KZ-Gedenkstätte Neuengamme – Audioguide

Tour Jean-Dolidier-Weg 75, 21039 Hamburg, DE

Eine Führung mit dem Smartphone zu 12 Stationen über das Außengelände der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Die Tour beginnt am Haupteingang und begleitet Sie durch das ehemalige Häftlingslager, über das große Gelände des ehemaligen KZ Neuengamme und endet am Haus des Gedenkens.

Autor: KZ-Gedenkstätte Neuengamme

12 Stationen

Station 1: Einführung

Jean-Dolidier-Weg 75, 21039 Hamburg, DE

Wir sind eine Gruppe von Studentinnen an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und haben in Zusammenarbeit mit der KZ-Gedenkstätte Neuengamme diesen Audioguide erstellt. Wir waren selbst zu Besuch in Neuengamme, um uns vor Ort ein Bild davon zu machen, was es alles zu sehen gibt. Dort haben wir die Stationen rausgesucht, die wir für eine Tour am passendsten und auch am interessantesten fanden. Daraus entstand dieser Audioguide, den Sie jetzt hören. Die Tour führt Sie einmal über das große Gelände des ehemaligen KZ Neuengamme und endet am Haus des Gedenkens. Wir wünschen Ihnen eine spannende Zeit!

Das Konzentrationslager Neuengamme gab es von 1938 bis 1945. Da es sich um ein Arbeitslager handelte, wurden die Häftlinge hier in verschiedenen Arbeitskommandos eingesetzt. Grund der Errichtung des Lagers war die Herstellung von Klinkersteinen. In Folge der unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen sind mindestens 42.900 Häftlinge an Unterernährung und Entkräftung gestorben, ebenso wie durch die direkte Gewalt der SS-Wachmannschaften.

Menschen wurden aus verschiedenen Gründen verhaftet, die diskriminierend, rassistisch und willkürlich waren. Manche wurden inhaftiert, weil sie Widerstand gegen die deutsche Besatzung ihrer Heimat geleistet hatten. Manche sind auch als Opfer von "Vergeltungsmaßnahmen" verschleppt worden, weil sie eine andere politische Meinung hatten oder weil sie einen anderen Glauben besaßen. Insgesamt waren über 100.000 Häftlinge aus 27 Ländern im Hauptlager Neuengamme und seinen Außenlagern inhaftiert. Fast ein Viertel kam aus der damaligen Sowjetunion. Ein Zehntel von den 100.000 waren jüdische Häftlinge. Ebenfalls ein Zehntel der Häftlinge waren Deutsche.

Zum 60. Jahrestag der Befreiung wurde im Mai 2005 die Gedenkstätte in der Form eröffnet, wie Sie sie heute sehen.

Nun beginnen wir den Rundgang mit der ersten Station.

Station 2: Effektenkammer

Jean-Dolidier-Weg 75, 21039 Hamburg, DE

Wir beginnen unseren Rundgang am Eingang in die Gedenkstätte. Wenn Sie sich von hier aus umschauen, sehen Sie zu beiden Seiten des großen Platzes zu Reihen angeordnete Steinhaufen. Dort standen früher Baracken, die unterschiedliche Funktionen hatten.

Die Häftlinge wurden bei Ihrer Ankunft im KZ Neuengamme oft durch Beschimpfungen, Schläge und anderen Schikanen von den Wachleuten im Lager begrüßt. Die amtliche Aufnahme ins Lager begann damit, dass die Häftlinge registriert und fotografiert wurden. In der Effektenkammer mussten die Häftlinge alle persönlichen Besitztümer abgeben, die sie bei ihrer Ankunft im Lager bei sich trugen.

Wenn sie nun nach rechts schauen, können sie den Standort der Effektenkammer sehen. Es ist die zweite Steinreihe von ihrem Standpunkt aus. Gehen Sie gerne dort hin.

Nachdem die Häftlinge alle persönlichen Gegenstände abgegeben hatten, wurden sie geduscht, wurden desinfiziert und am ganzen Körper rasiert. Anschließend wurde die Häftlingskleidung ausgeteilt, an der die Häftlinge ein Stück Stoff mit ihrer Häftlingsnummer und einen sogenannten Winkel anbringen mussten. Die Winkel kennzeichneten die Häftlingskategorie, in die die Wachleute die Häftlinge einteilten. Zusätzlich trugen sie eine Blechmarke um den Hals, in der ihre Häftlingsnummer eingestanzt war. Diese Nummer ersetzte von nun an ihre Identität.

Der französische ehemalige Häftling Louis Martin-Chauffier sagte über seine Aufnahme ins KZ Neuengamme:

„Die Unternehmung der Unmenschlichmachung begann. Nackt, bald in der Hocke, bald auf dem Rücken, die Beine in der Luft, in Stellungen, die so erniedrigend wie möglich waren, scherte man uns den Kopf, Gesicht und Körper vollständig. In Lumpen, die Füße mit Lappen, die die Füße nicht hielten – wenn wir einen in der Reihe verloren, und das passierte ständig, strafte ein Schlag den Anstifter der Unordnung. Wir sahen aus wie die schlimmsten Bettler. Und der, der inmitten von Bettlern lebt, nimmt dessen Aussehen an, seine Seele, er gibt sich auf und wird zum Strandgut in einer neuen Welt ohne Würde, ohne Hoffnung, und endet mit ehrlosem Tod.“

In den ersten Tagen nach ihrer Ankunft wurden die Häftlinge von der politischen Abteilung verhört, häufig unter Misshandlungen. Nach den Verhören wurden die Häftlinge einem Arbeitskommando zugeteilt und der ungewisse und harte Lageralltag begann.

Gehen Sie nun auf die Mitte des großen Platzes direkt vor Ihnen. Das ist der ehemalige Appellplatz.

Station 3: Appellplatz

21039 Hamburg, DE

Sie befinden sich in der Mitte des großen Platzes, auf den man als Erstes blickt, wenn man durch den Lagereingang hereinkommt. Lassen Sie diesen Ort auf sich wirken. …

Uns hat vor allem die schiere Größe und die Atmosphäre des Platzes beeindruckt. Er ist 7000 qm groß. Hier wurde mehrmals täglich der Appell durchgeführt. Dafür mussten sich die Häftlinge morgens, mittags und abends versammeln. Sie wurden gezählt und wenn die Zahlen nicht stimmten, kam es oft vor, dass sie stundenlang bei jeder Witterung strammstehen und ausharren mussten. Hier wurden ebenfalls Bestrafungen und Hinrichtungen durchgeführt. Zuerst war der Platz unbefestigt, sodass die Häftlinge bei Regen oft knöcheltief im Schlamm standen. Ende 1940 mussten die Häftlinge selbst den Platz betonieren, dafür gab es ein spezielles Arbeitskommando. Diese Arbeit dauerte ungefähr ein halbes Jahr.

Ein Teil des originalen Appellplatzes wurde restauriert, diesen Teil können Sie sehen, wenn Sie sich nach links in Richtung der aufgeschütteten Steinhaufen bewegen. Sie erkennen die Original-Steinplatten daran, dass sie größer und gröber und teilweise zerbrochen sind. Schauen Sie sich ruhig um, sie werden die Platten erkennen, wenn Sie sie sehen. Für viele ehemalige Häftlinge des Konzentrationslagers war die Restaurierung dieses Stücks Original-Appellplatz sehr bedeutsam, da dieser Ort einen sehr zentralen Stellenwert in ihrem damaligen Tagesablauf hatte und ihr Leben zu einem großen Teil bestimmt hat.

Wenden Sie sich zu den langgestreckten Steinhaufen zu Ihrer Linken zu, wenn Sie mit dem Rücken zum Lagereingang stehen. Dort spielen Sie bitte den nächsten Track ab.

Station 4: Unterkunftsbaracken

21039 Hamburg, DE

Sie stehen jetzt vor mehreren länglichen aufgeschütteten Steinhaufen. Diese Steinhaufen stehen symbolisch für die Unterkunftsbaracken aus Holz, die hier zu Zeiten des Konzentrationslagers standen. Diese waren nicht gedämmt, sodass die Häftlinge sich in den kalten Monaten kaum wärmen konnten. Auch die zwei bis drei Öfen reichten bei Weitem nicht aus, um die Räume zu erwärmen. Die Baracken bestanden aus zwei Räumen, der kleinere war der Tagesraum. Hier gab es Bänke und Stühle und daneben noch Schlafstellen des Blockältesten und der Stubenältesten. Der größere Raum diente als Schlafplatz für die restlichen Häftlinge. Hier gab es dreistöckige Bettgestelle mit Pritschen. Da die Unterkunftsbaracken überfüllt waren, mussten sich teilweise drei Häftlinge eine Pritsche teilen. Die Schlafstellen waren meist beschmutzt, die Barackenräume mussten von den Häftlingen jedoch sauber gehalten werden. Vor allem wurden exakt gemachte Betten verlangt.

Bis zu 300 Häftlinge waren in jedem Block untergebracht. Die Hygienebedingungen waren katastrophal, als Klo gab es nur eine Grube im Boden mit einem Brett darüber. Eine Handpumpe daneben war die einzige Waschmöglichkeit. Aufgrund dieser furchtbaren Bedingungen entstand ein unerträglicher Gestank. Ab 1941 entstanden zwischen den Baracken Waschräume und Latrinen, die die sanitären Verhältnisse aber nur wenig verbesserten.

Sie sehen, dass die Steinhaufen aus zwei verschiedenen Steinsorten bestehen. Die rötlichen Steine außen symbolisieren die Außenwände der Baracken. Es sind Klinkersteine, die von den Häftlingen bei der Zwangsarbeit im KZ Neuengamme hergestellt wurden. Die hellen Steine in der Mitte stammen von einem abgerissenen Gefängnis, das nach der Zeit des Nationalsozialismus auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers errichtet wurde.

Gehen Sie weiter zur nächsten Station. Dazu gehen Sie bitte quer über den Appellplatz zur rechten Seite vom Lagereingang gesehen. Sie sehen dort ein offenes Gebäude mit einem Glasdach, welches hinter Metallstäben steht, die die ehemaligen Zäune repräsentieren. An diesem Ort stand der so genannte Arrestbunker. Dort spielen Sie bitte den nächsten Track ab.

Station 5: Der Bunker

Jean-Dolidier-Weg 75, 21039 Hamburg, DE

Hier stand das Lagergefängnis. Von den Häftlingen wurde das Gebäude auch Arrestbunker genannt. Der Arrestbunker bestand aus fünf sehr kleine Zellen und einem Flur, wie Sie auch am freigelegten Grundriss noch erkennen können. Im Arrestbunker wurden Lagerstrafen wie Dunkelhaft, Essensentzug und Prügelstrafen vollzogen. Es gab auch Nachtarrest, bei dem die Häftlinge nach der Arbeit zu 6-8 Personen in eine Zelle gesperrt wurden. Aufgrund der Enge konnten die Gefangenen nur stehen. Im Flur vor den Zellen wurden auch Hinrichtungen durchgeführt, vor allem in den Wochen vor Kriegsende. Insgesamt wurden hier ungefähr 2000 Menschen durch Erhängen und Erschießen umgebracht.

Im September 1940 wurde der Bunker umgebaut mit dem Ziel, dass hier Vergasungen stattfinden sollten. Dazu wurden Einwurfschächte ins Dach eingebaut und die Fenster und Türen wurden abgedichtet. Während der Vergasungen mussten alle KZ-Häftlinge auf dem Appellplatz antreten.

„An einem späten Nachmittag im September 1942 kam ein Transport von 197 sowjetischen Gefangenen aus dem Kriegsgefangenenlager in Fallingbostel nach Neuengamme. Man sagte, es handele sich hierbei um „Kommissare“. Alle Häftlinge waren auf dem Appellplatz zum Appell in Fünferreihen angetreten und mussten alles mitansehen […]“.

Hier erzählte der kommunistische Widerstandskämpfer Fritz Bringmann von seiner Erinnerung an die Zeit als Häftling im KZ Neuengamme. Er musste die Vergasung der sowjetischen Kriegsgefangenen auf dem Appellplatz miterleben. Den Kriegsgefangenen wurde gesagt, sie müssten wegen Seuchengefahr desinfiziert und gebadet werden. Dafür mussten sie sich auf dem Appellplatz nackt ausziehen und in den Bunker gehen, wo die Duschen angeblich sein sollten. Als sie bemerkten, dass dort keine Duschen waren, waren die Türen bereits verschlossen. Die Häftlinge auf dem Appellplatz mussten die Schreie aus dem Bunker mitanhören.

Allerdings lassen sich mit dem Arrestbunker auch positive Werte wie Solidarität, Mut und Selbstlosigkeit verbinden. Wir möchten Ihnen gerne eine weitere Geschichte von Fritz Bringmann erzählen. Fritz Bringmann wurde im KZ Neuengamme als Häftlings-Sanitäter eingesetzt. Im Januar 1942 erhielt er von einem SS-Mann den Befehl, sowjetische Kriegsgefangene mit Benzin-Injektionen zu töten. Bringmann verweigerte den Befehl, womit er ein hohes persönliches Risiko einging, denn Befehle zu verweigern wurde oft mit grausamen Strafen oder sogar mit dem Leben bezahlt. Als Dank für Fritz Bringmanns selbstloses Handeln schnitzten die sowjetischen Männer ihm ein Herz aus Holz. Im Herbst 1942 kam Bringmann vom Hauptlager Neuengamme in ein Außenlager des KZ Neuengamme nach Osnabrück. Dort schenkte er wiederum das Herz einem Jungen als Dank dafür, dass die Schulkinder den Häftlingen manchmal Lebensmittel gaben. Fritz Bringmann überlebte und gab fortan als Zeitzeuge seine Erfahrungen weiter. Bei einer Veranstaltung 50 Jahre später traf er einen Mann, der sich als dieser Junge zu erkennen gab. Er gab Bringmann die Schnitzerei zurück. Heute finden Sie das geschnitzte Herz in der Hauptausstellung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.

Die nächste Station ist die Küchenbaracke. Hierfür gehen Sie bitte in Richtung Appellplatz. Die Küchenbaracke stand genau gegenüber dem Lagereingang am Ende der Lagerstraße, die über den Appellplatz führte. Spielen Sie dort bitte den nächsten Track ab.

Station 6: Häftlingsküche / Waltherwerke

Hamburg, DE

Das Dach der ehemaligen Häftlingsküche zierte in Richtung des Appellplatzes der zynische Spruch:

„Es gibt nur einen Weg zur Freiheit!!! Seine Meilensteine heißen: Gehorsam, Fleiß, Ehrlichkeit, Ordnung, Sauberkeit, Nüchternheit, Wahrhaftigkeit, Opfersinn und die Liebe zum Vaterland!“

Die wenige Nahrung, die von der Häftlingsküche an die Häftlinge ausgegeben wurde, war oftmals von schlechter Qualität und kaum essbar. Um 5 Uhr morgens erhielten die Häftlinge eine braune, wässrige Flüssigkeit, deklariert als Kaffee, oder eine dünne Suppe. Zum Mittag gab es eine hauptsächlich aus Wasser bestehende Gemüsesuppe aus Steckrüben und mit ein bisschen Fett. Zum Abend, nach dem tagtäglichen Abendappell, gab es etwas Brot und ein wenig Margarine oder Käse. Angesichts der schweren körperlichen Arbeit, die die Häftlinge Tag für Tag verrichten mussten, waren die dürftigen Rationen nicht annähernd ausreichend. Zahlreiche Häftlinge starben durch den schnellen körperlichen Verfall oder standen an der Schwelle zum Tode.

Hinter der Häftlingsküche sehen Sie einen flachen Gebäudekomplex aus Klinkersteinen, die ehemaligen Waltherwerke. 1942 wurde allgemein von der Führungsriege der SS beschlossen, innerhalb der Konzentrationslager mehr auf die interne Rüstungsproduktion zu setzen. Im Jahr 1944 siedelte sich die Firma „Carl Walther GmbH“ aus dem thüringischen Zella-Mehlis in Neuengamme an. Hergestellt wurde hier in den letzten Jahren des Krieges, das Selbstladegewehr „G 43“. Zuvor wurde 1943 mit dem Bau der Gebäude begonnen. Im bis 1944 fertiggestellten Hauptgebäude arbeiteten zuerst nur 250 Häftlinge; ab Mitte 1944 schon 1000. Die Arbeit im Waltherwerk galt unter den Häftlingen als beliebt aufgrund des Schutzes vor Witterung und da es zur Ermöglichung einer reibungslosen Produktion, seltener zu Übergriffen von SS-Männern kam. Für viele Häftlinge, insbesondere ausländische, war diese Arbeit jedoch auch ein moralisches Dilemma, da sie Waffen für die Nationalsozialisten herstellen mussten.

Sie können nun zu den Waltherwerken gehen, in denen Sie eine Ausstellung zur Rüstungsproduktion finden. Oder in das große Steinhaus neben Ihnen, in der Sie die Hauptausstellung finden. Sie können auch dem Audioguide weiter folgen und zum SS-Lager gehen. Gehen Sie dazu links am großen Steinhaus vorbei, gehen das ganze Gebäude entlang und weiter geradeaus bis Sie auf dem Hof eines großen Gebäudes mit großen, weißen Türen stehen.

Station 7: Lager-SS

Jean-Dolidier-Weg 65, 21039 Hamburg, DE

Sie befinden sich nun auf dem Hof der ehemaligen SS-Garagen. Er diente als Appellplatz für die Wachmannschaften- die SS-Totenkopfverbände. Zu Ihrer rechten Seite sehen Sie ein Gebäude mit weißen Türen. Die große Halle hinter den Türen diente als Garage für die SS-LKW's. Im Oktober 1941 wurden dort 50 bis 60 sowjetische Kriegsgefangene untergebracht, bevor man sie zur Exekution brachte.

Zu Ihrer linken sehen Sie eine große Grünfläche. Dort befand sich zu Lagerzeiten die SS-Siedlung mit den Unterkunftsbaracken für die SS-Wachmannschaften. Die Siedlung wurde durch einen "repräsentativen" Zaun gesäumt. Dieser Zaun stand im krassen Kontrast zu den Stacheldrahtzäunen, die die Häftlingsbaracken umringten und sollte dem SS-Lager einen "gefälligeren" Charakter geben. Am Ende des SS-Lagers, in direkter Nähe zu der Straße, lag der Ziergarten der SS, die sogenannte "Oase". Dieser Ruheort, welcher der Erholung der SS-Leute diente, verfügte sogar über einen prachtvollen Springbrunnen. Dieser stand im Zentrum des Gartens. Seine Überreste sind heute noch zu sehen. Aufgrund seiner Nähe zur Straße fungierte der Ziergarten aber auch, um den Schein der Normalität nach außen hin zu wahren.

Die SS, also die Schutzstaffel der NSDAP, war eine militante politische Organisation, die sich als die Elite der NS-Bewegung begriff. Für eine Karriere in der SS waren berufliche Qualifikationen nicht entscheidend. Die Aufnahme von Mitgliedern erfolgte auf eigenen Antrag und Prüfung ihrer sogenannten arischen Abstammung. Außerdem sollten SS-Mitglieder in der rassistischen Ideologie des Nationalsozialismus "besonders gefestigt" sein. Eine ihrer Überzeugungen war, dass alle Häftlinge gefährliche Staatsfeinde seien, denen sie selber überlegen seien.

Die meisten der im KZ Neuengamme beschäftigten SS-Männer hatten direkten Kontakt zu den Häftlingen. Zum Alltag gehörten Schikanen, Misshandlungen und Morde. So erschossen Wachposten Häftlinge bei der Arbeit außerhalb des Lagers, wenn sie eine imaginäre Grenzlinie - die sogenannte Postenkette - übertraten. Dafür erhielten sie Belohnungen. Im Hauptlager und den über 80 Außenlagern des KZ Neuengamme waren bis zu 4500 SS-Angehörige tätig. Die meisten Dokumente über die Täter sind vernichtet. Vor Gericht mussten sich nur wenige verantworten. 1946 erklärte der Internationale Gerichtshof in Nürnberg die SS zur "verbrecherischen Organisation".

Sie können sich nun die Ausstellung zur Lager-SS im Inneren der ehemaligen SS-Garagenhalle anschauen. Oder dem Auidorundgang zum Stichkanal folgen. Dazu gehen Sie vom Häftlingslager kommend rechts an der Garagenhalle vorbei und folgen dem Weg eine ganze Zeit lang. Sie können sich orientieren, indem Sie zunächst auf die Reste einer weißen hohen Mauer zugehen und sich dann rechts von ihr halten. So kommen Sie zum Stichkanal.

Station 8: Stichkanal

Hamburg, DE

Sie befinden sich hier am Stichkanal. Bitte sehen Sie sich um! Können Sie sich vorstellen, dass dieser Seitenarm der Elbe früher, vor seinem Ausbau, eher ein zugewachsener und verschlammter Bach war, kaum breiter als 5 Meter?

Der Ausbau der Dove-Elbe sollte ermöglichen die im Klinkerwerk erzeugten Steine mithilfe von Schuten nach Hamburg zu transportieren. Am Rande des Hafenbeckens können Sie eine der damals verwendeten Schuten sehen. Für den Transport der Klinkersteine musste eine Strecke von etwa 5 Km für solche Lastkähne schiffbar gemacht und die Dove-Elbe durch diesen Stichkanal bis zum Klinkerwerk verlängert werden.

Von 1940 bis 1943 arbeiteten die Häftlinge des sogenannten „Arbeitskommandos Elbe“ an der Vertiefung und Verbreiterung des Flussarmes auf durchschnittliche 25 Meter. Bei jedem Wetter mussten sie schwerste Arbeit leisten; das ausgehobene Erdreich auf Karren verteilen; das Ufer begradigen und befestigen. Neben den furchtbaren Bedingungen mussten sie auch unter der Misshandlung durch die Wachen leiden. Dass Häftlinge bei dieser Arbeit ums Leben kamen, gehörte zum Alltag. Das „Kommando Elbe“ gehörte zu den schlimmsten Arbeitskommandos des Hauptlagers Neuengamme. So äußerte sich der ehemalige Häftling Joseph Händler über das „Kommando Elbe“:

„Im Februar (1942) bin ich dann […] zur Ausbaggerung der Dove Elbe gekommen, mit den primitiven Mitteln. Dort hab ich neun Monate gearbeitet. Da waren zwei Kommandos, nämlich eines mit 1500, eins mit 2000 Leuten, die die Ausbaggerung bis zum Stichkanal beim Klinkerwerk durchgeführt haben. […] Wir mussten bis zu den Knien im Wasser stehen und den Schlamm auf Schiebkarren laden, die wurden dann auf einer schmalen Planke auf die Schiffe verladen und dann sind viele, viele Leute mit ihrer Schiebkarre eben auf dem schmalen Brett reingeflogen in die Elbe. […] Da haben wir jeden Tag mindestens zwei, drei Tote gehabt und 20 oder 30 Verletzte.“

Neben dem Hafenbecken in der Nähe der Schute sehen Sie eine Lore. Diese steht symbolisch für ein weiteres Arbeitskommando, das Kommando Tongruben.

Station 9: Lore / Kommando Tongruben

Hamburg, DE

Neben dem Stichkanal sehen Sie eine Lore. In solchen Loren wurde der abgebaute Ton aus den Tongruben auf Schienen zum Klinkerwerk transportiert. Die ganze Fläche hinter der Lore, zwischen dem Klinkerwerk und dem SS-Lager, dort, wo Sie heute die Reste des Gefängnismauer sehen, war durchzogen mit Tongruben, aus denen der Ton abgebaut wurde. Die Feldbahngleise, die die Gruben verbanden, wurden von Häftlingen verlegt. Der in die Loren geschaufelte Ton musste bis hin zum Klinkerwerk geschoben werden.

Diese Tätigkeit zählte zu den Gefürchtetsten aufgrund der immensen körperlichen Anstrengung und dem völligen und nahezu ungeschützten Ausgesetztsein der Witterungsverhältnisse. Beim Arbeiten mit den Loren kam es häufig zu schweren Arbeitsunfällen, denn die Gleise waren nur laienhaft verlegt und die Loren sprangen oftmals aus den Schienen. Die Häftlinge mussten dann unter Prügel der SS den Ton wieder zurück in die Loren heben. Josef Händler, ein ehemaliger Häftling aus Österreich, der 1941 von Dachau nach Neuengamme kam, berichtete nach seiner Befreiung über die schwere Arbeit mit den Loren in der Tongrube:

„Dort ist ein Schienenstrang, wo die Loren gefahren sind. Die waren nicht fest verankert, sondern lose gelegt, weil man sie immer wieder verschieben musste, wenn eine Tongrube so weit war, dass sie nicht mehr ertragreich war, bis zur neuen Tongrube. Dann musste das immer wieder verlegt werden, und das bei zwölf solcher Gruben in der Reihe nebeneinander und in der Länge ebenso. Hier hat es die schwersten Unfälle regelmäßig gegeben. Wenn ’ne Lore rausgesprungen ist, dann waren garantiert zwei, drei SS-Leute da, mit dem Prügel oder dem Gewehrkolben und haben auf die vier Mann eingeschlagen. Die Häftlinge mussten unter dem Drang und unter Prügel versuchen, die schwere Lore jetzt wieder in die Gleise raufzuheben.“

Zwar sollten gegen Ende 1943 Dampflokomotiven für den Transport der Loren genutzt werden, jedoch konnten diese auf den provisorischen Schienen kaum fahren, weshalb weiterhin Häftlinge die schwere Arbeit nur allein durch ihre fast nicht mehr vorhandene Körperkraft erledigen mussten.

An der Rampe zum Klinkerwerk stehen weitere Loren. Wenn Sie zu der Rampe gehen, sehen Sie Schienen, die die Rampe hochführen. Wenn die motorbetriebene Seilwinde an der Rampe zum Klinkerwerk ausfiel, mussten die Häftlinge auch diese Arbeit übernehmen und die schweren Loren die Rampe hinaufschieben.

An der nächsten Station erfahren Sie mehr über das Klinkerwerk.

Station 10: Das Klinkerwerk

Jean-Dolidier-Weg 47, 21039 Hamburg, DE

Vor dem Klinkerwerk können Sie eine große Betonrampe sehen, die in das Obergeschoss des Mittelflügels führt. Hier wurde früher der Ton für die Steine ins Werk befördert. Der rechte Flügel des Klinkerwerkes ist offen. Gehen Sie durch die weiße Tür in das Klinkerwerk hinein.

Hamburg sollte „Führerstadt“ werden. Es wurden dazu große Bauprojekte am Elbufer und in Altona geplant. Ein Vertrag zwischen der Stadt Hamburg und der SS sah vor, dass die Steine dafür im Klinkerwerk in Neuengamme hergestellt werden sollten. Es gab bereits ein kleines Klinkerwerk in Hamburg-Neuengamme, jedoch wollte die SS-Führung sich nicht die Blöße geben und ein technisch veraltetes Werk zur Produktion nehmen. Deshalb sollte ein neues Werk gebaut werden. Es entstand das Klinkerwerk in dem Sie heute stehen.

Es gab damals ein „Kommando Klinkerwerk“, das ca.1200 Häftlinge umfasste. Hierzu zählten die Häftlinge aus dem alten Klinkerwerk, diejenigen, die das neue errichteten, sowie die, die später im neu errichteten Werk arbeiten sollten. Diese erbauten das Werk, das 1942 in Betrieb genommen wurde. Eine moderne Klinkersteinproduktion entstand, technisch damals auf dem neuesten Stand.

Heute sehen sie hier eine große Halle, die eine Ausstellung beherbergt rund um das Thema Klinkerwerk und Arbeitsbedingungen. Früher standen hier mehrere riesige Brennöfen und Maschinen. Die Arbeit für die ca.160 bis 180 Häftlinge war durch die Hitze und stickige Luft sehr anstrengend und kräftezehrend. Trotzdem war die Arbeit begehrt unter den Häftlingen, da sie in einem geschlossenen Raum arbeiten konnten und durch die qualifizierte Arbeit kaum Misshandlungen von der SS zu befürchten hatten.

Wenn Sie sich nun in die Mitte der Halle begeben, können Sie auf dem Boden hinter dem Schornstein einen gelben Umriss erkennen, der den Standort des Zickzack-Ofens markiert. Ganz am Ende der Halle sehen Sie hinter dem Gitter mehrere Trockenkammern.

Bitte begeben Sie sich wieder nach draußen und folgen dem Weg weiter. Er führt Sie um das Klinkerwerk herum in ein kleines Wäldchen. Auf unserem Rundgang kommen wir nun zum Teil des Gedenkens. Sie sehen eine hohe Stele. Das ist das internationale Mahnmal.

Station 11: Internationales Mahnmal

Jean-Dolidier-Weg 39, 21039 Hamburg, DE

Vor dem Klinkerwerk können Sie eine große Betonrampe sehen, die in das Obergeschoss des Mittelflügels führt. Hier wurde früher der Ton für die Steine ins Werk befördert. Der rechte Flügel des Klinkerwerkes ist offen. Gehen Sie durch die weiße Tür in das Klinkerwerk hinein.

Hamburg sollte „Führerstadt“ werden. Es wurden dazu große Bauprojekte am Elbufer und in Altona geplant. Ein Vertrag zwischen der Stadt Hamburg und der SS sah vor, dass die Steine dafür im Klinkerwerk in Neuengamme hergestellt werden sollten. Es gab bereits ein kleines Klinkerwerk in Hamburg-Neuengamme, jedoch wollte die SS-Führung sich nicht die Blöße geben und ein technisch veraltetes Werk zur Produktion nehmen. Deshalb sollte ein neues Werk gebaut werden. Es entstand das Klinkerwerk in dem Sie heute stehen.

Es gab damals ein „Kommando Klinkerwerk“, das ca.1200 Häftlinge umfasste. Hierzu zählten die Häftlinge aus dem alten Klinkerwerk, diejenigen, die das neue errichteten, sowie die, die später im neu errichteten Werk arbeiten sollten. Diese erbauten das Werk, das 1942 in Betrieb genommen wurde. Eine moderne Klinkersteinproduktion entstand, technisch damals auf dem neuesten Stand.

Heute sehen sie hier eine große Halle, die eine Ausstellung beherbergt rund um das Thema Klinkerwerk und Arbeitsbedingungen. Früher standen hier mehrere riesige Brennöfen und Maschinen. Die Arbeit für die ca.160 bis 180 Häftlinge war durch die Hitze und stickige Luft sehr anstrengend und kräftezehrend. Trotzdem war die Arbeit begehrt unter den Häftlingen, da sie in einem geschlossenen Raum arbeiten konnten und durch die qualifizierte Arbeit kaum Misshandlungen von der SS zu befürchten hatten.

Wenn Sie sich nun in die Mitte der Halle begeben, können Sie auf dem Boden hinter dem Schornstein einen gelben Umriss erkennen, der den Standort des Zickzack-Ofens markiert. Ganz am Ende der Halle sehen Sie hinter dem Gitter mehrere Trockenkammern.

Bitte begeben Sie sich wieder nach draußen und folgen dem Weg weiter. Er führt Sie um das Klinkerwerk herum in ein kleines Wäldchen. Auf unserem Rundgang kommen wir nun zum Teil des Gedenkens. Sie sehen eine hohe Stele. Das ist das internationale Mahnmal.

Station 12: Haus des Gedenkens

21039 Hamburg, DE

„Hinter der unüberschaubaren Zahl der Opfer stehen Menschen, Menschen, die gedacht und gefühlt, gelitten und gehofft haben. Ihnen wollen wir […] ihr Gesicht, ihr persönliches Schicksal wiedergeben.“

Klaus von Dohnanyi, erster Bürgermeister Hamburgs anlässlich der Eröffnung des Dokumentenhauses, des ersten Ausstellungsgebäudes, im Jahr 1981. 1995 wurde aus dem Dokumentenhaus das so genannte „Haus des Gedenkens“. Auf den Stoffbahnen an den Wänden sehen Sie die Namen der bisher identifizierten Toten des KZ Neuengamme nach dem Sterbedatum. Es sind circa 27.000 Namen. Die leeren Stoffbahnen stehen symbolisch für die vielen unbekannten Ermordeten.

Da die Bedingungen im Konzentrationslager immer schlechter wurden, werden die Namensreihen zum Kriegsende hin immer länger. Viele der Häftlinge starben schon nach kurzer Zeit an den harten Arbeits- und Lebensbedingungen, aber auch durch gezielte Misshandlungen und Hinrichtungen. Die Gesamtzahl der Menschen, die im KZ Neuengamme und in den Außenlagern ums Leben kamen, kann nur geschätzt werden. Nachweislich starben mindestens 42.900 Menschen, davon etwa 14.000 im Hauptlager. Das heißt, die Hälfte der Menschen überlebte die Zeit als Häftling des KZ Neuengamme nicht.

In einem Nebenraum im Erdgeschoss liegen die Totenbücher des KZ Neuengamme. Sie gehören zu den wenigen noch erhaltenen Originaldokumenten. Bei der Räumung des Lagers wurden sie von Häftlingen versteckt und konnten daher nicht, wie von der SS befohlen, verbrannt werden. Bei näherer Betrachtung ist mir aufgefallen, dass an einigen Stellen die Todesursachen bereits eingetragen waren, um dann später nur noch die Namen der Gestorbenen hinzufügen zu müssen. Es ist unklar, ob die angegebene Todesursache auch der tatsächlichen Todesursache entspricht.

Nehmen sie sich gerne noch einen Moment Zeit und schauen sich um.

Unser Rundgang durch die Gedenkstätte endet hier. Wir danken Ihnen für Ihr Interesse und hoffen, dass er Ihnen gefallen hat.

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