Natur und Stadtgeschichte - Grüne Route über die Wallanlagen

Stadtführung Am Kehrwieder 2, 31134 Hildesheim, DE

Die Hildesheimer Wallanlagen wurden im 15. und 16. Jahrhundert als mächtiger Verteidigungsring aus Wällen, Gräben, Mauern und Bastionen errichtet. Anfang des 19. Jahrhunderts gestaltete die Stadt die verbliebenen Befestigungsanlagen zu „Bürgerpromenaden“ mit Baumalleen, Teichen und Grünflächen um.

Autor: BUND Kreisgruppe Hildesheim

Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Kreisgruppe Hildesheim

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15 Stationen

Kehrwiederturm

Am Kehrwieder 2, 31134 Hildesheim, DE

Der Kehrwiederturm ist der letzte noch erhaltene Turm der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Von der Keßlerstraße aus gelangen wir am Cafenion vorbei durch das Tor des Turms nach rechts hinauf auf den Wall. Der Blick zurück auf die roten Dächer der Fachwerkhäuser und den Turm ist einer der "Lieblingsblicke" der Hildesheimer. Seinen Namen verdankt der Turm der Tatsache, dass der Wall zu seinen Füßen eine Kurve oder Kehre macht: Aus "Kehr in der Wehr" wurde Kehrwieder. Wie so oft, gibt es natürlich auch hier eine Sage, die die Entstehung des Namens viel romantischer erklärt, aber hier nur in extremer Kurzfassung wiedergegeben werden kann: Eine Hildesheimer Jungfrau verlief sich bei einem heimlichen Treffen mit ihrem Geliebten im tiefen Wald, der sich damals noch vor den Toren der Stadt erstreckte. Erst nach Tagen fand sie durch das Läuten der Turmglocke, die ihr "Kehre wieder, kehre wieder!" zurief, wieder zurück zum Tor. An die Sage erinnert heute ein Standbild auf dem Wall. Der Wald vor den Mauern ist längst Häusern und Straßen gewichen, aber Waldpflanzen haben inzwischen die einstmals völlig kahlen Hänge des Stadtwalls erobert. Damit sind nicht nur die Bäume gemeint, sondern auch kleine, zarte Pflänzchen, die die Wälle schon ganz früh im Jahr mit ihren Blüten schmücken.

Frühblüher auf dem Kehrwiederwall

Lappenberg 8, 31134 Hildesheim, DE

Schon im März entfaltet sich auf dem Kehrwiederwall eine sehenswerte Blütenpracht, wenn entlang des gesamten Weges vom Kehrwiederturm bis hinunter zur Brücke über den Mühlengraben große Flächen mit den hellgelben Blüten des Wald-Gelbsterns bedeckt sind. Bald darauf folgen weitere Frühblüher: Der Hohle Lerchensporn hat rote und weiße Blütenstände; sein Name bezieht sich auf die gespornten Blüten und die tief in der Erde liegende, hohle Knolle. Das Scharbockskraut mit seinen gelb glänzenden Blütensternen ist eine alte Heil- und Salatpflanze, die ihren Namen von der früher im Winter verbreiteten Mangelkrankheit Skorbut, im Volksmund „Scharbock“ erhielt. Die Vitamin-C-reichen Blätter der Pflanze halfen gegen die Krankheit. Man konnte sie schon im zeitigen Frühjahr sammeln und so den "Scharbock" austreiben. Alle Frühblüher nutzen die kurze, lichte Zeit vor dem Laubaustrieb der Bäume. Dann blühen und fruchten sie und sammeln Nährstoffe in ihren unterirdischen Speicherorganen. Schon bald danach „ziehen sie ein“ und ruhen den langen restlichen Teil des Jahres in der Erde bis zum erneuten Austrieb im nächsten Frühjahr.

Eine echte botanische Kostbarkeit blüht Mitte bis Ende April: Auf der linken Wallseite stehen die schmalen Blätter der Wilden Tulpe dicht an dicht, aber nur wenige Pflanzen kommen wegen der starken Beschattung zur Blüte. Die Wilde Tulpe gelangte als Zierpflanze im 16. Jahrhundert aus dem Mittelmeergebiet zu uns und wurde später irgendwann auch auf den Wällen angepflanzt.

Das Godehardikloster und seine Gärten

Lappenberg 11, 31134 Hildesheim, DE

Die Basilika St. Godehard wurde im 12. Jahrhundert zu Ehren Bischof Godehards als Benediktiner-Klosterkirche erbaut. Mit ihren klassischen Proportionen gehört sie zu den bedeutendsten Zeugnissen romanischer Baukunst in Deutschland.
Beete und Obstbäume vor der Apsis der Basilika erinnern an den einstmals sehr viel größeren Garten des Benediktinerklosters. Der heutige Ernst-Ehrlicher-Park, der sich von der Straße "Am Weinberg" bis hinunter an das Ufer der Innerste erstreckt, ist aus dem Klostergarten entstanden. Aus den Fischteichen wurden Zierteiche, Obstwiesen und Gemüsegärten sind heute Landschaftspark und an den Weinberg erinnert nur noch der Straßenname. Mitten durch den Klostergarten wurde im Jahr 1450 gegen den Widerstand der Mönche die Stadtbefestigung gezogen. Den vor Wall und Graben liegenden Gartenteil konnten sie nur noch durch das Hohnser Tor, das heutige Nadelöhr erreichen. Um weiter ungestört und direkt dorthin zu gelangen, gruben sie einen Gang unter dem Wall hindurch, der noch heute teilweise existiert, im Krieg die kostbare Bernwardssäule aus dem Dom schützte und heute als Fledermausquartier dient.

Die Bastion

Lappenberg 12, 31134 Hildesheim, DE

Die Plattform, auf der wir heute stehen, diente nie Verteidigungszwecken. Sie wurde 1879 vom "Verschönerungsverein" unter Bürgermeister Struckmann auf den Resten der Bastion errichtet, die einstmals das"Neue Hohnser Tor" schützte. Von dieser Position vor dem Wall konnten die Verteidiger die Stadtgräben überblicken. Dies ist heute leider nicht mehr möglich. Unter der Bastion führt der Tunnel des so genannten Nadelöhrs durch den Wall hindurch. Dies sind die Reste des "Neuen Hohnser Tors" das ab 1501 das durch den bau des Walls funktionslos gewordene "Hohnser Tor" unter dem Kehrwiederturm ablöste.

Langelinienwall und Kalenberger Graben

Lucienvörder Straße 23, 31134 Hildesheim, DE

Wir überqueren die Lucienvörder Straße und bewegen uns jetzt auf der „Langen Linie“, der längsten Verteidigungslinie der Stadt, die Anfang des 16. Jahrhunderts als letzter Teil der Stadtbefestigung schnurgerade durch die feuchte Innersteniederung gezogen wurde. Der Wall war hier für Verteidigungszwecke ausreichend, Mauern brauchte es nicht, weil sich zu beiden Seiten sumpfiges Gelände ausdehnte. Das St. Bernward Krankenhaus nördlich des Kalenberger Grabens musste deshalb auf zahlreichen Pfählen gegründet werden. Die prachtvollen Jugendstilvillen auf der anderen Seite des Kalenberger Grabens entstanden auf ehemaligem Gartenland und dieses wiederum auf der Fläche des großen Venedigerteichs, ein Fischteich, der 1612 zugeschüttet worden war.
Aus wehrtechnischen Gründen mussten alle Wallanlagen ständig frei von Gehölzen gehalten werden, in Friedenszeiten konnten sie jedoch von den Bürgern als Weide- oder Gartenland, die Gräben als Fischteiche genutzt werden. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Wälle zu „Bürgerpromenaden“ umgestaltet mit Baumalleen auf den Wallkronen und Blumenrabatten in den trockengelegten Gräben. Später sind die Wallhänge zugewachsen und wurden erst vor einigen Jahren freigelegt, um die historische Wall- und Grabensituation wieder sichtbar zu machen.

Reinald von Dassel

Große Venedig 1A, 31134 Hildesheim, DE

Vom nördlichen Ende des Langelinienwalles hat man einen wunderschönen Blick über den Kalenberger Graben. Hier steht ein Denkmal zu Ehren des Grafen Rainald von Dassel (1115-1167), der in der Domschule zu Hildesheim erzogen wurde und anschließend nicht nur zum Dompropst in Hildesheim sondern zum Kölner Erzbischof und Reichskanzler unter Kaiser Friedrich I Barbarossa aufstieg. Wegen seiner vielen Ämter und Aufgaben konnte er sich weder in Köln noch in Hildesheim längere Zeit aufhalten, aber er sorgte dafür, dass vor 1161 die erste steinerne Brücke über die Innerste gebaut wurde. Neben dieser Brücke ließ er vor den Toren der Stadt das Johannisspital errichten. Während davon heute nur noch Mauerreste an der Dammtorbrücke zeugen, besteht die zur Unterstützung des Spitals gegründete Johannishofstiftung auch heute noch als die inzwischen älteste Stiftung Deutschlands.
Auch an seinem Bischofssitz Köln versuchte Rainald von Dassel, eine erste steinerne Brücke über den Rhein zu errichten, was aber nicht gelang. Dennoch stärkte er Köln nachhaltig, indem er die Gebeine der Heiligen Drei Könige aus dem eroberten Mailand in den Kölner Dom bringen ließ, wo sie noch heute im prunkvollen Dreikönigsschrein verehrt werden.

Johannisbrücke

Johannisstraße 9, 31134 Hildesheim, DE

Wenn wir nun die stark gewölbte Johannisbrücke überqueren, laufen wir über die Köpfe von Fledermäusen hinweg, die nur ein paar Dezimeter unter unseren Schuhsohlen kopfüber hängend den Tag verbringen. Weil sich im Inneren der Brücke größere Hohlräume auftun, die über die Spalten im alten Mauerwerk für Fledermäuse gut zugänglich sind, hat sich hier ein beliebtes Quartier entwickelt, dessen Entstehung mit der Geschichte der Brücke zusammenhängt. Sie war nämlich Teil der Stadtbefestigung und um zu verhindern, dass der Feind mit Booten unter der Brücke hindurch in die Stadt eindrang, konnten Gitter bis in den Fluss hinabgelassen werden. Diese stählerne Wehr und die dafür benötigten Hebevorrichtungen sind längst ausgebaut, die Hohlräume in der Brücke aber geblieben. Den Fledermäusen zuliebe wurden sie auch bei der Brückensanierung in den 90er Jahren nicht ganz verschlossen.

Johannishospital

Dammstraße 28, 31134 Hildesheim, DE

Das Johannishospital wurde 1161 als Heim für Alte, Kranke und Fremde anstelle des heruntergekommenen einstigen Domspitals „am Eingang der Stadt“ neben einer neuen steinernen Innerstebrücke vom damaligen Dompropst Rainald v. Dassel errichtet.
Das Johannishospital wurde bei dem Überfall der Hildesheimer Bürger auf die Dammstadt im Jahr 1332 zerstört. 1893 entstand ein Neubau mit alten Inschriften von 1280, 1352 und 1733. Über der Tür befand sich das Stift-Hildesheimsche Wappen von 1733. Daneben zwei alte Steine mit den Inschriften:

Die Umgebung der Bischofsmühle

Dammstraße 32, 31134 Hildesheim, DE

Wir gehen über den Johannisfriedhof zurück überqueren die Dammstraße und kommen zur ehemaligen Bischofsmühle, deren Restgebäude mit einem modernen Bürohaus überbaut wurde. Der Keller dient traditionell als Raum für musikalische Veranstaltungen. Die Bischofsmühle überspannte die Innerste seit dem Mittelalter bis zur Zerstörung der Stadt am 22. März 1945. Der Flussarm neben dem Gebäude wurde zu einer beliebten Wildwasser-Slalomstrecke für Kajaksportler umgebaut.

Im Umfeld der Bischofsmühle kann man oft die mit der Bachstelze verwandte, aber seltenere Gebirgsstelze beobachten Ein kleiner, gelblicher Vogel dessen Verbreitungsgebiet, anders als der Name sagt, auch das Flachland umfasst. Seit etlichen Jahren ist sie ein regelmäßiger Brutvogel am Innersteufer. Sie liebt das bewegte Wasser an den Wehren und fängt hier im Wasser lebende Insekten.
Etwa an dieser Stelle befand sich vor sehr langer Zeit eine Furt durch die Innerste. Sie lag auf der Strecke der West-Ost-Handelsstraße, der heutigen B 1, die damals wie heute aus dem Rheinland bis nach Magdeburg und weit darüber hinaus führte. Sie war eine wichtige Voraussetzung für die Gründung der Stadt Hildesheim.

Weiter geht es über die Innerstebrücken am Restaurant „Die Insel“ vorbei zur Mühlenstraße. Von hier aus ist der Magdalenengarten gut zu erreichen.

Magdalenengarten

Klosterstraße 6, 31134 Hildesheim, DE

Die schmale Straße links der Magdalenenkirche führt direkt zum Seniorenheim Magdalenenhof, das im ehemaligen Magdalenenkloster untergebracht ist. Die Durchquerung des Erdgeschosses ist freundlicherweise gestattet, und im Magdalenenhofcafe´ kann man auch eine Pause bei Kaffee und Kuchen einlegen.
Der Magdalenengarten ist ein ruhiges Kleinod mitten in der Stadt. Ursprünglich zur Versorgung des 1224 gegründeten Nonnenklosters St. Magdalenen angelegt, ist er heute ein Ruheraum für die Bewohner des Seniorenheims und auch der Öffentlichkeit zugänglich. In den Jahren 2003 bis 2004 wurde der Garten nach dem Konzept des Barockgartens restauriert, der hier im 18. Jahrhundert schon einmal bestand. Rosen aller Sorten und Farben säumen die Wege und Rasenflächen. Auf der Westseite erhebt sich der „Hohe Wall“ mit einer Begrenzungsmauer und einem schmiedeeisernen Tor. Von hier aus hat man den schönsten Ausblick über den Garten hinweg zur Welterbekirche St. Michael, und hier kann man im April gleich hundertfach die gelben Blütensterne der gefährdeten Wilden Tulpe bewundern. Am sonnigen Südhang liegt der Weinberg. Er ist bereits aus der Klosterzeit überliefert und wurde in den 1980er Jahren neu angelegt. Von seinem Ertrag bekommt der Hildesheimer Bischof in jedem Jahr „den Zehnten“ in Wein. In der kleinen Obstwiese unterhalb wachsen alte Obstsorten, darunter auch zwei kleine Mispeln. Ihre heute kaum noch bekannten, apfelähnlichen Früchte wurden früher gern zu Marmelade verarbeitet. Für die Bienen, die den Blütenreichtum des Gartens nutzen, wurden Bienenstöcke aufgestellt. Aber auch Wildbienen und andere Insekten finden Nistplätze in einem „Bienenhotel“. Für Fledermäuse wurden zwei ehemalige Luftschutzbunker aus Weltkriegszeiten nahe der historischen Stadtmauer im Osten als Quartiere eingerichtet. In deren Nähe liegen drei kleine, mit Hecken eingefasste Themengärten.

Wir verlassen den Garten über den zuvor genommenen Eingang. Es ist aber auch möglich, den Weg in Richtung der Michaeliskirche für einen Abstecher in das Weltkulturerbe zu nehmen. Dort lädt das Michaelis-Weltcafé zu einer kleinen Pause ein.

Historischer Stadtgarten am Mühlengraben

Am Steine 4-6, 31134 Hildesheim, DE

Dieser Garten ist ein Relikt einer Vielzahl von Bürgergärten, die in der frühen Neuzeit außerhalb der Stadtmauer am Mühlengraben lagen. Er blieb als einziger bis heute von Bebauung verschont, war aber in den letzten Jahren mangels Gartennutzung stark verwildert. Im Jahre 2014 überließ die Stadt das Areal der Robert-Bosch-Gesamtschule, die den Garten im Rahmen der schulischen Projektarbeit renovierte, was nur mit der Hilfe mehrerer Sponsoren möglich war. Entsprechend der früheren Nutzung wurde ein Obstgarten mit Wegen, Rasenflächen und Pflanzungen angelegt. Heute finden wir einen Ruheort im Umfeld der Welterbestätten vor, der auch der Vermittlung naturkundlicher und stadtgeschichtlicher Informationen dient und als kleiner Kunst- und Kulturgarten genutzt wird. Im benachbarten Roemer- und Pelizaeusmuseum bietet sich das „Nil im Museum“ als Rastmöglichkeit an.

Mühlengraben und Domburgsmauer

Langelinienwall 21, 31134 Hildesheim, DE

Über den südlichen Gartenausgang gelangen wir auf den Palandtweg und gehen am ehemaligen lutherischen Waisenhaus von 1866 vorbei; das Gebäude gehört heute zum Roemer- und Pelizäeus-Museum. Weiter geht es am Mühlengraben entlang. Hier ist es schattig und sehr luftfeucht, also ideale Bedingungen für den Efeu, der mit Hilfe seiner Haftwurzeln bis in die Kronen der hohen Bäume emporklettert. Haben Sie schon einmal beobachtet, dass die Blätter des Efeus unterschiedlich gestaltet sind? Die jungen Schattentriebe am unteren Stamm haben die „typischen“ spitz gelappten Efeublätter, während das Blattwerk der weiter oben sitzenden „fruchtenden“ Triebe rundlich und ungelappt ist. Erst im Spätherbst entwickeln sich gelbliche Blütendolden, und die schwarzblauen Beeren sind im Winter eine Lieblingsspeise der Amseln.

Auf dem Palandtweg gelangen wir zur Domburgs- oder Bernwardsmauer, die den gesamten Dombezirk umschließt. Sie wurde zur Amtszeit Bischofs Bernwards zwischen 993 und 1022 erbaut und ist damit die älteste Stadt- bzw. Domummauerung im nordeuropäischen Raum. Von hier ist ein Abstecher zur Welterbestätte Mariendom und zum "Tausendjährigen" Rosenstock unbedingt lohnend!

Stinekenpforte

Treibestraße 11, 31134 Hildesheim, DE

Rückweg durch die Altstadt
Der Weg entlang der Mauer mündet in die Treibestraße, an der die großen Gebäude des St. Bernward–Krankenhauses liegen. In früheren Zeiten floss hier die Treibe, die heute im Untergrund verschwunden ist, aber bei Bauvorhaben auch in der heutigen Zeit noch große Probleme bereitet. Die nun folgenden Straßennamen haben deftige Bezeichnungen: Die vom Domhof herunter kommende schmale Gasse „Stinekenpforte“ (Stinkende Pforte) bezeichnet den überlieferten Weg, den einst die Domherren zur Treibe hinunter nahmen, um in ihren privaten Aborten am „Hückedahl“ (Niederhocken) einem natürlichen Bedürfnis nachzukommen.

1.000-Jähriger Rosenstock

Domhof 3, 31134 Hildesheim, DE

Die Rose steht im Mittelpunkt der Gründungslegende der Stadt Hildesheim. Danach verirrte sich Kaiser Ludwig der Fromme im Jahr 815 auf einem Jagdausflug, legte sich erschöpft nieder und hängte zuvor sein Brustkreuz mit dem Marienreliquiar in einen Rosenbusch. Als die Rose am nächsten Morgen erblüht war und sich das Kreuz nicht mehr aus den Zweigen lösen ließ, beschloss er, an dieser Stelle eine Kapelle zu errichten, die zum Bischofssitz und zur Keimzelle der Stadt Hildesheim wurde.
Die Hildesheimer sind überzeugt, dass derselbe Rosenstrauch noch heute die Apsis ihres Doms begrünt und dass Hildesheim so lange wachsen und gedeihen wird wie diese Rose blüht. Sie verlieh ihnen neuen Lebensmut, als sie aus den Trümmern des Zweiten Weltkrieges wieder ausschlug und erblühte. Botanisch gesehen handelt es sich um ein stattliches Exemplar der Hundsrose (Rosa canina), der wohl häufigsten in Deutschland vorkommenden Wildrosenart. Sie ist eine bei Mensch und Tier beliebte Heckenpflanze: Nicht nur schön anzusehen und nahrhaft wegen der Hagebutten sondern mit ihren Stacheln durchaus auch wehrhaft. Deshalb war sie in der Frühzeit der Stadt ein wichtiger Bestandteil der Rosenhag genannten Dornenhecken, die die Stadt schützten bevor Mauern und Wälle errichtet wurden. So ist die Rose nicht nur im übertragenen sondern auch im wörtlichen Sinne die Beschützerin der Stadt Hildesheim.

Huckup

Hoher Weg 16A, 31134 Hildesheim, DE

Die Huckup-Sage
Man hat wohl recht, wenn man sagt: "Die Nacht ist keines Menschen Freund". Aber am hellen Mittag ist's auch nicht sauber, wenn man so ganz allein im Holze ist, und ringsumher ist alles totenstill. Da ist es einmal einem Manne aus Söhre übel ergangen. Der suchte Heidelbeeren im Ziegenberge und legte sich gegen Mittag, als alle, die mit ihm ausgezogen, schon wiedernach Söhre heruntergegangen waren, unter einem großen Baum zum Schlafen nieder. Wie er eben die Augen zudrücken will, ruft es hinter ihm: "Hoho, hoho!" Erschrocken springt der Mann auf, sieht sich nach allen Seiten um und erblickt außer den summenden Bienen und Käfern ringsumher kein lebendiges Wesen. Nur oben in der höchsten Spitze des Baumes saß ein Rabe, der war wohl so groß wie eine Gans, und starrte mit so grimmigen Augen auf den Mann, daß diesem ganz ängstlich ums Herz wurde. "Ei, du Teufelsvieh",schimpfte der Mann, "du sollst mich doch nicht längerr im Schlafe stören", hob einen Steinauf und warf ihn nach dem häßlichen Vogel. Da flog der Rabe mit lautem Gekrächze davon, und der Mann legte sich wieder zum Schlafen nieder.

Kaum aber hatte er ein Auge zugedrückt, da rief es wieder hinter ihm: "Hoho, hoho!" Der Mann fuhr auf und griff wieder nach einem Stein; aber da war kein Rabe zu sehen; die heißen Sonnenstrahlen schienen so matt durch das von keinem Lüftchen bewegte Laub, und es wurde recht grausig an dem Orte. Da dachte der Mann: Hier ist nicht gut sein, betete und machte sich auf den Weg nach Söhre. Aber eben hatte er ein paar Schritte getan, als ihm etwas mit dem Geschrei "Hoho, hoho!" auf den Nacken sprang. Der Mann rüttelte und schüttelte sich, um die Last loszuwerden, aber vergebens; wie ein Mehlsack hing es ihm auf den Schultern, und im Angstschweiß keuchend schleppte er sich mit seiner schweren Last mühsam den Waldweg entlang. Endlich war der Waldrand erreicht, die goldenen Kreuze der Stadt- und Dorfkirchen blinkten dem Geplagten entgegen, und plumps! – fiel es ihm von den Schultern.

Was es aber gewesen ist, das der Mann schleppen mußte, das hat er nicht gesehen, denn er hütete sich wohl, sich umzugucken, sondern lief spornstreichs auf Söhre zu. Und das war sein Glück; denn der Huckup war's gewesen, ein böser Geist; wem der auf dem Nacken sitzt, der muß vorwärts, solange er kann oder solange es dem Geiste gefällt, und wer sich nach ihm umsieht, dem bricht er das Genick. Das hat schon mancher Dieb erfahren, dem plötzlich in stiller Mittagsstunde der Huckup auf den Rücken sprang und den Hals umdrehte.

Und wer's nicht glauben will, der gehe nach Hildesheim auf den Hohen Weg, wo man dem Huckup sogar ein Denkmal errichtet hat. Dort hockt er als tückischer Zwerg auf dem Rücken eines Apfeldiebes, und an dem Sockel darunter stehen die warnenden Worte:

Junge, laat dei Appels staan,
süs packet dek dei Huckup an!
Dei Huckup is en starken Wicht,
höllt mit dei Steeldeifs bös Gericht!