Natur und Stadtgeschichte - Grüne Route über die Wallanlagen

Stadtführung Am Kehrwieder 2, 31134 Hildesheim, DE

Die Hildesheimer Wallanlagen wurden im 15. und 16. Jahrhundert als mächtiger Verteidigungsring aus Wällen, Gräben, Mauern und Bastionen errichtet. Anfang des 19. Jahrhunderts gestaltete die Stadt die verbliebenen Befestigungsanlagen zu „Bürgerpromenaden“ mit Baumalleen, Teichen und Grünflächen um.

Autor: BUND Kreisgruppe Hildesheim

Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Kreisgruppe Hildesheim

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28 Stationen

Kehrwiederturm

Am Kehrwieder 2, 31134 Hildesheim, DE

Der Kehrwiederturm ist der letzte noch erhaltene Turm der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Von der Keßlerstraße aus gelangen wir am Kafenion vorbei durch das Tor des Turms nach rechts hinauf auf den Wall. Der Blick zurück auf die roten Dächer der Fachwerkhäuser und den Turm ist einer der "Lieblingsblicke" der Hildesheimer. Seinen Namen verdankt der Turm der Tatsache, dass der Wall zu seinen Füßen eine Kurve oder Kehre macht: Aus "Kehr in der Wehr" wurde Kehrwieder. Wie so oft, gibt es natürlich auch hier eine Sage, die die Entstehung des Namens viel romantischer erklärt. Sie sei hier kurz nacherzählt: Eine Hildesheimer Jungfrau verlief sich bei einem heimlichen Treffen mit ihrem Geliebten tief im Wald, der sich damals noch vor den Toren der Stadt erstreckte. Erst nach Tagen fand sie durch das Läuten der Turmglocke, die ihr "Kehre wieder, kehre wieder!" zurief, wieder zurück zum Tor. An die Sage erinnert heute ein Standbild auf der Krone des Walls. Der Wald vor den Mauern ist längst Häusern und Straßen gewichen, aber Waldpflanzen haben inzwischen die einstmals völlig kahlen Hänge des Stadtwalls erobert. Damit sind nicht nur die Bäume gemeint, sondern auch kleine, zarte Pflänzchen, die die Wälle schon ganz früh im Jahr mit ihren Blüten schmücken.

Frühblüher auf dem Kehrwiederwall

Lappenberg 8, 31134 Hildesheim, DE

Schon im März entfaltet sich auf dem Kehrwiederwall eine sehenswerte Blütenpracht, wenn entlang des gesamten Weges vom Kehrwiederturm bis hinunter zur Brücke über den Mühlengraben große Flächen mit den hellgelben Blüten des Wald-Gelbsterns bedeckt sind. Bald darauf folgen weitere Frühblüher, wie der Hohle Lerchensporn. Dieser trägt rote und weiße gespornte Blütenstände, denen er, zusammen mit der hohlen, tief in der Erde gelegenen Knolle, seinen Namen verdankt.
Zeitig im Frühjahr zeigt sich das Scharbockskraut mit seinen gelb glänzenden Blütensternen. Es ist eine alte Heil- und Salatpflanze, die ihren Namen von der früher im Winter verbreiteten Mangelkrankheit Skorbut, im Volksmund „Scharbock" genannt, erhielt. Die Vitamin­C-reichen Blätter der Pflanze konnten gesammelt und verzehrt werden, um so den "Scharbock" auszutreiben. Allen Frühblühern ist gemein, dass sie die kurze, lichte Zeit vor dem Laubaustrieb der Bäume nutzen, um zu blühen und zu fruchten. Dabei sammeln sie Nährstoffe in ihren unterirdischen Speicherorganen. Schon bald danach „ziehen sie ein" und ruhen den überwiegenden restlichen Teil des Jahres in der Erde bis zum erneuten Austrieb im nächsten Frühjahr.

Eine echte botanische Kostbarkeit blüht hier Mitte bis Ende April: Auf der linken Wallseite stehen die schmalen Blätter der Wilden Tulpe dicht an dicht, doch wegen der starken Beschattung kommen nur wenige Pflanzen zur Blüte. Die Wilde Tulpe gelangte als Zierpflanze im 16. Jahrhundert aus dem Mittelmeergebiet zu uns und wurde später irgendwann auch auf den Wällen angepflanzt, wo sie bis heute zu finden ist.

Das Godehardikloster und seine Gärten

Lappenberg 11, 31134 Hildesheim, DE

Die Basilika St. Godehard wurde im 12. Jahrhundert zu Ehren Bischof Godehards als Benediktiner-Klosterkirche erbaut. Mit ihren klassischen Proportionen gehört sie zu den bedeutendsten Zeugnissen romanischer Baukunst in Deutschland. Beete und Obstbäume vor der Apsis der Basilika erinnern an den einstmals sehr viel größeren Garten des Benediktinerklosters. Der heutige Ernst-Ehrlicher-Park, der sich von der Straße "Am Weinberg" bis hinunter an das Ufer der Innerste erstreckt, ist aus dem Klostergarten hervorgegangen. Aus den Fischteichen wurden Zierteiche, Obstwiesen und Gemüsegärten sind heute ein Landschaftspark und an den Weinberg erinnert nur noch der Straßenname. Mitten durch den Klostergarten wurde im Jahr 1450 gegen den Widerstand der Mönche die Stadtbefestigung gezogen. Den vor Wall und Graben liegenden Gartenteil konnten sie nur noch durch das Hohnser Tor, das heutige Nadelöhr, erreichen. Um weiter ungestört und direkt dorthin zu gelangen, gruben sie einen Gang unter dem Wall hindurch, der auch heute noch teilweise existiert. Er diente im zweiten Weltkrieg als Schutzraum für die kostbare Bernwardssäule aus dem Hildesheimer Dom. Heute nutzen ihn Fledermäuse als stadtnahes Quartier.

Die Bastion

Lappenberg 12, 31134 Hildesheim, DE

Die Plattform, auf der wir heute stehen, diente nie Verteidigungszwecken. Von dieser prominenten Position vor dem Wall konnten die Verteidiger die Stadtgräben überblicken, was heute wegen des am Wall heimischen Baumbestandes nicht mehr möglich ist.
Das Bauwerk wurde 1879 vom "Verschönerungsverein" unter Bürgermeister Struckmann auf den Überresten der historischen Bastion errichtet, die einstmals das an dieser Stelle gelegene sogenannte "Neue Tor" schützte. Bereits ab 1501 hatte es das etwa 150m nördöstlich gelegene "Hohnser Tor" unter dem Kehrwiederturm abgelöst, denn der Turm war seitdem nicht mehr Teil der Stadtbefestigung, da er sich nun innerhalb der Wallanlage befand. Heute führt der nahegelegene Tunnel, der im Volksmund „Nadelöhr“ genannt wird, als Überbleibsel des "Neuen Tors" durch den Wall hindurch.

Käsekeller

In den sogenannten „Käsekeller“ gelangt man nicht nur durch die rote Tür bei dem Spielplatz am Weinberg, auch in einem Privathaus am Lappenberg verbirgt sich ein Eingang in den unheimlichen Bau im Erdreich. Als "Käsekeller“ wurde das Gewölbe bekannt, während die Käsehandlung Carl Mann ihre Waren dort lagerte. Später wandelte sich das Gewölbe zum Partykeller, in dem sagenumwobene Feste gefeiert wurden. Offiziell genehmigt waren die selbstverständlich nicht und schließlich wurde der Keller ganz verschlossen. Heute kann man ihn lediglich im Rahmen einer Stadtführung erforschen.

Nachdem man die rote, schwere Tür passiert hat befindet man sich in einer anderen Welt. Hier ist es düster, dreckig, der Schein der Taschenlampe tanzt über die gewölbte Decke. Kein Kellermuff, es riecht nach Geschichte — und die reicht lange zurück. Was heute als "Käsekeller" bekannt ist, gehörte einst zu den Verteidigungsanlagen der Stadt. Der Kehrwiederwall entstand im 15. Jahrhundert und in ihm liegt die mehr als 30 Meter lange Kasematte, was der militärische Fachbegriff für ein Wallgewölbe ist. In einem extra angelegten Anbau lagerte das Pulvermagazin und im Zweiten Weltkrieg suchten die Hildesheimer hier Schutz vor den Bomben.

Das Gemäuer aus Sandsteinquadern wird immer wieder von Lüftungsschächten unterbrochen, die weit nach oben in den Wall führen. Kurz hinter dem Eingang von der Weinbergseite aus, liegt linker Hand ein Durchbruch in einen kleinen Raum, viel mehr eine Art Kammer, mit sehr niedrigen Decken. Das beklemmende Gefühl treibt einen schnell wieder hinaus in den großen Gang, in dem bis zur Decke gut vier Meter Luft sind. Heimelig fühlt es sich aber auch hier nicht an. Spätestens ein zerfallener Kinderwagen, der zum Tag des Denkmals einmal hineingestellt wurde, weckt Horror-Phantasien. Der Blick nach vorn auf die eingerahmte Tür zum Privathaus hat etwas von einer Todeskammer. Hier einen elektrischen Stuhl vorzufinden würde nicht überraschen. Weiter geht es ins ehemalige Pulvermagazin. Die Decken sind hier noch einen halben Meter höher und auch breiter ist der 1750 und 1751 entstandene Anbau. In der Mitte hat sich ein Häufchen kleiner Steine gesammelt, die offenbar durch einen der Lüftungsschächte herein gerieselt sind.

Der Anbau birgt ein Geheimnis: Hinter der Mauer geht es noch weiter. Wohin genau und was sich dort verbirgt, weiß heutzutage niemand. Und so behält der "Käsekeller" noch einige seiner Geheimnisse für sich. Die Mauern schweigen so lange bis sie irgendwann jemand zum "Sprechen“ zwingt. Wann das sein wird, ist noch offen.

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Linden und Misteln

Godehardsplatz 4, 31134 Hildesheim, DE

Die Linden auf den Wällen verbreiten im Frühsommer einen köstlichen Duft, der sich gegen Abend besonders intensiv entfaltet. Manche dieser Bäume scheinen auch im Winter noch grün zu sein, doch dieser Eindruck täuscht; sie tragen eine „Perücke" aus Misteln. Die Mistel ist ein Halbschmarotzer, der dem Wirtsbaum mit tief eingesenkten Saugwurzeln Wasser und Mineralstoffe entzieht. Für den Baum kann ein starker Mistelbewuchs zum Problem werden, da seine Äste durch das Gewicht und den Wasserentzug absterben können. Zur Zeit der Germanen und Kelten galt die Mistel als geheimnisumwobene Pflanze. Sie musste vom Himmel gefallen sein, da sie völlig ,,schwindelfrei" im Geäst der Bäume wachsen konnte. Wie aber kommt die Mistel tatsächlich auf den Baum? Ihre weißen Beeren reifen im Winter und werden gern von Vögeln, vor allem der Misteldrossel, verspeist. Aber auch der Seidenschwanz, der in manchen Wintern aus dem hohen Norden bei uns einfliegt, liebt die Beeren sehr. Deren Fruchtfleisch ist so klebrig, dass die Vögel den Schnabel an Ästen und Zweigen abstreifen, und so die Mistelsamen verbreiten. Stadtbäume wie die alten Linden spenden Schatten und Lebensqualität, denn über die riesige Oberfläche ihres Blattwerks befeuchten sie die Luft und filtern Staub, Schadstoffe und Keime heraus. Die Verdunstung kühlt an heißen Tagen spürbar und zudem bremsen sie den Wind und dämpfen die Geräusche der Umgebung.

Fledermäuse

Godehardsplatz 4, 31134 Hildesheim, DE

Wenn über den Stadtwällen die Nacht hereinbricht, kommen sie aus ihren Quartieren in den alten Linden:
Fledermäuse, genauer gesagt Großer Abendsegler und Wasserfledermaus und machen sich auf die Jagd nach Insekten über der Innerste, dem Kalenberger Graben und im Ernst-Ehrlicher-Park. Bis zu 3000 Mücken kann eine Wasserfledermaus in einer Nacht verzehren. Während sie stets dicht über der Wasseroberfläche kreisend auf Beutefang geht, jagt der Abendsegler hoch am Himmel, ähnlich wie tagsüber die Mauersegler. Spaziergänger auf den Wällen werden meist von den kleinen Fransen- und Zwergfledermäusen umschwirrt, denn diese jagen gern zwischen Büschen und Bäumen. Insgesamt gibt es in der Region Hildesheim ca. 15 Fledermausarten, die jeweils unterschiedliche Jagdtechniken entwickelt haben. Allen gemeinsam ist die sichere Orientierung in dunkler Nacht mithilfe von Ultraschall-Ortungsrufen. Wer mehr über Fledermäuse erfahren und sie mit einem „Bat-Detektor“ bei der Jagd belauschen möchte, kann an einer Fledermausführung der Hildesheimer Naturschutzverbände teilnehmen.

Ernst-Ehrlicher-Park

Godehardsplatz 7, 31134 Hildesheim, DE

Von der Sitzgruppe auf der linken Wallseite aus eröffnet sich ein reizvoller Ausblick auf den Ernst-Ehrlicher-Park mit seinen Teichen und alten Bäumen. Früher befand sich hier der Godehardi-Klostergarten. Nach der Säkularisation erwarb die Kaufmannsfamilie Dyes das Areal und wandelte es in einen Landschaftspark nach englischem Vorbild um. Die ebenso reizvolle Villa Dyes liegt am Rande des Parks zur Straße „Weinberg“. Später übernahm die Stadt Hildesheim den Park und machte ihn 1926 der Öffentlichkeit zugänglich. Den heutigen Namen erhielt er zu Ehren des damaligen Oberbürgermeisters Dr. Ernst Ehrlicher.

Langelinienwall und Kalenberger Graben

Lucienvörder Straße 23, 31134 Hildesheim, DE

Wir überqueren die Lucienvörder Straße und bewegen uns jetzt auf der „Langen Linie“, der längsten Verteidigungslinie der Stadt, die Anfang des 16. Jahrhunderts als letzter Teil der Stadtbefestigung schnurgerade durch die feuchte Innersteniederung gezogen wurde. Der Wall war hier für Verteidigungszwecke ausreichend, Mauern brauchte es nicht, weil sich zu beiden Seiten sumpfiges Gelände ausdehnte. Das St. Bernward Krankenhaus nördlich des Kalenberger Grabens musste deshalb auf zahlreichen Pfählen gegründet werden. Die prachtvollen Jugendstilvillen auf der anderen Seite des Kalenberger Grabens entstanden auf ehemaligem Gartenland und dieses wiederum auf der Fläche des großen Venedigerteichs, ein Fischteich, der 1612 zugeschüttet worden war.
Aus wehrtechnischen Gründen mussten alle Wallanlagen ständig frei von Gehölzen gehalten werden, in Friedenszeiten konnten sie jedoch von den Bürgern als Weide- oder Gartenland, die Gräben als Fischteiche genutzt werden. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Wälle zu „Bürgerpromenaden“ umgestaltet mit Baumalleen auf den Wallkronen und Blumenrabatten in den trockengelegten Gräben. Später sind die Wallhänge zugewachsen und wurden erst vor einigen Jahren freigelegt, um die historische Wall- und Grabensituation wieder sichtbar zu machen.

Flora auf dem Langelinienwall und am Kalenberger Graben

Langelinienwall 2, 31134 Hildesheim, DE

Nachdem die zugewachsenen Wallanlagen wieder freigelegt wurden, haben nun auch viele Blütenpflanzen, die unter den dichten Gebüschen nur noch ein kümmerliches Dasein fristen konnten, neue Chancen.
Im Frühling kommen März-Veilchen, Scharbockskraut, Gundermann, Echte Schlüsselblume und viele andere wieder zur Blüte. Im Sommer fallen die gelben Korbblüten des Wald-Habichtskrautes und die roten der Wiesenflockenblume auf.
Dekorativ sind auch die alten Trauerweiden mit ihren bis zum Wasser überhängenden Zweigen. Sie sind eine Kulturform der einheimischen Silber-Weide.

Singvögel der Wallanlagen

Kalenberger Graben 13, 31134 Hildesheim, DE

Viele Vogelarten haben sich dem Stadtleben angepasst, denn es bietet durchaus viele Vorteile. Hier ist der Tisch auch im Winter reich gedeckt, und ein sicheres Plätzchen zum Nisten findet sich auch, wenn man nicht zu anspruchsvoll ist. So sind auch in den Büschen und Bäumen der Wallanlagen viele Vogelarten rund ums Jahr aktiv (in den die Wallanlagen umsäumenden Büschen und Bäumen) .
Meisen: Am häufigsten sind die Kohlmeisen, die sich bei ihren Kletteraktionen in den Bäumen gut beobachten lassen. Gut sichtbar ist dabei der gelbe Bauch mit einem schwarzen Streifen und ihr schwarzes Käppchen. Das laut gesungene „Zizibäh“ oder ein „Läuten“ sind ihre bekanntesten Gesänge. Oft turnt noch eine weitere Meisenart in den Zweigen. Das sind die etwas kleineren Blaumeisen, die sich durch eine blaue Kopfoberseite, sowie durch ihren zarten, trillernden Gesang von der Kohlmeise unterscheiden.
Kleiber: Der Kleiber fällt durch einen schwarzen Augenstrich auf. Als einziger Vogel kann er die Baumstämme auch mit dem Kopf nach unten herunterklettern. Im Winter dominiert sein Ruf die Umgebung, während viele andere Sänger eher still sind. Dann hört man sein lautes Pfeifen am besten. Seinem Namen verdankt er dem „zukleistern“ von alten Spechtlöchern auf seine Körpermaße.
Zaunkönig: Seine auffälligsten Erkennungsmerkmale sind die kleine, runde Gestalt, der fast ständig aufgerichtete Schwanz und der verblüffend laute dreiteilige Gesang, bis zu 90 Dezibel laut. Das ist etwas so laut wie ein Kammerorchester oder ein Türknallen. Der kleine Zaunkönig ist damit nicht nur ziemlich laut, er ist auch bis zu 500 Meter weit zu hören. Er bevorzugt etwas "unaufgeräumte" Unterholzbereiche. Dort baut das Männchen eine Reihe von Kugelnestern und präsentiert sie dem Weibchen, das dann im passendsten seine Eier legt und bebrütet.
Mit seinen 10 Gramm ist dieser kleine Vogel sehr schwer zu entdecken, er versteckt sich häufig im Unterholz. Übrigens ist er der drittkleinste Vogel in Europa!
Spatz: Wie der Mauersegler ist auch der Spatz ein Gebäudebrüter und echter Stadtvogel, jedenfalls wenn es sich um den Haussperling (Kennzeichen graue Kappe) handelt. Sein Vetter der Feldsperling (Kennzeichen schwarzerWangenfleck) bevorzugt dagegen die Agrarlandschaft und wird leider immer seltener.

Ornithologische Dreifaltigkeit

Langelinienwall 17, 31134 Hildesheim, DE

Auch Greifvögel haben die Stadt als Lebensraum entdeckt. Schon länger hier zu Hause ist der Turmfalke, der (nördlich von uns) an St. Michael in einer Mauernische nistet.

Ein Paar des deutlich größeren und recht seltenen Wanderfalken hat vor einigen Jahren einen Nistkasten in St. Andreas (östlich von uns), dem höchsten Kirchturm des Landes bezogen.

Und zuletzt hat ein Uhupaar am Dom (südöstlich von uns) mit einer erfolgreichen Brut diese ornithologische Dreifaltigkeit an den Hauptkirchen der Stadt komplettiert. Die drei Junguhus teilten sich zunächst einen eigentlich für Turmfalken vorgesehenen Kasten, was zu ziemlichem Gedränge führte. Seit 2015 können Sie ein deutlich größeres Quartier beziehen, das Vogelfreunde extra für Sie hergerichtet haben. Wanderfalke und Uhu erbeuten vor allem die städtischen Tauben und helfen so, deren Zahl zu dezimieren, während der Turmfalke ein Mäusejäger ist, der in der Stadt aber auch Singvögel schlägt.

Diese Greifvögel sind Kulturfolger, sie profitieren davon, wie der Mensch die Natur umgestaltet und folgen dabei ihrer Beute: Arten, die schon seit längerem die Vorteile des Stadtlebens „genießen“ So haben ehemalige Felsbewohner wie Haustaube, Hausrotschwanz und Mauersegler in den Häuserschluchten der Städte eine neue Heimat gefunden. Auch die Wanderratte ist eine typisch städtische Art. Noch
vor 200 Jahren war die Amsel ein Waldbewohner bevor sie ihre Scheu ablegte und Parks und Gärten eroberte. Erst seit ca 20 Jahren folgt ihr die Ringeltaube. Bekannte „Neustädter“ sind Wildschwein, Fuchs, Kaninchen und neuerdings Waschbär.
Da sich die von den Menschen geschaffenen Bedingungen ständig wandeln, stehen frühere Profiteure inzwischen auf der Verliererseite. Der Bestand der Schwalben und Dohlen nimmt ab, weil sie kaum noch Nistmöglichkeiten finden. Ähnlich ergeht es Fledermäusen, Haussperling und Mauersegler, deren Quartiere in Dachstühlen und Mauernischen der energetischen Sanierung zum Opfer fallen

Reinald von Dassel

Große Venedig 1A, 31134 Hildesheim, DE

Vom nördlichen Ende des Langelinienwalles hat man einen wunderschönen Blick über den Kalenberger Graben. Hier steht ein Denkmal zu Ehren des Grafen Rainald von Dassel (1115-1167), der in der Domschule zu Hildesheim erzogen wurde und anschließend nicht nur zum Dompropst in Hildesheim sondern zum Kölner Erzbischof und Reichskanzler unter Kaiser Friedrich I Barbarossa aufstieg. Wegen seiner vielen Ämter und Aufgaben konnte er sich weder in Köln noch in Hildesheim längere Zeit aufhalten, aber er sorgte dafür, dass vor 1161 die erste steinerne Brücke über die Innerste gebaut wurde. Neben dieser Brücke ließ er vor den Toren der Stadt das Johannisspital errichten. Während davon heute nur noch Mauerreste an der Dammtorbrücke zeugen, besteht die zur Unterstützung des Spitals gegründete Johannishofstiftung auch heute noch als die inzwischen älteste Stiftung Deutschlands.
Auch an seinem Bischofssitz Köln versuchte Rainald von Dassel, eine erste steinerne Brücke über den Rhein zu errichten, was aber nicht gelang. Dennoch stärkte er Köln nachhaltig, indem er die Gebeine der Heiligen Drei Könige aus dem eroberten Mailand in den Kölner Dom bringen ließ, wo sie noch heute im prunkvollen Dreikönigsschrein verehrt werden.

Johannisbrücke

Johannisstraße 9, 31134 Hildesheim, DE

Wenn wir nun die stark gewölbte Johannisbrücke überqueren, laufen wir über die Köpfe von Fledermäusen hinweg, die nur ein paar Dezimeter unter unseren Schuhsohlen kopfüber hängend den Tag verbringen. Weil sich im Inneren der Brücke größere Hohlräume auftun, die über die Spalten im alten Mauerwerk für Fledermäuse gut zugänglich sind, hat sich hier ein beliebtes Quartier entwickelt, dessen Entstehung mit der Geschichte der Brücke zusammenhängt. Sie war nämlich Teil der Stadtbefestigung und um zu verhindern, dass der Feind mit Booten unter der Brücke hindurch in die Stadt eindrang, konnten Gitter bis in den Fluss hinabgelassen werden. Diese stählerne Wehr und die dafür benötigten Hebevorrichtungen sind längst ausgebaut, die Hohlräume in der Brücke aber geblieben. Den Fledermäusen zuliebe wurden sie auch bei der Brückensanierung in den 90er Jahren nicht ganz verschlossen.

Johannisfriedhof und Innerste

Johannisstraße 8, 31134 Hildesheim, DE

Von der Johannisbrücke aus lohnt ein Abstecher nach links zum Johannisfriedhof. Dieser wurde Anfang des 19. Jahrhunderts wegen der Angst der Bürger vor der Seuchengefahr als erster außerhalb der Stadt eingerichtet. 1952 gestaltete die Stadt ihn zu einer Grünanlage um, wobei zahlreiche Gedenksteine erhalten blieben. Die dunklen Kronen alter Eiben prägen als „Trauerbäume“ das Bild. Eiben sind giftig in allen Teilen, außer dem beerenähnlichen roten Samenmantel. Ihr hartes, aber biegsames Holz wurde früher für Bogen und Wurfspieße verwendet. Schon "Ötzi" hatte einen Bogen aus Eibenholz bei sich.
Wir gehen über den Friedhof, an der kleinen Wasserkraftanlage vorbei über die Holzbrücken und blicken in das breite Hochwasserbett der Innerste, das 1927 zur Eindämmung der ständig wiederkehrenden Überschwemmungen des Flusses erbaut wurde.
Mit Hilfe der abgebildeten Stadtkarte von 1670 kann man sich vielleicht vorstellen, wie es hier vor 300 oder 400 Jahren aussah. Wir stünden auf einem Eckpunkt der damals mächtigen Bastion vor dem Dammtor und blickten auf eine „unendlich große Wiese“, die sich damals viele Meilen weit nach Süden erstreckte. Dort weidete das Vieh, und die Innerste schlängelte sich in zahlreichen Kurven durch das Grünland. Heute ist der Fluss begradigt; im Hochwasserbett fließt nur noch ein weitgehend kanalisierter Bach mit der Bezeichnung „Altes Wasser“. Immerhin werden seine Ufer nur einmal jährlich gemäht, so dass im Sommer viele Uferstauden zur Blüte kommen. Blaues Sumpf-Vergissmeinnicht, roter Blut-Weiderich und weißes Echtes Mädesüß bieten ein buntes Bild. Darunter ist auch ein dekorativer, hell- bis dunkelrot blühender „Neubürger“ der heimischen Pflanzenwelt: Das Indische Springkraut, auch „Bauernorchidee“ genannt, ist aus Gärten verwildert und erobert zur Zeit sehr viele Flussufer. Am „Alten Wasser“ haben auch viele Frösche und Libellen einen Lebensraum gefunden.

Mauerreste des ehem. Johannishospital

Dammstraße 28, 31134 Hildesheim, DE

Das Johannishospital wurde 1161 als Heim für Alte, Kranke und Fremde anstelle des heruntergekommenen einstigen Domspitals „am Eingang der Stadt“ neben einer neuen steinernen Innerstebrücke vom damaligen Dompropst Rainald v. Dassel errichtet.
Das Johannishospital wurde bei dem Überfall der Hildesheimer Bürger auf die Dammstadt im Jahr 1332 zerstört. 1893 entstand ein Neubau mit alten Inschriften von 1280, 1352 und 1733. Über der Tür befand sich das Stift-Hildesheimsche Wappen von 1733. Daneben zwei alte Steine mit den Inschriften:

Die Umgebung der Bischofsmühle

Dammstraße 32, 31134 Hildesheim, DE

Wir gehen über den Johannisfriedhof zurück überqueren die Dammstraße und kommen zur ehemaligen Bischofsmühle, deren Restgebäude mit einem modernen Bürohaus überbaut wurde. Der Keller dient traditionell als Raum für musikalische Veranstaltungen. Die Bischofsmühle überspannte die Innerste seit dem Mittelalter bis zur Zerstörung der Stadt am 22. März 1945. Der Flussarm neben dem Gebäude wurde zu einer beliebten Wildwasser-Slalomstrecke für Kajaksportler umgebaut.

Im Umfeld der Bischofsmühle kann man oft die mit der Bachstelze verwandte, aber seltenere Gebirgsstelze beobachten Ein kleiner, gelblicher Vogel dessen Verbreitungsgebiet, anders als der Name sagt, auch das Flachland umfasst. Seit etlichen Jahren ist sie ein regelmäßiger Brutvogel am Innersteufer. Sie liebt das bewegte Wasser an den Wehren und fängt hier im Wasser lebende Insekten.
Etwa an dieser Stelle befand sich vor sehr langer Zeit eine Furt durch die Innerste. Sie lag auf der Strecke der West-Ost-Handelsstraße, der heutigen B 1, die damals wie heute aus dem Rheinland bis nach Magdeburg und weit darüber hinaus führte. Sie war eine wichtige Voraussetzung für die Gründung der Stadt Hildesheim.

Weiter geht es über die Innerstebrücken am Restaurant „Die Insel“ vorbei zur Mühlenstraße. Von hier aus ist der Magdalenengarten gut zu erreichen.

Magdalenengarten

31134 Hildesheim, DE

Die schmale Straße links der Magdalenenkirche führt direkt zum Seniorenheim Magdalenenhof, das im ehemaligen Magdalenenkloster untergebracht ist. Die Durchquerung des Erdgeschosses ist freundlicherweise gestattet, und im Magdalenenhofcafe´ kann man auch eine Pause bei Kaffee und Kuchen einlegen.
Der Magdalenengarten ist ein ruhiges Kleinod mitten in der Stadt. Ursprünglich zur Versorgung des 1224 gegründeten Nonnenklosters St. Magdalenen angelegt, ist er heute ein Ruheraum für die Bewohner des Seniorenheims und auch der Öffentlichkeit zugänglich. In den Jahren 2003 bis 2004 wurde der Garten nach dem Konzept des Barockgartens restauriert, der hier im 18. Jahrhundert schon einmal bestand. Rosen aller Sorten und Farben säumen die Wege und Rasenflächen. Auf der Westseite erhebt sich der „Hohe Wall“ mit einer Begrenzungsmauer und einem schmiedeeisernen Tor. Von hier aus hat man den schönsten Ausblick über den Garten hinweg zur Welterbekirche St. Michael, und hier kann man im April gleich hundertfach die gelben Blütensterne der gefährdeten Wilden Tulpe bewundern. Am sonnigen Südhang liegt der Weinberg. Er ist bereits aus der Klosterzeit überliefert und wurde in den 1980er Jahren neu angelegt. Von seinem Ertrag bekommt der Hildesheimer Bischof in jedem Jahr „den Zehnten“ in Wein. In der kleinen Obstwiese unterhalb wachsen alte Obstsorten, darunter auch zwei kleine Mispeln. Ihre heute kaum noch bekannten, apfelähnlichen Früchte wurden früher gern zu Marmelade verarbeitet. Für die Bienen, die den Blütenreichtum des Gartens nutzen, wurden Bienenstöcke aufgestellt. Aber auch Wildbienen und andere Insekten finden Nistplätze in einem „Bienenhotel“. Für Fledermäuse wurden zwei ehemalige Luftschutzbunker aus Weltkriegszeiten nahe der historischen Stadtmauer im Osten als Quartiere eingerichtet. In deren Nähe liegen drei kleine, mit Hecken eingefasste Themengärten.

Wir verlassen den Garten über den zuvor genommenen Eingang. Es ist aber auch möglich, den Weg in Richtung der Michaeliskirche für einen Abstecher in das Weltkulturerbe zu nehmen. Dort lädt das Michaelis-Weltcafé zu einer kleinen Pause ein.

Stadtmauer mit Zimbelkraut

Mühlenstraße 5, 31134 Hildesheim, DE

Wir gehen zurück zur Mühlenstraße. Auf ihrer linken Seite ist ein Teilstück der historischen Stadtmauer erhalten geblieben. In den Fugen wächst das Zimbelkraut, eine "typische" Mauerpflanze mit kleinen rundlichen Blättern und zarten rosa Blüten. Diese Pflanze sorgt erstaunlich aktiv für die Verbreitung ihrer Art: Sie "pflanzt" ihre Samen mithilfe der sich verlängernden Fruchtstiele direkt in benachbarte Mauerfugen.
Am Ende der Mühlenstraße überqueren wir die Dammstraße und gelangen auf der gegenüberliegenden "Kleinen Venedig" zu dem fast verborgenen Garten am Mühlengraben.

Historischer Stadtgarten am Mühlengraben

Am Steine 4-6, 31134 Hildesheim, DE

Dieser Garten ist ein Relikt einer Vielzahl von Bürgergärten, die in der frühen Neuzeit außerhalb der Stadtmauer am Mühlengraben lagen. Er blieb als einziger bis heute von Bebauung verschont, war aber in den letzten Jahren mangels Gartennutzung stark verwildert. Im Jahre 2014 überließ die Stadt das Areal der Robert-Bosch-Gesamtschule, die den Garten im Rahmen der schulischen Projektarbeit renovierte, was nur mit der Hilfe mehrerer Sponsoren möglich war. Entsprechend der früheren Nutzung wurde ein Obstgarten mit Wegen, Rasenflächen und Pflanzungen angelegt. Heute finden wir einen Ruheort im Umfeld der Welterbestätten vor, der auch der Vermittlung naturkundlicher und stadtgeschichtlicher Informationen dient und als kleiner Kunst- und Kulturgarten genutzt wird. Im benachbarten Roemer- und Pelizaeusmuseum bietet sich das „Nil im Museum“ als Rastmöglichkeit an.

Mühlengraben und Domburgsmauer

Langelinienwall 21, 31134 Hildesheim, DE

Über den südlichen Gartenausgang gelangen wir auf den Palandtweg und gehen am ehemaligen lutherischen Waisenhaus von 1866 vorbei; das Gebäude gehört heute zum Roemer- und Pelizäeus-Museum. Weiter geht es am Mühlengraben entlang. Hier ist es schattig und sehr luftfeucht, also ideale Bedingungen für den Efeu, der mit Hilfe seiner Haftwurzeln bis in die Kronen der hohen Bäume emporklettert. Haben Sie schon einmal beobachtet, dass die Blätter des Efeus unterschiedlich gestaltet sind? Die jungen Schattentriebe am unteren Stamm haben die „typischen“ spitz gelappten Efeublätter, während das Blattwerk der weiter oben sitzenden „fruchtenden“ Triebe rundlich und ungelappt ist. Erst im Spätherbst entwickeln sich gelbliche Blütendolden, und die schwarzblauen Beeren sind im Winter eine Lieblingsspeise der Amseln.

Auf dem Palandtweg gelangen wir zur Domburgs- oder Bernwardsmauer, die den gesamten Dombezirk umschließt. Sie wurde zur Amtszeit Bischofs Bernwards zwischen 993 und 1022 erbaut und ist damit die älteste Stadt- bzw. Domummauerung im nordeuropäischen Raum. Von hier ist ein Abstecher zur Welterbestätte Mariendom und zum "Tausendjährigen" Rosenstock unbedingt lohnend!

Stinekenpforte

Treibestraße 11, 31134 Hildesheim, DE

Rückweg durch die Altstadt
Der Weg entlang der Mauer mündet in die Treibestraße, an der die großen Gebäude des St. Bernward–Krankenhauses liegen. In früheren Zeiten floss hier die Treibe, die heute im Untergrund verschwunden ist, aber bei Bauvorhaben auch in der heutigen Zeit noch große Probleme bereitet. Die nun folgenden Straßennamen haben deftige Bezeichnungen: Die vom Domhof herunter kommende schmale Gasse „Stinekenpforte“ (Stinkende Pforte) bezeichnet den überlieferten Weg, den einst die Domherren zur Treibe hinunter nahmen, um in ihren privaten Aborten am „Hückedahl“ (Niederhocken) einem natürlichen Bedürfnis nachzukommen.

Mariendom zu Hildesheim

Der Hildesheimer Dom, auch Hoher Dom zu Hildesheim oder Mariendom zu Hildesheim (offizielle Bezeichnung Hohe Domkirche St. Mariä Himmelfahrt), ist die Kathedrale des römisch-katholischen Bistums Hildesheim in Hildesheim. Er gehört zu den bedeutendsten Bauwerken der Vorromanik in Niedersachsen und ist eine der ältesten Bischofskirchen in Deutschland.

1.000-Jähriger Rosenstock im Hof des Mariendoms

Die Rose steht im Mittelpunkt der Gründungslegende der Stadt Hildesheim. Danach verirrte sich Kaiser Ludwig der Fromme im Jahr 815 auf einem Jagdausflug, legte sich erschöpft nieder und hängte zuvor sein Brustkreuz mit dem Marienreliquiar in einen Rosenbusch. Als die Rose am nächsten Morgen erblüht war und sich das Kreuz nicht mehr aus den Zweigen lösen ließ, beschloss er, an dieser Stelle eine Kapelle zu errichten, die zum Bischofssitz und zur Keimzelle der Stadt Hildesheim wurde.
Die Hildesheimer sind überzeugt, dass derselbe Rosenstrauch noch heute die Apsis ihres Doms begrünt und dass Hildesheim so lange wachsen und gedeihen wird wie diese Rose blüht. Sie verlieh ihnen neuen Lebensmut, als sie aus den Trümmern des Zweiten Weltkrieges wieder ausschlug und erblühte. Botanisch gesehen handelt es sich um ein stattliches Exemplar der Hundsrose (Rosa canina), der wohl häufigsten in Deutschland vorkommenden Wildrosenart. Sie ist eine bei Mensch und Tier beliebte Heckenpflanze: Nicht nur schön anzusehen und nahrhaft wegen der Hagebutten sondern mit ihren Stacheln durchaus auch wehrhaft. Deshalb war sie in der Frühzeit der Stadt ein wichtiger Bestandteil der Rosenhag genannten Dornenhecken, die die Stadt schützten bevor Mauern und Wälle errichtet wurden. So ist die Rose nicht nur im übertragenen sondern auch im wörtlichen Sinne die Beschützerin der Stadt Hildesheim.

Mauersegler

Hinterer Brühl 2, 31134 Hildesheim, DE

Wenn ab Anfang Mai eigenartig schrille Rufe zu hören sind und anschließend ein Trupp schwarzer Vögel in schnellem Flug über uns hinwegbraust, sind die Mauersegler aus Südafrika zurück. Ihr Leben ereignet sich im Flug. Mauersegler jagen, trinken, paaren sich und schlafen in der Luft. Nur für die Aufzucht der Jungen werden sie „sesshaft“. Gern beziehen sie Hohlräume unter Dachziegeln an hohen Gebäuden. Materialien für das flache Nest wie Halme, Blätter, Haare werden im Flug gesammelt. Schon Ende Juli verlassen uns die Mauersegler wieder Richtung Afrika.

Copyright Ton: www.soundalbum.de

Synagoge am Lappenberg

Gelber Stern 15, 31134 Hildesheim, DE

Die Synagoge am Lappenberg war von ihrer Erbauung 1848/49 bis zu ihrer Zerstörung während der Novemberpogrome 1938 die Synagoge der jüdischen Gemeinde zu Hildesheim.

Huckup

Die Huckup-Sage
Man hat wohl recht, wenn man sagt: "Die Nacht ist keines Menschen Freund". Aber am hellen Mittag ist's auch nicht sauber, wenn man so ganz allein im Holze ist, und ringsumher ist alles totenstill. Da ist es einmal einem Manne aus Söhre übel ergangen. Der suchte Heidelbeeren im Ziegenberge und legte sich gegen Mittag, als alle, die mit ihm ausgezogen, schon wiedernach Söhre heruntergegangen waren, unter einem großen Baum zum Schlafen nieder. Wie er eben die Augen zudrücken will, ruft es hinter ihm: "Hoho, hoho!" Erschrocken springt der Mann auf, sieht sich nach allen Seiten um und erblickt außer den summenden Bienen und Käfern ringsumher kein lebendiges Wesen. Nur oben in der höchsten Spitze des Baumes saß ein Rabe, der war wohl so groß wie eine Gans, und starrte mit so grimmigen Augen auf den Mann, daß diesem ganz ängstlich ums Herz wurde. "Ei, du Teufelsvieh",schimpfte der Mann, "du sollst mich doch nicht längerr im Schlafe stören", hob einen Steinauf und warf ihn nach dem häßlichen Vogel. Da flog der Rabe mit lautem Gekrächze davon, und der Mann legte sich wieder zum Schlafen nieder.

Kaum aber hatte er ein Auge zugedrückt, da rief es wieder hinter ihm: "Hoho, hoho!" Der Mann fuhr auf und griff wieder nach einem Stein; aber da war kein Rabe zu sehen; die heißen Sonnenstrahlen schienen so matt durch das von keinem Lüftchen bewegte Laub, und es wurde recht grausig an dem Orte. Da dachte der Mann: Hier ist nicht gut sein, betete und machte sich auf den Weg nach Söhre. Aber eben hatte er ein paar Schritte getan, als ihm etwas mit dem Geschrei "Hoho, hoho!" auf den Nacken sprang. Der Mann rüttelte und schüttelte sich, um die Last loszuwerden, aber vergebens; wie ein Mehlsack hing es ihm auf den Schultern, und im Angstschweiß keuchend schleppte er sich mit seiner schweren Last mühsam den Waldweg entlang. Endlich war der Waldrand erreicht, die goldenen Kreuze der Stadt- und Dorfkirchen blinkten dem Geplagten entgegen, und plumps! – fiel es ihm von den Schultern.

Was es aber gewesen ist, das der Mann schleppen mußte, das hat er nicht gesehen, denn er hütete sich wohl, sich umzugucken, sondern lief spornstreichs auf Söhre zu. Und das war sein Glück; denn der Huckup war's gewesen, ein böser Geist; wem der auf dem Nacken sitzt, der muß vorwärts, solange er kann oder solange es dem Geiste gefällt, und wer sich nach ihm umsieht, dem bricht er das Genick. Das hat schon mancher Dieb erfahren, dem plötzlich in stiller Mittagsstunde der Huckup auf den Rücken sprang und den Hals umdrehte.

Und wer's nicht glauben will, der gehe nach Hildesheim auf den Hohen Weg, wo man dem Huckup sogar ein Denkmal errichtet hat. Dort hockt er als tückischer Zwerg auf dem Rücken eines Apfeldiebes, und an dem Sockel darunter stehen die warnenden Worte:

Junge, laat dei Appels staan,
süs packet dek dei Huckup an!
Dei Huckup is en starken Wicht,
höllt mit dei Steeldeifs bös Gericht!

Wernersches Haus

Hinterer Brühl 12A, 31134 Hildesheim, DE

Der dreistöckige Bau an der Ecke Hinterer Brühl und Godehardiplatz stammt aus dem Jahr 1606 und ist nach seinem Erbauer, dem bischöflichen Sekretär Philip Werner, benannt. Die Fassade ist mit Schnitzwerk reich geschmückt. Vier Brüstungsbilder versinnbildlichen Hoffnung, Glauben, Nächstenliebe und Geduld. Insgesamt befinden sich 29 Bildtafeln an der Fassade.