KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing

Sonstiges Engelsburg 10, 25813 Schwesing, DE

Dieser Walk führt einmal über die KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing. Es geht um die Geschichte des ehemaligen Konzentrationslagers sowie die Entwicklung der Gedenkstätte. Das Konzentrationslager war ein Außenlager des Hamburger KZs Neuengamme und bestand für drei Monate im Herbst 1944.

Autor: KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing

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Engelsburg 10, 25813 Schwesing, DE



Die Häftlinge des KZ-Außenlagers Husum-Schwesing mussten Panzerabwehrgräben ausheben. Sie kamen am 25. September und 19. Oktober 1944 mit zwei großen Transporten aus dem KZ Neuengamme; insgesamt handelte es sich um etwa 2.600 Häftlinge. Die meisten mussten auf Baustellen Schwerstarbeit verrichten; viele wurden nach kurzer Zeit krank. Die Zahl der arbeitsunfähigen Häftlinge stieg bis Ende November auf über 700 an.
Bis zur Auflösung des Lagers am 27. Dezember 1944 starben in Husum-Schwesing mehr als 300 Häftlinge.

Ein weiteres KZ-Außenlager zum Bau von Panzerabwehrgräben befand sich direkt südlich der dänischen Grenze, in Ladelund. Am 1. November 1944 verlegte die Lager-SS 1.000 Häftlinge aus dem KZ-Außenlager Husum-Schwesing dorthin.

Haus der Gegenwart

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Das Haus der Gegenwart bietet die Möglichkeit, sich vertiefend und gegenwartsbezogen mit dieser und weiteren Fragen und Denkansätzen zum Umgang mit der NS-Vergangenheit und der heutigen Gesellschaft auseinander zu setzen.

„Nationalsozialismus, KZ Husum-Schwesing…

Aus dieser Geschichte
– kann man nichts –
– muss man etwas –
lernen!“

Darüber hinaus regen drei weitere Thementafeln dazu an, sich mit den Komplexen „Verfolgung von (Kriegs-) Verbrechen“, „Weiterleben mit der Geschichte“ und „Handlungsspielräume“ zu beschäftigen, jeweils mit zahlreichen Thesen und Fragen. Ein Ziel ist es, meinungs- und fragenorientiert Geschichte und Gegenwart miteinander zu verknüpfen. Auf diese Weise sollen Gespräche gefördert und Denkanstöße, kritische Zugänge und Diskussionen ermöglicht werden.

Straßenseitiger Lagereingang

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Damals führte von der Landstraße von Husum nach Flensburg ein Weg direkt in das Lager hinein. Diese Überreste sind auch heute noch auf dem Gelände der Gedenkstätte zu sehen. Dort, wo heute Bäume wachsen, befanden sich damals links und rechts Baracken für die KZ-Häftlinge.

Das Lager war von einem Stacheldrahtzaun und Wachtürmen umgeben. Außerhalb des Lagergeländes stand während des Zweiten Weltkriegse eine weitere Baracke. Sie diente der Wachmannschaft des KZ-Außenlagers als Unterkunft.

Küchenbaracke

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Aufgrund von Skizzen und Beschreibungen ehemaliger Häftlinge wissen wir, dass sich in dieser Baracke eine sogenannte Schälküche befanden. Dort mussten KZ-Häftlinge, die für die schwere Arbeit am Friesenwall zu schwach waren, Kartoffeln schälen. Außerdem gab es hier eine Schneider- und Schusterwerkstatt.

Nach Kriegsende dienten die Baracken noch bis Ende der 1950er Jahre als Flüchtlingsunterkünfte. Anfang der 1960er wurden fast alle Gebäude abgerissen. Die einzige Ausnahme war die Küchenbaracke, die als Wohnhaus genutzt und nach und nach umgebaut wurde, bis schließlich nur noch das Kellergeschoss und die Schornsteine im Original erhalten waren. Erst 2007 konnte der Kreis Nordfriesland das Gebäude erwerben und machte es zum Teil der KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing. 2012 wurden die nach Kriegsende ausgetauschten Bauteile abgetragen; 2014 wurden die Schornsteine und der Sockel gesichert und das Kellergeschoss dauerhaft verschlossen.

Fundamentreste

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Die erhaltenen Fundamente sind Überreste der Sanitärbaracken des Lagers. Insgesamt gab es im KZ-Außenlager vier solche Baracken. Der Kreis Nordfriesland hat die Fundamentreste von zwei damaligen Sanitärbaracken [DATUM] freilegen lassen.

Für die mehr als Tausend KZ-Häftlinge gleichzeitig reichten die Sanitärbaracken nicht aus. Die Verschmutzung der Latrinen und Waschgelegenheiten führte dazu, dass viele an Durchfall und anderen Erkrankungen litten. Hinzu kamen mangelnde Kleidung, überfüllte Unterkünfte und schlechte Nahrung.

Stelenfeld

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Die Häftlinge in Husum-Schwesing kamen aus 13 Nationen. Einige waren während der deutschen Besatzung in ihrem Land im Widerstand aktiv. Andere wurden verhaftet, weil sie versuchten, der Zwangsarbeit in Deutschland zu entkommen. Die größte Häftlingsgruppe kam aus den Niederlanden. Allein 588 Männer stammten aus dem Dorf Putten, aus dem die SS sie am 1. Oktober 1944 im Zuge einer „Vergeltungsaktion“ ins KZ Neuengamme verschleppte.

Seit 2001/2002 erinnern 300 Stelen an die getöteten Lagerinsassen. Die Stelen symbolisieren gebückt stehende Menschen in demütiger Haltung und erinnern in ihrer verstreuten Verteilung an die Willkür der Gewalt gegenüber den Häftlingen. Sie sind aus einem Stahl, welcher schnell Rost ansetzt, sodass es Mühe kostet, die Namen der Verstorbenen zu entziffern. Dies soll daran erinnern, dass es stets mühsam ist die Erinnerung an die Zeit und die Verbrechen des Nationalsozialismus aufrecht zu erhalten. Die Installation wurde von Ulrich Lindow konzipiert.

Hydrant

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Der Hydrant wurde durch die Gestaltung der Gedenkstätte zum Symbol. Seine Überreste stehen für die Willkür, mit der SS-Männer und manche Kapos die KZ-Häftlinge prügelten und quälten. Sie nutzten den Hydranten zur Misshandlung der Häftlinge: Die Männer wurden durchnässt an der Metallsäule festgebunden oder mussten sich auf den – heute fehlenden – Deckel des Hydranten setzen und dort verharren. Die KZ-Häfltinge waren zahlreichen weiteren Schikanen und Bestrafungen ausgesetzt.

Bahnseitiger Lagereingang

Engelsburger Weg, 25813 Schwesing, DE

Der tägliche Weg der KZ-Häftlinge zur Zwangsarbeit am Friesenwall führte entweder durch den bahnseitigen oder durch den straßenseitigen Lagereingang. Die KZ-Häftlinge mussten anfangs etwa 12 bis 15 km zu Fuß zurücklegen, später wurden auch Züge für den Transport zu den Baustellen eingesetzt. Anschließend mussten die Häftlinge von der Bahnstrecke aus durch die Marsch zu den Arbeitsstellen laufen. Auf dem Weg zur Zwangsarbeit und zurück in das Lager durchquerten sie des Öfteren auch die Stadt Husum und andere Orte in der Umgebung.

Wer in Husum und in anderen Orten der Umgebung lebte, sah die KZ-Häftlinge auf ihren Märschen. Die Bevölkerung verhielt sich ihnen gegenüber sehr unterschiedlich, die Bandbreite reichte von Zustecken von Lebensmitteln bis zu Übergriffen auf die Häftlinge.

Mahnmal und Rondell

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Das Mahnmal und die Gedenkstätte wurden am 27. November 1987 eingeweiht. Zuvor hatte eine bürgerschaftliche Initiative die Erinnerung an das KZ-Außenlager Husum-Schwesing wiederbelebt. Ende Januar 1983 – fünfzig Jahre nach der sogenannten Machtergreifung – kamen mehr als 900 Menschen zu den Vorträgen ehemaliger KZ-Häftlinge: „Das Schweigen war gebrochen.“

1985 kaufte der Kreis Nordfriesland den Teil des Lagergeländes, der sich zwischen der Landstraße nach Schwesing und der ehemaligen Lagerstraße befindet, und 1986 beschloss der Kreistag, in Husum-Schwesing eine Gedenkstätte zu schaffen. Dort, wo sich heute das Rondell und die Rasenfläche befinden, standen einst die Häftlingsbaracken des KZ-Außenlagers.

Der Bildhauer Ulrich Lindow, der später auch das Stelenfeld gestaltete, entwarf damals das Mahnmal der Gedenkstätte. Es besteht aus einem Rondell, einer Stele und dem Backsteingebäude. Während des Entwurfs und bei der späteren Umsetzung hielten Lindow und die anderen Mitglieder der Arbeitsgruppe Kontakt zu Überlebenden in Dänemark, Frankreich, den Niederlanden und England. Einige ehemalige Häftlinge nahmen auch an der feierlichen Einweihung des Mahnmals teil.

Namenstafeln

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Die Gedenktafeln weisen auf die Bestattung der KZ-Häftlinge in Massengräbern auf dem Husumer Ostfriedhof hin. Zugleich ergänzen sie das Stelenfeld, indem nicht nur der Name, sondern auch Herkunftsland, Alter und Beruf jedes bekannten Toten angegeben werden.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden einige der auf dem Husumer Ostfriedhof beerdigten Toten identifiziert und deren Überreste in die Herkunftsländer überführt. Diese Umbettungen waren 1955 abgeschlossen. Anschließend wurde die Grabanlage neu gestaltet und 1957 eingeweiht. Jahrzehntelang waren die Massengräber auf dem Husumer Ostfriedhof der Ort, den die ehemaligen KZ-Häftlinge anlässlich ihrer Gedenkveranstaltungen aufsuchten. Das änderte sich erst mit der Einrichtung der Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen KZ Husum-Schwesing im Jahr 1987.