Spaziergang 2: Route aktueller Migration

Tour Nordring, 59423 Unna, DE

Eine Tour durch Unna zu Stationen mit aktuellem Bezug zum Themrn Flucht und Migration

Autor: Werkstatt im Kreis Unna

Fluchtwege Unna

Fluchtwege Unna

Wir erzählen Migrationsgeschichten und Fluchtwege der Stadt Unna

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23 Stationen

Nr. 28 Asylverfahrensberatung unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Gerhart-Hauptmann-Straße 29, 59423 Unna, DE

An dieser Stelle muss mit einem Gerücht aufgeräumt werden. Immer wieder wird behauptet, dass viele Minderjährige, vor allem männliche Jugendliche, nach Deutschland geschickt werden, um von hier aus ihre Familie „nachzuholen“. Und mehr noch: Überdies seien minderjährige Unbegleitete auch für den deutschen Staat besonders teuer. So wird behauptet, dass ein einzelner minderjähriger Flüchtling in einer Betreuungseinrichtung „den Steuerzahler“ 100.000 Euro und mehr pro Jahr kosten würde.
Stimmt das? Nun, checken wir dazu die Fakten: Im Jahr 2015, zur Hochzeit der Flucht aus Syrien, Irak und Afghanistan kamen rund 95.000 unbegleitete Minderjährige – allerdings nach ganz Europa! Nach Deutschland kamen 14.000. Zum Vergleich: Das viel kleinere Schweden nahm 2015 über 35.000 von ihnen auf. Und noch ein Vergleich: Die meisten der minderjährigen Geflüchteten, nämlich über 90 Prozent, kamen und kommen in Begleitung ihrer Eltern oder eines Elternteils – sind also nicht gar nicht unbegleitet. Insgesamt nimmt die Anzahl der in Obhut genommenen jungen Geflüchteten in Deutschland seit 2015 aber kontinuierlich ab. 2019 waren es noch ca. 8.500, 2020 etwa 7.500, Tendenz weiter fallend.
Nur wenige Minderjährige können überdies von ihrem Recht Gebrauch machen, ein Elternteil und weitere Familienangehörige aus dem Herkunftsland nachziehen zu lassen. Bis Minderjährige ihre eigene Asylanerkennung bekommen, weitere Anträge gestellt und andere Vorbereitungen getroffen werden, vergehen Monate und oft Jahre. Zudem sind die gesetzlichen Voraussetzungen sehr streng und die Kosten für eine Familienzusammenführung, die die Betroffenen selbst aufbringen müssen, viel zu hoch, sodass überhaupt nur sehr wenige Väter oder Mütter aus den Heimatländern nach Deutschland reisen dürfen.
Es ist indes Richtig, dass fast 90 Prozent der in Obhut genommenen jungen Geflüchteten männlich sind. Warum? Dafür gibt es einen wesentlichen Grund: Die Mehrheit der geflüchteten Minderjährigen kam und kommt aus Kriegs- und Bürgerkriegsländern wie Syrien, dem Irak, Afghanistan und Somalia. Dort werden junge Männer regelmäßig zum Kriegsdienst in eine Armee, Miliz, Rebellen- oder Terrortruppe gepresst. Wir müssen uns das so vorstellen: In Syrien beispielsweise kam an einem Tag die syrische Armee in die Wohnhäuser oder Schulen und verlangten die „Herausgabe“ der jungen Männer. Am nächsten Tag war es die al-Nusra-Front, am übernächsten der IS. Wollten die Familien ihre Söhne nicht ausliefern, mussten sie ein Lösegeld bezahlen. Immer und immer wieder. Wer kann es also den jungen Männern verdenken, lieber zu flüchten, als in einem mörderischen Bürgerkrieg für irgendeine der Parteien zu töten und getötet zu werden? Wer kann es den Eltern verdenken ihre Kinder zu schützen und außer Landes in Sicherheit zu bringen?
Zu den Kosten: Ein Platz in einer Jugendhilfeeinrichtung kostet zwischen 2.000 und 4.000 Euro im Monat, je nach Art und Intensität der Betreuung. Und einen Kostenunterschied zwischen geflüchteten und anderen Minderjährigen gibt es nicht. Allen steht das Gleiche zu. Das ist gesetzlich klar geregelt.

Nr. 26 Flüchtlingsberatung des Caritasverband für den Kreis Unna

Höingstraße 5-7, 59425 Unna, DE

In der sozialen Beratung von Geflüchteten wird Menschen ohne dauerhaften Aufenthaltsstatus geholfen.
Das Angebot umfasst vor allem folgende Hilfen:
- Klärung der individuellen Bedingungen und Fähigkeiten
- Beratung im Integrationsprozess / Klärung von Ansprüchen auf staatliche Hilfen
- Vermittlung zu Sprachkursen
- Begleitung von Initiativen von und für Flüchtlinge
- Vernetzung von Diensten
- Arbeit mit Ehrenamtlichen
- Unterstützung von Selbstorganisationen
- gemeinwesenorientierter Projektarbeit
Mehr Infos: https://www.caritas-unna.de/migration/temporaere-integration/temporaere-integration

Nr. 1 Stadt Unna Rathaus (Integrationsbeauftragter)

Rathausplatz 1, 59423 Unna, DE

Der Integrationsbeauftragte der Stadt Unna:
»Es gibt nicht nur einen Klimawandel, auch der Wandel in einer Gesellschaft vollzieht sich permanent…«!

Cengiz Tekin erklärt die Aufgaben eines/einer kommunalen Integrationsbeauftragten und spricht über seine Tätigkeit und Erfahrungen in Unna

Integrationsbeauftragte gibt es auf Bundes- Landes- oder Kommunalebene in Deutschland. Früher (seit 1978 bereits auf Bundesebene) hießen sie »Ausländerbeauftragte«. Das Amt des oder der Integrationsbeauftragten für den Bund ist im Aufent-haltsgesetz festgelegt, für die Integrationsbeauftragten der Länder und Kommunen gelten entsprechende Gesetze.
Als Integrationsbeauftragte/r wird man nicht gewählt, son-dern durch Politik und Verwaltung »bestellt« – oder anders ausgedrückt: Bund, Land und Kommunen können eine Person des Vertrauens, die sich mit entsprechenden Qualifikationen und Qualitäten für dieses Amt bewirbt, als Angestellte einstel-len.
In der Stadt Unna gibt es die Stelle als Integrationsbeauftragte/r seit 2017. Cengiz Tekin, der selbst eine Migrationsge-schichte hat, ist der erste Migrationsbeauftragte der Stadt und in dieser Funktion seitdem »im Amt«.
Allgemein haben Integrationsbeauftragte die Aufgabe, sich um die Belange von zugewanderten Menschen zu kümmern. Gemeint sind nicht nur Geflüchtete, sondern auch Zugewan-derte aus EU-Staaten und anderen Ländern, ganz gleich aus welchen Gründen (Arbeit, Ausbildung, Familie usf.) sie einge-wandert sind. Im Vordergrund steht ihre gesellschaftliche Teilhabe.
Cengiz Tekin erläutert seine Aufgaben und erzählt von seiner Arbeit vor Ort.

Nr. 2 Stadt Unna Rathaus (Integrationsrat)

Rathausplatz 1, 59423 Unna, DE

Nr. 3 Deutsch-Italienische Gesellschaft e.V.

Magnolienweg 24, 59425 Unna, DE

Nr. 27 Café Weltoffen/Initiative Ehrenamt

Gerhart-Hauptmann-Straße 12, 59423 Unna, DE

Nr. 19 Berufskolleg der Werkstatt im Kreis Unna

Nordring, 59423 Unna, DE

Nr. 5 Portugiesisches Kulturzentrum

Bornekampstraße 5, 59423 Unna, DE

Nr. 6 Erstaufnahmeeinrichtung des Landes NRW

Lippestraße 37, 59427 Unna, DE

»…ist das riesig!«
Elena erzählt Euch ihre Geschichte

Elena Bybotschkin reiste in den 1990er Jahren mit ihren Eltern als Kind aus der russischen Provinz nach Deutschland. Als sogenannte »Russlanddeutsche« war ihre erste Station das »Lager« in Unna-Massen, wo sie mit drei Koffer anka-men.
Elenas ersten Erfahrungen in Deutschland waren unge-wohnt, fremd und auch, wie sie sagt: »…für mich sehr angst-einflößend.« Vieles war beeindruckend und selbst ein Ein-kaufszentrum hinterlässt einen besonderen Eindruck: »Wo ich so davorstand und gedacht habe, boah, ist das riesig.« Elena kann viele schon zuvor ausgewanderte Verwandte in die Arme schließen – das scheint für sie ein wichtiger Anker in Deutschland gewesen zu sein – neben ihren Eltern selbst-verständlich, die ihr ein besseres Leben ermöglichen wollten. Ihr Vater sprach Klartext: »… Deutsch ist Zugang zur Gesell-schaft, lernt was, haut rein, hier könnt ihr, habt ihr supervie-le Chancen, was zu werden.«
Kein einfacher Weg für die ehemalige »Einser-Schülerin« aus Russland, die nun in der Schule ganz von Vorne anfangen muss und sich manchmal lieber unsichtbar machte: »Ich bin schon häufig aus der Klasse weggerannt die erste Zeit. Die mussten mich dann schonmal fleißig alle suchen. Da habe ich mich versteckt.« Aber Elena schaffte die Hürden von Sprache und Schule, trotz einer Behinderung. Nach einer Berufsaus-bildung lebt und arbeitet sie als Therapeutin in Unna. Und sie mag die Stadt gerne.
Ob sie nach Russland zurückkehren würde? Ja, für eine Reise vielleicht – auch um ihre Muttersprache wieder zu sprechen und auf den neusten Stand zu bringen. Aber für mehr oder längere Zeit wohl doch nicht. Hier haben sich E-lenas Ansichten und Ansprüche was Freiheit und Demokratie angeht geändert: »Ich möchte da nicht hin, weil die Werte die ich jetzt vertrete, passen einfach nicht mit denen über-ein, die da gewünscht sind.«

Das komplette Interview können Sie hier hören oder lesen: https://www.fluchtwege-unna.de/interview-sp%C3%A4daussiedlerin-russland

Nr. 7 Ägyptische-Koptisches Gemeinde und Kirche

Buderusstraße 46, 59427 Unna, DE

Nr. 8 Jüdische Gemeinde haKochaw Unna

Buderusstraße 11, 59427 Unna, DE

Nr. 9 Firma Dröge und Koch (Metallbau)

Oberer Kohlenweg 15, 59425 Unna, DE

Nr. 15 Krankenhäuser (Christliche Kliniken)

Obere Husemannstraße 2, 59423 Unna, DE

Nr. 16 Ausländerbehörde

Zechenstraße 49, 59425 Unna, DE

Nr. 18 Café der Begegnung / VHS

Nordring, 59423 Unna, DE

Nr. 21 Erste Eisdiele in Unna

Markt 7, 59423 Unna, DE

Nr. 22 Türkisch Islamische Gemeinde zu Unna e. V.

Höingstraße 22, 59425 Unna, DE

Nr. 23 Zentrale Wohneinrichtung für Geflüchtete

Höingstraße 24, 59425 Unna, DE

»Ich fühle mich jetzt so, dass ich neu geboren bin!«
Nazir (*) erzählt Euch seine Geschichte

Nazir Ahmad floh mit 16 Jahren Ende 2015 aus Afghanistan. Nazir ist Paschtune. Wie viele andere jungen Paschtunen auch wurde er von der Taliban gedrängt, diese zu unterstützen und ein Teil der Organisation zu werden. Nazir wollte das nicht. Mit Hilfe seines Vaters und seines Onkels verließ er Afghanistan und floh über den Iran, die Türkei, Griechenland und den Balkan nach Deutschland, wo er in München ankam.
In der weiteren »Verteilung« von Geflüchteten in Deutsch-land wurde er über Gießen in den Kreis Unna geschickt, wo er als sogenannter »umF« (unbegleiteter minderjähriger Flücht-ling) zunächst in Kamen in einer Jugendhilfeeinrichtung wohnte und betreut wurde. Später zog es ihn nach Unna. Nazir stelle einen Asylantrag. Erfolgreich – er besitzt einen Aufenthaltstitel.
Nazir schloss erfolgreich die Realschule ab. Eine zunächst begonnene Ausbildung als Hotelkaufmann entsprach schließlich nicht seinen Vorstellungen und er wechselte auf einen Ausbil-dungsplatz nach Dortmund, wo er sich nun zum Kaufmann für Büromanagement ausbilden lässt.
Europa war sein ausgewähltes Fluchtziel, ein besonderes Land hatte er nicht im Kopf – er wäre auch für »Italien und Schweden« dankbar gewesen. Dass es Deutschland geworden ist war nicht seine Entscheidung, sondern die, der Behörden, die ihn Im Dezember 2016 in den Kreis Unna schickten. Hier fühlt er sich »so normal, so wie andere Mitbürger in Deutschland. Ich habe mich jetzt halt integriert«, sagt er.
In Deutschland ist das Leben, wie in einer anderen Welt im Vergleich zu Afghanistan, vom dem er sagt, sie seien dort »30 Jahre zurück«. Und hier fühlt er sich auch zugehörig: »Ich fühle mich jetzt so, dass ich neu geboren bin! (…) Ich fühle mich so wie ein Deutscher oder wie einer, der hier geboren ist.« Nazir möchte nichts anderes, als ein normales Leben führen, eine Ausbildung machen, zur Arbeit gehen, eine Familie gründen.
Und er findet, dass die Menschen in Deutschland und in Un-na tolerant sind: »Jeder akzeptiert so jeden, wie er ist (…). Nicht so wie in Afghanistan wo sie sagen: Du bist Pashto, du bist Ha-zara, du bist Tadschike, du bist Usbeke...«.

(*) Auf Wunsch des Interviewten wurde der Name durch das Projekt geändert

Das komplette Interview können Sie hier hören oder lesen: https://www.fluchtwege-unna.de/flucht-aus-afghanistan

Nr. 25 Quartiersbüro Königsborn

Berliner Allee 28, 59425 Unna, DE

Königsborn als Wohn-/Lebensort vieler Migrant*innen

Nr. 32 Deutsch -Polnischer Kulturverein

Buchenstraße 27, 59423 Unna, DE

Nr. 33 Bahnhof Unna

Bahnhofstraße 74, 59423 Unna, DE

Nr. 35 Philia Deutsch-Griechischer Verein Unna e.V.

Massener Straße 14, 59423 Unna, DE

Nr. 36 Regionale Flüchtlingsberatung im Kreis Unna

Gerhart-Hauptmann-Straße 29, 59423 Unna, DE

Die regionale Flüchtlingsberatung ist zuständig für alle Minderjährigen und Erwachsenen, die in den letzten Jahren als Flüchtlinge nach Deutschland bzw. nach NRW gekommen sind und eine Duldung, Aufenthaltsgestattung, einen Aufenthaltstitel besitzen. Angesprochen sind auch alle Flüchtlinge aus sog. "sicheren Herkunftsstaaten". Die zu beratenden Flüchtlinge sollten im Kreis Unna wohnen bzw. untergebracht sein.
Wenn Sie als ehrenamtliche Helfer*innen, als Mitglied eines Vereins, als Lehrer*innen, als Mitarbeiter*innen einer Hilfeeinrichtung oder der Verwaltung Fragen zu Flüchtlingsaspekten haben, können Sie sich mit Ihren Anliegen an die Regionale Flüchtlingsberatung wenden.
Die Beratungsstelle berät und unterstützt direkt und als Mittlerin in allen sozialen Aspekten berührenden Themen und Vorgängen für Flüchtlinge und deren Familien. Des Weiteren unterstützt und initiiert die Beratung Projekte zu migrationsrelevanten Themen, berät Mitarbeiter*innen von Flüchtlingseinrichtungen und fördert den Erfahrungsaustausch auf lokaler und regionaler Ebene aller mit der Zielgruppe betrauten Einrichtungen.
Die Beratung erfolgt in deutscher und/oder englischer Sprache. Nach Bedarf können Dolmetscher*innen einbezogen werden
Ansprechperson:
Michael Koch
Telefon: 02303 9599043
mobil: +49 176 12805042
fluechtlingsberatung@werkstatt-im-kreis-unna.de

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