Aufmerkstelen

Ausstellung Obere Bahnhofstraße 8, 90556 Cadolzburg, DE

Wohin des Weges? Ein Rundwanderweg durch Cadolzburg, entlang der Stelen des ev. Gemeinde- und Wohltätigkeitsvereins Cadolzburg. Gestaltung der Aufmerk-Stelen: Thomas Hürner, Fotografie: Franz-Josef Wipperfürth, Text: Pfarrer Michael Büttner.

Autor: Evangelische Jugend Cadolzburg

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14 Stationen

Vorwort

WOHIN DES WEGS?
Spaziergang durch Cadolzburg gefällig? Lassen
Sie sich einladen zu einer ganz besonderen Ent
deckungstour. Entstanden ist diese im Jahr 2014:
Monat für Monat kamen Menschen an einem
von 12 verschiedenen Plätzen im Ort zusammen,
man traf sich zum Gedankenaustausch und jedes
Mal wurde dabei eine Aufmerk-Stele enthüllt.
Denn so haben wir sie genannt, die markant ge
bogenen und feinsinnig bearbeiteten Stahlplatten
des örtlichen Kunstschmieds Thomas Hürner.
Diesem Weg, dem Aufmerk-Weg, dürfen Sie nun
folgen. Unterwegs sein, Cadolzburg entdecken
und Denkanstöße aufnehmen für ein gelingendes
Miteinander! Der Evang. Gemeinde- und Wohl
tätigkeitsverein, d. h. die Cadolzburger Diakonie,
feierte 2014 das 120-jährige Bestehen. Der Ver
ein lebt davon, dass er von überall her sehr viel
Unterstützung bekommt. Wir leben nicht zuletzt
von guten Worten, die uns Mut machen zu sinn
vollen Taten. Und viele Menschen öffnen ihre
helfenden Hände für Kinder (Tagesstätte), Seni
oren (Wohnen und Pflege) und die Weltladenar
beit. Auf dem Weg von Stele zu Stele werden Sie
deshalb auf Metallkunstwerke treffen, die mit
Bibelversen die Themen »Miteinander, Nächsten
liebe, Soziales« markant in Szene setzen. Und ein
Sitzplatz steht auch immer zur Verfügung. Denn
Helfen und Hetzen passen nicht gut zusammen.

Pfarrer Michael Büttner, Vorsitzender

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst (Markus 12,31)

Am Höhbuck 18, 90556 Cadolzburg, DE

Hier am Cadolzburger Höhbuck kommt die Aus
sicht besonders in den Blick. Der Eindruck, es ist
nie aussichtslos. Weite Landschaft eröffnet sich
hier oben, und womöglich auch die eigene Seelen
landschaft. Ich habe gute Aussichten, wenn ich mir
ernsthaft Mühe mache, durchzublicken. Der Drehund
Angelpunkt ist das Herz. Es gibt an der Stele
den Impuls zum Durchschauen, um das Gegen
über zu entdecken. Wer entdeckt wen? Es ist ein
wechselseitiges Entdecken. Ich habe gute Aussich
ten, wenn ich von der herzlichen Seite komme. Ich
kann mit anderen angemessen umgehen, wenn ich
sie als Geschöpfe im »Rahmen der Liebe« entdecke.
Das Herz wird dabei zum Spiegel. Ich nehme auch
mich selbst-bewusst wahr. L(i)eben pendelt hin
und her. Ich gehe von mir zum anderen, und vieles
kommt zurück. Wir sind auf Augenhöhe mitein
ander, und im besten Fall auch auf Herzenshöhe.
»Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.« Oder:
»Liebe deinen Nächsten, denn er ist einer wie du.«

1 | Höbuck

Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen (1. Korinther 16,14)

Bauhofstraße 15, 90556 Cadolzburg, DE

Ein bodenständiger Arbeiter. Ein Sämann im al
ten Stil, in der Idylle der Natur. Im Frieden sind
Mensch, Esel, Vögel und Saatgut. OfFen-herzig.
Genau in dieser Konstellation wächst und gedeiht
alles. Wo Einklang herrscht, im Kleinen wie im
Großen, kann auf Dauer etwas Gutes wachsen.
Diesen Einklang und Gleichklang nennen wir
Liebe. Unterschiedlichste Wesen finden dadurch
ihren Lebens-Raum. Liebe ist nicht nur ein auf
flammendes Gefühl unter Menschen. Weitblick
und langer Atem gehören dazu. Lieben bedeutet,
ein offenes Herz zu haben für Menschen, Tiere und
Pflanzen. Irgendetwas läuft ja immer ab zwischen
den Geschöpfen. Wir können das Einwirken auf
einander nicht abschalten. Wir mögen uns noch so
viele eigene kleine Welten konstruieren, die Welt
bleibt eine einzige. Sich abschotten führt zum in
neren Tod. Oft können wir wählen, was wir tun.
Wir haben Handlungsspielraum. Oberstes Gebot:
»Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen.«

2 | Bauhofsweiher

Dient Einander, ein Jeder mit der Gabe, die Er empfangen hat (1. Petrus 4,10)

Burgstraße 6, 90556 Cadolzburg, DE

Der Bibelspruch. Die Andeutung einer Bogen-
Mauer-Konstruktion. Das Kirchengebäude. Das
passt zusammen. Drei Menschen unterschied
licher Größe unter dem stilisierten Kirchenbau.
Sind sie anwesend zur Ehre Gottes? Gottesdienst
im Kirchenraum hat Sinn, wenn er im Alltag
zum Menschendienst führt. »Dient einander, ein
jeder mit der Gabe, die er empfangen hat.« Wel
che Dienste stehen an? Im mittelalterlichen Bau
stil werden dünne Säulen, die einem Pfeiler oder
einer Innenwand vorgelegt sind, »Dienste« ge
nannt. Auch wenn es nicht zum tragenden Fun
dament gehört, hat jedes Steinchen seine Bedeu
tung für das Ganze. Nichtsnutze gibt es nicht. Ich
lasse mich nicht auf das Abstellgleis schieben, als
Versager abstempeln. Ich habe auf jeden Fall eine
Gabe, die aufbauend ist für andere. Ich darf meine
Möglichkeiten sehen und zu meinen Fähigkeiten
stehen. Fs gibt für jeden Menschen eine positive
Antwort auf die Frage: Womit kann ich dienen?

3 | Markgrafenkirche

Lasst uns Gutes tun an Jedermann (Galater 6,10)

Burghof 8, 90556 Cadolzburg, DE

Fürsorge für ein kleines Bäumchen. Ein Wachs
tums-Wunder steht vor uns, im Burgvorhof sogar
in natura. Es wächst und wächst, falls nichts dazwi
schen kommt. Sonne, Wasser und Erde braucht es,
um zu gedeihen. Ein Mensch kniet davor. »Lasst
uns Gutes tun an jedermann«, so der Apostel Pau
lus. Viele Menschen ziehen die Kreise mit Vorliebe
nicht weiter, als das überschaubare Beziehungsge
flecht reicht. Aber nein, nicht nur Christen unter
Christen, nicht nur Deutsche für Deutsche, nicht
nur Freunde im Freundeskreis! Das Bäumchen,
die Natur, ist das Symbol, die Achtsamkeit zu er
weitern. Ich pflanze einfach, ich hege und pflege,
fast ohne Nutzen, fast zweckfrei. Und es wächst ir
gendetwas Einzigartiges. An dem Ergebnis mögen
sich dann viele erfreuen. Und ich darf mich selbst
auch dran freuen, wenn etwas gedeiht, wozu ich
meinen Teil getan habe. In weitem Umfeld wird
es irgendwann Wirkung zeigen, mein Bäumchen.
Wer weiß, wer einmal seine Früchte ernten wird.

4 | Äußerer Burhof

Was ihr von Anderen erwartet, das tut auch Ihnen (Matthäus 7,12)

Pisendelplatz 1, 90556 Cadolzburg, DE

Welche der beiden Figuren möchte ich sein? Das
hängt davon ab, welche Erwartungen ich habe,
an mich und an die anderen. Ich habe Wünsche,
manchmal sehnlichst, an (m)ein Gegenüber. Ich
möchte, dass jemand mir entgegenkommst. We
nigstens eine kleine Gefälligkeit könnte dieser
Mensch mir erweisen. Ist denn das zu viel er
wartet? Jesus sagt: »Was ihr von anderen erwar
tet, das tut auch ihnen.« Einmal die Perspektive
wechseln, sich fragen; Was habe ich an Tatkraft
und Einsatzbereitschaft für andere? Es tut gut,
wenn jemand zu mir sagt: »Danke, wie auf
merksam von dir.« Weil ich gerne behütet und
ummantelt bin, setze ich mir selbst im Umgang
mit anderen dieses Ziel. Das bewahrt vor über
zogenen Ansprüchen. Ich überfordere nicht,
weil ich um eigene Grenzen weiß. Ich lasse ge
lassen meinem Gegenüber seine Grenzen. Ich
vermeide, ihm zu schaden: Was du nicht willst,
dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.

5 | Pisendelplatz

Tragt die schwachen, seid geduldig gegen Jedermann (1. Thessalonicher 5,14)

Marktplatz 2, 90556 Cadolzburg, DE

Eine sportliche Übung oder die Welt der Zirkus-
Artisten ist es nicht. Aber wenn Zusammenle
ben fruchtbar gelingt, siebt es wohl ganz alltäg
lich so akrobatisch aus. Die Aufforderung des
Paulus »Tragt die Schwachen, seid geduldig ge
gen jedermann« bekommt in dieser Darstellung
eine starke Grundlage. Ein unsichtbares Fun
dament erscheint handfest im Bild. Tatsache:
Es gibt die Schwachen - und ich selbst gehöre
dazu. Tatsache: Es gibt die Starken - und ich
selbst gehöre dazu. In wechselnden Phasen, ein
mal mehr, einmal weniger. Wenn ich schwach
am Boden liege, bin ich angewiesen auf den Trä
ger. Falls ich stark im Leben stehe, bin ich zum
Mit-Tragen berufen. Das fällt dem leichter, der
sich selbst wunderbar getragen weiß. Wer ein
Grund-Vertrauen ins Leben hat, findet Mög
lichkeiten und Kraft, die ängstlich Zaghaften
zu tragen und ihnen Mut zu machen. Freilich
bleibt die Frage: Was trägt mich im Tiefsten?

6 | Marktplatz

Ertragt Einer den Anderen in Liebe (Epheser 4,2)

Brandstätterstraße 62, 90556 Cadolzburg, DE

Ich kann nicht mehr! Ich muss hinschmeißen.
Schnell abwerfen, sonst bricht alles zusam
men. Der Lastenträger ist nicht das Idealbild
des modernen Menschen. »Ertragt einer den
andern in Liebe«, so steht es geschrieben im
Epheserbrief. Der Mensch könnte das Herz fal
len lassen. Die Einheit von Mensch und Herz
könnte auseinanderfallen, oder es rutscht gar
alles ab beim Aufstieg. Herz am Boden. DU -
nicht mehr da. DU - ganz und gar weg! Wie
kann ich mich stärken? Für welches Herzblatt
ist mein Einsatz notwendig und notabwen
dend? Womöglich ist es für alle Beteiligten
hilfreich, dass ich jetzt durchhalte, motiviert
von Liebe. Es ist ja kein fauler Sack, es ist ein
Herz. DU ist es wert, auch getragen zu werden.
Und die schmächtige Figur bekommt Kraft für
diese Aufgabe, für das Leben mit dem anderen
Menschen. Ja, du bei mir, bitte bleibe, du bist
doch nicht aus Blei. Ertragt einander in Liebe.

7 | Sauwasen

Wer dich bittet, dem gib (Lukas 6,30)

90556 Cadolzburg, DE

Ein ungleiches Team. Ein Erwachsener im Roll
stuhl und ein Kind, das Stütze findet. »Wer dich
bittet, dem gib.« (Lukas 6,30). Wer ist hier Geher
und wer Empfänger? Das Kind will nach den
Sternen greifen. Und gerade derjenige, der kör
perlich eingeschränkt lebt, ist sein Unterstützer.
»Hilf mir!« Wessen Bitte ist das? Wie ein Sprung
brett präsentiert sich der Rollstuhl. Die Hand des
Erwachsenen gibt dem Kind Sicherheit auf dem
Weg nach oben. Menschen vertrauen einander.
Ungleiche Partner kommen auf eine Linie. Der
Rollstuhlfahrer bestärkt das Kind in seinen Ide
alen. Er sagt nicht: Bleib am Boden, lass fahren
deine dummen Illusionen! Durch die Begeg
nung erfährt er; Wir wachsen gemeinsam, wo
immer der Blick zu den Sternen geht. Ich fühle
mich beschenkt, wenn ich nicht nur Hilfsbe
dürftiger bin. Ich helfe dir, über dich hinauszu
wachsen, damit du deinem Wunschziel näher
kommst. So reicht es für uns beide, reichlich.

8 | Aussichtsturm

Geben ist seliger als nehmen (Apostelgeschichte 20,35)

Pleikershofer Straße 12, 90556 Cadolzburg, DE

Zusammengesunken kauert er an der Mauer.
Er hat von der Gestalt mit dem eiligen Schritt
ein Päckchen bekommen. Ein Almosen im Vor
beigehen. Dankbar hält er es hoch. Oder ist es
etwa umgekehrt? Von seinem geschützten Sitz
platz reicht der Sitzende ganz gelassen dem Eili
gen ein Geschenk hin. »Ich hatte da etwas, nun
darfst du es haben.« Der Bibelspruch dieser
Aufmerk-Stele dreht eine landläufige Auffassung
um: Geben ist seliger als Nehmen. Auf wessen
Seite liegt das größere Glücks-Gefühl? Bitte tes
ten, mit welch großer Freude es erfüllt, jemand
anders eine kleine Freude machen zu können.
Angehäufter Besitz wird auf Dauer oft blass und
fad, allzu selbstverständlich. Lebensqualität zeigt
sich, wenn Bewegung in die Besitzverhältnisse
kommt. Was ich selber womöglich schon lange
angehäuft und gehütet habe, bringt frische Freu
de im Weg-Gehen. Alle sind bereichert, glück
selig ist der Geber. Es ist einen Versuch wert.

9 | St. Otto

Wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein (Lukas 12,34)

90556 Cadolzburg, DE

Schatzsuche! Eindeutig, da ist eine Truhe. So ein
fach ist alles, auf den ersten Blick. Aber wohin zieht
es das Herz? »Wo euer Schatz ist, da wird auch euer
Herz sein«, stellt Jesus im Lukasevangelium lapi
dar fest. Schatz und Herz gehören zusammen. Wo
Schatz - da Herz! Was gibt es da noch zu bedenken
für die Figur da oben an der Stele? Ist das ein wahrer
Schatz, der sich in einer wertvollen Kiste präsen
tiert? Man greift sich ans Kinn oder an den Kopf.
Wer oder was verdient es, dass ich mein ganzes
Herz hingebe? Wer oder was verdient es, das Wert
vollste im Leben zu sein? Der äußere Schein könn
te blenden. Nicht jede Kiste ist eine Schatztruhe.
Nicht jeder Tresor enthält den wahren Schatz fürs
Leben. Sei aufmerksam, mahnt der Bibelspruch.
Und ein Bibelvers vor dem hier eingravierten lau
tet; »Macht euch Geldbeutel, die nicht veralten, ei
nen Schatz, der niemals abnimmt, im Himmel, wo
kein Dieb hinkommt, und den keine Motten fres
sen.« Schatzsuche ist Herzenssache. Andauernd.

10 | Sparkasse

Niemand suche das Seine, sondern was dem Anderen dient (1. Korinther 10,24)

Rathausplatz 1, 90556 Cadolzburg, DE

Die große Figur rechts oben sucht etwas. Ist es
ein Blick geradeaus in die Ferne oder ein Blick
nach unten ins Abgründige? Was suche ich im
Leben, wofür habe ich offene Augen? Es soll mir
gut gehen. Selbstverständlich haben wir ein Au
genmerk auf andere, wenn es unsere Liebsten
sind oder unsere Geschäftspartner. Auf Augen
höhe, das ist angenehm, tut gut. »Niemand suche
das Seine, sondern was dem andern dient«, hat
Paulus nach Korinth geschrieben. Paulus blickt
- sehr ernüchtert - auf eine Gesellschaft, in der
Menschen keineswegs gleichrangig sind. Men
schen sind nicht gleichermaßen gebildet. Die ma
teriellen Güter sind nicht fair verteilt. Kranke und
Schwache kommen kaum nach oben. Bedrückte
rücken nicht automatisch im Blickfeld. Damals -
wie heute auch. Ich suche mich, dann dich, ja
dich auch noch, und diese und jenen. Aber wenn
sich einer einmauert, was kann man da machen?
Suchen. Es versuchen. Sie bzw. ihn besuchen.

11 | Rathausplatz

Seid Barmherzig, wie auch euer Vater Barmherzig ist (Lukas 6,36)

Nürnberger Straße 4, 90556 Cadolzburg, DE

Davonlaufen. Der Friedhof. Er ist mitten in der
Welt. Auch der liegende Mensch auf der Stele ist
mitten in unserer Welt. Stöhnt er noch in den letzten
Atemzügen? In aufrechtem Gang bewegt sich der
andere. Es sieht aus, als ob er blindlings wegläuft.
Doch er hat den Liegenden als schwer Verletzten
erkannt und ihn in die stabile Seitenlage gebracht.
Nun aber erkennt der Erst-Helfer seine Grenzen. Er
rennt, um weitere Hilfe zu organisieren. Wohin? Wo
schaue ich hin, wen rufe ich, wenn es über meine
Kräfte geht? Notdienst per Telefon. Rufen und kla
gen vor Gott. Hier am Friedhof steht die einzige Ste
le, auf der GOTT genannt wird, der Warmherzige.
Off stellt sich die Frage: Was geht mich dieser oder
jener Mensch an? »Seid barmherzig, wie auch euer
Vater barmherzig ist«, sagt Jesus. Und falls Zuwen
dung im Leben wenig gelungen ist, darf der Fried
hof der Ort sein, wo wir wenigstens im Nachhinein
ein Auge zudrücken. Die Verstorbenen mögen in
warmherziger Erinnerung - und bei Gott - ruhen.

12 | Friedhof

Diakoniezentrum

Obere Bahnhofstraße 6a, 90556 Cadolzburg, DE

Diakoniezentrum