Ansbach: Auf den Spuren Kaspar Hausers

Stadtführung 91522 Ansbach, DE

Eine mysteriöse Kriminalgeschichte und ein tragisches Opfer, das von seinem Schicksal eher zufällig nach Ansbach geführt wurde. Gemeint ist Kaspar Hauser, das "Kind von Europa", das von 1830 bis zu seinem gewaltsamen Tod im Dezember 1833 in Ansbach lebte. Doch nicht nur der Tod Hausers ist ein Mysterium geblieben.

Autor: Stadt Ansbach

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12 Stationen

Wer war Kaspar Hauser? Allgemeines

Kaspar Hauser wurde am Pfingstmontag, 26. Mai 1828, auf dem Unschlittplatz in Nürnberg aufgegriffen.
Der etwa 16-jährige Junge fiel durch einen unsicheren Gang auf, konnte auf Fragen nichts anderes antworten als „dös wois i net“, schrieb mühsam in ungelenker Schrift seinen Namen „caspar hauser“ und trug einen Brief an den Rittmeister von Wessenig bei sich. Von Wessenig wusste mit dem Findling nichts anzufangen und so wurde Kaspar Hausers erste „Wohnstätte“ in der zivilisierten Welt der Gefängnisturm Luginsland auf der Nürnberger Burg. Bis Mitte Juli blieb er eingesperrt, wurde verhört und vor zahllosen Schaulustigen „ausgestellt“.
Nach intensiven Untersuchungen der Polizei, der Stadt und einiger Ärzte kam man zu der Überzeugung, dass es sich um einen komplexen Kriminalfall handeln müsse, in dem Kaspar Hauser während seiner Kindheit über längere Zeit ohne soziale Kontakte zu Menschen gefangen gehalten wurde. Der ihm mitgegebene Brief wurde von zeitgenössischen Fachleuten als Fälschung betrachtet. Kaspar Hauser, kaum des Sprechens mächtig, konnte nahezu keine Äußerungen über sich machen, außer den berühmten, stets wiederholten Satz: „Ich möchte so ein Reiter wie mein Vater werden“.
Nachdem Bürgermeister Binder in einer Bekanntmachung auf den einzigartigen Fall aufmerksam gemacht hatte, kam Kaspar Hauser zum Gymnasiallehrer Georg Friedrich Daumer, der sich seiner Erziehung annahm. Er lernte schnell, verlernte aber auch bedeutende Fähigkeiten seiner hypersensiblen Wahrnehmung. Bald wurde das Gerücht laut, es handele sich bei Kaspar Hauser um den Erbprinzen aus dem Hause Baden, der beiseite geschafft worden war, um einer Nebenlinie den Weg auf den Thron frei zumachen.
Bereits im Oktober 1829 wurde in der Daumerschen Wohnung ein Anschlag auf ihn verübt, den er überlebte. Durch diesen Vorfall wurde klar, dass seine Sicherheit nicht mehr gewähr leistet war. Er musste deshalb nun mehrmals den Wohnort wechseln.
Um diese Zeit tauchte auch ein seltsamer englischer Lord auf, der sich binnen kürzester Zeit als Hausers großer Gönner gab und die Vormundschaft für den Findling übertragen bekam. Lord Stanhope veranlasste die Übersiedelung nach Ansbach zum pedantischen Lehrer Meyer, den er gut entlohnte. Stanhope gab vor, Hauser bald zu sich nach England zu holen. Doch dazu kam es nicht mehr.
Als Kaspar Hauser im Dezember 1831 nach Ansbach zog war er bereits eine in Europa bekannte Persönlichkeit und somit nahm auch die Ansbacher Bevölkerung großen Anteil an seinem Schicksal, wie es sich bei seiner Konfirmation im Mai 1833 zeigte. Auch der Präsident des Appellationsgerichtes, Anselm von Feuerbach, befasste sich mit dem Lebensweg des Findlings und verfasste die „Erbprinzentheorie“. Eine Woche nach der Konfirmation Hausers starb Anselm von Feuerbach unter äußerst mysteriösen Umständen. Man kann davon ausgehen, dass er vergiftet wurde. Von nun an waren die Tage des Kindes von Europa gezählt.
Am 14. Dezember wurde Kaspar unter dem Vorwand, seine Herkunft und den Namen seiner Mutter zu erfahren, in den Ansbacher Hofgarten gelockt. Dort wartete sein Mörder auf ihn. Mit einem gezielten Stich traf er den etwa 21-jährigen in das Herz. Drei Tage später starb er in der Wohnung des Lehrer Meyers und wurde am 20. Dezember 1833 auf dem Stadtfriedhof beigesetzt.
Seit dieser Zeit ist das Interesse an ihm groß. Über 3000 Publikationen befassen sich mit Kaspar Hauser. Da gibt es die These, dass er legitimer Großherzog von Baden war, die Vermutung, dass es sich schlichtweg um einen Betrüger handelt. Da ist aber auch ein Mensch, der zum Symbol, zum Mythos wurde. Wohl keine andere historisch verbürgte Person hat so explizit die Frage nach dem Woher und Wohin des Menschen aufgeworfen. Kaspar Hauser wurde zum Sinnbild für die Suche nach der eigentlichen Identität des Menschen. Auch Aufsehen erregende Forschungsergebnisse wie die widersprüchlichen Genanalysen seines Blutes und seiner Haare konnten die Anteilnahme an seinem Schicksal nicht schmälern.
Seit 1998 veranstaltet die Stadt Ansbach im zweijährigem Turnus (gerade Jahre) „Kaspar-Hauser-Festspiele“ zu Ehren des berühmten Findlings. Die Veranstaltungsreihe hat das Ziel, Kaspar Hauser aus der allzu engen Sicht des kriminalistisch-dynastischen Verbrechens zu befreien und sein Schicksal in vielfältiger Weise darzustellen.

Kaspar-Hauser-Abteilung im Markgrafenmuseum

Kaspar-Hauser-Platz 1, 91522 Ansbach, DE

1998 wurde im Erdgeschoss des Markgrafenmuseums eine umfangreiche Kaspar-Hauser-Abteilung eingerichtet. Spannend inszeniert wird das Schicksal der historischen Figur Kaspar Hauser in Nürnberg und Ansbach erläutert, der Frage seiner Herkunft nachgegangen, das Nachwirken seines kurzen Lebens beleuchtet und dabei der aktuelle Diskussionsstand seiner Herkunftstheorien dokumentiert.
Der erste Raum steht unter dem Motto „Kaspar Hauser im Licht der Welt“. Neben der Einführung in seine Biografie werden Dokumente zum öffentlichen Leben Kaspar Hausers von seinem Auftauchen in Nürnberg bis zu seinem Tod in Ansbach gezeigt. Darunter zum Beispiel Lithographien des Briefes, den er in Nürnberg vorzeigte, und auch eine Kopie des sogenannten Spiegelschrift-Zettels, den der Attentäter Kaspar Hauser während des Mordanschlags im Ansbacher Hofgarten gegeben hatte. Kaspar Hausers Bezugspersonen, wie Lehrer Daumer in Nürnberg, Lehrer Meyer in Ansbach oder Lord Stanhope und Anselm von Feuerbach, werden in Porträts vorgestellt. Interessant sind auch die Fotografien der Schauplätze des Kaspar-Hauser-Dramas in Nürnberg, wie sie vor ihrer Zerstörung durch die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg ausgesehen haben.
Der größte Raum der Kaspar-Hauser-Abteilung wurde dem Thema „Wer bist Du, Kaspar Hauser?“ gewidmet; er enthält die gesamte Hinterlassenschaft Kaspar Hausers. Darunter befindet sich seine Kleidung, die er beim Attentat trug, einige seiner Zeichnungen, eine Haarlocke, seine Taschenuhr und sein Sekretär aus dem Hause Meyer. Außerdem wird die „Erbprinzentheorie“ erläutert: Schon 1828 gab es Gerüchte über Hausers badische Herkunft. Diese verdichteten sich zu der Behauptung, er sei der 1812 geborene Sohn von Großherzog Karl und Stephanie von Baden. Das Kind (29.9. - 16.10.1812) sei vertauscht und ein untergeschobener Säugling an seiner Stelle beigesetzt worden. Durch einen aus der Decke kommenden Dolch und zwei Lichteinschnitte in den Wänden werden die Attentate auf Kaspar Hauser verdeutlicht und anhand eines Stammbaumes des Hauses Baden kann die Erbprinztheorie verfolgt werden.
Der nächste Raum mit der Überschrift „Kaspar Hauser lebt“ verdeutlicht die Wirkung des Schicksals Kaspar Hausers in der Literatur, im Film und anderen Bereichen der bildenden Kunst. Unter Panzerglas kann das „Unterbeinkleid“ Kaspar Hausers, das er am Tag des Attentats am 14. Dezember 1833 trug, betrachtet werden. 1996 wurden im Auftrag des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ aus dem Blutfleck im Bund dieser Unterhose Gen-Spuren gesichert und mit DNA von Nachkommen der Schwestern (aus dem Hause Baden) des mutmaßlichen Erbprinzen Kaspar Hauser verglichen. Das Ergebnis war eindeutig: Es bestehen zu viele Unterschiede zwischen den verglichenen Proben, so dass in der Presse die Erbprinzen-Theorie als überholt abgestempelt wurde.
Im Jahr 2002 haben die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ZDF und ARTE einen weiteren Gen-Test veranlasst und andere Blutreste von der Kleidung, Schweiß aus dem Hutband des Zylinders und zwei Haarlocken – eine davon aus dem Ansbacher Markgrafenmuseum – untersucht. Alle sechs untersuchten Proben stammen von derselben Person und das Gen-Material weist große Ähnlichkeiten zum Hause Baden auf. Bis heute verwirrend ist die Tatsache, dass das Blut auf der Unterhose von einem anderen Menschen stammt als die übrigen untersuchten genetischen Spuren.

Kaspar-Hauser-Denkmal

Platenstraße 18, 91522 Ansbach, DE

Das Denkmal wurde 1981, nach einer Idee von Waldemar Fritsch durch den Künstler Friedrich Schelle (Berchtesgaden, München) gestaltet. Die Bronze-Figuren stellen Kaspar Hauser zweimal dar: Einmal wie er beim Auftauchen am 26. Mai 1828 in Nürnberg ausgesehen haben könnte, die andere Figur zeigt den erwachsen gewordenen Hauser in der Kleidung eines Ehrenmannes seiner Zeit – wie er am Attentatstag, dem 14. Dezember 1833, von seinem Mörder in den Hofgarten gerufen wurde.
Die beiden Figuren wurden vom Ansbacher LIONSClub gestiftet, der damit einen wertvollen Beitrag zur Altstadtsanierung geleistet hat.
Auf dem Meilenstein zwischen den Figuren ist eine blattförmige Bronzeplatte mit der Inschrift zu sehen:
„Sie haben umsonst den harten Kampf mit der Natur gerungen, umsonst ein großes königliches Leben zerstören den Entwürfen hingeopfert. Der Mensch ist mehr als sie von ihm gehalten, des langen
Schlummers Bande wird er brechen und wieder fordern sein geheiligt Recht.“ (Schiller)

Gaststätte Kaspar Hauser

Pfarrstraße 10, 91522 Ansbach, DE

Der Bilderfries an der Fassade wurde vom Rothenburger Ernst Unbehauen in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts geschaffen.
Die Abbildungen zeigen Entwicklungsphasen und Lebensstationen Kaspar Hausers: die Porträts des Großherzogs Karl von Baden, Kaspar Hausers, Stephanie de Beauharnais (Gattin von Großherzog Karl) und Anselm von Feuerbachs.
Dazwischen befinden sich Abbildungen des Tucherschen Hauses in Nürnberg und der Nürnberger Burg, wo Kaspar Hauser die ersten drei Monate nach seinem Auftauchen inhaftiert war. Das Haus selbst hat mit Kaspar Hauser nichts zu tun.

Wohn- und Sterbehaus Kaspar Hausers

Pfarrstraße 18, 91522 Ansbach, DE

Seit dem 10. Dezember 1831 lebte Kaspar Hauser in diesem Haus bei Johann Georg Meyer. Hier verstarb er am 17. Dezember 1833. Eine ovale Steintafel in Höhe der ersten Etage erinnert an Kaspar Hauser. Im Gebäude sind durch Umbauten keine authentischen Räumlichkeiten mehr vorhanden.

Kaspars Baum

Martin-Luther-Platz 6, 91522 Ansbach, DE

Die Skulptur, die einen Baum umschlingt, ist das jüngste Denkmal (Mai 2007), das an den geheimnisvollen Findling erinnert.
Anlässlich des 1000-jährigen Jubiläums des Bistums Bamberg wurden in acht deutschen und drei Städten im europäischen Ausland Skulpturen installiert. Für Ansbach schuf der aus Barcelona stammende Künstler Jaume Plensa die sitzende Kaspar-Hauser-Figur, die mit Worten überzogen ist, die einen Bezug zum menschlichen Körper haben.
Es war der Wunsch des Künstlers, eine Arbeit im Gedenken an Kaspar Hauser für Ansbach zu schaffen, die ihren Platz in unmittelbarer Nähe des Wohn- und Sterbehauses findet. Der Mensch – ein häufiges Motiv für Plensa – wird erneut aufgegriffen; er umfasst einen Baum, dessen Wandlungen uns die Zeitläufte und die stetigen Veränderungen vor Augen führen.

Ehemalige markgräfliche Kanzlei im ehemaligen Appellationsgericht

Montgelasplatz 1, 91522 Ansbach, DE

Hier war Kaspar Hauser als Schreiber unter Präsident Anselm von Feuerbach beschäftigt. Am Treppenturm im Innenhof befindet sich eine Gedenktafel für den Juristen und Protektor Hausers.
Übertragung der Inschrift:
„Einen gerechten, an überlegtem Plan zäh festhaltenden Menschen von einwandfreier Geisteshaltung erschüttert nicht der Übereifer von Mitbürgern, die Nichtsnutzig-Widerliches befehlen, nicht die Zornesfratze des herandrängenden Diktators, auch nicht der tobende Südsturm auf hoher See und nicht die Riesenhand des Blitze schleudernden Jupiter. Wenn die Welt einstürzt und zusammenbricht, werden ihn die Trümmer unerschrocken treffen.“
Durch die Arkaden hat der Innenhof mit Treppenturm (Baumeister Gideon Bacher) einen ganz besonderen Reiz.

St. Gumbertus/ Schwanenritterkapelle

Johann-Sebastian-Bach-Platz 3, 91522 Ansbach, DE

In der Schwanenritterkapelle wurde Kaspar Hauser am 20. Mai 1833 konfirmiert. Pfarrer Fuhrmann wurde nach dem Konfirmandenunterricht zu einem väterlichen Freund Kaspar Hausers. Er ließ sowohl die Predigt der Konfirmationsfeier als auch die Leichenpredigt im Druck erscheinen.

Wohnhaus Anselm von Feuerbach

Karolinenstraße 21, 91522 Ansbach, DE

In diesem Haus besuchte Kaspar Hauser oft seinen Protektor und Freund Anselm von Feuerbach, der im Frühjahr 1833 in einem Memorandum erstmals alle Hinweise auf die badische Herkunft Hausers nieder gelegt hatte und wohl deshalb in Frankfurt am Main ermordet wurde. In dem Gebäude, das heute als katholisches Pfarrhaus dient, hat einer der Söhne Feuerbachs, der bekannte Religionskritiker und Philosoph Ludwig Feuerbach, einen Teil seiner ersten Schriften verfasst. Das Gebäude wurde Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts vollkommen entkernt und umgebaut.

Ehemaliges Präsidialgebäude

Promenade 24, 91522 Ansbach, DE

Hier befand sich der Wohnsitz des Regierungspräsidenten von Stichaner. Die Tochter des Regierungspräsidenten, Lila von Stichaner, war eine enge Freundin Kaspar Hausers, wohl die erste große Liebe. Er hielt sich oft in diesem Haus auf.

Kaspar-Hauser-Gedenkstein

Promenade 33, 91522 Ansbach, DE

An der Stelle des Attentats steht ein achteckiger Gedenkstein mit folgender Inschrift:
HIC
OCCULTUS
OCCULTO
OC CISUS
EST
XIV DEC:
MDCCCXXXIII
Übertragung: Hier wurde ein Geheimnisvoller geheimnisvollerweise getötet. 14. Dezember 1833.

Stadtfriedhof

Benkendorffstraße 2, 91522 Ansbach, DE

Kaspar Hauser wurde hier am 20. Dezember 1833 unter größter Anteilnahme der Bevölkerung durch Pfarrer Fuhrmann beerdigt. Die Inschrift auf dem Grabstein lautet:
Hic jacet
Casparus Hauser,
aenigma sui temporis,
ignota nativitas,
occulta mors.
MDCCCXXXIII
Übertragung: Hier liegt Kaspar Hauser, ein Rätsel seiner Zeit, unbekannt seine Geburt, geheimnisvoll sein Tod. 1833.

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