruno von Sayn, Propst in Bonn, ab 1205 Erzbischof von Köln, Bruder des Grafen Heinrich II., des Stifters der Abtei. Um 1220 ließen die Prämonstratenser-Chorherren von Sayn ein würdiges Behältnis für die Reliquie anfertigen, einen hausförmigen Schrein, in dessen Dach- und Seitenflächen Fenster mit geschliffenem Bergkristall eingelassen wurden (Abb. 1+2). Diese sind umrahmt von gestanzten oder ziselierten Verzierungen, gegossenem und ziseliertem Blattwerk und (Halb-)Edelsteinen. Doch nicht alles ist Gold. was glänzt. Der Schrein besteht nämlich aus Holzstäben, die mit Kupferblech beschlagen sind, das hauchdünn mit aufgedampftem Gold bedeckt ist. An den Giebeln befinden sich aus Kupfer getriebene, vergoldete Halbfiguren von Engeln (Abb. 3+4).

Die Reliquie wurde bald Ziel von Wallfahrten. Besonders am Kirchweihfest, dem 4. Sonntag nach Ostern, und am Sonntag darauf kamen zahlreiche Pilger nach Sayn. Noch heute wird der Schrein am Kirmessonntag auf den Altar gestellt und geöffnet und kann von den Gottesdienstbesuchern betrachtet werden. 1742 erreichte Prior Godefried Geller eine Wiederbelebung der Wallfahrt. Der Schrein wurde tiefgreifend umgestaltet, und das von Geller verfasste Wallfahrtsbüchlein ist ein wertvolles Dokument der Frömmigkeitsgeschichte.
Eine alte Wetterregel, die weithin im Westerwald und in der Eifel bekannt war, lautete: „Es wird nicht eher warm, bis gezeigt wird Simons Arm.‘‘

Die Bedeutung des Schreins als Kunstwerk wird u. a. dadurch deutlich, dass er seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ein sehr begehrtes Objekt für Kunstausstellungen ist (z. B. mehrmals in Köln, dann in Brüssel, Dijon, Stuttgart, Trier u. a.). Im Aachener Domschatz befindet sich eine 1872 angefertigte originalgetreue Kopie des Sayner Schreins. Seine hervorragende Stellung in der Schatzkunst wurde 2014 bei einer großen Ausstellung in der Schatzkammer des Kölner Doms betont. Wolfgang Schmid nennt ihn gar in seinem ganz dem Simonsschrein gewidmeten Werk 2019 ein „Schlüsseldokument in der Geschichte der Goldschmiedekunst.“ Diese Aussage ist Resultat jahrelanger Forschung, aufwendiger Restaurierung und eines großen vom Bistum Trier veranstalteten Symposions mit den an der Arbeit beteiligten Fachleuten.


Heute wird der Schrein, durch Panzerglas gesichert, im Hochaltar gezeigt. In früherer Zeit wurde er hinter einem Fenster an der rechten Seite des Chorraumes, das zur „alten Sakris- tei“ im ersten Stock führt, aufbewahrt. Die Maueröffnung entspricht genau der Größe des Schreins. Das Fenster kann von innen durch eine kleine hochklappbare Tür verschlossen werden. Die schmiedeeisernen Beschläge, die im 18. Jahrhundert, also zu der Zeit, als Geller die Wallfahrt reaktivierte, entstanden sein könnten, waren lange Zeit nicht sichtbar, weil die Klappe umgelegt war und wie ein Bodenbelag erschien.

Wandmalereien "Propheten, Apostel …"

An Innenmalereien hat sich aus der frühesten Zeit der Kirche kaum etwas erhalten. Es ist jedoch anzunehmen, dass solche auf den großen Wandflächen des romanischen Baus vorhanden waren. Besonders die ehemalige romanische Chorapsis wird nicht ohne Bemalung gewesen sein. Als aber etwa 1385 der neue gotische Chorschluss entstand, der ja der Verschönerung des Gotteshauses dienen sollte, wollte man trotz der reichen Aufgliederung und Belebung, die er schon durch die mit Glasmalereien versehenen Fenster erfuhr, dennoch auch auf eine Ausmalung dieses Raumes nicht verzichten. (Abbildung)

Dort wurden ursprünglich 24 männliche Personen in zwei Reihen übereinander dargestellt, darüber in der Mitte Christus und Maria als Halbfiguren. In Anlehnung an den Epheserbrief vertreten die unteren zwölf Gestalten das Alte Testament mit seiner Messiaserwartung, an- gefangen vom Stammvater Jakob bis zum Vorläufer des Herrn, Johannes dem Täufer, die oberen das Neue Testament. Sie tragen Schriftbänder, deren Aufschriften auf das Erlösungswerk Christi hinweisen. Hierdurch war es noch im 19. Jahrhundert möglich, die einzelnen Personen namentlich festzulegen.
In der oberen Reihe stehen, gleichsam auf den Schultern der Propheten, die Apostel.

Über dem königlichen Sänger des Alten Bundes, David, und seinem Stellvertreter im Neuen Bund, Petrus, thront der segnende Christkönig, über Isaias mit der Schriftstelle: “Ecce virgo concipiet et pariet filium” und dem zweiten Apostelfürsten, Paulus, die betende Gottesmutter.

Die schweren Schäden, die die Kirche im 16. und zu Anfang des 17. Jahrhunderts erlitt, zogen wohl auch die Wandmalereien stark in Mitleidenschaft, so dass sie gelegentlich des Anstriches unter Abt Gülich übertüncht wurden. Dieser ließ nämlich die Kirche 1657 weißen (“dealbari‘) . Erst als 1832 der große Barockaltar abgebrochen wurde, deckte man die ersten Spuren der alten Malerei wieder auf. Um 1880 wurden sie ganz freigelegt und verfälschend mit Ölfarben übermalt. Diese wurden 1958 entfernt, und darunter konnte man zum zweiten Male die ursprünglichen Malereien wieder freilegen. Sie wurden dann nur gereinigt und gefestigt, so dass man nunmehr eine Ahnung von der früheren Schönheit erhalten kann. Leider war ausgerechnet die Darstellung des Apostels Simon, die erste Person links, wohl so sehr sehr beschädigt, dass man sie nicht zu erhalten versuchte. Seit eingehenden dendrochronologischen Untersuchungen von 2012 wissen wir, dass die gotische Apsis – und damit auch die Malereien – um 1385, also 70 Jahre früher als bis dahin angenommen, entstanden sind.

Der Kreuzgang und das Brunnenhaus

Zu einem größeren Kloster gehörte in der Regel ein Kreuzgang. Dieser lag fast immer – wie in Sayn – an der Südseite der Kirche. Im Jahre 1202 wurde die Abteikirche geweiht, um 1230 entstanden die vier Flügel des Kreuzgangs, zu dessen Westflügel ein Brunnenhaus mit einem zweischaligen Brunnen gehört. (Abb. 1)
Der Kreuzgang umschloss den Kreuzhof. Nach der Aufhebung der Abtei (Säkularisation 1803) wurden drei Flügel entfernt; nur der westliche Flügel, der in den Konventsbau (die spätere Volksschule) integriert war, blieb erhalten.

Die vier Flügel waren so angelegt, dass man von ihnen aus die einzelnen Gebäude und Räume des Klosters, vor allem die den Mönchen (Chorherren) vorbehaltene Klausur, erreichen konnte. Ein rechteckiger Vorbau ragt vom Kreuzgang in den Kreuzgarten hinein. Er umschließt ein quadratisches Haus für den Brunnen und daneben, durch eine Wand getrennt, für ein Treppenhaus, das früher zur Bibliothek in den ersten Stock führte. Der Brunnen lag nahe beim Refektorium, dem Speisesaal, und diente an dieser zentralen Stelle der Versorgung der Abtei mit frischem Wasser zum Trinken und zum Händewaschen.

Der zweistufige Brunnen verrät durch seine spätromanische Form und seine Dekors, dass er aus der Entstehungszeit des Kreuzgangs stammt. Er ist 2,20 m hoch und wird von einem Pinienzapfen (Abb. 2) bekrönt, aus dessen Spitze das Wasser herausquillt und in die obere, die kleinere Schale fällt. Deren 21 cm hoher Rand ist mit Palmetten (Abb. 3), stilisierten Palmwedeln, geschmückt, die an Blüten erinnern.
Die untere Schale ist in sechs Kreissegmente aufgeteilt, die je einen muldenförmigen Waschplatz bilden. Das Wasser konnte bis auf die Höhe der außen angebrachten sechs aus dem Stein herausgehauenen Wasserspeier steigen, die maskenartige Köpfe (Abb. 4) darstellen. Diese Köpfe, aus deren Mund früher das Wasser aus etwa einem Meter Höhe auf den Boden floss, bilden die Kapitelle der sechs Säulen, die die Schale umgeben.

Als das Kloster aufgelöst war, verfielen die nicht mehr von Mönchen bewohnten Gebäude. Der Kreuzgang blieb weiterhin als Verbindung zwischen Pfarrhaus und Kirche erhalten. Der Brunnen wurde abgebaut, aber seine Teile lagen viele Jahre unbeachtet auf dem Gelände. Die Bezirksregierung erlaubte einem Lehrer, in dem Brunnenhaus einen Stall einzurichten. Zwei Kloben in der Mauer (Abb. 5) erinnern an die Stalltür, die einmal dort eingehängt war.

1857 wurde man auf die Bedeutung der Abteikirche und ihres Kreuzgangs aufmerksam. Zwei Jahre später wurde der Brunnen wiederaufgebaut, unter Erneuerung der inzwischen verloren gegangenen oder zu sehr beschädigten Teile. So wurde der Brunnen vor der Kirche aufgebaut (Abb. 6). Es war gar nicht die Rede davon, den Brunnen wieder an seinen ursprünglichen Platz zu bringen. Erst Anfang der 1880er-Jahre wurde der alte Stall entfernt. Aber es dauert noch einmal mehr als vierzig Jahre, bis 1924 unter einer Kalkschicht die 200 Jahre lang versteckten mittelalterlichen Malereien (Abb. 7+8) wiederentdeckt wurden und anschließend der gesamte Kreuzgang mit dem Brunnenhaus restauriert wurde. Zuletzt kam 1928 der Brunnen wieder an seinen richtigen Platz. Fast siebzig Jahre später war erneut eine gründliche Restaurierung erforderlich (Abb. 9).

Der Kreuzgang und das Brunnenhaus

Zu einem größeren Kloster gehörte in der Regel ein Kreuzgang. Dieser lag fast immer – wie in Sayn – an der Südseite der Kirche. Im Jahre 1202 wurde die Abteikirche geweiht, um 1230 entstanden die vier Flügel des Kreuzgangs, zu dessen Westflügel ein Brunnenhaus mit einem zweischaligen Brunnen gehört. (Abb. 1)
Der Kreuzgang umschloss den Kreuzhof. Nach der Aufhebung der Abtei (Säkularisierung 1803) wurden drei Flügel entfernt; nur der westliche Flügel, der in den Konventsbau (die spätere Volksschule) integriert war, blieb erhalten.

Die vier Flügel waren so angelegt, dass man von ihnen aus die einzelnen Gebäude und Räume des Klosters, vor allem die den Mönchen (Chorherren) vorbehaltene Klausur, erreichen konnte. Ein rechteckiger Vorbau ragt vom Kreuzgang in den Kreuzgarten hinein. Er umschließt ein quadratisches Haus für den Brunnen und daneben, durch eine Wand getrennt, für ein Treppenhaus, das früher zur Bibliothek in den ersten Stock führte. Der Brunnen lag nahe beim Refektorium, dem Speisesaal, und diente an dieser zentralen Stelle der Versorgung der Abtei mit frischem Wasser zum Trinken und zum Händewaschen.

Der zweistufige Brunnen verrät durch seine spätromanische Form und seine Dekors, dass er aus der Entstehungszeit des Kreuzgangs stammt. Er ist 2,20 m hoch und wird von einem Pinienzapfen (Abb. 2) bekrönt, aus dessen Spitze das Wasser herausquillt und in die obere, die kleinere Schale fällt. Deren 21 cm hoher Rand ist mit Palmetten (Abb. 3), stilisierten Palmwedeln, geschmückt, die an Blüten erinnern.
Die untere Schale ist in sechs Kreissegmente aufgeteilt, die je einen muldenförmigen Waschplatz bilden. Das Wasser konnte bis auf die Höhe der außen angebrachten sechs aus dem Stein herausgehauenen Wasserspeier (Abb. 3) steigen, die maskenartige Köpfe darstellen. Diese Köpfe, aus deren Mund früher das Wasser aus etwa einem Meter Höhe auf den Boden floss, bilden die Kapitelle der sechs Säulen, die die Schale umgeben.

Als das Kloster aufgelöst war, verfielen die nicht mehr von Mönchen bewohnten Gebäude. Der Kreuzgang blieb weiterhin als Verbindung zwischen Pfarrhaus und Kirche erhalten. Der Brunnen wurde abgebaut, aber seine Teile lagen viele Jahre unbeachtet auf dem Gelände. Die Bezirksregierung erlaubte einem Lehrer, in dem Brunnenhaus einen Stall einzurichten. Zwei Kloben in der Mauer (Abb. 5) erinnern an die Stalltür, die einmal dort eingehängt war.

1857 wurde man auf die Bedeutung der Abteikirche und ihres Kreuzgangs aufmerksam. Zwei Jahr später wurde der Brunnen wiederaufgebaut, unter Erneuerung der inzwischen verloren gegangenen oder zu sehr beschädigten Teile. So wurde der Brunnen vor der Kirche aufgebaut (Abb. 6). Es war gar nicht die Rede davon, den Brunnen wieder an seinen ursprünglichen Platz zu bringen. Erst Anfang der 1880er-Jahre wurde der alte Stall entfernt. Aber es dauert noch einmal mehr als vierzig Jahre, bis 1924 unter einer Kalkschicht die 200 Jahre lang versteckten mittelalterlichen Malereien (Abb. 7+8) wiederentdeckt wurden und anschließend der gesamte Kreuzgang mit dem Brunnenhaus restauriert wurde. Zuletzt kam 1928 der Brunnen wieder an seinen richtigen Platz. Fast siebzig Jahre später war erneut eine gründliche Restaurierung erforderlich (Abb. 9).

Konventsgebäude

Eine vor 1668 entstandene Zeichnung (Abb. 1) zeigt das Konventsgebäude noch in der Form, wie es um 1200 entstanden ist. Ein Kupferstich von 1742 (Abb. 2) gibt die radikale Umformung in der Barockzeit wieder, die im Wesentlichen dem heutigen Bauzustand entspricht (Abb. 3, linkes Gebäude). Dennoch ist der ursprüngliche Bau in den Neubau integriert und nicht abgerissen worden. So ist der Keller mit seinen Gewölben noch reines 13. Jahrhundert. Auch die Verbindung zum Kreuzgang, zur Kirche sowie auch zu den übrigen vom Konvent genutzten Gebäuden war schon durch eine Reihe von Türen gegeben. Der Anschluss an die Prälatur wurde bei deren Erbauung 1718 geschaffen. Über ein Treppenhaus aus dem 13. Jahrhundert gelangte man zu der von Abt Colendal 1708 über dem Brunnenhaus eingerichteten Bibliothek.

Der durch seine Gewölbe recht hohe Keller macht den vorgebauten Treppenaufgang erforderlich, der das „Erdgeschoss“ optisch wie einen ersten Stock erscheinen lässt. Seit 1998 kann er wieder – wie auf dem Bild von 1742 – von zwei Seiten begangen werden (Abb. 4)
1818 sollte das seit 1803 leerstehende Gebäude mit dem verbliebenen Kreuzgangflügel für Bauholz und Steine versteigert werden. Nur die Tatsache, dass zu wenig dafür geboten wurde, rettete das Konventsgebäude vor dem Abriss. Stattdessen wurden zuerst Wohnungen für Mitarbeiter der Sayner Hütte eingerichtet. Von 1824 an diente das Haus als Volksschule der Gemeinde Sayn. Diese war inzwischen auch Eigentümerin geworden, wie seit nach der Eingemeindung von Sayn die Stadt Bendorf. Der direkt neben der Kirche gelegene Teil des ehemaligen Konventsgebäudes , erhielt einen eigenen Zugang über eine Treppe und diente als Wohnung für den Lehrer, der zugleich Küster und Organist war. 1980 verließ die Schule das Gebäude. Durch ein Tauschverfahren ging es damals in das Eigentum der Kirchengemeinde Sayn über. Die Stadt Bendorf darf dafür den Prälatengarten als Parkplatz und Kirmesplatz sowie als Anlage nutzen sowie das Gelände neben der Kirche als Friedhof, obwohl beide Immobilien Eigentum der Kirchengemeinde bleiben.

Das Abtsgebäude (Prälatur) – heute Pfarrhaus

Das Hauptanliegen des Abtes Engelbert Colendal (1698-1719) war der Neubau einer Prälatur (Abb. 1, rechtes Gebäude). Nachdem er bisher eine bescheidene Wohnung im Turm an der Südwestecke des Konventsflügels bewohnt hatte, wünschte Colendal nun seiner Stellung als Prälat und “doppelter Burgherr zu Sayn” entsprechend, einen repräsentativen Bau zu errichten, um darin Wohnung zu nehmen. Doch erst in den letzten Jahren seines arbeitsreichen Lebens wurde es ihm möglich, diesen seinen Lieblingsplan in die Tat umzusetzen, wie die in den Eisenankern verewigte Inschrift E C A P 1718 (Engelbertus Colendal Abbas perfecit 1718 - Abt Engelbert Colendal ließ dies errichten) anzeigt. Die Maurerarbeiten führte Meister Mattheis Roesgen, die Zimmerarbeiten und den Treppenbau der Koblenzer Baumeister Leopold Klimmer aus.

Die Prälatur steht im rechten Winkel zu dem alten Westflügel der Abtei und ist südwestlich an diesen angebaut. Sie passt sehr gut in die Gesamtanlage und gibt ihr eine wohlgelungene Abrundung. Das Äußere wie auch die Raumaufteilung im Innern ist die eines herrschaftlichen Wohnhauses der damaligen Zeit. Über den drei Mittelfenstern der Vorderfront befindet sich ein einfacher Giebel mit einem ovalen Fenster. Die Westwand hat einen schön geschweiften Barockgiebel. Über der breiten, zweiflügeligen Tür ist das schlichte Wappen der Abtei, ein Wappenschild mit den Zeichen A S (Abbatia Saynensis), drei Sternen und dem Norbertskreuz (T) angebracht. Die beiden mächtigen Pilaster, die die schlichte Front des Gebäudes beleben, sind denen des anstoßenden Konventsflügels genau angeglichen.

Das Innere der Prälatur hat eine großzügige Raumaufteilung, ist jedoch ansonsten recht einfach gehalten. Lediglich der große Raum rechts vom Eingang weist reicheren Stuck auf. Hier empfing der Abt seine Gäste. Heute dient er auch als Ausstellungsraum. Die Prälatur gehörte nicht zur Klausur und stand daher auch Fremden offen. Die weiträumige Diele mit dem gediegenen, breiten Treppenhaus ist durch eine Tür unmittelbar mit dem Kreuzgang verbunden.

Von der alten Einrichtung der Abtei ist nicht viel übrig geblieben. Ein Prachtstück, das wir heute noch bewundern, ist die mächtige Eichentruhe (Abb. 2), deren Machart und Ornamentik nach Johann Michael Fritz über Jahrhunderte im Spätmittelalter üblich waren. Eine genauere Datierung ist nur durch dendrochronologische Untersuchung möglich.

Die Außenmalereien an der Nordfassade

Weit bedeutender und berühmter als die Innenmalereien sind, allein schon wegen ihrer großen Seltenheit, die Außenmalereien der Sayner Abteikirche (Abb. 1). Sayn bietet eines der besterhaltenen Beispiele für eine solche Außenbemalung in unserer rheinischen Kunst. Dabei handelt es sich besonders um die Bemalung der Blendarkadengalerie an der Nordwand (Abb. 2). 700 Jahre war sie an einer sonnenlosen Wand Wind und Wetter ausgesetzt, die gleichsam einen Schleier der Verwitterung über den ursprünglich leuchtenden Farbenteppich gebreitet hatten. Auch war sie an manchen Stellen stark beschädigt, an anderen ausgebessert. 1972/73 wurden die Übermalungen der Barockzeit und des Jahres 1858 wieder abgenommen. Nach dem Entfernen von Pilzen und Flechten kam der Originalbefund zum Vorschein. Dieser wurde unter einer einen Millimeter dicken Kalkschicht konserviert, die jetzige Bemalung nach vorher anfertigten Pausen gemäß den aufgefundenen Putzritzungen in den Originalfarben aufgetragen. In dem östlichen Feld, in das man im 17. Jahrhundert nach dem Abbruch der Nikolauskapelle ein Fenster eingesetzt hatte, waren die Malereien weitgehend abgeschlagen worden. Ein erhalten gebliebener Rest am oberen Rand zeigt, in welchem Zustand die Malereien nach ihrer Sicherung waren.

Die Bemalung dieser Blendarkadengalerie, die zwischen den großen dunklen Dachflächen der früheren Nikolauskapelle und der Abteikirche sichtbar wurde, diente rein dekorativen Zwecken. Da sie eine Abwechslung in das sich dem Besucher darbietende Gesamtbild hineinbringen sollte, wählte man die Farben möglichst hell. Um die Fensternischen zieht sich eine rote Einfassung mit weißen Querfugen. Oben wird die Galerie durch einen Zickzack- und unten durch einen Kugelfries begrenzt. Die freien Flächen werden durch verschiedene Blattmotive, die mit meisterhafter Symmetrie gezeichnet sind, ausgefüllt. Das Ganze wirkt in seiner farbigen Lebendigkeit wie ein kostbarer Wandteppich oder wie eine prächtige Schmelzarbeit mittelalterlicher Schreine. Graf Wolff Metternich schreibt zur Charakterisierung von Sayn, Bacharach (St. Peter) etc.: „Es ist kaum denkbar, dass die Welt der staufischen Goldschmiedekunst mit ihren schimmernden Emails und glitzernden Edelsteinen, den prunkvollen Ausmalungen der Innenräume, den farbenprächtigen Gewändern der Vornehmen, der aufblühenden Heraldik und den bunten Volkstrachten auf die Farbe (gemeint ist in der Außenarchitektur) als Ausdrucksmittel von Macht und Würde verzichtet hätte.” Weiter heißt es: “Was die Schreine im Kleinen, sollten die Monumentalbauten im Großen sein.” In ganz besonderem Maße trifft diese Bemerkung auf das Beispiel Sayn zu. Überdies ist sogar eine große Ähnlichkeit zwischen den Blattmustern zahlreicher Emails an mittelrheinischen Schreinen und denen der Sayner Außenbemalung unverkennbar.

Als Hauptfarben sind Rot, Weiß, Gelb, Grün und Grau verwandt. Trotz ihrer lebhaften Frische wirken diese Farben in ihrer feinen Tönung sehr dezent. Auch in das architektonische Gesamtbild fügt sich die Bemalung gut ein. Clemen bemerkt dazu: “Trotz der Feinheit des Dessins ist der Maßstab für die Architektur im ganzen nicht zu klein.

Grabplatten vom 13. bis 18. Jh.

Der Innenraum der Abteikirche war mit zahlreichen Grabplatten bedeckt. Als 1831 der Fußboden um einen Meter erhöht wurde, nahm man die Platten heraus und legte sie dicht an dicht in das Seitenschiff (Abb. 1). 1928 wurden sie von dort entfernt und im Kreuzgang aufgestellt. Als dieser 1988 restauriert wurde, mussten die Platten weichen und wurden „provisorisch“ gestapelt. 2015 wurden sie restauriert und auf Sockeln im Kreuzgang und entlang der südlichen Mauer der Sakristei, an der freistehenden Mauer an der Stelle des abgebrochenen Ostflügels und an der Mauer des ehemaligen Südflügels des Kreuzganges für Besucher der Abtei endlich gut sichtbar aufgestellt.
Bei den Grabplatten handelt es sich um Denkmale für bedeutende Pröpste und Äbte der Abtei sowie wichtige Persönlichkeiten aus dem Umfeld des Klosters, die einer kurzen Erläuterung bedürfen.

1– 5: an der Außenwand der Sakristei (Abb. 2)
1. Grabplatte von „Hermann“, dem ersten Prior des Klosters Sayn, der von 1202 bis zu seinem Tod 1220 das Kloster in Sayn als Filialkloster der Abtei Steinfeld führte. Der Titel Abt wurde zu seinen Lebzeiten nicht verwendet, vermutlich nach seinem Tod „ehrenhalber“ auf der Platte angebracht, ebenso wie der Hinweis, dass alle nachfolgenden Äbte hier zu bestatten seien.
2. Grabplatte des Abtes Gerhard von Neukirch aus dem Jahr 1465. Der Text besagt, dass der ehrwürdige und fromme Vater und Herr an den „Kalenden des Augusts“ (17. Juli) im Jahr 1465 verstorben ist.
3. Grabplatte des Abtes Johannes von Berck aus dem Jahr 1500. Er starb am 3. April 1500 und wird hier „Abt und Erneuerer dieses Ortes“ genannt.
4. Grabplatte des Junkers Dietrich vom Stein aus dem Jahr 1534. Dietrich vom Stein starb am 1. Mai 1534, die Grabplatte ist mit 8. Juni 1534 beschriftet. Er war Lehnsmann des Grafen von Sayn und einer der Sayner Burgmannen.
5. Grabplatte des Söldnerführers Friedrich von Reiffenberg aus dem Jahr 1595. Auch Friedrich von Reiffenberg war Lehnsmann des Grafen von Sayn. Er war kaiserlicher Oberst, später französischer General, der auf vielen Schlachtfeldern Europas kämpfte. Ursprünglich vermutlich in der Reiffenberg‘schen Familiengruft.

6 a+b – 14: an der freistehenden Mauer (Osten, Abb. 3)
6 a Fragment der Grabplatte einer weiblichen Angehörigen der Familie Reiffenberg aus dem Jahr 1625. Über die Verstorbene ist nichts Näheres bekannt, sie zählte aber wohl zum engsten Kreis der Familie.
6 b Grabplatte des Edelknaben Wilhelm Anton von Reiffenberg aus dem Jahr 1602. Auch er war wohl ursprünglich im Umfeld der Gruft beigesetzt.
7. Grabplatte der Maria Sebilla von Wentz aus dem Jahr 1689. Mitglieder der Familie Wentz nahmen auch das Burgmannenamt in Sayn wahr und waren Lehnsleute des Kurfürsten zu Trier, da 1607 die Sayner Grafen im Mannesstamme ausgestorben waren und der Kurfürst das Lehen Burg und Ort Sayn als erledigt eingezogen hatte.
8. Grabplatte des Abtes Joseph Kappenstein aus dem Jahr 1744. Der am 12. Oktober 1744 Verstorbene war von 1722 Abt des Klosters und führte es zusammen mit seinem rührigen Prior Godefried Geller. In den letzten Jahren seines Lebens galt Prior Geller als eigentlicher Leiter des Klosters.
9. Grabplatte mit Wappen, aber ohne Inschrift aus dem 18. Jahrhundert. Leider ist weder die genaue Zeit noch eine Person zu ermitteln.
10. Grabplatte des Ignatius Franziskus von Ehrenfels aus dem Jahr 1774. Von Ehrenfels war kurfürstlich-trierischer Kämmerer mit Sitz in Ehrenbreitstein. Sein Testament im Pfarrarchiv zeigt seine engen Beziehungen zum Kloster.
11. Grabplatte für Abt Adolph Gülich (verst. 12.12.1697) und Abt Engelbert Colendal (verst. 20.9.1719). Ob die Platte schon im Jahr 1697 so entstanden ist und im Rahmen der Zweitverwendung 1719 ergänzt wurde, ist nicht bekannt. Beide Äbte waren verantwortlich für einen bedeutenden Aufschwung der Abtei Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts. Die Inschrift E.C.A.P. 1718 am Pfarrhaus, dem ehemaligen Abtsgebäude, weist auf Colendal als Erbauer hin.
12. Grabplatte in mehrfacher Verwendung aus dem Jahr 1639 für Schultheiß Matthäus Philippi und zwei Sayner Gerichtsschöffen aus der Familie Baldems, Johann Matthäus Baldems, verst. 1699 und Johannes Wilhelm Baldems, verst. 1721.
13. Grabplatte der Katharina Kreus, genannt Baldems, aus dem Jahr 1706.
14. Grabplatte der Maria Antonetta Barbara Reiffenberg aus dem Jahr 1722.

15 – 16: in der Wand neben dem Kreuzgang eingelassen (Abb. 4)
15. Grabplatte der Gerichtsschöffen Johann Baldems des Älteren (verst. 1637) und Johann Baldems des Jüngeren (verst. 1697).
16. Grabplatte eines Unbekannten aus der 2. Hälfte des 17.Jahrhunderts. Trotz fünf verschiedener Wappen und Fragmenten einer Inschrift lässt sich keine persönliche Zuordnung ermitteln.

17 : rechts vom Seiteneingang zur Kirche (Abb. 5)
17. Grabplatte des Balthasar von Sehnge Sinsz (Name nicht genau leserlich) aus dem Jahr 1553. Die Rückseite der Platte wurde 1599 für den verst. Hans Wolff vom Stein zweitverwendet.

18 – 23: jenseits des Tors, an der südlichen Außenwand des Chors (Abb. 6)
18. Grabplatte des Sayner Bürgermeisters Johann von Goldershofen aus dem Jahr 1507, der aus einer bürgerlichen Familie aus dem Kreis Altenkirchen stammte und zeitweise auch als Notar der gräflichen Verwaltung diente.
19. Grabplatte der Anna Maria Heimbach aus dem Jahr 1683. Sie war mit dem Gerichtsschöffen Johann Baldems verheiratet.
20. Grabplatte des Abtes Adolph Da(h)men aus dem Jahr 1722. Er wurde 1704 Prior unter Abt Colendal und 1714 Prior des Filialklosters Engelport. Nach dem frühen Tod Colendals kam er als dessen Nachfolger nach Sayn zurück.
21. Grabplatte des Abtes Adolph Hirsch aus dem Jahr 1789. Abt Adolph Hirsch wurde 1777 Nachfolger des Abtes Isfried Ohm. Er ließ im Jahr 1779 die Kirche renovieren, eine neue Klostermühle errichten und den Konventsgarten neu gestalten.
22. Grabplatte des Abtes Josephus Peifer, gestorben am 14. Februar 1794. Er wurde 1789 als ältester Kanoniker der Abtei mit 65 Jahren zum Abt gewählt.
23. Grabplatte des Abtes und Visitators Isfried Ohm aus dem Jahr 1779. Isfried Ohm war eng befreundet mit dem kurtrierischen Minister Jakob von Spangenberg, der seinen Sitz über lange Zeit in Ehrenbreitstein hatte und als Förderer des Klosters gilt.

Der Simonsbrunnen

Die Wasserversorgung war ein wichtiger Faktor für die Wahl des Standortes der Abtei Sayn. Brauchwasser erhielt man aus dem Brexbach, Trinkwasser bezog man aus einer Quelle hinter dem Chor der Kirche. Ein Teil davon wurde abgeleitet in das Brunnenhaus des Kreuzgangs, wo es den Brunnen speiste. Ein anderer Teil wurde in einem kleinen Häuschen gefasst und durch einen Überlauf in eine schlichtes quadratisches Becken geleitet, das von einer kniehohen Mauer umgeben war. Das Häuschen und das Sammelbecken erhielten den Namen Simonsbrunnen. Abbildung 1 zeigt, wie dieser vom 2. Drittel des 19. Jahrhunderts bis 1983 aussah.

Es heißt, in dem Brunnenhäuschen habe man im 30-jährigen Krieg, als die Schweden in die Abtei eindrangen, und auch später bis zu den Koalitionskriegen Ende des 18. Jahrhunderts den Simonsschrein versteckt. Das Sayner Wallfahrtsbüchlein von 1742 schrieb dem Wasser deshalb heilende Wirkung bei Krankheiten zu. Seitdem war der Brunnen auch das Ziel vieler Wallfahrer. Bei Augenleiden benetzten sie ein Tuch mit seinem Wasser, um damit über die Augen zu wischen. An der Klosterpforte waren Flaschen mit „Simonswasser“ erhältlich. Nach der Aufhebung der Abtei (1803) war ein Rückgang der Wallfahrten zu verzeichnen. 1910 sagt Pfarrer Knopp, die Pilger, die jetzt noch nach Sayn kämen, seien leicht zu zählen. Ganz haben die Wallfahrten aber auch in unserer Zeit nicht aufgehört.

In neuerer Zeit wurden mehrmals chemische Untersuchungen des Wassers durchgeführt, es gab aber keine Ergebnisse, die die Wirkung rational erklären konnten. Als in der 1920er-Jahren oberhalb des Simonsbrunnens großflächig Bims ausgebeutet wurde, zerstörte man die Wasseradern, und der Brunnen führte mit der Zeit immer weniger Wasser. Heute kann er nur noch mit einer Umwälzpumpe gespeist werden.

Von den 1970er-Jahren an trafen sich viele Heimatvertriebene aus dem katholischen Teil Ostpreußens, dem Ermland, regelmäßig in Sayn. Am 3./4. September 1983 kamen sogar etwa 500 an Ermländer nach Sayn, um den 400. Jahrestag des Katharinenordens zu begehen und an der Einweihung des neuen Simonsbrunnens (Abb. 2) teilzunehmen, den der Ermländer Bildhauer Hans-Joachim Hippel aus Basalt an der Stelle des oben erwähnten kleinen alten Beckens errichtet hatte. Der Apostel Simon steht auf einer achteckigen Säule, aus der vier Wasserspeier ein ebenfalls achteckiges Brunnenbecken füllen. Auf dem Beckenrand sieht man Reliefs des Ermländer Bistumswappens (Osterlamm mit einer Fahne), der hl. Elisabeth von Thüringen und der Witwe von Sarepta aus dem Alten Testament, die, selbst dem Verhungern nahe, dem Propheten Elia zu essen gab. Außerdem finden wir Regina Protmann, die 1999 seliggesprochene Gründerin des Katharinenordens, aus Braunsberg/Ermland.

Die Sebastianskapelle (Pestkapelle)

Regelmäßige Gottesdienste werden in Sayn nicht nur in der Abteikirche gefeiert, sondern auch in der Schlosskapelle und in der dem hl. Sebastian geweihten Kapelle an dem kleinen Platz in der Abteistraße, in dessen Mitte ein haushohes, schmales, mit einem Schieferdach geschütztes Holzkreuz emporragt. Die gegen den Giebel des ehemaligen Gemeindehauses gelehnte Kapelle wurde von der Gemeinde Sayn errichtet, um ein Gelöbnis während der Pest der 1660er Jahre zu erfüllen (Abb. 1).
In Sayn war der Prämonstratenser Tilman Baldems aus der dortigen Abtei Pfarrer. Als Seelsorger blieb er bei seiner Pfarrgemeinde, während die andern Mitglieder seines Konventes den von der Pest heimgesuchten Ort mieden. Er wurde schließlich selbst von der verheerenden Seuche angesteckt. Als er merkte, dass er sterben müsse, bat er die Bürger von Sayn, an dem Ort, an dem in der Notzeit die heilige Messe gefeiert wurde, ein Kreuz zu errichten. Die Einwohner wollten jedoch mehr tun und meinten, eine Kapelle sei eher angemessen.
Weihbischof Johannes Holler (1664-1671) befand sich auf einer Visitationsreise im Mittelrheingebiet, als er die Sayner Kapelle am 22. Juli 1670 weihte. Der kleine Bau in Sayn blieb bis heute bestehen. Holler weihte den Altar der hl. Jungfrau Maria und den Schutzpatronen Sebastian und Rochus (Abb 2). Dem Altarstein gab er Reliquien der Martyrer der thebäischen Legion aus Trier bei. Eine erhalten gebliebene Inschrift gibt uns darüber Nachricht (Abb. 3). Nach der Überlieferung wurden die Opfer der Pest auf dem Platz vor der Kapelle begraben. Man spricht von 100 Pesttoten, deren letzter Tilman Baldems gewesen sei. 1783 wurde an dieser Stelle ein Missionskreuz errichtet, das noch bis ins 20. Jahrhundert eine Tafel mit der Aufschrift trug: „Gekreuzigter Herr Jesu, erbarme dich unser und aller hier Ruhenden.“ Wohl so ist es gekommen, dass Kapelle und Kreuz als zusammengehörig angesehen werden. In der Bevölkerung spricht man deshalb vom „Pestkreuz“.
Bis 1983 oblag die Unterhaltung der Kapelle der Stadt Bendorf bzw. vorher der Gemeinde Sayn. Einige Jahre lang feierte die Nachbarschaft das „Kreuzfest“, das sich in Sayn großer Beliebtheit erfreute und dessen Erlös zur Renovierung des Kreuzes bestimmt war. Die Stadt Bendorf, Eigentümerin des Platzes und damit des Kreuzes, begrüßte die Bürgerinitiative und stellte den fehlenden Betrag aus Haushaltsmitteln zur Verfügung. Einige Nachbarn legten bei den handwerklichen Arbeiten mit Hand an (Abb. 4).
Die letzte große Renovierung/Restaurierung wurde 1998 begonnen und erstreckte sich, weil man über den Baumaßnahmen immer wieder zusätzliche Schäden an Mauerwerk, Decke und Dachstuhl entdeckte, über mehrere Jahre.

Die Schlosskapelle mit Elisabeth-Arm

1861/63 ließ Fürstin Leonilla zu Sayn-Wittgenstein dem 1848/51 erbauten Schloss von dem Koblenzer Baumeister Hermann Nebel (1816-1893) eine Kapelle in neugotischem Stil anfügen, die eine ältere, aber kleinere Kapelle ersetzte (Abb. 1). Die neue Schlosskapelle ist orientiert an Sainte Chapelle in Paris und hat wie diese zwei übereinanderliegende Sakralräume mit Altar. In dem unteren der beiden beherbergt sie die Grablege des Fürstenhauses (Abb. 2).
Die der hl. Elisabeth von Thüringen und der hl. Barbara geweihte Kapelle zählt zu den bedeutenden Werken rheinischer Neugotik.
Die Schlosskapelle wurde durch Kriegseinwirkungen im März 1945 beschädigt. Die verloren gegangenen Glasfenster wurden 2001-2002 nach Entwürfen des Malers Moritz von Schwind wiederhergestellt (Abb. 3+4).
Die Kapelle erhielt wieder eine neugotische Ausmalung und ihre handgemalte Wandbespannung aus Stoff. Die Innenausstattung, darunter der Altar mit dem Aufbewahrungsort des Elisabethreliquiars, wurde restauriert. Die Fertigstellung der Schlosskapelle wurde am 1. Mai 2004 feierlich begangen.

Das Armreliquiar der heiligen Elisabeth hat die Form eines senkrecht aufragenden Arms und birgt eine Reliquie der heiligen Elisabeth von Thüringen (Abb. 5).
Zur Geschichte: Am 1. Mai 1236, weniger als fünf Jahre nach ihrem Tode, wurden die Gebeine Elisabeths im Beisein Kaiser Friedrichs II. in der Marburger Hospitalkapelle erhoben und in einen kostbaren Schrein überführt. Die Armreliquie gelangte schon bald darauf nach Altenberg bei Wetzlar an der Lahn. In der dortigen Prämonstratenserinnenabtei wurde Gertrud, die 1227 geborene Tochter der Heiligen, von ihrer frühesten Kindheit an erzogen. Schon 1248, im Alter von 21 Jahren, wurde sie dort Äbtissin und blieb in diesem Amt bis zu ihrem Tode 1297. Das um 1240 entstandene Reliquiar ihrer Mutter hatte jahrhundertelang seinen Platz im Altar auf der Nonnenempore der Altenberger Klosterkirche.
Nach der Aufhebung des Klosters Altenberg im Jahr 1803 schenkte die letzte Priorin Ludovica Norbertina von Bode das Reliquiar ihrem Verwandten, dem Grafen Boos von Waldeck in Sayn, der es in der Schlosskapelle aufbewahrte. Dessen Enkel vermachte das Reliquiar der Fürstin Leonilla zu Sayn-Wittgenstein, einer direkten Nachfahrin der hl. Elisabeth. Seither ist das kostbare Goldschmiedewerk im Besitz der Sayner Fürstenfamilie. Es befand sich einige Jahre lang im Hochaltar der Abtei Sayn.

Elisabeth-Arm in der Schlosskapelle

Das Armreliquiar der heiligen Elisabeth ist ein Reliquiar in Form eines senkrecht aufragenden Arms, das eine Reliquie der heiligen Elisabeth von Thüringen.

Am 1. Mai 1236, weniger als fünf Jahre nach ihrem Tode, wurden die Gebeine Elisabeths im Beisein Kaiser Friedrichs II. in der Marburger Hospitalkapelle erhoben und in einen kostbaren Schrein überführt. Die Armreliquie gelangte möglicherweise schon bald darauf nach Altenberg an der Lahn. Der dortigen Prämonstratenserinnenabtei Kloster Altenberg gehörte Gertrud von Altenberg an, die 1227 geborene Tochter der Heiligen, seit ihrer frühesten Kindheit an, seit 1248 als Äbtissin. Das um 1240 entstandene Reliquiar blieb jahrhundertelang im Klosterschatz.

Nach der Aufhebung des Klosters Altenberg im Jahr 1803 schenkte die letzte Priorin Ludovica Norbertina von Bode das Reliquiar ihrem Verwandten, dem Grafen Boos von Waldeck in Sayn, der ihn in der Schlosskapelle aufbewahrte. Dessen Enkel vermachte das Reliquiar der Fürstin Leonilla zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, einer direkten Nachfahrin der hl. Elisabeth. Seither ist das kostbare Goldschmiedewerk im Besitz der Sayner Fürstenfamilie. Ebenfalls befand sich das Reliquiar einige Jahre lang ausgestellt im Hochaltar der Abtei Sayn.

Kapelle mit Kreuzweg im Schlosspark

Schon im Jahr 1708 ließ Kurfürst Johann Hugo von Orsberck ein altes Heiligenhäuschen, das an der steinernen Brücke über den Sayn und Brexbach, der Straße von Engers nach Sayn stand, wiederherstellen. Es muss also ein deutlich älteres Kapellchen schon an dieser Stelle gestanden haben.
Als im Zuge der Straßenänderung und des Verkaufs des Geländes, zunächst an den Grafen Boos, dann an Fürst und Fürstin Sayn-Wittgenstein der Schlosspark in den 1850er Jahren neu angelegt wurde, entstand im Jahr 1862 im Auftrag von Fürstin Leonilla die jetzige neugotische Kapelle mit der eindrucksvollen Pieta (Abb. 1).
Die Kapelle wird noch heute von Sayner Bürgern besucht, die ihre Gebete an die "schmerzensreiche Muttergottes" richten wollen.

Die Marienkapelle war auch Ausgangs- und Endpunkt des Kreuzweges im Schlosspark (Abb. 2).
Im Auftrag von Fürstin Leonilla wurden in der Sayner Hütte im Jahr 1862 durch die Modelleure Wilhelm Samuel Weigelt und seinen Sohn Fritz zunächst 14 Kreuzwegstationen in Kunstguss gefertigt. Die Stationen wurden im unmittelbaren Bereich der Kapelle aufgestellt.
Während des 2. Weltkriegs wurde die Stationen zum Teil beschädigt, zerstört, einzelne auch gestohlen.
Erst im Jahr 1996 konnten sie restauriert bzw. durch Nachmodellierung ergänzt werden. Im Jahr 1997 wurde eine 15. Station (Auferstehung) hergestellt (Abb. 3).
Mit der Neuaufstellung im Jahr 2010 entlang des Rundweges durch den Schlosspark wurden sie aus der doch etwas versteckten Lage herausgenommen und es entstand ein neuer, gern gegangener Kreuzweg von exakt einem Kilometer.

Die Alte Friedhofskapelle

Zur Abtei- und Pfarrkirche Sayn gehörte seit Ihrer Gründung (1203) ein Friedhof. Die älteste Abbildung davon ist ein Kupferstich von 1742 (Abb. 1). Er zeigt viele Grabkreuze und eine barocke Friedhofskapelle mit einem Kreuz und den zu einer Kreuzigungsgruppe gehörenden Statuen von Maria und Johannes. Auf einem Aquarell von 1850 (Abb. 2) dagegen ist die Kapelle schlicht, hat offenes Fachwerk und ist eingefügt in eine breite Abschlussmauer.
Nach mehreren Veränderungen wurde sie 2015 auf den Zustand von 1850 zurückgeführt (Abb. 3), allerdings ohne die Mauer und ohne die Figuren. Diese hatte man lange als Werke der Schule von Hans Backoffen angesehen. Einzelheiten der Gestaltung sprechen eher dagegen. Sie sind stark beschädigt und zu groß im Verhältnis zum Kreuz; auch aus finanziellen Gründen muss zurzeit auf ihre Restaurierung verzichtet werden. Das Kruzifix beeindruckt jetzt umso mehr in seiner schmucklosen Einfachheit (Abb. 4).

Pfarrer Martin Boos (1762-1825)

Martin Boos, Pfarrer von Sayn 1819-1825 (Abb. 1), ist vor der Alten Friedhofskapelle begraben, wo noch heute die Gräber von Sayner Pfarrern des 19. Jahrhunderts liegen. An ihn erinnert die hier angebrachte gusseiserne Gedenktafel aus der Sayner Hütte, die aus Anlass seines 100. Geburtstages aufgestellt. Heute hängt sie an der Rückwand der restaurierten Friedhofskapelle (Abb. 2). Sie trägt folgende Inschrift: "Hier ruht der Pfarrer/ Martin Boos/ geb. den 23ten December/1762/ zu Huttenried/ in Ob Baiern/ gest. d. 29ten August/ 1823 in Sayn/ Der Gerechte aber lebt aus dem Glauben. Röm. 1.17/ Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben. Apo. 14, V.13/ 1961."

Wer war dieser Mann, dessen Name für den 29. August unter den "Evangelischen Tagesnamen und Festtagen" verzeichnet ist? 1786 zum Priester geweiht, erlebte Martin Boos nach harten Bußübungen seine "Erweckung", die ihn veranlasste, in "Christus für uns – Christus in uns" den Gedanken der Rechtfertigung allein aus dem Glauben im Einklang mit der Lehre Luthers, aber unbabhängig von diesem, in die katholische Kirche zu bringen. Sein Wirken rief die sog. Allgäuer Erweckungsbewegung hervor, die sich in weiten Teilen Süddeutschlands und Österreichs verbreitete.
Boos musste sich schweren innerkirchlichen Angriffen, Untersuchungen und Anklagen stellen, obwohl er auch von maßgeblicher Stelle, u. a. von Johann Michael Sailer, dem späteren Bischof von Regensburg, Unterstützung fand. Er musste seine Heimat verlassen und fand 1817 Anstellung als Religionslehrer in Düsseldorf und 1819 als Pfarrer in Sayn, wo er bis zu seinem Tode 1825 wegen des großen Verständnisses, das ihm der Trierer Bischof von Hommer entgegenbrachte, fast unangefochten lebte.
Es ist überliefert, wenn Boos gepredigt habe, seien Mitglieder der Herrenhuter Brüdergemeine des Öfteren von Neuwied in großer Zahl nach Sayn gekommen. Als er sein Ende nahen fühlte, ließ er den Pfarrer der Brüdergemeine zu sich rufen, und ein Mitglied der Gemeine pflegte ihn. An seinem Sterbelager stand auch Anna Jacobi, die Tochter des Dichters Matthias Claudius, eines der bedeutendsten evangelischen Kirchenliedautoren.
Der Kreis um Martin Boos war eine frühe ökumenische Bewegung, für die wohl die Zeit noch nicht reif war. Boos betonte stets mehr das die Konfessionen Verbindende als das sie Trennende; und im Gegensatz zu seinem Freund Johannes Goßner, der 1825 evangelischer Christ und später bedeutender Prediger in Berlin wurde, verließ er seine Kirche nicht. Goßner widmete ihm eine umfangreiche Biographie (Abb. 1). Martin Boos beantwortete die Frage nach der Rechtfertigung und Heiligung des Menschen, die schon in der Reformation des 16. Jahrhunderts die Schicksalsfrage gewesen war, an der die Einheit der abendländischen Christenheit zerbrach, in einer Weise, die heute in den christlichen Konfessionen so gut wie unbestritten ist.