OSNABRÜCKERLEBEN Innenstadt

Tour Herrenteichswall 2, 49074 Osnabrück, DE

Wie haben die Osnabrücker*innen vor 50 oder 100 Jahren ihre Freizeit verbracht, wo haben sie eingekauft, wie sah ihr Alltag aus? Wie hat sich die Innenstadt seither verändert? Auf diesem Walk erfahren Sie mehr über den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel Osnabrücks! Mit freundlicher Unterstützung der Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung

Autor: Museum Industriekultur Osnabrück gGmbH

Startseite

Startseite

Website besuchen

15 Stationen

Der Arbeit ein Denkmal - Der Haarmannsbrunnen

Herrenteichswall 2, 49074 Osnabrück, DE

Fast wäre der Herrenteichswall, das letzte Stück des ehemaligen Befestigungswalls, zu Beginn des 20. Jahrhunderts einer Verkehrserweiterung zum Opfer gefallen. Es ist unter anderem das Verdienst von Senator August Haarmann, die beliebte Promenade mit der alten Lindenallee erhalten zu haben. Haarmann lebte von 1840 bis 1913. Durch die Stiftung einer größeren Brunnenanlage am südlichen Ende sorgte er gleichzeitig für eine Verschönerung des Aufgangs.
Gedacht war der Brunnen aber auch als Darstellung des menschlichen Fleißes. Die Ironie dabei: Ohne den Fleiß der Arbeiter wäre er womöglich gar nicht entstanden. Zur Finanzierung des Denkmals sammelte Haarmann nämlich das Geld bei seinen eigenen Arbeitern im Stahlwerk ein oder zahlte einen Teil ihres Lohns erst gar nicht aus! Als der Brunnen am 1. Mai 1909, dem „Kampftag der Arbeiterbewegung“, eingeweiht wurde, war er trotzdem inzwischen zu einem Arbeiterdenkmal der besonderen Art geworden.

Als Generaldirektor des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins war Haarmann tief verbunden mit Metallindustrie und Bergbau, den damals wichtigsten Wirtschaftszweigen der Stadt Osnabrück. Es verwundert also nicht, dass er bei dem Berliner Bildhauer Adolf Graef – übrigens ein Schüler des berühmten Auguste Rodin – eine bronzene Bergmannsfigur in Auftrag gab. Nach Haarmanns Vorstellungen sollte die Figur „einen kraftvollen Arbeiter darstellen, der eine Quelle erbohrt hat und sich angesichts des hervorsprudelnden Wassers seiner erfolgreichen Arbeit freut.“ (Aus: Protokoll der Sitzung des Dürerbundes, 25. August 1907)
Das Ergebnis seiner Idee kann sich sehen lassen: Mit muskulösem, bloßem Oberkörper, nur mit Arbeiterhose und Holzschuhen bekleidet, haut der Bergmann mit Hammer und Schlägel ein Loch in die Felswand, als ihm plötzlich Wasser entgegenschießt. Wassereinbrüche waren für die Bergleute der ehemaligen Osnabrücker Steinkohlenzeche am Piesberg eine ständige Gefahr. Immer wieder wurden sie Realität – so auch 1893, als bei einem großen Grubenunglück neun Bergmänner ums Leben kamen. Die meisten Osnabrücker*innen betrachten den Haarmannsbrunnen daher als Denkmal für die Verunglückten – ein schöner Gedanke, zumal die Gräber und den tatsächlichen Gedenkstein auf dem Hasefriedhof kaum jemand kennt.

Audioproduktion: Musiktheater LUPE Osnabrück

Abbildungen:

1.
Aufgang Herrenteichswall vor der Neugestaltung, 1901
Foto: R. Lichtenberg, Sammlungen des MIK

2.
Generaldirektor des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins August Haarmann, 1897
Ölgemälde: F. Hecker, Foto: M. Kiupel, 2014, Sammlungen des MIK

3.
Pokal zum 25-jährigen Dienstjubiläum des Generaldirektors August Haarmann, 1897
Foto: Atelier Strenger, um 2005, Sammlungen des MIK

4.
Bergmannsfigur am Haarmannsbrunnen, 1. Hälfte 20. Jh.
Foto: unbekannt, Sammlungen des MIK

Musik und Strom - Pianoforte-Fabrik Gebr. Rohlfing

Georgstraße 2, 49074 Osnabrück, DE

Es ist kaum vorstellbar, dass sich an dieser Stelle Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur das große Wohn- und Geschäftshaus der Pianoforte-Fabrik Rohlfing befand, sondern direkt dahinter mehrere große Fabrikgebäude standen. Eines davon ähnelte eher einer großen Kirche als einem Industriebau. Denn dort wurden Orgeln, Flügel und Klaviere nicht nur hergestellt, sondern auch in stattlichen großen Räumlichkeiten präsentiert.
Im Jahre 1790 in Quakenbrück als Orgelbauwerkstatt gegründet, hatte die Pianoforte-Fabrik Gebrüder Rohlfing ihren Firmensitz 1846 nach Osnabrück verlegt und erwarb 1897 das Grundstück Große Straße 24.

Zur Energieversorgung wurde eine Maschinenzentrale errichtet, in der eine Dampfmaschine einen Generator zur Stromerzeugung antrieb. Diese Anlage lieferte nicht nur Strom für den eigenen Bedarf, sie versorgte auch umliegende Häuser. Zu einer Zeit, als Gaslicht, Petroleumlampen oder Kerzen für Beleuchtung sorgten, war elektrischer Strom etwas ganz Besonderes. Von diesen privat betriebenen kleinen Elektrizitätswerken, sogenannten Blockstationen, gab es 1899 bereits zwei in Osnabrück. Weitere waren geplant. Auch die Stadt Osnabrück baute ein eigenes zentrales Elektrizitätswerk, das im September 1901 den Betrieb aufnahm.
Zu den ersten 92 Kunden zählten vor allem Kaufhäuser, die den Strom zur Schaufensterbeleuchtung nutzten. Bis aber in allen Gebäuden der Stadt elektrischer Strom verfügbar war, sollte es noch sehr lange dauern. Selbst Ende der 1920er-Jahre war erst die Hälfte der Haushalte an das Netz angeschlossen.

Die Pianoforte-Fabrik Gebrüder Rohlfing wurde im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört. An der Großen Straße 24 entstand 1950 ein neues Gebäude mit Klavierbauwerkstatt und Musikalienhandlung.
Die Orgelbauwerkstatt führte der Orgelbaumeister Matthias Kreienbrink ab 1955 in Osnabrück-Hellern unter seinem Namen weiter. Beide Unternehmen, Rohlfing sowie Kreienbrink, existieren heute an anderen Standorten.

Audioproduktion: Musiktheater LUPE Osnabrück

Abbildungen:

1.
Pianoforte-Fabrik Gebrüder Rohlfing, um 1900
Lithografie und Druck: Meinders & Elstermann, Privatbesitz

2.
Schauraum für Pianos der Pianoforte-Fabrik Gebrüder Rohlfing, um 1900
Foto: unbekannt, Privatbesitz

3.
Gebäude mit Orgelsaal der Pianoforte-Fabrik Gebrüder Rohlfing, um 1900
Foto: unbekannt, Privatbesitz

4.
Dampfmaschinenzentrale der Pianoforte-Fabrik Gebrüder Rohlfing um 1900
Foto: unbekannt, Privatbesitz

5.
Gebrüder Rohlfing, um 1960
Foto: G. Bosselmann, Sammlungen des MIK

Wechselhafte Geschichte - Kaufhäuser Alsberg & Co. und L&T

Große Straße 67, 49074 Osnabrück, DE

Vorsicht zurücktreten! Nicht, dass Sie umgefahren werden, während Sie die prachtvollen Schaufenster ansehen. Ach nein – Straßenbahnen fahren ja hier seit Langem nicht mehr. Schade eigentlich! Aber das große Mode-Kaufhaus steht noch!

1906 entstand an der Großen Straße 27-29 aus dem bereits 1874 gegründeten Kaufhaus Gebrüder Simon eines der größten Kaufhäuser. Conitzer & Söhne hieß es und verkaufte in seinen „ausschließlich durch elektrisches Licht“ beleuchteten Geschäftsräumen Damen- und Herrenwäsche, Hüte, Handschuhe, Teppiche, Gardinen und Vieles mehr.

Einige Häuser weiter, an der Großen Straße 34, führte der Kaufmann Julius Stern seit 1902 ein Geschäft mit einem ähnlichen Sortiment. Dieses wurde 1910 durch das Handelsunternehmen Alsberg, das in ganz Deutschland Warenhäuser betrieb, übernommen. Mitinhaber von Alsberg & Co. Osnabrück waren die jüdischen Kaufleute Max Katz, Gustav Falk und Ludwig Stern. Die beiden Kaufhäuser – Conitzer & Söhne und Alsberg & Co – prägten neben kleineren Spezialgeschäften und anderen Warenhäusern Mitte der 1920er-Jahre das Erscheinungsbild der Osnabrücker Einkaufsstraße.

Alsberg kaufte 1929 schließlich auch den Konkurrenten Conitzer & Söhne auf. Durch die Verbindung der beiden Geschäftsgebäude entstand an der Großen Straße 27-34 mit 3.500 Quadratmetern Verkaufsfläche auf zwei Etagen, Personenaufzug und 150 Mitarbeiter*innen das größte Kaufhaus Osnabrücks. Als besonderer Blickfang galt die hell beleuchtete Schaufensteranlage des Hauses. Zwei 17 Meter lange, gläserne Vitrinen in der Mitte des Eingangsbereiches, u-förmig umgeben von weiteren durchgehenden Glasvitrinen, präsentierten den Besucherinnen und Besuchern das reichhaltige Warenangebot.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Inhaber durch den Boykott jüdischer Geschäfte und weitere Diskriminierungsmaßnahmen seitens der Nationalsozialisten zum Verkauf ihres Unternehmens gezwungen. Friedrich Lengermann und Alfred Trieschmann übernahmen 1935 das Kaufhaus Alsberg & Co. Osnabrück und führten es unter dem Firmennamen L&T weiter.

Audioproduktion: Musiktheater LUPE Osnabrück

Abbildungen:

1.
Werbeanzeige von M. Conitzer & Söhne, vorm. Gebr. Simon, 1906
Adressbuch für die Stadt und Feldmark Osnabrück

2.
Kaufhaus M. Conitzer & Söhne, um 1910 (rechts im Foto)
Foto: R. Lichtenberg, Sammlungen des MIK

3.
Werbeanzeige von Alsberg, 1924
Osnabrücker Tageblatt, Niedersächsisches Landesarchiv - Standort Osnabrück (Signatur: NLA OS, Slg 100 III, Nr. 977)

4.
Zylinder mit Hutschachtel, Hersteller: L. Bücker, Torgau, 1. Hälfte 20. Jh.
Foto: M. Kiupel, 2021, Sammlungen des MIK

5.
Kaufhaus L&T, um 1936 (links im Foto)
Foto: unbekannt, Sammlungen des MIK

Von Osnabrück in die Welt - Wagenfabrik Klages/Karmann

Kamp 34, 49074 Osnabrück, DE

Schließen Sie einmal kurz die Augen! Was hören Sie? Das hörte sich Ende des 19. Jahrhunderts natürlich ganz anders an!
An dieser Stelle, wo sich heute ein Durchgang in Richtung Ledenhof befindet und als erstes die Universitätsbibliothek ins Auge sticht, wurden im 19. Jahrhundert die Wurzeln für einen der bekanntesten Osnabrücker Industriebetriebe gelegt: den Fahrzeugproduzenten Karmann.

Der Wagenbauer Christian Klages gründete hier 1874 in Osnabrück am Kamp 30-31 die „Wagenfabrik mit mechanischem Betrieb“. Der mit 20 Mitarbeitern größte Wagenbaubetrieb seinerzeit in Osnabrück war als „erstes Geschäft am Platze“ für die hohe Qualität seiner Fahrzeuge bekannt. Laut muss es gewesen sein, wenn hier die Sattler und Polsterer, Tischler, Schmiede und Schlosser in Handarbeit die verschiedensten Fahrzeugtypen wie Landauer, Coupés oder sogenannte Dogcarts anfertigten.
Christian Klages verstarb 1901. Seine Witwe verkaufte den Betrieb an Wilhelm Karmann. Die Automobiltechnik steckte noch in den Kinderschuhen, aber Karmann entschloss sich sogleich, die Produktion von Karosserien für die „selbstfahrenden Kutschen“ aufzunehmen.

„Den ersten Auftrag für einen Autoaufbau erteilten mir die Dürkopp-Werke im Jahre 1902. Da der Aufbau zur Zufriedenheit ausfiel, erhielt ich bald aus der näheren und weiteren Umgebung, aus dem Industriegebiet, aus Rheinland und Westfalen, selbst aus Bremen und Hamburg und Berlin weitere Aufträge, (…) es gelang mir, die Fertigung der Karosserien von Jahr zu Jahr zu vervollkommnen. Die Qualität, Form und Schönheit meiner Aufbauten führten mir immer neue Kunden zu.“

Die einzeln nach Kundenwunsch angefertigten Karosserien bestanden aus einem Holzgerippe, überzogen mit Holz oder Blech. Lackiert wurde per Hand mit Ölfarben. Fahrgestelle mit Motor und Getriebe wurden durch verschiedene Hersteller an Karmann geliefert. Für den Großteil der Bevölkerung blieben diese Gefährte allerdings unerschwinglich.

In der aufstrebenden mittelständischen Stadt Osnabrück mit rund 38.000 Einwohnern tauchten bereits erste Kraftfahrzeuge im Stadtverkehr auf. Selbstverständlich steuerte Wilhelm Karmann einen dieser wenigen Kraftwagen. 1904 waren in Osnabrück 14 Motorwagen und 33 Motorräder registriert! Und diese stinkenden lauten Gefährte waren zwar sicherlich immer wieder eine kleine Sensation, aber nicht alle reagierten begeistert. Der Osnabrücker Volksanzeiger prangerte die rasende Geschwindigkeit der Fahrzeuge an und die Polizeidirektion gab Anweisungen, alle Übertretungen der Fahrverordnung umgehend zur Anzeige zu bringen und, wenn nötig, mit scharfen Strafen vorzugehen.

Dennoch nahm die Fahrzeugproduktion immer mehr Fahrt auf und Karmann fertigte 1908 sogar das erste geschlossene Automobil im gesamten Kaiserreich an: ein Stadtcoupé auf einem Opel-Fahrgestell. Mit wachsendem Erfolg des Unternehmens war es am Kamp bald zu eng. Wilhelm Karmann verlagerte 1911 seinen Betrieb an die Martinistraße, wo er den Ersten Weltkrieg sowie die Weltwirtschaftskrise überstand. Das heute noch von VW betriebene Werk im Osnabrücker Stadtteil Fledder kam 1930 hinzu.

Audioproduktion: Musiktheater LUPE Osnabrück

Abbildungen:

1.
Innenhof der Firma Karmann, Kamp 30-31, 1905
Foto: unbekannt, Sammlungen des MIK

2.
Mitarbeiter der Firma Karmann, Kamp 30-31, 1908
Foto: unbekannt, Sammlungen des MIK

3.
Werkstatt des Stellmachers mit den wichtigsten Werkzeugen und Fabrikationen
Lithografie (Reproduktion), Verlag: Schreiber und Schill, Stuttgart/ Eßlingen, 1840

4.
Werkzeuge einer Stellmacherei, Eisen, Holz, Leder, 19. Jh.
Foto: M. Kiupel, 2021, Sammlungen des MIK

5.
„Luxus-Landaulet-Carrosserie“ der Firma Karmann, Anfang 20. Jh.
Foto: M. Kiupel, 2021, Sammlungen des MIK

Handwerkstradition - Schuhmacher Berning

Alte Münze 19, 49074 Osnabrück, DE

„Ach, liebster Schuster du
flick du mir meine Schuh
die Schuh, die sind entzwei
der Schuster macht sie neu.“

Diesen Kinderreim wird der Schuhmachermeister Johann Berning sicherlich öfter gehört haben, nachdem er im Jahr 1892 hier an der Alten Münze in Osnabrück seine Werkstatt eröffnet hatte. Sein Sohn Walter lernte ebenfalls das Handwerk der Schuhmacher und übernahm 1942 das Geschäft seines Vaters.

1945 durch Bomben vollständig zerstört, konnte 1948 nach dem Neubau des Hauses der Betrieb wieder aufgenommen werden. Auch Peter Berning, Walters Sohn, wurde Schuhmacher, legte die Meisterprüfung ab und führt seit 1977 den Familienbetrieb weiter. Und zwar bis heute!

Im Rahmen der Industrialisierung – ungefähr seit 1870 – wurden auch Schuhe zunehmend in Fabriken hergestellt. Die Einführung der Nähmaschine und der Schuhpflockmaschine, die das Aufnageln der Sohlen ermöglichte, beschleunigte die Fertigstellung der Schuhe im Vergleich zur mühsamen Handarbeit doch erheblich. Dies veränderte auch die Arbeit der kleinen Schuhmacherwerkstätten – ihr Schwerpunkt lag nunmehr auf Reparaturarbeiten. Die industriell gefertigten Schuhe waren von guter Qualität, aber immer noch relativ teuer, sodass sich eine Reparatur fast immer lohnte. Diese Arbeiten, gelegentliche Sonderanfertigungen und der zusätzliche Verkauf von Schuhen und Schuhbedarfsartikeln sicherten die Existenz vieler Schuhmacherbetriebe.
In den Jahren 1918 bis 1945 gab es in Osnabrück 110 Schuhmacherbetriebe unterschiedlicher Größe, teilweise in Hinterhöfen oder Kellern eingerichtet.

„Im Keller ist es duster, da wohnt ein armer Schuster.“

Die Verse des alten Kinderliedes kennt wohl niemand mehr. Und Schuhe werden heute auch nur noch selten repariert, sofern es überhaupt handwerklich möglich und nicht zu teuer ist. Neue Schuhe zu kaufen, ist meistens günstiger. Das alte Handwerk stirbt langsam aus. Spezialgebiete wie Orthopädieschuhmacherei oder exklusive Maßanfertigung einmal ausgenommen.
In ganz Deutschland gab es 2019 nur 17 Auszubildende, die das Handwerk des Schuhmachers lernten! In Osnabrück sind nur noch fünf Schuhmachermeister tätig. Einer von ihnen ist Peter Berning. Sein in dritter Generation geführter Betrieb ist wohl auch einer der ältesten seiner Zunft.

„Pinke Panke Puster,
wo wohnt der Schuster,
unten oder oben, wo soll er wohnen
Pinke Panke Puster,
wo wohnt der Schuster.“

Audioproduktion: Musiktheater LUPE Osnabrück

Abbildungen:

1.
Schuhmacher Berning vor seiner Werkstatt, um 1948
Foto: unbekannt, Sammlungen des MIK

2.
Der Schuhmacher, um 1835
Lithografie: G. M. Kirn, Sammlungen des MIK

3.
Schuhmachertisch mit Werkzeug, 1. Hälfte 20. Jh.
Foto: M. Kiupel, Sammlungen des MIK

4.
Schustermeister bei der Arbeit, 1950er-Jahre
Foto: G. Bosselmann, Sammlungen des MIK

5.
Schuhhaus Bröcker in der Johannisstraße, 1950er-Jahre
Foto: G. Bosselmann, Sammlungen des MIK

Streitthema Verkehrsplanung - Thor´scher Durchbruch

Große Straße 64, 49074 Osnabrück, DE

Schauen Sie einmal von hier, der Großen Straße, in Richtung Katharinenkirche und Jürgensort! Früher war das gar nicht möglich, denn diese Straße gibt es erst seit Ende der 1920er-Jahre. Sie beruht auf einem umstrittenen Bauprojekt.

Wiederholt wurde in der neueren Osnabrücker Stadtgeschichte in die alte, seit dem Mittelalter gewachsene Stadtstruktur und ins Stadtbild eingegriffen. In den 1920er-Jahren erreichte das Verkehrsaufkommen in der südlichen Großen Straße und am Neumarkt einen Punkt, der eine Entlastung dieses Areals notwendig machte. Bereits 1905 war nach langen Debatten, u. a. über die Entschädigung der Eigentümer, ein Durchbruch an der Georgstraße vorgenommen und der dortige Fußgängersteg über die Hase zu einer Straßenbrücke ausgebaut worden.

Mitte der 1920er-Jahre kam nun ein weitergehender, spektakulärer Plan auf, entwickelt von dem Osnabrücker Bauunternehmer Robert Thor. Dieser sah eine Verlängerung der Achse von der Großen Straße bis zum Heger-Tor-Wall vor. Nach Vorstellungen Thors sollte sich der Durchbruch vom heutigen Jürgensort über den Kamp und bis zur Katharinenkirche erstrecken.
Erst der vorherige Erwerb vieler Gebäude in diesem Bereich durch den Bauunternehmer selbst machte diesen Vorschlag möglich. Die Häuser, die dafür weichen mussten, waren überwiegend seine eigenen.
Obwohl auch dieser Plan heiß diskutiert wurde, ließ Thor bereits 1924 die Hausnummern Große Straße 65 und 64 abreißen und schuf damit Fakten: Der sogenannte Thor‘sche Durchbruch war begonnen. Auf beiden Seiten der neuen Straße errichtete Thor aus dem Abbruchmaterial moderne, mehrstöckige Wohn- und Geschäftshäuser.

Zwar wurden diese Gebäude im Zweiten Weltkrieg zerstört, beim Wiederaufbau behielt man jedoch die Gebäude- und Straßensituation bei. Der eigentliche Plan Robert Thors, eine Entlastungsstrecke parallel zum Neuen Graben zu schaffen, wurde allerdings nie umgesetzt. Heute sind der Jürgensort wie auch die Georgstraße Teile der Fußgängerzone.

Audioproduktion: Musiktheater LUPE Osnabrück

Abbildungen:

1.
Große Straße vor dem Abriss der Häuser Große Straße 64 und 65, 1924
Foto: R. Lichtenberg, Sammlungen des MIK

2.
Thor‘scher Durchbruch mit Blick zum Kamp, 1926
Foto: R. Lichtenberg, Sammlungen des MIK

3.
Thor'scher Durchbruch mit Blick zur Großen Straße, 1926
Foto: R. Lichtenberg, Sammlungen des MIK

4.
Jürgensort mit Blick zur Katharinenkirche, 1930er-Jahre
Foto: unbekannt, Sammlungen des MIK

Erstes Kinoerlebnis - Filmtheater Capitol

Große Straße 43, 49074 Osnabrück, DE

Können Sie sich vorstellen, dass hier an der Großen Straße viele Osnabrücker*innen zum ersten Mal in ein Kulturerlebnis eintauchten?

Im Herbst 1927 kündigte eine große Werbetafel am alten Giebelhaus Große Straße 53 eine kleine Sensation an: Die geplante Eröffnung des Filmtheaters Capitol. Nach Abriss des Hauses entstand mitten in der historischen Häuserzeile ein Neubau mit hochmoderner Fassade und großer Leuchtschrift. Entworfen worden war er vom Berliner Architekten Gustav Neustein.
Die Innenausstattung des größten Osnabrücker Filmtheaters mit 1.000 Sitzplätzen war überaus luxuriös. Große Glastüren führten vom Kassenraum ins Foyer, die Gänge waren mit blauem Plüsch ausgeschlagen, der Zuschauerraum mit weinrotem Stoff bespannt. 80.000 Glühbirnen sorgten im gesamten Haus für besondere Lichteffekte.

Zur Eröffnung des Kinos am 4. April 1929 lief der Luis-Trenker-Film „Kampf ums Matterhorn“. Eine Kinokarte kostete 1,50 Mark für einen Balkonplatz, 90 Pfennig für die billigste Platzkategorie. Und das war selbst für einen gelernten Industriearbeiter, der seinerzeit wöchentlich nicht mehr als 33 Mark verdiente, viel Geld! Doch wer sparsam gewirtschaftet hatte, ließ sich das Spektakel nicht entgehen.

Die Osnabrücker Zeitung berichtete am Tag danach: „Nachdem sich die Osnabrücker Bevölkerung schon seit Wochen und Monaten den Kopf zerbrochen hatte, wann das Capitol endlich seine geheimnisvollen Pforten öffnen würde – am Donnerstag, dem 4. April, wurde es Tatsache. Die Front des Baues war in ein blendendes Lichtmeer gehüllt, eine Schar Neugieriger füllte die Große Straße in der Nähe des Capitols und wehrte den Zugang. Kraftwagen fuhren vor, gaben ihren Inhalt dem Capitol, Blumengebinde füllten den Vorraum, es roch nach Aufregung und Sensation – fast schien es ein ganz großer Tag zu sein…“

Allerdings mussten sich die Besucherinnen und Besucher zunächst noch mit Stummfilmvorführungen samt Orchesterbegleitung zufriedengeben. Denn auch im Capitol begann das Zeitalter des Tonfilms erst im Jahr 1931. Bis September 1944 spielte das Capitol. Nach einem Bombenangriff brannte das Gebäude im Zweiten Weltkrieg aus und wurde nicht wieder aufgebaut.

Audioproduktion: Musiktheater LUPE Osnabrück

Abbildungen:

1.
Historische Häuserzeile vor dem Neubau des Capitols
Foto: R. Lichtenberg, 1927, Sammlungen des MIK

2.
Bau des Capitols
Foto: H. Schwarz, 1929, Privatbesitz

3.
Osnabrücks größtes Lichtspieltheater: Das Capitol
Foto: unbekannt, Anfang 1930er-Jahre, Privatbesitz

4.
Projektionsapparat, 1924
Aus: Anleitung zum Projizieren, G. Hauberrißer, Sammlungen des MIK

Kaffeeduft und Leckereien - Haus Willmann

Krahnstraße 7, 49074 Osnabrück, DE

Das Haus Krahnstraße 7, erbaut 1586, gilt als das älteste erhaltene Fachwerk-Bürgerhaus in Osnabrück. Es überstand den Zweiten Weltkrieg nahezu unbeschädigt, während viele Gebäude in unmittelbarer Nachbarschaft völlig zerstört wurden.

Die Kaufmannsfamilie Willmann kaufte das Haus 1875 und eröffnete ein Feinkostgeschäft mit Kolonialwarenhandlung. Sein Sortiment: Gewürze, Reis, Früchte, Tee, Kakao und Rohkaffee – also Waren, die in der Zeit des Kaiserreichs noch als exotisch galten. Sie wurden aus den Kolonialländern, insbesondere in Afrika und Asien, importiert und in spezialisierten Fachgeschäften verkauft. Gab es um das Jahr 1875 bereits 70 Kolonialwarenhandlungen, stieg die Zahl bald auf über 160.
Neben den klassischen Kolonialwaren führte Willmann auch immer mehr „alltägliche“ Lebensmittel sowie Delikatessen, Wein, Spirituosen und Tabakwaren. Durch spezielle Produktangebote versuchten einige Händler, ihre Kunden an sich zu binden, so auch das Osnabrücker Unternehmen.

„Will man Kaffee, dann Willmann-Kaffee!“ – seit 1889 röstete das Unternehmen täglich frisch den Rohkaffee mit eigener Rösttrommel. Somit wurde ein „Markenprodukt“ angeboten, das sich durch besondere Qualität von den Mitbewerbern unterscheiden sollte.

Kaffee war sehr teuer. „Echten Bohnenkaffee“ trank man nur an Sonn- und Feiertagen. Demnach kauften viele Kunden im Vergleich zu heute sehr kleine Mengen. 62,5 Gramm enthielt das kleinste Paket! Alltags trank man „Muckefuck“. Damit war sehr dünn gebrühter Kaffee oder „Ersatzkaffee“ aus geröstetem Getreide gemeint.

Die Kolonialwarenhandlungen konnten auf Dauer dem starken Konkurrenzdruck großer Lebensmittel-Handelsketten nicht standhalten. Und auch Osnabrücker Kaffeeröstereien wie zum Beispiel Graute, die bis in die 1980er-Jahre in Osnabrück Kaffee rösteten, stellten ihre Produktion nach und nach ein. Industrielle Großröstereien, allen voran Eduscho und Jacobs, lieferten massenhaft Kaffee wesentlich günstiger. Aus einem wertvollen Genussmittel wurde schließlich der „Coffee to go“!

Audioproduktion: Musiktheater LUPE Osnabrück

Abbildungen:

1.
Kolonialwaren und Feinkost L. Willmann, 1937
Foto: R. Lichtenberg, Sammlungen des MIK

2.
Kolonialwaren und Feinkost L. Willmann, 1940er-Jahre
Foto: unbekannt, Sammlungen des MIK

3.
Kaffeeröstrei Arko-Kaffee GmbH in Osnabrück, 1950er-Jahre
Foto: G. Bosselmann, Sammlungen des MIK

4.
Werbekampagne der Kaffeerösterei Graute in Osnabrück, um 1950
Foto: unbekannt, Sammlungen des MIK

5.
Kaffeegenuss, 1950er-Jahre
Foto: G. Bosselmann, Sammlungen des MIK

6.
Eduscho-Filiale in der Großen Straße, 1961
Foto: G. Bosselmann, Sammlungen des MIK

Kneipenszene einst und jetzt - Treffpunkt Heger Tor

Marienstraße 1, 49074 Osnabrück, DE

Haben Sie Durst? Hier am Heger Tor sind Sie gleich von mehreren Kneipen umgeben. Schon im frühen 19. Jahrhundert konnten die Kutscher im Torhaus direkt an der Stadtmauer beim Kauf einer neuen Peitsche nebenbei ein Glas leeren. Später kehrten nicht nur Fuhrleute in der danach benannten „Peitsche“ ein, auch die guten Bürger fanden sich bei Osnabrücker Aktienbier und „Gosling‘schem Korn“ zu einem Klönschnack zusammen.

Die Kneipen-Historie im Gebäude an der Gabelung Marienstraße/Heger Straße begann 1879 mit „Diekmann´s Restauration“. Auch hier trafen sich um die Jahrhundertwende nahezu alle Schichten der vor allem männlichen Bevölkerung. Noch in den 1930er-Jahren führte der Sohn des Gründers, der allseits bekannte und beleibte „Fättken“ Diekmann, die Kneipe. Unerbetenen Schnorrern soll er auch schon mal statt eines Bierfasses ein Aalfass mit Jauche kredenzt haben. Heute zieht hier das sportliche „Public Viewing“ die Gäste an.

An Bier mangelte es den Osnabrückern nicht, denn schon von alters her war Bierbrauen hier ein freies Gewerbe. Auch das sogenannte „Grüsing“, ein Starkbier aus Kräutern, war sehr beliebt. Dieses unterlag allerdings der Kontrolle der Stadt, die dafür eigens ein Gruthaus einrichten ließ. In jedem Fall floss es reichlich und in großen Mengen auf traditionellen Großereignissen wie dem Sedan- oder dem Schnatgangfest. Das letztere wird hier im Heger-Tor-Viertel alle sieben Jahre gefeiert; es erinnert an die früheren Grenzmarkierungen zwischen den Laischaften, den mittelalterlichen städtischen Selbstverwaltungsorganisationen.

Anders als das Bier wurde der Branntwein vom Magistrat der Stadt gefürchtet und erst 1819 ließ man in Osnabrück die erste Brennerei zu. Die Sorgen der Stadtväter waren nicht unbegründet. Besonders im Bereich der Fabriken war die Anzahl der Kneipen sehr hoch und viele Arbeiter suchten dort mit Hilfe von Alkohol, dem schweren Alltag zu entfliehen. Sie wurden sogar zum Teil in Branntwein entlohnt. Mit der Gründung eines Mäßigungsvereins und den „Blättern gegen Branntewein und Berauschung“ versuchte man Mitte des 19. Jahrhunderts, dem übermäßigen Schnapsgenuss entgegenzuwirken – eine eher aussichtslose Mission.

Bier dagegen hatte einen besseren Ruf. Von den 17 Brauereien im 19. Jahrhundert überlebte jedoch nur eine die Jahrhundertwende: die Osnabrücker Aktien-Bierbrauerei, kurz OAB. 1860 als Privatbrauerei mit Gartenwirtschaft auf dem Westerberg gegründet, ging diese zehn Jahre später in eine 12-köpfige Aktiengesellschaft über – daher auch der Beiname „Apostelbier“. Nachdem das Unternehmen von der Dortmunder Aktien Bierbrauerei (DAB) in Dortmund aufgekauft wurde, schloss die OAB 1987 endgültig ihre Tore. Zwar sind die Brauereigebäude längst abgerissen – der Wasserturm thront jedoch als letztes Zeugnis noch immer auf der Kuppe des Westerbergs.

Audioproduktion: Musiktheater LUPE Osnabrück

Abbildungen:

1.
Blick vom Heger Tor in Richtung Heger Straße, 1905
Foto: R. Lichtenberg, Sammlungen des MIK

2.
Verschiedene Bierflaschen der Osnabrücker Aktien-Bierbrauerei, 2. Hälfte 19. Jh.
Foto: M. Kiupel, Sammlungen des MIK

3.
Waterloo-Feier am Heger Tor, 1913
Foto: R. Lichtenberg, Sammlungen des MIK

4.
Umzug am Schnatgangfest in der Heger Straße, 1962
Foto: unbekannt, Sammlungen des MIK

5.
Schnatgangfest am Heger Tor, 1969
Foto: unbekannt, Sammlungen des MIK

6.
Kornbranntweinbrennerei Gosling am Neuen Graben 2, um 1872
Foto: unbekannt, Sammlungen des MIK

7.
Produkte der Kornbranntweinbrennerei Gosling, 1970er-Jahre
Foto: G. Bosselmann, Sammlungen des MIK

8.
„Osnabrücker Berg-Bräu. Osnabrücker Actien-Bier Brauerei“, um 1900
Farblithografie, Hersteller: Eckert & Pflug, Kunstanstalt Leipzig, Sammlungen des MIK

Sorge für die Ärmsten - Armenhäuser an der Bocksmauer

Bocksmauer 13, 49074 Osnabrück, DE

Von den zahlreichen Armenhäusern Osnabrücks, die teils schon im Mittelalter aus privaten Stiftungen entstanden waren, ist lediglich das Haus mit der Nummer 13-18 an der Bocksmauer erhalten. Hier war das Leben am Rande der Gesellschaft wörtlich zu nehmen. Das Gebäude gehörte bis ins 17. Jahrhundert zum ehemaligen Stadthof der Grafen von Tecklenburg an der Straße Große Gildewart. Bis zum Abriss der Stadtbefestigung stand es im feuchten, dunklen Schatten der Stadtmauer. Ein Relief mit Ochsenkopf und gekreuzten Beilen erinnert noch an die früheste Geschichte dieser Häuserzeile, denn dort befand sich vor 1620 der älteste Verkaufsstand der Schlächter, das Fleischeramtshaus der Stadt.

Tatsächlich vereinte das langgezogene, niedrige Gebäude unter einem gemeinsamen Dach verschiedene Häuser für jeweils mehrere Bewohnerinnen und Bewohner. Jedes besaß eine kleine Diele, durch die man in den Stall gleich neben dem Hauseingang und in die Wohnungen der beiden Geschosse gelangte. Die Wohnungen bestanden jedoch nur aus einer engen Stube und boten gerade Platz für die spärliche Habe und einen Ofen. Innerhalb der Gebäudeflucht teilten sich sämtliche Bewohner eine Abortanlage.

Seit dem Mittelalter beruhte die Pflege der Armen und Hilfsbedürftigen auf vielen bürgerlichen und kirchlichen Stiftungen. Die Einrichtung des Armenhauses an der Bocksmauer durch den Rat der Stadt im Jahr 1620 bedeutete einen ersten Schritt zu einer strafferen Organisation der Waisen- und Armenfürsorge. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde sie zu einer städtischen Angelegenheit mit einheitlichen Bestimmungen. Im hiesigen Gebäude brachte man den evangelischen Waisenhausfonds, eine der karitativen Einrichtungen, unter. Die Spendenfreudigkeit der Bevölkerung nahm allerdings in den folgenden Jahrzehnten immer weiter ab. Gleichzeitig verschärften sich mit dem dramatisch wachsenden Heer von Industriearbeitern die sozialen Probleme wie Wohnraummangel und Armut. So entschloss man sich 1868, einen regelmäßigen Pflichtbeitrag zur Armenfürsorge über die Gemeindesteuer zu erheben.

Der Hungerwinter 1879 gab den Anlass, im Gebäude des Waisenhausfonds zudem eine Volksküche zur Suppenausgabe einzurichten. Die Nutzung des Traktes änderte sich in den 1920er-Jahren, als im Zuge der Wandervogelbewegung hier die Deutsche Jugendherberge einzog. Heute gehört er mit zum Haus der Jugend und schließt dessen stimmungsvollen Innenhof nach außen ab.

Audioproduktion: Musiktheater LUPE Osnabrück

Abbildungen:

1.
Armenhäuser des evangelischen Waisenhaus-Fonds an der Bocksmauer, vor 1908
Ansichtskarte, Sammlungen des MIK

2.
Armenhäuser des evangelischen Waisenhaus-Fonds an der Bocksmauer, um 1908
Foto: H. Hake, Sammlungen des MIK

3.
Blick aus dem Hinterhof der Armenhäuser an der Bocksmauer, Gebäude links Nr. 19, 20. Jh.
Foto: unbekannt, Sammlungen des MIK

4.
Im Hof der alten Jugendherberge, um 1928
Foto: R. Lichtenberg, Sammlungen des MIK

Das erste Krankenhaus der Stadt - Standort Große Gildewart

Kleine Gildewart 6, 49074 Osnabrück, DE

An der Stelle, an der heute das Haus der Jugend in der Straße Große Gildewart 6 steht, befand sich im 19. Jahrhundert das erste Krankenhaus Osnabrücks.
1620 hatte die Stadt hier den Komplex des Tecklenburger Hofes erworben, um ein Armenhaus einzurichten. Später nahm man zudem verwaiste evangelische Bürgerkinder auf und nutzte den Hof ab 1811 zusätzlich als protestantische Krankenanstalt.

Zunächst ging es bei der Versorgung der Kranken mehr um Pflege als um Heilung und erst als 1833 die Krankenanstalt in ein Krankenhaus umgewandelt wurde, kam es zu einer wesentlichen Änderung: Fortan wurden die Bedürftigen auch medizinisch versorgt.

Das Gebäude erwies sich jedoch wenige Jahrzehnte später als zu klein, denn mit zunehmendem Anstieg der Einwohnerzahl Mitte des 19. Jahrhunderts nahm auch die Zahl der Kranken zu. Und dann brachen nach einer vorherigen Typhus-Welle 1858 die Blattern und ein Jahr später auch noch die Cholera aus.
Ursache für die schwere Epidemie war das verunreinigte Trinkwasser. Die hohe Bevölkerungsdichte in der engen Stadt und die fehlende Kanalisation ließen das alte Hygienesystem zusammenbrechen. Viele der zahlreichen Brunnen in Osnabrück lagen auf den Grundstücken offen, ebenerdig und viel zu nah an oft undichten Jauchegruben. Daher hatten nur ganz wenige Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Der Bau eines neuen, geräumigen Krankenhauses mit modernem Standard wurde daher zur Notwendigkeit. Einmal mehr spielte in dieser Situation auch die konfessionelle Struktur Osnabrücks eine Rolle, hier jedoch mit positivem Effekt: Die Stadt bekam gleich zwei neue Einrichtungen. 1859 wurde für die katholische Bevölkerung das Marienhospital neben der Johanniskirche gegründet und 1862 das evangelische Stadtkrankenhaus direkt vorm Heger Tor. In dem Gebäude ist heute die Volkshochschule untergebracht.

Audioproduktion: Musiktheater LUPE Osnabrück

Abbildungen:

1.
Durchblick in den ehemaligen Tecklenburger Hof, Große Gildewart, um 1925
Foto: R. Lichtenberg, Sammlungen des MIK

2.
Marienhospital, um 1905
Foto: R. Lichtenberg, Sammlungen des MIK

3.
Krankenfahrstuhl „Marke Westfalia“, um 1918
Hersteller: Krankenfahrzeugfabrik H. Voltmann, Bad Oeynhausen, Sammlungen des MIK

4.
Stadtkrankenhaus (heute Volkshochschule), 1. Hälfte 20. Jh.
Foto: unbekannt, Sammlungen des MIK

Zentrum des Tabakhandels - Haus Tenge

Krahnstraße 57, 49074 Osnabrück, DE

Das denkmalgeschützte Haus Tenge zählt zu den schönsten Häusern der Krahnstraße. Es verweist auch auf die Bedeutung Osnabrücks im frühindustriellen Tabakhandel.
Bremen, Hamburg und Antwerpen – in den großen Hafenmetropolen blühte im 18. Jahrhundert der Tabakhandel. Auf das lukrative Geschäft wurden findige Osnabrücker Kaufleute aufmerksam, die durch den Handel mit Leinen gute Beziehungen zu diesen Städten unterhielten. 1747 gründeten Friedrich von Gülich und Johann Anton Tenge die erste Tabakfabrik in Osnabrück und setzten damit einen Trend in der aufstrebenden Stadt.

Rohtabake aus Amerika, Ungarn der Türkei und sogar – wie man sagte – „ein wenig von denen, die im Königreich Westphalen wachsen“ wurden in Mühlen vorverarbeitet und zerkleinert. Die Endverarbeitung zu Rauch-, Schnupf- und Kautabak fand in den Produktionsstätten Tenges in der heutigen Marienstraße statt. Das Papier für die Tabaktüten lieferten Osnabrücker Papierfabriken. Verkauft wurden die rauchfertigen Tabakwaren schließlich neben Stoff und Wolle in dem Haus Tenge.

Tabak entwickelte sich zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor in Osnabrück. 1818 gab es neben etlichen kleineren Manufakturen sechs große Tabakfabriken. Der Magistrat berichtete:

„Sie geben einer Menge, sonst vielleicht arbeitsloser Leute Gelegenheit, ihr Brod auf eine ehrliche Weise zu gewinnen, gewähren den Vortheil, daß auch Kinder in denselben Erwerb finden …“

Dass in der Tabakindustrie Kinderarbeit sowie schlechte Arbeitsbedingungen geduldet wurden, bereitete zunächst keine Sorgen. Dass sich Frauen an der Arbeit beteiligten, stieß hingegen in der Öffentlichkeit auf Gegenwehr. Die Sorge war zu groß, dass es zwischen Männer und Frauen unsittlich zuginge. 1842 verbot der Magistrat schließlich die Tätigkeit von Frauen in Zigarrenfabriken. Die frühindustriellen Fabrikanten, die betonten, sie seien auf die Arbeiterinnen angewiesen, um konkurrenzfähig zu bleiben, versuchten immer wieder, das Verbot zu umgehen – immerhin waren unverheiratete Frauen billige Arbeitskräfte.

Obwohl das Verbot der Frauenarbeit Anfang der 1860er Jahre wieder aufgehoben wurde und die Anzahl der Osnabrücker Tabakfabriken weiter stieg, verlagerten einige Firmen ihren Sitz ins Osnabrücker Land. André, Tenge und Thorbecke hingegen verlegten ihre Produktion nach Westfalen. Heute gibt es keine Tabakfabrikation mehr in und um Osnabrück. Das Unternehmen André produziert weiterhin in Bünde und ist sogar größter Zigarrenhersteller Deutschlands.

Audioproduktion: Musiktheater LUPE Osnabrück

Abbildungen:

1.
Haus Tenge, um 1912
Foto: R. Lichtenberg, Sammlungen des MIK

2.
Tabaktüte der Firma Gülich und J. A. Tenge, um 1800
Sammlungen des MIK

3.
Tabaktüte der Firma Thorbecke, 19. Jh.
Sammlungen des MIK

4.
Belegschaft der Zigarrenfabrik Greive Borgloh, 1910
Foto: unbekannt, Sammlungen des MIK

5.
„Zigarrenbude“, Ölgemälde: J. Marx, 1889
Foto: Tabakmuseum Bünde, 2017

Straßenbahnen in Osnabrück - Knotenpunkt Hasestraße

Markt 18, 49074 Osnabrück, DE

Bereits 1880 gab es Überlegungen, in Osnabrück ein öffentliches Verkehrsmittel einzurichten. Die Umsetzung dieser Pläne wie eine öffentliche Pferdebahn oder eine Straßenbahn mit „rauchloser Lokomotive“, eine sogenannte Dampfbahn, scheiterte jedoch aufgrund zu hoher Kosten. Bis 1899 übernahm eine Pferdeomnibusline die Verbindung zwischen Rathaus und den wichtigsten Bahnhöfen in Osnabrück. Auch das wurde bald eingestellt. Der Grund dafür waren schlechte Straßen, häufig geschlossene Schranken und mangelnder Komfort.

1905 beschloss die Stadtverwaltung schließlich den Bau einer elektrischen Straßenbahn. Das Stahlwerk Osnabrück lieferte das Schienenmaterial, das Osnabrücker Kupfer- und Drahtwerk (OKD) die Oberleitungen für die insgesamt 5 Kilometer lange Strecke.

Am 31. Januar 1906 wurde der Betrieb auf zunächst zwei Linien eröffnet. Linie 1 führte vom Straßenbahndepot an der Lotter Straße zum Hauptbahnhof. Linie 2 vom Hasetor durch die Hasestraße zum heutigen Rosenplatz. 10 Pfennig Fahrgeld – so viel wie damals etwa ein halber Liter Milch kostete – war durch Einwurf in einen Zahlkasten zu entrichten. Zum Umsteigen benötigten die Fahrgäste für jede Linie eine besondere Umsteigemarke aus Metall. Fahrscheine aus Papier, beim Schaffner erhältlich, gab es erst ab 1919.

In den einzelnen Waggons konnten insgesamt 30 Personen mitfahren. Glasscheiben gab es lange Zeit keine. Der Betreiber sah in ihnen eine große Gefahr für die Fahrgäste, sollte die Straßenbahn verunglücken und das Glas zersplittern. Außerdem sollte die Zugluft zu einer „Abhärtung des Fahrpersonals“ beitragen.

Mit einer Geschwindigkeit von maximal 16 Stundenkilometern rumpelten die Wagen über die meist eingleisige Strecke. Entgegenkommende Straßenbahnen mussten an sogenannten „Ausweichen“ warten. Wie zum Beispiel hier an der Hasestraße vor der Bischöflichen Kanzlei.
Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Schienennetz weiter ausgebaut. Nach Beseitigung der schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg konnte die Straßenbahn im Juli 1945 eingeschränkt wieder den Betrieb aufnehmen.

Ein Zeitzeuge erinnert sich:
„Bereits `46 fuhren wir mit der Linie 1 vom Bahnhof in Richtung Heger Friedhof, um in der Blumenhalle die Kinderoper von Humperdinck „Hänsel und Gretel“ zu sehen. Das Stadttheater war ja zerstört. Unglaublich, wie schnell die Straßenbahnschienen damals wieder repariert worden waren und wir durch die Trümmer fuhren. Die Menschen in der Bahn sahen wie Gespenster aus, weil man die Glühbirnen, die während des Krieges zur Tarnung blau angepinselt wurden, nicht auswechselte. Was noch funktionierte, wurde natürlich genutzt.“

Die letzte Straßenbahn in Osnabrück fuhr Ende Mai 1960. Endstation: Schrottplatz. Damit hatten nun die modernen Omnibusse und der zunehmende Autoverkehr freie Fahrt.

Audioproduktion: Musiktheater LUPE Osnabrück

Abbildungen:

1.
Hasestraße mit Straßenbahnen vor der Bischöflichen Kanzlei, um 1910
Foto: unbekannt, Privatbesitz

2.
Hasestraße mit Blick Richtung Stadttheater, Nachtaufnahme, um 1925
Foto: R. Lichtenberg, Sammlungen des MIK

3.
Neumarkt mit Straßenbahn, um 1925
Foto: R. Lichtenberg, Sammlungen des MIK

4.
Straßenbahnfahrkarte der Stadtwerke Osnabrück, 1920er-Jahre
Foto: M. Kiupel, 2021, Sammlungen des MIK

5.
Eingang des Straßenbahndepots an der Lotter Straße, 1. Hälfte 20. Jh.
Foto: R. Lichtenberg, Sammlungen des MIK

6.
Weichenbahnbau für Straßenbahnen, Montageplatz vor dem Stahlwerk Osnabrück, 1950er-Jahre
Foto: G. Bosselmann, Sammlungen des MIK

7.
Umgestaltung des Bahnhofvorplatzes und Neuverlegung der Straßenbahnschienen, um 1950
Foto: unbekannt, Sammlungen des MIK

8.
Osnabrücker Straßenbahnwaggons auf dem Schrottplatz im Hafen, 1960
Foto: unbekannt, Privatbesitz

Schulbank drücken - Schulviertel Theater/Domsfreiheit

Kleine Domsfreiheit 25, 49074 Osnabrück, DE

„Bunte Mützen, Mädelzopf, holdrio,
Ein paar Bücher, nichts im Kopf, holdrio,
Lange Pfeifen und Tabak,
Gläschen Bier und Schabernack,
Das ist Carolingerpack, holdrio, holdrio.“
(Carolingerlied, um 1900, 1. Strophe)

Das „Carolingerpack“, das waren die Knaben des Gymnasiums Carolinum gleich neben dem Dom. An diesem Ort zeigt sich Osnabrück besonders bildungsbeflissen, denn in nächster Nähe zur Kirche befinden sich gleich noch drei weitere Schulen. Und dort, wo heute das Stadttheater steht, residierte von 1817 bis 1905 noch eine fünfte, das Osnabrücker Ratsgymnasium.

Die beiden traditionsreichen Gymnasien, das „Caro“ und das „Rats“, galten lange Zeit als die „Flaggschiffe“ der Osnabrücker Schullandschaft.
Das Carolinum neben dem Dom ist eine der ältesten Schulen Deutschlands, denn seine Anfänge reichen bis in die Zeit Karls des Großen zurück. Als ehemalige Klosterschule hatte es den Auftrag, Jungen auf das Amt eines katholischen Geistlichen vorzubereiten. Dem stellte 1595 der Rat der Stadt mit dem Ratsgymnasium eine städtische und evangelische Einrichtung für Jungen gegenüber. Wegen Platznot und Mängeln am Haus zog die Schule zu Beginn des 20. Jahrhunderts in das neue repräsentative Gebäude am Schlosswall um.

Die Geschichte der höheren Bildung für Mädchen ist dagegen noch relativ jung. Den Anfang machte 1810 die bischöfliche Höhere Töchterschule an der Kleinen Domsfreiheit. Als Ursulaschule besteht sie bis heute als kirchliches Gymnasium der Stadt – natürlich sind auch längst Jungen dort gern gesehen. Nach der Eingemeindung des Stadtteils Haste während des Zweiten Weltkriegs kam ein weiteres kirchliches Gymnasium hinzu.

Einen besonderen Anziehungspunkt für die jungen Herren des Ratsgymnasiums stellte das sogenannte Lyzeum, die 1848 gegründete städtische Höhere Töchterschule an der Ecke Katharinenstraße/Heger-Tor-Wall, dar. Während sich die Jungen mit Naturwissenschaften und Latein herumschlugen, standen bei den Mädchen zunächst vorrangig Handarbeiten, aber auch musische Fächer und Sprachen auf dem Lehrplan.

Noch neu war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Realschulwesen, das eine breitere Volksbildung zum Ziel hatte. Die Domschule hinter dem „Caro“ am Herrenteichswall bereitete als eine der frühen Osnabrücker Einrichtungen dieser Art Schüler besonders auf die Erfordernisse der Industrie und Wirtschaft vor. Das gleiche Anliegen haben die Berufsschulen. Wie heute auch wieder existierte bereits damals an der Kleinen Domsfreiheit eine erste Berufsschule, die Noellesche Handelsschule. Ihr Ruf ging sogar über die Landesgrenzen hinaus.

Audioproduktion: Musiktheater LUPE Osnabrück

Abbildungen:

1.
Carolinum aus Richtung der Hase, um 1900
Foto: A. Wurm, Sammlungen des MIK

2.
Ratsgymnasium am Schloßwall, um 1910
Foto: R. Lichtenberg, Sammlungen des MIK

3.
Kleine Domsfreiheit mit Lyzeum, 1900 bis 1930
Foto: H. Hasekamp, Sammlungen des MIK

4.
Schülerinnen vor der Ursula-Schule, Kleine Domsfreiheit, 1966
Foto: G. Bosselmann, Sammlungen des MIK


5.
Gebäude des städtischen Lyzeums, um 1920
Foto: R. Lichtenberg, Sammlungen des MIK

6.
Blick auf den Herrenteichswall und die Domschule, 1901
Foto: R. Lichtenberg, Sammlungen des MIK

Freizeitvergnügen am Stadtfluss - Sport auf der Hase

49074 Osnabrück, DE

Haben Sie Lust auf eine kleine Abkühlung? Badesachen dabei? So richtig einladend sieht die Hase allerdings leider nicht mehr aus. Früher – vor allem vor der zunehmenden Industrialisierung – war das anders.

Die Hase wurde von der Osnabrücker Bevölkerung schon immer auf verschiedene Weise genutzt: Sie war Verkehrsweg und Teil der Stadtverteidigung, lieferte Trinkwasser und Nahrung, diente der Wäsche, war Energielieferant für Handwerk und Industrie, nahm die Abwässer auf – und sie bot den Menschen das ein oder andere Freizeitvergnügen.

Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein konnte man im Sommer in verschiedenen Flussbadeanstalten Abkühlung finden. Innerhalb der Stadt boten die Bäder bei der Neuen Mühle und hinter dem heutigen Hauptbahnhof die Möglichkeit, Schwimmen zu gehen. Kurz vor der Neuen Mühle, dort, wo sich heute der Nacht-Club Alando Palais befindet, war es seit Mitte des 19. Jahrhunderts schließlich sogar auch den Frauen möglich, diesem Freizeitvergnügen nachzugehen – in der ersten eigenen Flussbadeanstalt für Damen, züchtig bedeckt im einteiligen, rüschenbesetzten Badeanzug mit wadenlangen Beinen und geraffter Haube.

Auch auf dem Wasser war einiges los: Beim Hotel Dreikronen (Ecke Wittekindstraße/Möserstraße) und von anderen Bootsanlegern aus starteten viele zu einer Fahrt mit dem Ruderboot. Im Winter dagegen bot sich die Möglichkeit zum Eislaufen, entweder direkt auf der zugefrorenen Hase oder auch auf der überschwemmten „Butterwiese“ am Stahlwerk.

Mit fortschreitender Industrialisierung wuchs die Zahl der Einwohner, Fabriken und Handwerksbetriebe in Osnabrück rasant an – und damit auch die Verschmutzung der Hase. Sämtliche Unternehmen – allen voran das Stahlwerk sowie die Papierfabriken Schoeller und Kämmerer – entsorgten ihre Abwässer in die Hase, Nette und Düte. Im Sommer stank das Wasser, Trockenheit brachte schlimmen Unrat zum Vorschein und verendete Fische häuften sich zu Tausenden vor dem Pernickel-Wehr. Lange Zeit fand man keine Lösung und als Folge wurden Anfang des neuen Jahrhunderts alle Flussbadeanstalten geschlossen.

Zum Baden wird die Hase zwar auch heute weiterhin nicht mehr genutzt und Bootfahren ist im Altstadtbereich inzwischen verboten, jedoch gab es in den vergangenen Jahren erhebliche Bemühungen um eine Renaturierung und Revitalisierung des Stadtflusses. Deshalb schätzen Einheimische und Gäste die Hase wieder neu als Naherholungsraum, als stille Begleiterin beim Radeln, Joggen und Flanieren auf dem neu angelegten Haseuferweg.

Immer wieder wird aber auch deutlich, wie empfindlich das Ökosystem ist – wie zuletzt bei einem Chemieunfall im Sommer 2020, durch den die Hase stark verunreinigt wurde.

Audioproduktion: Musiktheater LUPE Osnabrück

Abbildungen:

1.
Ruderpartie auf der Hase am Herrenteichswall, um 1893
Foto: A. Wurm, Sammlungen des MIK

2.
Zwei Frauen nach dem Eislaufen, Osnabrück, 1893
Foto: A. Wurm, Sammlungen des MIK

3.
„Eislaufvergnügen auf der Butterwiese beim Stahlwerk“, Hase-Ufer vor dem Stahlwerk, 1889
Gemälde (Reproduktion), Foto: R. Lichtenberg, Sammlungen des MIK

4.
Hasefluss vor dem Stahlwerk Osnabrück, um 1900
Foto: unbekannt, Sammlungen des MIK