Stadtgeschichtlicher Weg Maichingen

Stadtführung Sindelfinger Str. 51, 71065 Maichingen, DE

Die Neufassung des Stadtgeschichtlichen Weges Maichingen basiert auf dem von Herrn Karlheinz Arnau geschaffenen Flyer "Kleiner Spaziergang in Maichingen" mit erklärenden Texten und historischen Bildern.

Autor: Schwarzwaldverein Sindelfingen e. V.

Maichingen

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12 Stationen

Alte Schule

Sindelfinger Straße, 71069 Sindelfingen, DE

Bis ins 16. Jahrhundert hinein waren die Menschen auf dem Lande fast alle Analphabeten. Erst die Reformation gab in Württemberg den Anstoß zu Schulen: Herzog Christoph ordnete 1559 an, Schulen einzurichten. Das geschah lange Zeit widerwillig, denn die Kinder wurden auf dem Land als Arbeitskräfte benötigt. Und dazu noch Schulgeld bezahlen!

Der erste nachweisbare Schulmeister Maichingens war von 1579 – 1587 Georgius Seyboldt. Die erste Schule war wohl im heutigen Schmalen Gässle. Dann wurde die Schule in die Sindelfinger Straße verlegt, zuerst in ein heute abgerissenes Haus. Im Jahr 1718 erbaute man das erste Schulhaus auf dem Kirchplatz. Aber schon 1780 war es zu klein, man baute an gleicher Stelle das zweite Schulhaus, das aber nach 60 Jahren wiederum zu klein war. Jetzt baute man an gleicher Stelle im Jahr 1841 die heutige Alte Schule. Sie wurde offiziell bis 1953 als Schule genutzt, dann war die neue Johannes-Widmann-Schule fertig. Aber auch die ist schon in mehreren Bauabschnitten immer wieder erweitert und vergrößert worden.

Heute haben wir im Unterrieden in Maichingen sogar ein anerkannt gutes Gymnasium.

Evangelische Laurentiuskirche

Sindelfinger Straße, 71069 Sindelfingen, DE

Die evangelische Laurentiuskirche ist alt – sehr alt sogar. Die Ursprungskirche entstand um die Wende des ersten Jahrtausends, allerdings hat sie dann im Laufe der Jahrhunderte mehrfach ihr Aussehen verändert.

Erbaut wurde sie ursprünglich als kleine saalartige Landkirche mit einem Langhaus und dem östlichen etwas eingezogenen Chorquadrat. Sie hatte zuerst keinen Turm, der wurde dann in zwei Bauabschnitten – der untere steinerne Turm um 1100 und der uns heute vertraute Fachwerkturm erst im 15. Jahrhundert aufgesetzt. Das Fachwerk des Turmes wurde übrigens erst 1983 freigelegt.

Erweitert wurde die Kirche erstmalig 1609. Auf der Nordseite wurde das Langhaus um 4,6 m verbreitert. Dabei wurde dort auch eine Empore eingebaut. In einen Pfosten ist die Jahreszahl 1609 zur Erinnerung eingekerbt.

Der zweite große Umbau erfolgte 1929. Jetzt wurde im Süden das „Säle“ angebaut, mit dem heutigen Eingang. Innen bekam die Kirche ihr heutiges Aussehen bei einer Renovierung in den Jahren 1954 – 1957.

Aber in allen Jahren ist sie immer der Mittelpunkt der Gemeinde geblieben.

Gedenkkreuz für Maria Ganzhorn

43, Sindelfinger Straße, BB

Dieses steinerne Kreuz erinnert an die Schändung und Ermordung von Maria Ganzhorn im Jahr 1703. Es wurde nach der Tat mit folgender Inschrift aufgestellt:

„1703 ist Maria Ganzhorn, Peter Ganzhorn, Bauer, ledige Tochter, eine fromme Jungfrau, von zwei trunkenen Bösewichtern, so eines Kapitäns und Leutnants Knechte gewesen, mißhandelt und erstochen worden und mit großem Leidwesen ihrer Eltern und der ganzen Freundschaft unter großem Leichenbegräbnis begraben worden, ihres Alters 18 Jahre.“

Die Tat geschah am 25. September 1703, als während des Spanischen Erbfolgekriegs marodierende Soldaten auch durch Maichingen streiften. Der Haupttäter Johannes Scherlin von Heimsheim und sein Kumpan Johann Felix Bech wurden rasch gefasst. Scherlin wurde zum Tod verurteilt und das Urteil am 20. Dezember in Stuttgart vom Tübinger Scharfrichter vollstreckt. Bech, bei dem eine Tatbeteiligung nicht nachgewiesen werden konnte, hatte „Schaffarbeit“ abzuleisten.

Das Kreuz stand bis 1970 auf dem hinteren Teil des Grundstücks der Wagnerei Frank an der Bismarckstraße 20. Wahrscheinlich war dies aber nicht der Tatort. Es wurde dann an die Friedhofsmauer rechts vom Eingang bei der Laurentiuskirche versetzt. Dem Kreuz fehlt heute ein Arm. Er ging während des Zweiten Weltkiegs verloren, als russische Zwangsarbeiter in der Wagnerei schwere Holzstämme darauf ablegten.

Der inzwischen unleserlich gewordene Text wurde auf einen Stein übertragen und dabei mit einem Zusatztext als Mahnung an das Schicksal aller geschundenen Frauen ergänzt. Dieser Stein steht rechts neben dem Kreuz. Eine Metalltafel an der Mauer weist darauf hin. Maria Ganzhorn war die Großtante des Oberamtsrichters Wilhelm Ganzhorn, der in Sindelfingen aufgewachsen ist. Eine Station des Stadtgeschichtlichen Wegs Sindelfingen - Kernstadt erinnert an ihn und seine Jugendzeit im inzwischen abgegangenen Elternhaus am Marktplatz (damals Stuttgarter Straße 1).

Widdumhaus

Sindelfinger Straße, 71069 Sindelfingen, DE

Das alte Widdumhaus – erbaut 1720 – war als „Widemhof“ ein Erblehen des Klosters Hirsau. Beaufsichtigt wurde der Hof von einem „Meier“, einem Amtsträger zur Aufsicht von abhängigen Bauernhöfen. Aus dem „Widdummeier“ leitet sich der verbreitete Name Widmeier ab.

Als kirchliches Lehen gab es in diesem Haus auch echtes Asylrecht: Ein rechtlich Verfolgter war im Haus für sechs Wochen und zwei Tage sicher vor Verfolgung. Nach Ablauf dieser Frist musste er nur einmal um das Haus gehen, dann begann die Frist von Neuem. Doch das wussten natürlich auch die Verfolger... Erwähnenswert ist noch, dass sich unter dem Putz des Hauses ein wunderschönes Fachwerk verbirgt.

Pfarrhaus

Sindelfinger Straße, 71067 Sindelfingen, DE

Das Pfarrhaus wurde im Jahre 1786 erbaut und diente bis 1966 als Wohnhaus des Maichinger Pfarrers. Ursprünglich war es sogar ein richtiger Pfarrhof, mit Wohnhaus, Scheune und Schweinestall. Doch der Schweinestall wurde schon 1836 abgebaut, die Scheune erst 1873.

In den vielen Jahren seines Bestehens wurde das Pfarrhaus immer wieder einmal umgebaut. Zuletzt wurde es 1983 bis 1985 innen und außen gründlich restauriert. So konnte es an seine neue Verwendung angepasst werden: Es wurde nämlich innen zu einem gemütlichen Speiserestaurant umgebaut, und auch der altbekannte Name des Hauses blieb weiterhin enthalten: Alte Pfarrei.

Bürgerhaus

Sindelfinger Straße, 71069 Sindelfingen, DE

Das Maichinger Bürgerhaus wurde von der Stadt Sindelfingen entsprechend dem Eingemeindungsvertrag in den Jahren von 1979 bis 1981 erbaut. Im rechten Flügel sind die Räume der Bezirksverwaltung, Sitzungssäle, Bücherei, DRK und Seniorentreff, im linken Flügel die Festsäle für bis zu 570 Personen, die Probenräume der Vereine und die Hausmeister-Wohnung. In der Tiefgarage können 70 Autos parken.

Das Bürgerhaus mit seinen Grünflächen hat das Ortsbild gewaltig verändert. Vorher standen hier kleine Häuser eng beieinander. Jetzt wirkt alles großzügiger, freier, die Straßen wurden breiter, und der „Tiefe Weg“, die Sindelfinger Straße, ist bis zu zwei Meter höher gelegt worden.

Altes Rathaus Maichingen

Sindelfinger Straße, 71069 Sindelfingen, DE

Das Alte Rathaus, ein schmucker Fachwerkbau, stammt aus dem Jahr 1540. Unser Ort hatte zu der Zeit etwa 250 Einwohner, und die müssen ziemlich wohlhabend gewesen sein, um sich so ein aufwändiges Rathaus leisten zu können. Im ersten Stock war neben der Stube des Bürgermeisters auch die Ratsstube. Im unteren gemauerten Bereich waren die Arrestzellen, ein Raum für den Büttel und die Mosterei der Gemeinde untergebracht. Das Türmchen wurde erst viel später, 1774 aufgesetzt.

Als Rathaus der Gemeinde Maichingen wurde es bis 1981 genutzt. Dann, von 1983 bis 1985, ist es gründlich saniert und begradigt worden.

Denn direkt neben dem Alten Rathaus fließt der Brühlbach, und in seinem sumpfigen Umland senkte sich die hintere Ecke des Gebäudes um 44 cm ab. Man hat alle Mauerteile aus dem Fachwerk entfernt und das Bauwerk hydraulisch angehoben, bis es wieder ganz eben stand. Dann wurden die Wände wieder eingezogen. Dabei hat man auch das wunderschöne Fachwerk freigelegt.

Heute befindet sich im Alten Rathaus das Kinder- und Familienzentrum Maichingen.

Kriegerdenkmal

2, Friedenstraße, BB

Auf der Kreuzung der Sindelfinger-, der Stuttgarter- und der Brunnenstraße stand bis ins Jahr 1968 das Kriegerdenkmal und darin eine kräftige Linde. Sie wurde 1871 nach dem Krieg als Friedenslinde gepflanzt und stand zunächst alleine auf der Kreuzung.

Nach dem 1. Weltkrieg erhielt der Böblinger Architekt Sigloch den Auftrag, um die Linde herum ein Kriegerdenkmal zu entwerfen. Es sollten dort Tafeln mit den Namen aller gefallenen Maichinger Bürger der Kriege 1870/71 und 1914/18 angebracht werden. Das Denkmal wurde schließlich 1921 errichtet.

Mit dem wachsenden Verkehr erwies es sich leider als Hindernis mitten auf der Kreuzung. Man hat es abgetragen und – Gott sei Dank – in einem Bauhof gelagert und nicht entsorgt. Die Kreuzung ist heute ganz frei und das Kriegerdenkmal hat als Friedensmahnmal einen neuen Platz gleich neben der Kreuzung gefunden.

Gasthof Adler

Stuttgarter Straße, 71069 Sindelfingen, DE

Nein, vom Gasthof Adler ist heute nichts mehr zu sehen. Er ist schon 1959 abgerissen worden. Er stand einst da, wo jetzt die weiße Mauer ist. Doch die dazu gehörende Scheune – die Adlerscheune – die steht noch.

Aber der Reihe nach. Der Gasthof Adler wurde um 1750 herum gebaut, die Scheune erst 1795. Der „Adler“ war ein großes Haus, die Gaststube lag im ersten Stock. Leider ist über den Gasthof fast nichts überliefert, außer, dass er 1959 abgerissen wurde.

Doch die Scheune blieb stehen. Um 1980 wurde sie mit neuem Leben erfüllt: Sie wurde umgebaut zu Wohnungen.

Und das hatte es vorher noch nicht gegeben: Neue Wohnungen in einer alten Scheune. In Maichingen!

Stuttgarter Straße 3

Stuttgarter Straße, 71069 Sindelfingen, DE

Das Haus in der Stuttgarter Straße 3 wurde um 1770 von Wilhelm Schühlen erbaut, der wegen seines derzeitigen Bauens nicht Bürgermeister in Maichingen werden konnte. Offensichtlich hatte ihn das Bauen gerade sehr beschäftigt. Er war dann aber später – von 1799 bis 1817 – doch noch Bürgermeister.

Im Hause befand sich eine große Schildwirtschaft, auch waren größere Ställe vorhanden. Das war wichtig, denn wenn in Stuttgart gebaut wurde, hat man das Bauholz dazu oft im Schwarzwald gekauft. Es musste dann mit Pferden und Langholzwagen nach Stuttgart gebracht werden. Auf dem langen Weg dahin hat man oft hier Station gemacht, die Pferde in den großen Ställen untergestellt und in dem Gasthaus übernachtet. Und auf dem Rückweg genauso.

Digelhof

Darmsheimer Straße, 71069 Sindelfingen, DE

Erbaut wurde das große Haus im Jahr 1784 von Philipp Adam und Anna Maria Ruoff. Sie waren auch die Besitzer der benachbarten Wirtschaft „Ochsen“. So zeigt es der Schlussstein über dem Hauseingang. Der Ochsenwirt war von 1796 bis 1799 Schultheiß von Maichingen und einer der reichsten Bürger im Dorf. Der Digelhof hat heute seinen Namen von der Familie, die ihn bis in die 80er Jahre bewirtschaftet hat.

Auch im Digelhof selbst gab es um 1830 eine Wirtschaft, den „Hirsch“. Davon zeugt noch heute ein prächtiger Aufgang in die erste Etage und die original erhaltene Holzkassetten-Verkleidung sowie die elegante Stuckdecke der ehemaligen Wirtsstube. Das ganze Haus steht schon seit längerer Zeit unter Denkmalschutz. Eine gründliche Sanierung fand 2014 bis 2015 statt.

Hofanlage Pfaffengasse 16

Pfaffengasse, 71069 Sindelfingen, DE

Das Wohnhaus der Hofanlage in der Pfaffengasse 16 dürfte das älteste Wohnhaus im heutigen Maichingen sein. Angeblich wurde es im Jahre 1677 erbaut. Die Last der Jahre hatte das Haus leicht zur Straße hin verschoben: Sein Giebel stand am First etwa 1,40 Meter über die straßenseitige Grundmauer hinaus. Dieser große Schiefstand ist auf der alten Schwarz-weiß-Aufnahme deutlich zu sehen und wurde erst bei der grundlegenden Renovierung des Hauses in den Jahren 1999 bis 2000 behoben.

Bei der Hofanlage handelt es sich um einen typischen Dreiseithof: Das Wohnstallhaus auf der einen Seite, im Hintergrund die Scheune und auf der anderen Seite die im Schwäbischen oft gefundene Kombination aus unten Schweinestall und oben Holzhütte. Leider verhindert ein hohes Hoftor den Einblick in diese Hofanlage.

In der Pfaffengasse war im Mittelalter offensichtlich der Pfleghof Maichingen des Klosters Bebenhausen, dort waren also die „Pfaffen“ zu Hause.

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