Stadtmuseum Hüfingen

Ausstellung Nikolausgässle 1, 78183 Hüfingen, DE

Zu den Aufgaben des Stadtmuseums gehört die Darstellung von Kultur und Geschichte der Baarstadt und des kulturellen Lebens. Diesem Auftrag wurde der Museumsverein durch zahlreiche Sonderausstellungen gerecht. Thematische Schwerpunkte dieser Ausstellungen waren

Autor: Förderkreis Stadtmuseum Hüfingen e.V.

11 Stationen

Vortragsraum

Kelten

Römer

Später besiedelten Römer unser Gebiet. Um 50 n. Chr. legten helvetisch-römische Legionäre den Ort Brigobannis auf dem Galgenberg an, um die Donaugrenze gegen die Germanen zu sichern. Den keltischen Namen übernahmen sie. Später, als das Kastell längst aufgegeben war, bestand die römisch-keltische Zivilsiedlung am Mühlöschle aber weiter, vermutlich auch noch nach dem Fall des Limes (259). Es gab in dieser Siedlung rechteckige Fachwerkhäuser, sogenannte Streifenhäuser. Zur Straße hin hatten sie eine durchgehende Arkadenreihe und waren im vorderen Bereich meist unterkellert.
Im hinten gelegenen Hofbereich waren oftmals kleinere Werkstätten, auch Brunnen fanden sich hier. Diese Wohnhäuser darf man sich aber nun keineswegs primitiv vorstellen, denn Funde von sorgfältig geweißtem Wandputz, farbiger Wandmalerei und Mosaik-Steinchen weisen auf eine durchaus komfortable Ausstattung der Räume hin.
Der Fußboden bestand zumeist aus Estrich, Stampflehm oder Holzdielen.

Es gab Dachziegel, Fensterglas, Riegel- und Hebelschlösser. Im östlichen Teil der Siedlung fanden sich Reste von Töpferöfen, Schmiedeplätzen und Mühlsteinen.
Die Römer bestatteten ihre Toten in Urnen und legten zum Teil reiche Beigaben hinein. Eine Straße führte westlich an Hüfingen vorbei. Das „Römerbad" ist ein noch heute sichtbares Zeugnis dieser Zeit.

Alemannen

Seit Beginn des 3. Jahrhunderts unserer Zeit bedrohten die Alemannen die Römer;
259/260 überschritten sie gemeinsam mit den Franken den Rhein, den Limes und die Donau und errichteten den ersten germanischen Staat auf römischem Boden. Bis zur Annahme des Christentums gaben sie ihren Toten Waffen, Schmuck, Keramik, Lebens-mittel u. a. mit ins Grab. In Hüfingen fand man im Reihengräberfeld „Auf Hohen“ wert-vollen Schmuck, Fibeln und Anhänger, auch Gläser fränkischer Herkunft und Glaswaren aus Italien. Mit der zunehmenden Christianisierung nahm die Menge der Beigaben ab, denn diese waren nach christlichem Glauben nicht mehr nötig. Zwei Goldblattkreuze zählen zu den ersten Anzeichen der Christianisierung. An anderen Grabungsorten fand man Waffen, eine Gürtelschnalle, einen Sporn, Zaumzeug und Zierscheiben für ein Pferdegeschirr.

Leider sind viele Dinge aus vergänglichem Material wie Leder, Holz, Stoff nicht mehr erhalten und einiges ist in früheren Jahren von Grabräubern entwendet worden. Manches wurde durch unsachgemäße Grabungen, die man heute anders und vorsichtiger machen würde, zerstört. Viele der Funde befinden sich heute im Museum für Ur- und Frühgeschichte in Freiburg.

Mittelalter

Im Jahr 2009 wurde die Dauerausstellung durch Exponate erweitert, die das Mittelalter
in Hüfingen thematisieren. Neben Fundstücken von Burg Hardteck aus dem12. und 13. Jahrhundert, der Ausrüstung eines Fußknechtes aus dem 15. Jahrhundert (einer Replik,
die von Georg Baum konzipiert wurde), Wappen der Blumberger, Schellenberger und Fürstenberger sowie der Reproduktion eines Ölbildes von Martin Menradt (um 1682) beherbergt die große Vitrine ein eindrucksvolles Urbarium, ein Grundbuch der Stadt Hüfingen um 1786. Ergänzt wurden die Exponate durch ein Faksimile der ersten urkundlichen Erwähnung Hüfingens im Jahre 1038.

Diele 1. OG

Luzian Reich der Ältere, Johann Baptist Seele, Stadtmodell, Hans Schroedter

Stadtmodell um 1786

Nachdem Hüfingen zuerst unter Blumberger, dann unter Schellenberger Herrschaft war, wurde es 1617 bis 1624 an die Fürstenberger verkauft. Ab 1744 war es Oberamtsstadt der fürstlichen Verwaltung, ab 1806 Großherzoglich Badisches Bezirksamt. Dies bewirkte den Zuzug von zahlreichen herrschaftlichen Beamten, die mit ihren Familien allen geistigen und künstlerischen Fragen lebhaftes Interesse entgegenbrachten.

Es gab und gibt in Hüfingen zahlreiche behördliche und kulturelle Einrichtungen. Mitglieder des Fürstenhauses Fürstenberg zeigten sich als Förderer der hier ansässigen Künstler. Hüfinger Bürger waren als Künstler in fürstlich fürstenbergischen Diensten angestellt und wurden durch Auftragsvergabe, Stipendien und Vermittlung von Studienplätzen gefördert.

Beginnen wir mit einer außerordentlich interessanten und vielseitigen Persönlichkeit: mit Luzian Reich dem Älteren, der 1787 in Bad Dürrheim geboren wurde. Luzian Reich d. Ä. war ein Mensch mit vielen Facetten: er war Lehrer, Maler, Bildhauer, Kunstschreiner und Sammler von Ölbildern, Kupferstichen, Radierungen, Lithographien, Zeichnungen, Skulpturen und Töpferkunst. Er gründete eine Mal- und Zeichenschule für Kinder, denen seine umfangreichen Sammlungen als Anschauungsmaterial dienten. Neben dem Lehrerberuf und seinem künstlerischen Schaffen hatte Luzian Reich d. Ä., um sein mageres Lehrergehalt aufzubessern, auch intensive industrielle Interessen.

Indem er eine Dunggipsmühle errichtete, die er später um ein Zementwerk, eine Schwarzkalkfabrikation und eine Wollspinnerei erweiterte, leistete er Pionierarbeit. Im Jahre 1844 errichtete er eine Ziegelhütte.

Lucian Reich der Jüngere, Johann Nepomuk Heinemann

Der Maler und Schriftsteller Lucian Reich d. J. (1817 - 1900) besuchte wie die anderen einheimischen Talente ebenfalls die Zeichenschule seines Vaters. Er entwickelte sich zu einem vielseitig begabten Zeichner, Maler und Schriftsteller
mit einer ausgeprägten Beziehung zur heimischen Kultur, Land und Leuten. Er lebte und arbeitete bis 1855 in Hüfingen, war dann als Zeichenlehrer in Rastatt tätig und verbrachte seinen Lebensabend wieder in Hüfingen.

Hieronymus (Originalausgabe von 1853 in der Vitrine)
Bildungsroman des Biedermeiers, Lebensbilder aus der Baar und dem Schwarzwalde, entworfen und geschildert von Lucian Reich, mit der Feder auf Stein gezeichnet von J. N. Heinemann

Im Vorwort schildert Lucian Reich sein Anliegen: es geht ihm um eine Beschreibung des Lebens des Volkes, um die Sitten und Gebräuche in der Vergangenheit und im Vergleich mit dem Leben zu seiner Zeit. Angeregt hierzu wurde er durch ein Tagebuch aus dem Nachlass seines Großvaters, eine Chronik des Städtchens Hüfingen. Diese und die Informationen aus den Erzählungen seiner Verwandten und Bekannten veranlassten ihn, das Buch zu schreiben. Er wählte das Leben des Hieronymus, um Gelesenes, erzähltes und selbst Erlebtes zu verbinden und so für die Nachwelt festzuhalten. Es ist kein Roman, mehr eine
Beschreibung ohne jede Effekthascherei. Lucian Reich wollte seine Heimat und ihre Menschen so schildern, wie sie wirklich waren und schuf so eine authentische Beschreibung der Kultur und Sitten der Baar und des Schwarzwaldes im 19. Jahrhundert. Lucian Reich widmete den „Hieronymus“dem Fürsten zu Fürstenberg, hatte der ihm doch ein zinsloses Darlehen für die
erste Ausgabe, die noch im Selbstverlag erschien, gewährt. Die Illustrationen sind eine Gemeinschaftsarbeit von Lucian Reich, der die Entwürfe lieferte und Johann Nepomuk Heinemann, der sie auf Stein übertrug und druckte. Weitere Werke, die auf diese Art entstanden, sind die „Wanderblühten“ und „Die Insel Mainau und der badische Bodensee".

Auch in seiner Malerei zeigt sich Lucian Reichs Interesse an seiner Heimat und die Motivation, das Wissen vorhergehender Generationen zu erhalten, zu vermehren und weiterzugeben. Sein Werk zeichnet sich durch eine große stilistische Vielfalt aus, was aus der Anpassung an seine materiellen Möglichkeiten resultiert. Je nachdem, ob es sich um Auftragsarbeiten oder aus freiem Interesse gefundene Bildideen, um Kirchenmalerei oder um Buchillustrationen handelt, kamen ganz unterschiedliche Bilder zustande.

Die Hinwendung zum einfachen Volk als Gegenstand der Kunst, das Bemühen um Wahrhaftigkeit, der gesellschaftspolitische Anspruch (er wollte mit seiner Kunst belehren, Einfluss nehmen auf das politische Leben) rückt Reich in die Nähe der Realisten. Der Wunsch, in den sich rasch wandelnden Umbruchzeiten vergangenes und Gegenwärtiges festzuhalten (zum Teil auch
verklärt), kennzeichnet die romantische Seite Lucian Reichs. Viele hundert kleine Skizzen seiner Baaremer Mitmenschen in alltäglichen Situationen flossen aus Lucian Reichs Hand. Mit Bleistift, Buntstift und Feder, Tuschepinsel, Ölkreide und Ölfarbe auf kleinen bis kleinsten Formaten fing er die Bilder ein, die auch heute noch von überzeugender künstlerischer Qualität sind.

1896 erschien die Autobiografie „Blätter aus meinem Denkbuch“, nur ein Jahr später die volkstümlichen Erzählungen „Novellen und Skizzen“. 1897 wurde das Ritterkreuz des großherzoglich-badischen Ordens vom Zähringer Löwen an Lucian Reich verliehen.

Werke von Lucian Reich d. J. in der Dauerausstellung:
Skizzenbuch, Der Turm in Hüfingen, Hirtenpärchen, Hieronymus, Szenen aus dem Hieronymus, Der Reiter, Jäger mit Wild, Fels mit Baum, Kleines Mädchenportrait, Junge Frau in Baaremer Tracht, Kleines Schwarzwaldhaus, Junger Mann, Kinderbildnis.

Franz Xaver Reich, Karl von Schneider

Gemeinsam mit seinem Bruder Lucian erhielt auch Franz Xaver Reich (1815 - 1881) Zeichen- und Malunterricht bei seinem Vater Luzian Reich d. Ä.. In diesem Rahmen machte er auch seine ersten Versuche im Modellieren. 1842 unternahm er eine Reise nach Rom, um sich in seiner Kunst zu vervollkommnen. Er wurde überwältigt von der Majestät der alten Bauten, den großen Meistern und dem Ostersegen auf dem Petersplatz, war aber enttäuscht von der Mittelmäßigkeit des damaligen Kunstlebens in der Ewigen Stadt. Auf der Heimreise suchte er Pisa, Florenz und Verona auf. Aus Portici brachte er die Idee der Blumenteppiche zu Fronleichnam mit.

Franz Xaver Reich übernahm die Ziegelei seines Vaters und gestaltete sie in eine Terrakottabrennerei um. Er erhielt den Auftrag zur künstlerischen Gestaltung des gesamten plastischen Schmucks des Karlsruher Hoftheaters. Von Juli 1851 bis April 1853 wurden etwa 100 Köpfe und Masken sowie 20 Großreliefs von Gestalten aus Opern und Dramen in Hüfingen modelliert und gebrannt. An der Ausgestaltung des ehemaligen Badischen Staatstheaters in Karlsruhe waren vier Hüfinger Künstler beschäftigt: Franz Xaver Reich und Lucian Reich waren für den plastischen Schmuck verantwortlich, Deckenmalereien und Friese im Innenraum stammten von Rudolf Gleichauf und Josef Heinemann.

Werke von Franz Xaver Reich in der Dauerausstellung:
Frauenfigur mit Amphore, Frauen- und Männerkopf im Medaillon, Terrakotten, Kinderfries

Das Wirken von Karl von Schneider (1847 - 1923) beschränkte sich zwar hauptsächlich auf das Lithographieren, aber durch seine Ausbildung befähigt, entstanden auch zahlreiche Zeichnungen, unter anderem der Hauptstraße, der Bürgermiliz und der Hüfinger Künstlergilde. Er schuf Portraits von Lucian und Franz Xaver Reich, von Johann Nepomuk und Josef Heinemann, aber auch ein Selbstbildnis in Öl. Alle seine Arbeiten bestechen durch ihre exakte Ausführung.

Werke von Karl von Schneider in der Dauerausstellung: Album, Wohnhaus des Karl von Schneider (Grafik für Briefkopf, Das Untere Tor zu Hüfingen, Ehemaliges Wohnhaus J. N. Schelble, Blick auf Hüfingen

Rudolf Gleichauf, Josef Heinemann

Josef Heinemann (1825 - 1901), ein Bruder Johann Nepomuk Heinemanns, besuchte ebenfalls die Zeichenschule von Oberlehrer Luzian Reich d. Ä.. Sein außergewöhnliches Talent wurde schon in den ersten Schuljahren von Luzian Reich entdeckt und gefördert. Schon als Kind fertigte er Zeichnungen an, die er zum Teil verkaufte. Den Erlös ließ er seinen Eltern zukommen. Er erhielt vom Großherzog Leopold ein Stipendium von 200 Gulden, was ihm einen Aufenthalt in München ermöglichte. Bekannt machte ihn seine Bilderbibel, die er im Auftrag der Herderschen Verlagsbuchhandlung schuf. Das Revolutionsjahr 1848 vertrieb ihn aus München, er reiste zu seinem Onkel, Pfarrer Heinemann nach Frankfurt a. M., um dort verschiedene Studien zu vollenden. Danach begab er sich wieder nach Hüfingen und heiratete die Schwester Rudolf Gleichaufs. Er empfand eine tiefe Liebe zur Heimat, besonders zu seiner Geburtsstadt Hüfingen – seiner Kraftquelle, die ihn unter Aufgabe alternativ lockender Lebensaussichten vor Ort hielt.

Werke von Josef Heinemann in der Dauerausstellung:
Zeichnungen zur Bilderbibel, Jüngling, Abraham opfert Isaak, Melchisedek segnet Abraham, Selbstbildnis

Rudolf Gleichauf (1826 – 1896)
Neben der Reichschen Zeichenschule nahm Johann Nepomuk Schelble wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung Rudolf Gleichaufs. In seinem Haus fand Gleichauf Lithographien, Stiche, Holzschnitte und Radierungen. Seine ersten Illustrationsversuche fanden Anerkennung und er erhielt ein Stipendium von Fürst Karl Egon, welches ihm einen Aufenthalt in München und Dresden ermöglichte. Am Städelschen Institut in Frankfurt machte er die Bekanntschaft mit Moritz von
Schwindt, der Gleichauf in seiner Entwicklung zum Historienmaler beeinflusste.
Rudolf Gleichauf wirkte einige Jahre in Karlsruhe. Als Ergebnis mehrjähriger Reisen
In den Jahren 1862 bis 1865 entstanden 39 Aquarelle badischer Trachten, verbunden mit ausführlichen Beschreibungen Gleichaufs.


Werke von Rudolf Gleichauf in der Dauerausstellung:
Trachtenbilder, Mädchen mit Äpfeln, Kinderfries, Mädchen in grüner Bluse, Selbstbildnis

Aktuelle Ausstellung: WOLFGANG KLEISER: Mensch und Form – neue Skulpturen, Plast

Anlässlich des 85. Geburtstages des Hammereisenbacher Bildhauers Wolfgang Kleiser zeigt das Stadtmuseum für Kunst und Geschichte Hüfingen unter dem Titel „Mensch und Form“ vom 19.03.2021 bis zum 03.06.2021 eine Ausstellung seiner aktuellsten Werke. Die Schau ist bei einer Inzidenz unter 50 (sowie bei einer Inzidenz von unter 100 mit Voranmeldung) sonn- und feiertags von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet.
Seit 2011 lädt das Museumsteam den Künstler im regelmäßigen Turnus von fünf Jahren zu einer Ausstellung in Hüfingen ein – und stets präsentiert Wolfgang Kleiser dabei nahezu ausschließlich neue, werkstattfrische Skulpturen, Plastiken und Zeichnungen. In diesem Jahr wird die Eröffnung – pandemiebedingt – online stattfinden. Ab Freitag, dem 19.03.2021, 19 Uhr wird ein virtueller Rundgang durch die frisch aufgebaute Ausstellung zu sehen sein. Ergänzt wird dieser von einem Videointerview mit Wolfgang Kleiser. Eine Midissage am 30.04., um 19 Uhr ist geplant – sollten zu diesem Zeitpunkt noch keine Veranstaltungen in Präsenz stattfinden dürfen, veröffentlicht das Museum einen Alternativtermin auf seiner Homepage.
Auch die vorangegangene virtuelle Ausstellung „pas de deux“ von Denise Moriz und Jörg Mandernach wird bis auf weiteres zusätzlich auf der Museumshomepage zu sehen sein.

Seit über sechs Jahrzehnten fokussiert Kleiser den Werkstoff Holz, fasziniert von der Unterschiedlichkeit und dem Variantenreichtum des Materials. Seine Skulpturen gewinnt er sowohl aus rohem, unbehandeltem und eigens für sein Schaffen ausgewähltem Holz, aber häufig auch aus alten Eichenbalken, die ihre eigene Geschichte in das jeweilige Werk miteinbringen. Jedes vom Künstler mit Bedacht gewählte Material verfügt über spezifische Eigenschaften und Spannungsmomente – so begegnen uns Wolfgang Kleisers Tonplastiken und Zeichnungen, die im Stadtmuseum Hüfingen selbstverständlich ebenfalls präsentiert werden, nicht als Zwischenschritte auf dem Weg zur Skulptur, sondern als vollkommen eigenständige Werkgruppen. Gänzlich unterschiedlich als das mittels verschiedener Werkzeuge erfolgende Abtragen teils eigenwilligen Holzes gestaltet sich die mit bloßen Händen aufbauende und formgebende Arbeit an einer Tonplastik. Mit Acrylfarblasuren und teils zusätzlich mit flüssigem Wachs bearbeitet Wolfgang Kleiser die Oberflächen der entstandenen Werke nach ihrer Transformation vom weichen, veränderbaren Material zur hart gebrannten Form. Jedoch weder als Glasur, Fassung oder Bemalung im üblichen Kontext der Bildnerei setzt Kleiser die Farbe ein, sondern unterstreicht mit ihr die während des Aufbauprozesses entstandenen Strukturen sowie die Plastizität und körperliche Präsenz seiner Arbeiten. Auch die in charakteristischem Strich umgesetzten Tuschezeichnungen, die aktuelle, präzise beobachtete Themen pointiert und humorvoll inszenieren, sind aus den Kleiserschen Werk und seinen Ausstellungen längst nicht mehr wegzudenken.