Lützel unterwegs - Eberns vergessene Berufe

Stadtführung Marktplatz 27, 96106 Ebern, DE

Geraldino unternimmt mit Lützel, dem Wappentier von Ebern, einen Rundgang durch Eberns Altstadt. Beide entdecken dort alte Gebäude und erzählen Dir spannende Geschichten zu alten, teils verschwundenen Berufen aus dem Mittelalter.

Autor: Eckart Roeß

10 Stationen

Türmer

Marktplatz 42, 96106 Ebern, DE

Der Grauturm vor dem Du gerade stehst, ist gut 43 Meter hoch. Er ist wohl so der höchste Torturm in ganz Bayern. Gebaut wurde er im Spätmittelalter gegen Ende der Ritterzeit. Oben ist die sogenannte Türmerstube zu entdecken, hier hat der Türmer gewohnt und über die Stadt gewacht. Türmer hatten als Aufgabe die Stadt vor Gefahren, wie Feuer und Räuberbanden zu warnen. Zur Benachrichtigung der Bürger nutzten die Türmer entweder ein Wächterhorn, eine Glocke, Signalflaggen oder bei Dunkelheit auch Lampen. Der Türmer von Ebern sagte den Bürger mit dem Spruch "Hört ihr Leut und lasst euch sagen, unsere Uhr hat ... geschlagen", die aktuelle Zeit an, es gab ja noch keine Armbanduhren. Ganz oben in der Laterne der Grauturmkuppel verkündet das Glockenspiel „Engel und Tod“ die Viertel- und die vollen Stunden.

Müller

Mühlgasse 6, 96106 Ebern, DE

Hier stehen wir vor der alten Eberner Stadtmühle, einer Wassermühle und dem Mühlbach. Es gibt sie schon seit 1850. Der Ortsteil wird „Mühlviertel“ genannt, obwohl noch andere Handwerke hier ansiedelten und ihre Dienste anboten. Seit 1982 ist sie nicht mehr im Betrieb und es klappert nichts mehr. Heute wird wieder verstärkt über eine Nachnutzung nachgedacht, damit das alte Gebäude wieder zu neuer Schönheit erweckt wird.

Scharfrichter

Walk-Strasser-Anlage 6, 96106 Ebern, DE

Das hier ist der Diebsturm. Der ist übrigens fast 27 Meter hoch. Der Diebesturm war lange Zeit das Eberner Gefängnis. Bis 1811 verbüßten schwerer Verbrecher hier ihre Strafe. Der Turm ist nur über eine Einstiegsluke in 6m Höhe zugänglich. Hinter dieser Einstiegsluke liegt das „Angstloch“, die obere Öffnung des Verlieses. Von dort aus wurden die Gefangenen 5m in einen nahezu dunklen, winzigen Kerker hinuntergelassen. Jetzt sind da keine Verbrecher mehr drin.

Gerber

Neubrückentorstraße 1, 96106 Ebern, DE

Hier stehen wir vor der ehemaligen Gerberei Gröhling. Auch in Ebern gab es ein Gerberviertel, das seine Zunft bereits am üblen Geruch erkennen ließen. Aus diesem Grund mussten die Gerbereien auch vor den Stadtmauern angesiedelt werden. Ein Gerber hatte die Aufgabe, aus den rohen Tierhäuten Leder für Handschuhe, Sattel, Schuhe oder sogar Pergament, das ist sowas ähnliches wie Papier herzustellen. Wie das geht erfährst du im Hörspiel.

Recht im Mittelalter

Rittergasse 5, 96106 Ebern, DE

1811 wurde endlich die unmenschliche Folter verboten und somit auch das Einsperren in den Diebsturm. Verbrecher wurden in das "neue" Gefängnis gesteckt. Heri wohnten nun die Gefangenen in ihren Zellen und der Gefängniswärter in seiner Wohnung fast wie Nachbarn nebeneinander. 1959 wurde das Gefängnis nach Bamberg verlegt und das Gebäude wurde als Gesundheitsamt genutzt.

Bauer

Ritter-von-Schmitt-Straße 8, 96106 Ebern, DE

Wir stehen stehen hier im Innenhof eines alten Ackerbürgerhaus - dem Schuhmacherhaus. Das Wohnhaus mit seiner Barockfassade wurde im Jahr 1736 erbaut, die Scheune ist sogar noch älter. Als Ackerbürgerhaus werden oft historische Gebäude bezeichnet, die große Toreinfahrten besaßen und für einen Landwirtschaftsbetrieb geeignet waren. Die Häuser standen oft am Rand der Städte in der Nähe der Stadttore, damit die Ackerwagen nicht den allgemeinen Verkehr behinderten. Mehr erfährst du im Hörspiel.

Brauer

Rittergasse 3, 96106 Ebern, DE

Wir stehen vor dem ehemaligen Kommunbrauhaus. Lange Zeit, bis ca. 1980, brauten die Eberner Bürger in dem Sudhaus ihr eigenes Bier Heute probt hier das Jugendblasorchester Ebern. In der Braugasse selbst findet jährlich im August eines der schönsten Feste Ebern statt, das Braugassenfest.

Töpfer

Marktplatz 10, 96106 Ebern, DE

Wir stehen hier auf dem Marktplatz mit seinem Neptunbrunnen. Die Häuser längs des Marktplatzes zeigen die Vielgestaltigkeit der fränkischen Kleinstadt mit Fachwerkhäuser und zweigeschossige giebelständige Bürgerhäuser. Der Neptunbrunnen hat einen 6-eckigen Brunnenstock, über dem sich Neptun auf dem Kopf eines sich aufbäumenden Delphins erhebt. Am Sockel sind das Stadtwappen, darunter Barockdekor mit der Jahreszahl 1706 erkennbar. Erfrischend spendet er Wasser den auch die Eberner Töpfer für ihr Werk in Mengen brauchten.

Bader

Spitaltorstraße 3, 96106 Ebern, DE

Hier stehen wir in der Badgasse. Am Ende ist noch die alte Badestube zu erkennen. Bader ist eine alte Berufsbezeichnung für den Betreiber oder Angestellten einer Badestube. Die Menschen früher hatten ja kein eigenes Badezimmer. Sie hatten kein Warmwasser das einfach aus dem Wasserhahn rauskam. Der Beruf ist seit dem Mittelalter bekannt. Bader waren auch die „Ärzte der kleinen Leute“, die sich keinen Rat bei den studierten Ärzten leisten konnten.

Böttcher

Marktplatz 30, 96106 Ebern, DE

Das hier ist das 1604 erbaute alte Rathaus mit prächtiger Fachwerkfassade. 1980 wurde der Innenhof neugestalten. Wie du erkenne kannst ist es ein dreistöckiger Fachwerkbau der alle Nachbarhäuser überragt. Das Erdgeschoss war früher eine gegen die Straße in 4 mächtigen Rundbogen offene Markthalle. Rechts oberhalb des nördlichsten Bogens haben sich auf zwei Steintäfelchen die beiden bauführenden Bürgermeister mit Namen und Wappen verewigt (Nicolas Betz und Hans Schmid). Die kreisförmig gerahmten Wappen zwischen den Rundbogen stehen für Fürstbischof Julius Echter, seinen Amtmann Michael von Lichtenstein, den Keller (Verwalter) Valentin Geiger und für die Stadt Ebern. Das Gebäude krönt ein Glockentürmchen aus dem Jahr 1835.